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Erstes Blatt 164. Jahrgang Montag, 1b. gebruar 1914

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Botationsftrad und Verlag der Vrühl'schen Uuiv.-Vuch- und Zteindruckerei 8. Lange. Nedaktion, Erpcdition und Druckerei: Lchnlstrahe Z.

ve z» g »» reit:

nionatlich75Pi., viertel­jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen inonallicli öö Pf.; durch diePost M.2.viertel» jährl. auSschl. Be stetig. Zcilenpreis: lokallöPs^ auswätts 20 Psenniq. Chesredakteur: A. Goetz. Verantwortlich sür den rolit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton", .Ver­mischtes" und,Gerichts­saal": Karl Neuraih; lür .Stadt und Land": Kurt Leudt; iiir den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umsatzt 10 Seiten.

Tagcskalcuder aus dem Jahre 1813/14.

16. Februar: Tic Russen nehmcu Nemours, nördlich von Fontainebleau. Tic schlesische Armee zieht sich bei Chä- lonS sur Marne zusammen.

Ein römischer Machtwort.

Die wuchtige Kundgebung des Reichsausschusses der Zentrumspartei hat in Rom sicherlich keine Befriedigung 'ausgelöst. Denn sic ging ja gegen diejenigen an, die dem Papste die dolle Herrschergewalt auch in weltlichen und t>oti > tischen Dingen ausgelicfcrt wissen wollen. Es hatte zugleich den Eindruck gemacht, als wollten die Spahn und Gröber auch die interkonfessionellen Gewcrkschastcn wieder von den Fangarmcn befreien, die sich im Dienste Roms in der letzten Zeit so kampflustig ausgestrcckt hatten. So mußte also durch eine tzegcnkundgebung der üble Eindruck wieder verwischt werden, und so trat in Köln eine Bischofskonsercnz zusam­men, die cineirberuhigenden" Charakter haben sollte. Liest man die nachstehende Kundgebung, die von dieser Konferenz erlassen worden ist, so ersieht man, daß damit die Besorg ' ntzsc des Patikans und seiner übereifrigen Diener beschwich­tigt werden sollten. Das Zentrum batte seine politische Zuständigkeit mit kräftigen Worten für sich in Anspruch ge­nommen: nun sollte gezeigt werden, was der K i r ch c gehört, lpvchmais werden peinliche Ermahnungen an die Adresse der Katholiken innerhalb der christlichen Gewerkschaften gerichtet. Deutlich wird aus der Kölner Kundgebung klar, daß die inter­konfessionellen Gewerkschaften a b g e b a u t werden sollen Dennwo katholische Arbeitervereine fried­lich cingeführt w erden kpnnen, da wäre es in keiner Weise zu billigen, daß katholische Ar- b ei ter sich interkonfessionellen Gewerkschaf­ten an schlössen". Das ist der Hauptsatz in dieser neuen Kölner Erklärung, aus der hervorgeht, daß die bischöflichen Freunde der interkonfessionellen Gewerkschaften mehr und mehr vor dem Machtwortc RomS zurückweichen. An dem päpstlichen Willen soll nicht mehr gedeutelt werden: dmn hei­ligen Stuhl allein steht die Auslegung zu. Grundsätzlich soll dieStreitfrage" damit erledigt sein; die Bischöfe haben dafür zu sorgen, daß an den interkonfessionellen Gewerk­schaften allmählich abgcbaut werde. ES wird also jetzt mit dürren Worten gesagt, daß von alleni Anfang an der Ge­danke, interkonfessionelle Gewerkschaften im Sinne des Zen­trums ins Leben zu rufen und zu fördern, falsch war! Indirekt wird in der Kölner Erklärung auch das Zentrum gezüchtigt. Denn die Betonung, daß die soziale Frage in erster Linie eine sittliche und religiöse Frage sei, läuft doch darauf hinaus, daß in dieser Frage die Zentrumspartei keine autonome Gewalt besitze.

Das Wolfs-Bureau verbreitet folgenden Bericht:

DieKölnische Volkszeitung" veröffentlicht eine Kund gebung der am Freitag in Köln versammelt gewesenen Bi­schöfe an die Geistlichen ihrer Diözesen. Unterzeichnet ist die Kundgebung von dem Erzbischof von Köln, sowie den Bi­schöfen von Trier, Osnabrück, Hildesheim, Paderborn und Münster. Die Kundgebung sagt, daß die Obcrhirten der Nic- derrheinischcn Kirchenprovinz und der ihr angeschlossenen Diözesen angesichts der zur Zeit in weiten Kreisen des katholischen Volkes, namentlich in den großen Industriezen­tren ihrer Sprengel hinsichtlich der gewerkschaftlichen Organi­sation entstandenen Beunruhigung es für zweckmäßig halten, die Grundsätze sür die Haltung der Mitglieder der katholischen Arbeitervereine und der katholischen Ärbeitcr überhaupt in Erinnerung zu bringen. Auf dem Grundsatz der katholischen

Kirche fußend, daß die soziale Frage in erster Linie eine sittliche und religiöse Frage war, ist und bleibt, wird be­tont, daß auch bei Angelegenheiten, die als rein wirtschaft­lich bezeichnet werden, oft sittliche Pflichten mit berührt und sittlich-religiöse Interessen häufig sehr in Mitleidenschaft ge­zogen werden. Die sittlichen Normen dafür zn verkünden, Aussicht zu führen über die Haltung der Katholiken in dieser Hinsicht, und die G c f a h r c n a b z n w c h r c n , die ihrer sitt­lichen Auffassung und Haltung erwachsen können, seien der Heilige Pater und die mit ihm vereinigten Bi­schöfe zuständig und verpflichtet. Aus dieser Stellung des kirchlichen Hirtenamtes folgt dessen treue autoritative Wach­samkeit über den Anschluß der katholischen Christen an Ver­einigungen, zur Wahrung von Interessen, die religiöser und sittlicher Natur sind.

Die Kundgebung geht dann auf die päpstliche Enzy­klikaSingulars guadam" vom 24. September 1912 ein, die nach sorgsältigstcr Prüfung der Angelegenheit und Einholung von gutacht/pchcn Aeuherungcn aller einzelnen deutschen Bischöfe er­lassen worden sei, und sagt dann weiter: Daß die katholische Kirche nach den in dieser Enzyklika dargelegtcn Grundsätzen in erster Linie ihre Empschlung und Förderung den rein katholi­schen Vereinen zuwcnden müsse, ergibt sich aus der dargelegten Ausgabe des kirchlichen Hirtenamtes. Demgemäß wenden auch die Oberhirten der Diözesen Deutschlands ausnahmslos ihre Liebe und llnterstützung den katholischen Standesvereinen, insbesondere den katholischen Arbeitervereinen zu, weil diese Veri- cine sowohl durch ihre Zusammensetzung und ihre Satzungen wie durch ihren engeren Anschluß an die kirchliche Autorität am ehesten Gewähr dafür bieten, daß die katholischen Grundsätze voll zur Geltung kommen. Wo katholische Arbeitervereine, die zugleich den gewerkschastlicheu Interessen der arbeitenden Klassen dienen, mit dem zum Schutz der wirtschaftlichen Interessen genügenden Erfolge eingesührt sind oder friedlich cingeführt werden könx n e n, wäre es in keiner Weise zu billigen, daß katholische Arbeiter interkonfessionellen Gewerkschaften sich NN sch lassen. Wo dies nicht der Fall ist. hat der Heilige Stuhl in wohlwollender Berücksichtigung der örtlichen und allgemeinen Verhältnisse Duldung und E rl a u b t h e i t. der Mitgliedschaft von Katholiken zu den in Deutschland bestehenden christlickien Ge- werkschasten unter besonderenVor sicht smaßregcln aus­gesprochen, die der Stellung und Pflicht des Kirchenanitcs ent­sprechen und daher jedem Katholiken als durch die Umstände ge­boten erscheinen müssen. Die Vorsichtsmaßregeln sind solgcndc: An erster Stelle ist dafür zu sorgen, daß die katholischen Arbeiter, welche Mitglieder solcher Gewerkschaften sind, zugleich katho lischcn Arbeitervereinen angehörcn. Ferner müssen die Gewerk schaitcn, damit Katholiken ihnen beitreten können, sich von allem scrnhaltcu, was grundsätzlich oder tatiückilich mit den Lehren und Geboten der Kirche wie mit den Vorschriften der zuständigen kirch­lichen Obrigkeit nicht im Einklang steht. Auch dürfen katholische Mitglieder, die Gewerkschaften angchören, niemals zulassen, daß dieselben in ihrer Sorge sür die weltlickicn Angelegenheiten der Mitglieder durch Wort oder Tat irgendwie mit den vom obersten kirchlichen Lehramt verkündeten Vorschriften sich in Widerspruch setzen. Die Kundgebung erkennt weiter- an, daß dieselbe höchste Autorität, die solche Normen ausgestellt hat, zur a u t h e n t i s ch e n Auslegung derselben allein z u st ä n d i g ist. Tie Ent­scheidung darüber, ob sich eine Organisation in Widerspruch mit dem Sittengesetz der katholischen Kirche setzt, hat sich der Heilige Stuhl Vorbehalten. Diese Frage soll daher nicht Gegen­stand einer Polemik seitens der katholischen Kreise werden. Indem ise Kundgebung alle Beteiligten ermahnt, sür die Beobachtung der dargelegten Grundsätze tätig zu sein, versichert sie, daß der heilige Vater sowohl wie die Unterzeichneten sür ihre vielfachen Nöte'und Bedrängnisse das vollste Verständnis und die innigste Teilnahme haben.

Die Abwehr des Zentrums.

Essen, 16, Febr, Der vom Zentralkomitee der Essener ZcntrumSpartei an die Gesinnungsgenossen im ganzen Reiche ergangenen Aufforderung, sich an einer Kundgebung zu beteiligen, durch welche die Geschlossenheit der Zentrums­partei Ausdruck fände, waren gestern 3000 Zentrumsanhän­ger aus allen Teilen Deutschlands gefolgt. Die Leitung der

Tagung log in den Händen des Reichs- und Laiidtagsabgc- ordncten Bell. Tic Hauptredc des Tages hielt der Führer des badische» Zentrums, Wacker aus Zähringcn, Schließ­lich wurde folgender Beschluß unter begeisterter Zustim- mung gefaßt: Tie Tagung von Tausenden treuer Zcntrums- anhüugcr spricht dem Reichsausschuß der Z c n t r u m s pa r- tei sür seine Erklärung volle Anerkennung aus und dankt insbesondere für die Zurückweisung der Quertreibe­reien und der Verdächtigungen der christlich-nationalen Ar­beiterbewegung.

Köln, ll Febr, Zum Gewcrkschastsstrcit gab gestern in einer Versammlung katholischer Arbeiter Generalsekretär Stegcrwald vom Gksamtvorstaud der christlichen Gewerkschaften eine Erklärung dabin ab, daß die ch r i st l i ch e n Gewcrkschastcn sich künftig n > ch t m c h r m i t d c r B c r l <> e r R i ch t u n g u n d d e ri I » - t e g r a l e n a u s c in a n d e r s e tz eu we r d en, Die christlichcnGe- wcrkschailcn würden auch in dem gcgenärtigcn Streit in der Zu­schauerrolle verharren, da kich für sic seit dem Essener Kongreß nichts ereignet habe, was sie zu einer neuen Stellungnahme ver­anlassen könnte. Seit dcni Essener Kongreß liege nur die Tatsache vor, daß Kardinal Kapp von der bekannten Jntervretation der Gc- werkschastsenzvklila zurückgetrcten »ei, was nichts wesentliches sei, da der Kardinal stets ein Gegner der christlichen Gewerkschaften ge­wesen fei. Ter Brief des Kardinals Kovv au den Grasen v. Lvvers- dorss habe also keine neue Lage sür die christlichen Gewerkschaften geschaffen, Worum der Streit in Deutschland sich drehe, sei die Art des Einflusses der kirchlichen Instanzen auf nicht rein kirchliche An­gelegenheiten Die Gewerkschaften lehnten cs ab, sich künftig mit diesen Fragen zu beschästtgen, die mehr aus politischem und kirchcn- volitischem (tzcbict ausqetragen werden müßten. Tagcgen liege den katholischen Arbeitern iu diesem Streit eine große Ausgabe ob, weil sie bei ihrer Bersckiäriung oder Undauer dieses Streites mehr zu verlieren Hätten als die christlichen Gewerkschaften, Die katholischen Arbeiter yälten alle Veranlassung zu erklären: Wir geben dem Staate, was des Staates ist, wir geben der Kirche, was der Kirche ist, aber wir geben auch-dem Arbeiter, was des Arbeiters ist. Diese Erklärung weckte in der Versammlung ostentativen Beifall.

Deutsche» Neich.

Zur F r ü h st ü ck S t a s e l b c i in Ka s s e r und der Kaiserin waren am Sonntag u. a. geladen Prinz und Prin­zessin Wilhelm zu Wied und der Staatssekretär des Aus­wärtigen Amts v. Fa goto.

Die vom B u n d e s r a t v e r a b s ch i c d e t c P o r - läge zum Schutze der Jugend gegen die Aus­wüchse d c r S ch u u d l i t c r o t u r, die dem Reichstage dcmuächst zugcheu wird, will die Verbreitung der Schund­literatur durch eine Erweiterung des § 43 der Gewerbeord­nung einschränken. Ter Entwurf bestimmt, daß die Zurschau­stellung von Abbildungen, Schriften und Darstellungen nicht in einer Weise geschehen, darf, die wegen sittlicher Gcsähr- düng der Jugend Aergernis zu geben geeignet ist. Die so­genannte Schundliteratur war bisher von der Kolportage und vom Straßenhandel bereits ausgeschlossen. ES hat sich als notwendig hcvauSgcstelft, auch sür den Ladcubuchhandel einschränkende Bestimmungen bezgl. der Schundliteratur, so­weit sie überhaupt von dem reellen Buchhandel geführt wird, einzusühren. Der Vcrkaui dieser Literatur im Ladeu- buchhandel an Jugendliche wird in Zukunst verboten sein, während bezgl. des Verkaufs an Erwachsene keine Beschrän­kungen bestehen. Eine Anpreisung und Auslegung dieser Literatur in Schaukästen und Sckiauscnstcrn ist nicht mehr gestattel. Unter de» Begriff der Schundliteratur fällt die gesamte sittlich nicht eiittvandsreie Literatur, Detektiv- und Pcrbrccherromane, Nuditäten, die die Jugend sittlich ge­fährden usw Der Äolportagebuchl>andel und der Slraßeu- buchhandcl dürfen die Schundliteratur nach wie vor nicht verkaufen. Mft diesen Bcstimmungcn ist den seit langer ;Zcil im Reichstage geäußerten Wünschen Rechnung getragen worden.

Fachausschüsse für die T a b a k i n d u st r i e. Tie sozialdemokratischen Abgg, Teichmanu und Geyer ho-

Gietzener Konjcttocrcin.

iX. Konzert: III. Kammermusikadend,

Gießen, 16. Febr,

Das gestrige Konzert hatte, die Reihenfolge der Konzerte rein äußerlich bettachtet, seine volle Berechtigiing. Von den herrlichen Erlebnissen und qewalttgen Eindrücken der Meiningcrtage zieht es uns wie von selbst zu dem intimen Rahmen der Kammermusik und hier wieder zur vollkommensten Art dieser Gattung dem Strcich- auartett. Daß man auch in der Wahl der Kompositionen nach Neuem suchte und nicht nur ein Quartett von der lsftllte des Mozartschen Jagdguartcttes" und Schumanns Klavierauintett Op, 44 das einzige, das der Meister schrieb, sondern auch ein Streichguintett und noch dazu Schuberts C-Dur Opus 163 wählte, sei besonders hervorgchoben.

Während Mozart in seinem 4. Quartett in B-Dur ganz in de» Bahnen seiner meisterlichen Strcichauartettsatztechnik wandelt, Schu­mann dagegen trotz aller dahinstürmenden Leidenschaftlichkeit, wie im Scherzo, aller glänzenden Kombinattonsgabe, wie. im letzten Satze bei der Verschmelzung der beiden Themen, in diesem OvuS mich nicht von seiner höchsten verinnerlichten Kunst überzeugen kann, möchte ich Schuberts Quintett als eines der genialsten und qrößtcn Werke der ganzen Kammcrmusiklitcratur bezeichnen. Hier wird dem auimerksamcnZuhörcr vielleicht zum Bewußtsein gekommen sein, daß Schubert nicht nur der aus ganz einsamer Höhe wandelnde Har- moniker unb Rhythmiker ist, iricht nur der Meister, der göttliche Gedanken unbekümmert ancinanderreiht, sondern daß hier ein Genie zu uns svricht, das bei höchster Ockonomic der Mittel und wimder- barstem natürlichen Fvrmensinn auch im höchsten und kkarstenStnne modern" ist, deshalbmodern", weil er unvergängliche Kunst spen­det ! Ich brauche hier wohl bloß an den zweiten Satz zu erinnern, der an göttlicher Inspiration wohl seines gleichen überhauvt nicht hat. Der Beisall, der nach diesem Werke einsetzte, zeigte deutlich, daß die Größe efticr Komposition nicht einmal durch die Ausführung bccinslußt werden kann,

Ueber die Wiedergabe der einzelnen Werke möchte ich mich kurz fassen, denn sie waren durchweg nicht aus erstklassiger Höhe, Es ist immer eine gewogte Sache, Lokolgrößen einer Stadt als Gäste berauzuzzeben. Das Tavissonanartett aus Frankfurt mn Alain, bestehend aus den Herren W. Davisson, L, Keiner, L, Nackterer und H, Keiper (dem sich ftn Vchubert- ousntctt Herr Professor Hegar als erster Cellist beigcsellte), ist gewiß in seinen einzelnen vier Teilen ans einer beachtenswerten technischen Höhe, doch ist das ja nur die Vorbedingung zu einem

gute» Zusammenspiel und an dem fehlt cs in punkto sein disseren- ziertestcm Rbvthmus, verschiedenster Ausdruck-mittel, Phrasierung uff noch ganz bedeutend. Fielen diese Mängel bei allen Sätzen der drei Werke auf, so muß das Scherzo und besonders Finale im Schubertschen Ochis mich in technischer Beziehung beanstandet werden Hier waren sämtlicheSsorzati" (und im Finale die Vorschläge Mehr nnanqenehmks Geräusch als Töne, abgesehen von den ausfallend wackeligen hohen ,,as" der ersten Geige, g,n Schumamiguiutctt, bei dem Pros, Hegar den Ccllovart spielte, ragte Pros. Trautmanns musikalische Persönlichkeit weit über seine Partner heraus. . . , 1 . ,, . , ,

So bleibt zum Schlutz nur der dringende Wunich, einmal nach Gießen eine Quartettvereinigung von internationalem Rute, wie die Böhmer",dtp Brüsseler" oder dasKlingler-Quartett" das heuer in Marburg Gast war, zu einem Konzert zu bitten, damit dem Gietzener Konzcrtpublikuni auch in dieser Hinsicht erstklassiges geboten wird, ^ r-z,

*Her m an »Nissen t. Hermann Nissen, der Präsident der Deutschen Bühncngcnossenichast, ist am Sonntag abend im 57, Jahre in Berlin gestorben, Nissen, ein geborener Mecklen­burger, studierte zunächst die Rechte und wandte sich dann Mitte der 70 er Jahre der Bühne zu. Nachdem er zwei Jahre bei den Mei­ningern verbracht hatte, übernahm er die Leitung des Hamburger Stadttbeaters, die er aber bald wieder nusgab, um in Petersburg, Prag und Berlin als Darsteller tätig zu sein. Als Jbscndarstcller hat er sich am Deutschen Theater in Berlin einen bedeutenden Namen gemacht, Nissen? Bttdicnste um die Organssatioil und die Standcsintcrcsscn der Bühnkiikünstlcr sichern ihm ein dauerndes Andenken,

Di c Enthüllung des Scottdenkmals in den Alpen, Am Donnerstag wird aut den Höhen des Evl du Lautaret in den iranzösischen Alpen, wo Seott 1908 seine Aittomobil- schlitten sür die Reise znm Südpol crorobtc, das 'schlichte und würdevolle Denkmal enthüllt, das der srinzösische Alvenklub zu Ehren des aus so tta.iische Weise gefallenen Südpolentdeckers er­richtet hat. (Das Denkmal^zetgt die Fornt eines hohen keltischeti Grabhügels, von denen Spitze ein Mast empvrragt. In der Form klingt dos Monunient damit an die Hütten an, iu denen Seott bei seiner letzten Fahrt znni Südpol kamviette. An der Ostseite gewahrt man eine Bronzcvlattc mit einer Inschrift,

Der bedrohtePaderewski. Padcrewski hat plötzlich

ieinc große Gaihpielrcise in Aineftka abgebrochen: völlig cr-

Isckföpfi vnd krank ttof er dieser Tage in San Antonio in Texas

ein. Er ist das Opfer einer wahren Flut von Trohbrieicn, die in den letzten Wochen über ihn hereinbrachen und ihn io nervös machten, daß er alle abgeschlossenen Engagements im Stiche läßt. Bereits in den letzten Tagen reiste er nur noch in Begleitung eines Arztes und zweier Detektivs, Ter Pianist vermag sich nicht zu erklären, wodurch er sich vlötzlich in den Bereinigten Staaten so viel Feinde gemacht haben könnte. Die Drohbricsc beschuldigen ihn, einem volnilchen Blatte in Amerika Geld ge­geben zu haben: einem volnisänii Matte, das in iüngstcr Zeit eine Reihe maßlos heftiger Aussätze gegen die russischen Juden veräiientlicht hat, Frau Padcrewski gibt zu, daß ihr Mann inr Gründung einer volniichcn Zeitung auf dringende Bitten Geld gegeben habe, ohne jedoch zu wissen, daß es sich dabei um ein antisemitisches Kampsorgau handeln sollte. JedcnsallS bat Padcrewski insolge der Drohbricsc die Fortsetzung seiner Tournee ausgegeben und soll nttvös so zusammcngebrockcn sein, daß er sich ans längere Zeit vom Konzcrtvodium icrnlfaltcn und nur der Wiederherstellung seiner Nerven leben muß.

Tic grüßte Brücke der Welt, Der Plan einer Rirsenbiücke über den Hudson, die New Nork mit New Jersey verbindet, ist nunmehr, wie aus New Nork berichtet wird, in allen Einzelheiten sestoestellt. Diese größte Brücke der Welt wird 165 Millionen Mark nach einer annähernden Schätzung kosten, Türme, fast so hoch wie der Eissclturm, werden nättg sein, um die Tvannweite eines einzigen Bogens zu tragen, 400 000 Passagiere sollen die Brücke in der Stunde übttschreiten können. Acht Eisenbahnlinien, die über die Brücke iührcn, sind vorgesehen, zwei sür Untergrund-, zwei sür Lochbahne,, und vier sür Niveaubahncn, während aus der Fahrsttaße 10 Fahrzeuge Seite an Seite nebeneinander fahren können. Die Breite der Brücke wird 200 Fuß betragen: die Preilcr, die die Brücke stützen, sind 550 Fuß über Wasser und 250 Fuß unter Wasser: die Höh« der Brücke wird auch dem größten Ozcandampser die Dnrchsahrt gestatten. Die Gesamtlänge der Brücke ist aitt etwa 3 Klm, festgesetzt und die Kosten sür die Freimachung des Tettgins zu Heiden Seiten dos Hudson für die Brücke mcrdcn allein mit 20 Millionen Mark angegeben.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft, In B c r l i n fand Leo Falls neue Operette Jung England mit dem guten und eigenartigen Tert von Rudolf Bcrnaucr und Ernst W c l i s ch einen großen Ersolg,