Ausgabe 
16.2.1914
 
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Rr. 39

Zwettes Blatt

m. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

TieGießener Kamiliendlätter" werden den, ^Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das KwfcMatt für den Ktm »teste,," zweimal wöchentlich. Dielandwirtschaftlichen Zeil­sragen" erscheine» monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Montag, (b. Zebruar (9(4

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchei» UniversitätS-Buch- und Steindruckerec.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:e^A112. Tel.-Adr.:AnzeigerGleßen.

Mb. Deutscher Reichstag.

214. Sitzung, Sonnabend, den 14. Februar,

8m Tische des Bundesratcs: Dr. Delbrück.

Präsident Dr. «oempf eröffnet die Sitzung 16 Uhr 15 »Rin.

Das Aeichsamt des Zunern.

(20. Tag.)

Die zurückgestelltcn Resolutionen Dr. Doormaun lBp.) Lbc^ oie Stellung der öffentlich-rechtlichen Lebensversicherungen Werden angenommen.

Die eiilmaliqen Ausgaben.

Abg. Dr. Pfeiffer (Zcntr.):

S<chr erfreulich ist,es. daß die Mitglieder des Reichstages die internationale Bibliographie für Sozial- Wissenschaften auch durch Abonnements unterstützt haben. Es war zu bedauern, wenn das Unternehmen aus Mangel an Mitteln eingehen mußte.

Abg. Dr. Ortmann (Natl.):

Ter Staatssekretär könnte es vielleicht möglich macken, einen größeren Betrag als die jetzigen 15 000 Mk. in den Etat einzu- jtellen.

Abg. Dove (Dp.):

Mit einer Erhöhung des Fonds wäre ick einverstandeii. Das verdienstvolle Unternehmen hat den Fehler, ^ eS wohl ein Sach-, ober kein Autorenrcgifter enthält.

Abg. König (Soz.):

Die 150 000 Mk., die für die Bekämpfung des Typhus ausgesetzt sind, reichen bei wciteni nicht aus. Im Ruhrgcbiet mit seiner starken Arbeiterbevölkcrung treten die Mißstände besonders stark hervor. Durch geeignete Publikationen nmßten die zahlreichen fremdsprachigen Arbeiter auf die drohende (Gefahr aufmerksam gemacht lvcrden. Die Regierung muß ihr Augenmerk auf die Verunreinigung der Flüsse und Bäche des Ruhrbeckens durch organische Stoffe richten. Aus ihnen werden die Wasserleitungen gespeist, die infolge mangelnder Aufsicht schlechtes Wasser liefern. Ein Reichsinstitut für bakteriologische, Untersuchungen mühte die Sache in die Hand nehmen.

Ministerialdirektor v. Jonquiöres:

Grundsätzlich ist die Bekämpfung des Typhus Landessachc, da- Reich ist nur in ganz beschränkten! Maße durch einen Zuschuß daran beteiligt. Die preußischen Behörden haben die Kontrolle über die Wasicreinrichtungen im Ruhrrcvier. Sie sollen nicht mit der nötigen Sorgfalt vorgegangcu sein, und so soll da- Wasscrwerk Thyssen nicht ei nlrxrnL freies Wasser geliefert haben. Ob der Vorwurf berechtigt ist, ist hier nicht festzustellen. Vermut­lich aber haben die preußischen Behörden ihre Schuldigkeit getan. fSehr richtigI rechts.) Ich muß mich deshalb verwahren, daß in ihrer Abwesenheit derartige Vorwürfe erhoben werden. Der Sache selbst werden wir nachgehen.

Abg. Brnhne (Soz.):

Mau hat uns zum Vorwurf gemacht, daß wir das Handwerk ruinieren wollen, weil wir gegen den Zuschuß von 10 000 Marks ür dasHandwerksblatt" gestimmt haben. Nicht wir, sondern das Großkapital ruiniert das Handwerk. Ohne­hin verfügen die Innungen über Millionen.

Abg. Schiffer (Natl.):

Ter Vorredner sollte, vorsichtig sein. Die Gewerkschaften haben bekanntlich viel größere Vermögen als die Innungen und scheuen sich doch nicht, sich mit manchen Forderungen an das Reich zu wenden. Sie könnten sich viel mehr auf ihre eigene Kraft ver­lassen. (Sehr richtig!) Zu begrüßen ist die Erhöhung des RcichszuschusfeS für den Verband der gemein­nützigen Recktsauskunftsstellcn. Dieser leistet Her­vorragende«. allerdings mit Hilfe freiwilliger Kräfte, die nicht bezahlt werden. Wir wollen nicht allen notleidenden Verbänden belfen. aber dieser arbeitet unmittelbar im Interesse des Staates. Der Schwindel im Erwerbsleben hat einen geradezu ungeheuren und verderblichen Umfang angenommen. Die Gerichte wissen da­von ein Lied zu singen. Daö Reich könnte wirklich kräftiger Vor­gehen.

Ministerialdirektor Lewald:

Dieser beredten Befürwortung kann ich mich nur anschließen. Wir werden die Anregung mit den Regierungen der Einzelstaaten gern prüfen, und ich meine, daß der preußische Handelsmimstev der Sache nicht bloß sein Wohlwollen, sondern auch einen erheb­lichen Zuschuß zuwenden wird. (Beifall.)

Die olhmpischcn Epiele.

Er folgt das Kapitel: Beitrags der Reicher zur Vorberei­tung der Olympischen Spiele in Berlin 1916. "Dafür Maren in den Etat alz erste Rate 46 606 Mk. eil^esetzi, doch tat die Budgctkom Mission diese Summe gestrichen. Die Ratlonallibcralen, Fortschrittler und Konservativen bean­tragen die Wiederherstellung der Position.

Abg. Rühlr (Soz.):

Für die Hebung der Körperkultur sind wir gewiß stets zu haben, und die Pflege des Turnens wird von uns eifrig unter­stützt. An den Olympischen Spielen aber sind ausschließlich die nationalen Turner beteiligt, während die Arbciter- turnvereine oavon ausgeschlossen sind. Gerade diese aber haben nach unserer Meinung viel eher Anrecht auf staatliche Unter­stützung. weil sie wie man jetzt sagt bie Ertüchtigung des erwerbstätigen Volkes fördern. Der: Sport hat leider eine ungesunde Entwicklung genommen insofern, als es sich nickt so sehr um Körperkräftigung, als um Erzielung besonders gewagter Leistungen, um Rekorde, handelt. Davon haben sich die Arbcitersportvereine freigchalten, und auch deshalb verdienen sie viel eher Unterstützung durch die Regierungen. Aber man schließt \tt geflissentlich aus, weil »die ganze Richtung nicht paßt". Da­durch wird die Angelegenheit zu einer politische!! Frage, und darum haben wir keinen Anlaß, die Reichsunterstützung für die Olympischen Spiele zu bewilligen. Und das um so weniger, als man die Arbeitersporävcreine auf alle Weise zu hemmen und zu verfolgen strebt, obwohl in keinem einzigen Falle der Nachweis er­bracht ist, daß jemals politische Agitation in diesen Sportvereinen betrieben wurde. Mit verstaubten und verblaßten Dokumenten einer Zeit der vormärzlicken Willkür geht man gegen die Arbeiterturnvereine vor. Mit Fürsorgeerziehung wurde einem jungen Mann gedroht, wenn er nicht aus dem Arbciterturnverein austrete. (Hört! hört! bei den Soz.) Wir wären daher schlechte Arbeitervertreter, wenn wir auch nur einen Pfennig für die Olympischen Spiele bewilligten.

Abg. Stövc (Not!.):

Wenn uns etwas in unserer Haltung bestärken könnte, so ist eS d!c eben gehörte Rede. Wir halten es für eine Ehren­pflicht der deutschen L«-ti^.»^ruc OlMpifcheu Spiele

tvürdig zu gestalten und damit die geiwssene Gastireundschait ge­bührend zu erwidern. Die Olympischen Spiele sind keine Rekord- brccherei, sondern die Ablegung von Prüfungen für die körperliche Tüchtigkeit. Letzten Endes beruhen diese Bc- strebungen darauf, die deutsche Jugend, die Zukunft des deutschen Volkes, zu kräftigen. Im Volke ist das Verständnis dafür, wie eS scheint, viel größer al§ im Deutschen Reichstag. Ich hoffe, daß unsere Anträge hier angenommen werden, und daß die Volksver­treter sich bewußt sind, daß bei dieser Abstimmung das deutsche Volk und auch das Ausland mit Spannung auf den Deutschen Reichstag blickt. Ick vertraue darauf, daß wir die Olympischen Spiele würdig abhalten, und daß unsere dcutscke Jugend zum Siege schreiten wird unter der schwarz -weiß-roten Fahne. Das ist etwas anderes als die rote Fahne. (Beifall rechts und bei den Liberalen.)

Abg. v. Massiv (Kons.):

Körperliche Ausbildung ist vom höchsten Wert. Alle sport­liebenden Nationen wollen 1916 ihr junges Material herschicken, um sich mit unserer Jugend zu messen. Wir müssen uns das etwas kosten lassen. Ter Reichstag darf die Zerfahrenheit, in der er beute vor dem Auslande dasteht, nickt von neuem bekunoen. Die Olympischen Spiele sind ein Hauptbebel der erfreulichen Be- ^wcgung, die heute durch das deutsche Volk geht.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.):

Der Beschluß der Budgetlommission hat tatsächlich nicht bloß im Jnlande, sondern auch im Auslände unliebsames Aufsehen er­regt. Freilich mehr noch als der Beschluß, hat der Präsident des Reichsausschusses für die Olympia-Spiele, Herr v. Podbielski, der Sack)e geschadet. Allerdings, von ihrn sind wir Entgleisungen ge­wohnt. Trotzdem sollte die Regierung den .Herrn einmal an die Kandare nehmen. Die Haltung der Sozialdemokratie wird durch den Geist des grauen Separatismus bestimmt, der das deutsche Leben seit jeher so schwer geschädigt hat. Allerdings hat ihn diesmal die preußische Nadelstichpolitik gegen die Arbeiter­bewegung hervorgerufen. Wir sind dem Auslände Gastfreund­schaft schuldig. Wir sollen aber auch stolz sein auf unseren Sport, auf unser tüchtiges Bürgertum und brauchen dem Auslände nicht nachzulaufen. Die Olympischen Spiele sind eine große deutsche Aufgabe. Auf die kleine Summe von 45 000 Mk. kommt es da nicht an.

Ministerialdirektor Lcwald:

Ich kann die Anträge, die Position wieder herzustellen, nur auf das Dringendste befürworten. Es handelt sich, wie bereits her­vorgehoben wurde, hier um die Förderung eines kulturellen Unter­nehmens,'um eine Kultur tat. die die körperliche Betätigung und Ausbildung, die Liebe zur Natur und zur Bewegung unter­stützt. Wo soll mau hier die Grenzen stecken zwischen den Auf­gaben des Reiches und der Einzelstaaten? Vor 15 Jahren, bei einer anderen Forderung des Reichsamtes des Innern, hat ein Redner des Zentrums die Aufgaben des Reiches festgestellt. Das tvar allgemeine Förderung der Tüchtigkeit, der Kunst und Wissen­schaft und das trifft auch hier zu. Dann Repräsentation gegen­über dem Auslande die liegt hier ziveifellvs vor. Wir rnaren draußen sechsmal zu Gaste, da müssen wir auch einmal bei uns empfangen. Es fragt sich auch, ob jotr nicht früher bessere Er­gebnisse erzielt hätten, wenn wir die Olympia-Spiele wie andere Staaten stärker unterstützt hätten. Jedenfalls gebt aber diese Repräsentation über Ausgaben der Einzelstaaten hinaus. Vor dreißig Jahren hat der Reichstag die Mittel bewilligt, um das antike Olympia auszugrabcn. Er sollte fick den geringen An­sprüchen, die für ein neues Olympia an ihn gestellt werden, nicht versagen. (Beifall.)

Abg. Mertin (Rp.)k Das Echo der .Kommissionsvcrl)andlungen lvar nicht crfreu- sich. Herr Müller-Meiningen wird Herrn v. Podbielski nicht an die Kandare legen. Selbst ob eS der Negierung gelingen wird, bleibt mir zweifelhaft. (Heiterkeit.) Herr Podblds-ki bat so große Verdienste um die Sache, daß solche Angriffe wohl unterbleiben könnten. Ter Beschluß der Budgetlommission hat überall großes Schütteln des Kopfes erregt. Das würde noch größer werden, wenn der Reichstag ebenso beschlösse. Die Spaltung und die Tur- uerschaft hat doch die Sozialdemokratie bcrvorgeruscu. Sie will mckt national sein, wie es die Turncrschaft ist, und hat in ihren, .Hockmut erst die Arbeiterturnvereine ,ns Leben gerufen. Ihre Angriffe auf die deutsche Turnerschaft weise ich mit Entrüstung zurück.

Abg. Bruhn (Rfp.) spricht für Lic Anträge.

Abg. Hanssc» (Dane):

Ich werde gegen den Rcichszuschuß stimmen. Maßgebend ist dabei für mich die «illlür und die Schikane, mit der die dänischen Turnvereine in Rordschlcswig verfolgt werden.

Abg. Heine (Soz):

Es tut uns geradezu leid, daß unk die Verhältnisse zwingen, gegen etwas zi, stimmen, was wir ,m Grund villigcn. Wir sind lcbbastc An banger der Körperbildung gerade IM Fnter- essc der Arbciicibevöllcrung und wurden gern zu einem inter­nationale,, Wettkampf b-isteueru. Aber dann mußte eben das ganze Voll herangezogcn werden und nicht linier,-inedc zw,,chen Schwarz und Rot gemacht werden. Nur die P°Iiz-,w>ri,cha,i «ragt die politische Hctzcrcin in die Dewegunp. Aber auch die T-utsch- Turnerschasi hat Schuld an der Politik der V e r f o l g u n g unserer A r b e i t c r t u r n - r , ch a f t. Nicht bloß I» Rord- dcuti'chland, sondern auck, ,n Bayern und Württemberg drangt die Deutsche Turncrschaft die Arbciterturner heraus. Die «tutt- aarter Deutsche Turncrschaft hat tot,achlich eine nationale Olym­piade durch die Erklärung Verbinder,. sie nehme nicht teil, wenn die Arbeilerturnvereine zugelaffcn werden. Man braucht nur einen 'sabraona der Blätter der Deutschen Turnerschast zu lesen oder SfgfcS?. was der greise Ehrenpräsident Dr. Goetz andauernd predigt, um zu wissen, wie die Turner,cha,t gegen die Arbcitcr- turnwmnc hetzt. Als das Gcneral,elretariat des Rcch-auS- ,-duffe« geneigt schien, das Berliner Stadion unter gewissen Be- dingungcn auch den Arbeiterturiivercinc» cinzuraumen. haben so- iort eine Reihe Verbände Einspruch erhoben. Durch das Ge­rassel des Husarcnfäbels Podbielski« lasten wir uns nicht b-einflusten. Tic internationale Conrtoisie ist gewiß sehr zu fördern Wenn wir uns aber Gaste e,»laden, dann schmeißt man sic hinaus. Sollen wir den fremden Völkern zeigen, wie bei uns hunderttausenden Turnern die Teilnahme an Sport­festen vergällt wird und welch schmachvolle politische Vcrhälintffe hier herrschen?

Vizepräsident Tobe:

JBciteic Wortmeldungen liegen nicht vor. 'Abg. L e d e b o » I (Soz.I: Und die Regierung?) Herr Abg. Lcdcbour. während ich spreche, können Sie fi-b nicht an die Regierung wenden. iGroße Heitertest.! Die Abstimmung wird am Dienstag erfolgen. BeimAußerordentlichen Etat" fordert

Abg. Mumm (Wirtfch. Vgg.)> schnellere Förderung der Kleinwohnungsbauten.

Damit ist der Etat des Reich Samts de« Innern , n zweiter L<>u n g erledigt.

Ter Gesetzentwurf über die ivciterc Zulassung von Hi lfs i» itg l icdc r u im P a lc ,i l a ,n i wird in erster, zweiter und dritter Lesung ohne Debatte angenommen.

Das Haus vertagt sich.

Nächste Sitzung: Montag 2 Uhr (Fustizetat Schluß 2 Uhr.

Die Stichwahl in Gffenburg.

Osfcnburg, 14. Fcbr. Bei der heutigen Rcichs- t a <15 st ichwahl im 7. badischen Reichslaaswahlkrcis wurde Professor Tr. W i r t h - Freiburg <Ztr.) mit 13137 Stim mcn gewühlt. Sladtrat Kölsch Karlsruhe (Natl.) erhielt 1307,0 Stimmen. Die Mehrheit Tr. Mirths beträgt also nur 37 Stimmen.

In der Haupiivahl am 3. Februar sind für Kölsch (Natl.) 0616 (1912 8962) Stimmen, Wirth (Ztr.) 12259 11615). Geiler Soz.) 3032 (3705) Stimmen abgegcbeu tvorden. Es scheint also, das; die Sozialdemokraten geschlossen für den nationallibcralen Kandidaten cingctreten sind, denn die tu der Stichwahl für Kölsch abgegebene Stimmenzahl übersteigt die Zahl der in der Hauplwahl für Kölsch und den Sozial­demokraten zusammen abgcgcbcucu Stimnien. Aber auch das Zentrum hat noch die allerletzten Reserven herangeholt und so mit 87 Stimmen Mehrheit den Sieg erfochten. Tie Ge­samtzahl der abgegebenen gültigen Stimmen stieg von 24 913 in der Hauplwahl auf 26 187 in der Stichwahl bei 27 378 Wahlberechtigten.

der Tabaidau in Deutschland

ist leider im starken Rückgänge begriffen. Im Jahre 1913 wurden nur 87 030 Tabakbauer gezählt gegen 95520 im Jahre 1912 und 101841 im Jahre 1911. Und die mit Tabak bebaute Fläche hat sich in diesen drei Jahren von 17 017 aus 15 775 und 14181 Hektar vermindert. Im ersten Jahrfünft nach dem Inkrafttreten des 1879 er Tabakstcuergesetzes. in den Jahre» 1881 bis 1885, machte der deutsche Tabak durch­schnittlich ungefähr die Hälfte des gesamten Tabakverbrauchs in Deutschland aus. Heute entfällt von der Gesamtmenge des Verbrauchs nur noch knapp ein Fünftel auf das einheimische Produkt. Dabei ist der Anteil des deutschen Tabaks am Gc- samtverbrauch in den letzten Jahren stärker zurückgegangen als vorher. Schuld daran ist offenbar die heutige Eeschmacks- richtung, die fortschreitende Verdrängung der Zigarre durch die Zigarette, die durch die Verteuerung der Zigarre noch wesentlich gefördert wird. Das Angebot von inländischen Tabak war in den letzten Jahren bedeutend größer als bist Nachfrage, und cs fällt daher den deutschen Tabakbaucrii schwer, ihr Produkt zu einem angemessenen Preise los zu lvcrden. Ilnler bicfcn Umständen wird auch eine Besserung sür den einheimischen Tabakbau kaum zu erhoffen sein, falls nicht, ivas vielleicht durch Erhöhung der Zigarettensteuer ge­schehen könnte, die Zigarre gegen den Wettbewerb der Ziga­rette geschützt wird. Der Zigaretlenvcrbrauch ist in Deutsch­land trotz der Einführung der Zigarettcnsteuer im Jahre 1906 und der damaligen Erhöhung des Zigareltenzolles und trotz der svätcren weiteren Erhöhung von Steuer und Zoll fortgesetzt sehr stark gestiegen. Gegenwärtig gibt das deutsche Volk 250 bis 300 Millionen Mark jährlich aus für Ziga retten, und in wenig Jahreli wird diese Sunnne vielleicht aus das Doppelte gestiegen sein. Zur Zigarcilcnfabrikation eignet sich das deutsche Produkt natürlich nicht, wohl aber zur Fabrikation der billigeren Zigarren. Im vorigen Jahre sind nur etwa 3500 Dovvclzenlncr deutscher Tobak zur Fa­brikation von Zigaretten und von Zigareltenlabak verwendet worden, dagegen nngesähr 130 000 Dovvelzentncr auslän­discher. Die Tabakanbausläche ist von 1911 bis 1913 zurück­gegangen in Baden von 7211 auf 6063 Hektar, in Preußen ovii 4277 auf 3497 Hektar, in Bayern von 2886 auf 2508 Hektar, in Elsaß Lothringen von 1675 aus 1483 Hektar.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 16. Februar 1914.

"* Der Großherzog empfing am 14. Februar u. o. den Professor Schott von Bad-Na»heim.

AuS de,n Schuldienste. Erledigt sind: Zwei mit evangel. Lehrern zu besetzende Lehrerstellen z» GrieS^ heim. Dem Inhaber der einen können die Funktionen eines HauptlehrerS übertragen werden. Bevorzugt iverden für diese Stelle Bewerber, die die erweiterte Prüfung bestanden habe». Eine mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrcrsielle zu Gräsenhausen. Eine mit einem cvang. Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle zu Jugenheim a. d. B.

* Todesfälle unb Eheschließungen. Ucber das Alter der Verstorbenen und der in die Ehe getretenen Per­sonen im Jahre 1913 liegen jetzt die Zahlt,,, vor. J,n ab» gelanfencn Jahre verstarben im ganze» 279 Personen (in, Vorjahre 364): davon waren unter 1 Jahr 36 (54), 1 bis 15 Jahre: 23 (39). 1530: 24 (34), 3060: 72 (88), 6070: 48 (69), über 70: 78 (80), über 80: 16, über 90 Jahre: 2 Verstorbene. In die Ehe traten 1913

208 Paare (212), und zwar i<)»>2llter von 1620 Jahren: 25 weibliche und 0 männliche Mrsonen, 2124: 99 und 43, 2529: 60 und 106, 3034: 14 und 35, 3539:

6 und 15, 4049: 4 und 6, 5059 Jahren: 0 weibliche und 3 männliche Personen. Der Zahl nach sanden in den Monaten: Januar 12, Februar 6, Mär; 20, April 18,

Mai 32, Juni 13, Juli 15, 9lngust 21, Sepiember 18, Oktober 27, Nooeinber 17 und Dezember 9 Eheschließungen statt. Im ersten Quartal wurden denmach 38, im zweiten 63, im dritten 52 und im vierten Vierteljahr 53 Ehr» geschlossen. Sterbesälle »nd Eheschließungen beziehen sich natürlich nur auf die einheimische Bevölkerung (unter Ausichluß der Orts­fremden).

Der Keuchhusten tritt eben zu der nassen Jahres­zeit in Gießen epidemisch aus, so daß die Kinder der Be­wohner einiger Straßen fast sämtlich von diesem Hebel heim- gesucht worden sind.

** Preisaufschlag der Kartoffeln. Die verflossene Kältevcrwde hat gan; nncrivartet rasch wievcr rillen Preisaustchlag der Kartoffeln verursacht. Konnte man auf den Landorlen noch vor drei Lochen gutc speisckactoijeln zum Höchstpreise von 3,50