Nr. 35
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Erster Blatt
m. Jahrgang
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Mittwoch, 11. Zebruar 1914
Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.
Tagcskalendcr au» dem Jahre 1814.
Ii. Febrnar: (Kriecht bei Nogcnt, iwrd westlich von Trohes. Tie Generale Pahlen und Hardegg schlagen die Franzosen in die Flucht. — V'n demselben Tage erobert der Kronprnn von Württemberg das hartnäckig verteidigte Sens, südwestlich von Troyes.
Russische Unfreundlichkeiten.
Eine merkwürdige Rede hat Rußlands Außenminister, Herr Sasonow, im Budgckaussckiuß der Rcichsduma gehalten. Man verhandelte über den neuen deutsch-russischen Handelsvertrag, der allerdings erst in 4 Jahren aktuell wird. Ein Abgeordneter sprach die Besürchtung ans, Deutschland könne Rußland bis zum Jahre 1917, also bis zu den Zchlußverhandinngen über den neuen Vertrag, irgend welche äußere Verwicklungen wie im Jahre 1904 (?) bereiten, um sich besonders günstige Bedingungen zu sichern.. Und daraus crioiderte der Minister Sasonow, daß diese Befürchtungen der Begründung nicht entbehren. Bei dieser Gelegenheit teilte .Herr Sasonow außerdem noch mit. daß er seinerzeit gegen die Ernennung des Generals Lima» v. Lau - ders zum Kommandeur des ersten türkischen Armeekorps in Konstanliiwpcl prolesliert habe.
Vielleicht wird man versuchen, die Wirkung dieser ministeriellen Erklärung nach außen hin abzuschwächen, aber doch nur, wenn dem kaum trüglichcn parlamentarischen Stcno- grainm Gewalt angetan wird. .Herr Sasonow hat ganz einfach doch so gesprochen, und wir haben es uns zu merken. Dunkel ist nur, was mit den „äußeren Verwicklungen" ge uicint fei» soll, die Deutschland 1904 dem russischen Nachbar bereitet habe. Sind etwa die guten Dienste Deutschlands während des russisch japanischen Krieges gemeint? Das wäre eine unglaubliche Verdrehung, der Gipfel aller russischen Vorurteile, gegen die wir schon seit Gortschäkofss Zeit anzu kämpfen haben. Von jenem Staatsmannc ging ja auch z. B. die Darstellung aus, als habe Deutschland 1875 den Krieg gegen Frankreich gewollt, der Kaiser von Rußland aber habe ihn verhindert. Gortschakosf war cs auch, der dem Fürsten Bismarck vorwarf, Rußland ans dem Berliner Kongresse verraten und bei der Bckäinpfung der österreichischen Ansprüche auf Bosnien und die Herzegowina im Stiche gelassen zu haben. lind das, obwohl Rußland diese Ansprüche längst vertragsmäßig anerkannt halle. Weiß man noch, wie das ruf fische Ansinnen an Deutschland, damals der habsburgischen Monarchie in -den'Arm zu fallen, sich bis zu förmlichen Kriegsdrohungen aus Petersburg steigerte? Wie manchesnial schien der Krieg nur zu nahe. Das Wetter verzog sich bis»- hcr imnier wieder; der zerrissene Draht nach Petersburg wurde wieder hcrgestcllt, und man blies wieder auf der Freundschastsslöte. Es ist noch nicht sehr lange her, da cr- Ilärte Herr Sasonow in der Reichsduma, Rußland halte an der alten traditionellen Freundschaft und guten Nachbarschast mit Deutschland fest; er schätze diese Freundschaft aufrichtig und sei überzeugt, daß Deutschland dasselbe tue. llud nun aus einmal befürchtet Herr Sasonow deutsche Intrigen, gegen die man sich wappnen müsse? Uuniillkürlich denkt man a>l das vor wenigen Monaten durch die Presse gcgant- genc Sasonow Interview des Pariser Vertreters der ,,Ro- wojc Wreiiija"kurz vor der Abreise des Ministers von Paris nach Berlin. In dem Interview fand sich die „friedliche"
Kunst, wisscuschast und Leben.
Tr. Wolf T o b r n , der Leiter und Gründer der Bildungsanstalt Jaegues-Talcroze und Mitbegründer der Gartenstadt tzelleran ist, wie wir schon milgeteilt haben, aus einer Schitour, die er allein unternomnien hat, in Trient-Valais abgcstürzt. Es ist um so tragischer, als es ihn, gelungen war, in den letzten Wochen die finanzielle Grundlage für beide llnternehmungen zu sichern, und er die feste Zuversicht hege» konnte, das, die Fortführung seines Lebenswertes nach mancher Gesährdnng endlich in ruhige „tid sichere Bahnen gleichmäßiger Entwickelung gelentt war. Glücklicherweise wird es aber, wie man »ns mitteilt, doch möglich sein, aus der von ihm geschaiienen Basis weiter zu arbeiten und loen» auch sein Verlust unersetzlich ist für alle, die ihm menschlich naheslanden, so haben sie doch die Genugtuung, daß das von ihm begonnene Werk nch anch ohne sein tätiges Mitwirken kraftvoll behaiwten wird. Wolf Tobrn ist geboren am 1*5. Aiwil 1878 in Neapel als zweiter Sohn des verstorbenen Professors Anton Tohrn, des Gründers der Zoologischen Station.
— E i n n e n g e s u n d e n e r a r a ni ä i sch e r R o in a n. In einer ägyptischen Trümmerstatte wurden, wie man dem „B. T." mitteslt. unter juristischen Schriftstücken die Fragmente eines aramäischen Romans gesunden. Er erzählt die Geschichte des reichen Ächigua, des Ratgebers und Ministers des Königs San- herib, den ieiit PslegesoHn des Hochverrats beschuldigt. Es gelingt Achigua. seine Unschuld zu beweisen, und der König setz! ihn wieder in seine Aemter ein. Ter vom Tode Errettete hält nun seinem undankbaren PslegesoHn eine gesalzene Straivredigt, die cr inst Schlagen und Weisheitsivrischen begleitet. Man kannte in den verschiedenen iemittichen Sprachen diese Erzählung, auch im Alten Testament wird sie gestresst. Pros. Tr. Karl Marti, der bekannte Orientalist an der Berner Hochschule, »imnit an, daß diese neugeinndene Geschichte Achiauas die älteste Fassung, vielleicht das Original darstellt. Ter aramäiiche Roman ist knapper als alle-übrigen Achiaua^rrzäblnngen, obwohl auch er nur als Rahmen zu einer reichen Sammlung von Tiersabeln, Sprüchen und Rätseln gedacht ist.
— Di e Ausgrabung eines altrö mischen Hanfes in Spoleto, das unter dem Palazzo Comniunale lag und der Veivaiia Polla gehörte, hat Pros. Giuseppe Sordini, der Jnt'vel tor der Kunstdenkmäler der Stadt, nahezu zu Ende geführt. Tabes lourden neuerdings, Ivie der Eieerone berichtet, auf dem linken Flügel des Hauses drei Räume mit prachtvollem Mosaiksnß» b n d e n und ein Periitpl sreigelegt. das sich entgegen den Pauae- lvohnheiten der alten Römer aus der linken Zeile des .Hauses befindet. Ferner wurden Hausgeräte verschiedenster Art und
Stelle: „Sollte cimnal in Petersburg Trommelwirbel er* tönen, so steht gewiß Frankreich an Rußlands Seite" Mau hat diesen Trommelwirbel bisher für Pariser Mache gehalten. Aber seit den neuesten Erklärungen Sasonows vor einer parlamentarischen Körperschaft tauchen doch Zweifel und Bedenken aus, ob .Herr Sasonow wirklich.zum Dreibund eine weniger feindselige Haltung beobachtet, als sein Vorgänger Jswolski, und überhanpl, was denn eigentlich die wahre Meinung des Ministers ist. Er hat uns so oft versichert, daß er crnithafl um de» Frieden und die Freundschaft zwischen Petersburg und Berlin bemüht ist, aber man entdeckt hie und da, wie cs hinter diesem Vertreter der russischen Außenvoli- lik ein inoffizielles Rußland gibt, das in die verschiedensten Kulissen versteckt ganz andere Gesinnungen pflegt, die manchmal wie unbewußt und ungewollt auch in ministeriellen Erklärungen zu Worte kommen. Mag Herr Sasonow dann immer wieder Bcruhignngsdeveschen durch die Petersburger Te- lcgraphcnagentur verbreiten lassen, so ist doch klar und nicht mehr zu leugnen, daß die russische Kriegsparlci immer sehnlicher die Verflechtung Rußlands in einen Zukunftskrieg herbeisehnt. Das beweisen gewisse Veröffentlichungen sehr maßgebender Kundgebungen in der russischen Ocsseittlichkcit. Die Kriegsparlei bal neuerdings in den Kreisen der hohen russischen Militärs und ganz besonders bei dem Großfürsten Nikolai Nikolajcwitsch starken Anhang und Unterstützung gefunden. Kein Zweisel mehr: An der Newa machen heule zwei verschiedene Richtungen Politik, und cs besteht die Gefahr. daß nicht nur der Zar, sondern anch die Regierung in ein deutsch-feindliches Fahrwasser hineingctrieben wird. Das wäre gerade im Hinblick auf die schon jetzt einsetzenden Vorverhandlungen sür den neuen deutsch-russischen Handelsvertrag überaus bedauerlich. Denn ans deutscher Seite ist man mehr, als jene deutich-seindlichen Kreise in Petersburg ahnen, zu sinanzwirlschafllichem Entgegenkommen bereit. Die finanzielle und wirtschaftliche Lage Rußlands, die Industrie, der Produktionswcrt der Landwirtschaft, die Weizcnkullur, der Baumwollbau (in Turkestan) bat sich derart gehoben, daß man 1917 auf einer viel glücklicheren und beide Teile zufriedenstellenderen Basis abkommcn könnte. Deutschland hat gar leine Lust, wegen des Handelsvertrags Jntrignenpolitik zu treiben. Also warum die Feindseligkeit?
Petersburg, 10. Febr. In der R e i ch S d u ni a brachten die Nätionallisten eine Ansrage an den Kriegsminister und den Ma rincminister ein, in der sie ansragen, ob die Meldungen der Presse Ivahr sind, daß sich unter den Angestellten der P u t i l o w » id c r t c eine große Anzahl von Deutschen bestnde.
Die Aenderung des m litärftrasgesetzbuches.
„Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht den Entwurf des Gesetzes bctrcssend die Aenderung verschiedener Paragraphen des Militärstrafgesetzbuches. Danach kann in npndcrschwercn Fällen einer unerlaubten Entfernung, sür welche nach Paragraph 66 des Militärstrasgc- setzbuches bisher Gefängnis oder Festungshaft bis zu zwei Jahren cintral, die Slrase, wenn die Tat nicht im Felde begangen worden ist, bis auf vierzehn Tage mittleren oder strengen Arrest ermäßigt werden. In minderschwercn Fällen der F a h n e ii f l u ch t, für die nach Paragraph 70, Absatz I bisher Gefängnis von sechs Monaten bis zu zwei Jahren vorgesehen war, kann, wenn kein Rückfall llorlicgt, die Gefängnisstrafe bis auf 3 Monate ermäßigt werden. Bei min- dcrschwcren Fällen einer vorsätzlichen Verleitung zur Fahnenflucht oder einer vorsätzlichen Beförderung derselben, die bisher nach § 78 mit Gefängnis von sechs Monaten bis zu zwei Ja hren bestraft worden sind, kam, die Gefängnisstrafe.
Stuckdekorationen entdeckt. Tie Gegenstände sollen an ihrer Fundstätte bleiben und bald allgemein zugänglich gemacht werden.
— Di e d c ut schc Sp r a ch c in » n garlschen M itt c l - schulen. Der derzeitige ungarische Kultusminister ^cankowich hat einen Gesetzentwurf über eine Reform der ungarischen 'Mittelschule einqehracht. In diesem wird ähnlich wie im Lehrplan unserer deutschen Resormschulen der lateinische Unterricht ^a»s der untersten »lasse des Gymnasiums in eine höhere verlegt.^, ainr lall als erste Fremdsprache von der untersten Klasse an das ä-eutlche im Pilichl- unterricht gelehrt werden. Man wird, so schreiben d,e Mitteilungen des Vereins für das Teuttchtnm im Ausland, gespannt daraus sern dürfen ob dieser Gesetzenlwurs eine Melirbeit im magyarischen Parlamente finden wird. Zunächst ist der Landesunterrichtsrat beant- tragt worden, die Frage zu prüfen und ein Gutachten abzugeben. Immerhin ist es von hohem Interesse, daß cm Nachfolger des Grafen Apvonyi eine derartige Förderung der deuitchen Sprache in Ungarn filr notwendig hält. Das wird man ohne weiteres lagen bürten, daß dieser Gesetzentwurf Nicht ein Aus, luß besonders dentickiireundfiiüer Gefinnung oder der Bewunderung inr deutsche Kiiltnr ist sondern aus der Rot heraus geboren, l» die dex magyarische Handel und die maqnattsche Industrie durch die sinnlose Unterdrückung der deutschen Sprache in magnarischen Landen geraten sind Es gebt eben in den Tonanlänbern nicht ohne Deutsch, und es ist gewiß kein Zufall, daß es z»er,t die magyattschen Han- delsschulen gewesen find, die die Wiedereinführung des deutschen Schulunterrichtes energisch beiürworteten. Die Beobachtung dieser Entwicklung iß iür »ns Deulsche gewiß ersreuliw. dock, darf die Tatsache, daß der magyarischen Jugend bessere Möglichkeiten zur Erlernung der dentsche» Fremdsprache erschlonen werden, solange nicht überschätzt werden, als die allgemeine Schulgesctzgebung den Kindern der deutschen Bürger deS ungarischen Staates das Recht aui die Erlernung und Pstegc ihrer Muttersprache im öfientlichen Schnlunterttcht verkümmert.
— Merkwürdige Bäume, llnter den interessantesten Bäumen nimmt der „Sofar"- oder singend« Baum in Nubien eine hervorragende Stelle ein. sobald der Wind über seine Wipfel streicht, erklingen sremdarttge, seltsame Melodien, die von einer Flöte herzurühren ickytinen, und die oft stnndenlanq anholten. Die Eingeborenen erzählen dann, daß der Geist ihrer .Toten, unter den Blättern des Baumes versteckt, sich also singend vernehmen lasse: wogegen die loeißcn Gelehrten behauchen. die Töne seien ans Millionen winziger kleiner Löchelchen zurückzusnhren, durch die der W,nd streicht, und die von Insekten in das Geäst des Baumes gebohrt wurden. ^Eine andere .Kuriosität unter den Bäumen ist der sogenannte Tränenbaum auf den Kanarischen Inseln. Dieies Naturwunder schüttelt, selbst bei der größten Dürre, Regen
wenn die Tat nicht im Felde begangen worden ist, bis auf drei Monate ermäßigt werden.
Dem Absatz zu 8 95 belrcsscnd Gchorsamsvcrwc i g cr ii n g vor versammelter Mannschaft etc. (vorgesehene Strafen, Gefängnis oder Festungshaft bis fünf Jahren) wird folgender Satz angefügt: In inindcrschwcren Fällen kann die Strafe bis aus vierzehn Tage strengen Arrest ermäßigt werden. Im ß 96 (Versuch, einen Vorgesetzten mittels Gewalt oder Drohung an der Ausführung eines Dienstbeichls zu hindern etc.), wofür bisher eine Freiheitsstrafe von 6 Mo natcn bis 10 Jahren vorgesehen war, wird cingcsügl: In minderschwercn Fällen eine Freiheitsstrafe nicht unter drei Monaten. Die Strafe für minderschwcre Fälle bei tätlichem Vergreifen an einem Vorgesetzten oder tällichem Angriff ge gen denselben (nach 8 97 bisher vorgesehene Strafe nicht un lcr einem Jahre) kann auf sechs Monate herabgesetzt werden und auf ein Jahr, falls die Tat unter Gewehr oder sonst im Dienst usw. ausgcsührt worden ist (bisherige Strafe bei minderschwercn Fällen nicht unter zwei Jahren.)
Dem 'Absatz 2 des § 97, der Zuchthausstrafe vorfah, falls ein Angriff ans einen Vorgesetzten schwere Körperverletzung oder der Tod desselben verursachte, wird der Zu satz angefügt, daß in minderschwercn Fällen eine ZnchthauS- odcr Freiheitsstrafe nicht, unter einem Jahre eintritt.
In den Fällen der Paragraphen 106, 107 ». 110 (militärischer Aufruhr, Anstiftung hierzu etc.) ist neben der erkannten Gefängnisstrafe Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandcs zulässig. — Im 8 138 (D i c b st a h l bei Ausübung eines Dienstes etc.), wofür bisher mittlerer oder strenger Arrest nicht unter 14 Tagen oder Gefängnisstrafe bis zu fünf Jahren vorgesehen war, wurden die Worte „nicht unter 14 Tagen" gestrichen.
In 8 164 wird folgender Satz gestrichen: „Ms im Kriegszustände befindlich ist jedes Schiss der Marine zu betrachten, welches außerhalb der heimischen Gewässer allein fährt.
Der Entwurf ist heute dem Reichstag zngegangcn, nachdem der Bundesrat seine Zusttmmtmg gegeben hatte.
Rücktritt ö $ schwedischen Kabinetts.
Nach einem eigenartigen Vorgehen hat das schwedische Kabinett seinen Rücktritt angezcigt. Es hat sich vorher uttl allerhand dringenden Anfragen an den König gewandt, ob er in der Frage der Verlbessernng der Landesverteidigung sich vom Standpunkte des Ministeriums zu entfernen gedacht habe, imd nachdem diese Fragen ..unbefriedigend" beantwortet sind, zeigt das Ministerium Staaf nickst nur seinen Rücktritt an, sondern es veröffentlicht die mit dem König .gepflogenen peinlichen Ansein an de rsetzun gen! Wir erhalten folgenden Bericht: ,
Stockholm, 10. Febr. Am Tage nach dem Bauern- znge überreichte das Ministerium dem König eine Darstellung, in der es heißt:
Turck, die Einsetzung der VertcidigungSkommission am l. Dezember 1911 faßten Eure Majestät die Forderungen sür die Ergebnisse der bevorstehenden Erwägunge» dahin zusammen. daß Eure Majestät die Erwartung aussvrachen, daß die Vorschläge, die aus diese» Erwägungen hervorgehen würden, im ganzen geiwm- inen, geeignet sein würden, die Wehrmacht in ihrer damaligerr Essektivitäl zu bewahren. In der Ansprache, mit der Eure Majestät am 6. d. Mts. die Huldigung des sog. Bauernzuges beantwortete», kommt indessen bei der Erwähnung deS zu erwartenden Vorschlages zur Verbesserung der Landesverteidigung solgender Passus vor: „Von den Forderungen zur Tchlagsertigkeit und Kriegsbereitschaft der Armee, die von den Sachverständigen meines Heeres als un
schauer von seinen Blättern herab. Sorgsam sanrmeln die Eingeborenen diesen Schatz auf und finden dos Wasser stets rein und lübl. Es wirb angenommen, daß der Bauni die Feuchtigkeit aus zahllosen Poren aus der Rüch'eite feiner.Blätter ausschwitzl.
— Vom Siegeszug der bunten Perücken. Tie Leidenschaft sür grüne, blaue, rosa und vurvurne Perücken, die gegenwärtig in Paris unter den modernsten Modedamen herrscht, beginnt sich nun auch in London und Neu (York zu verbreiten. In der britischen Hauptstadt hat eine Tchauivielerin dieser seltsamen Mode die Bahn gebrochen, Madge McMointosh, die als Heldin in dem »eneii Einakter „Tie Musikkur" von Sbaw mit einer grasgrünen Perücke anftrat und mit großem Beisall die Lust zur Nachahmung erweckte. Tic Dame erzählt, daß sic die Bühnenanweisung de-s Dichters, der eine grüne Perücke vorschrcibl, zunächst mit nicht geringen! Entsetzen erfüllte. Aber Sbaw bestand ans seiner Anordnung, und als er sie in dem grünen Haarschmnck erblickte, sagte er: „Ausgezeichnet!" Und das Publikum war seiner Ansicht. Seitdem mehren sich, wie die „Köln. Zig." meldet, die großen Bestellungen, die in Paris aui bunte Perücken gemacht werden, und am meisten werden lichtblaue und blaßrote Werke der Friseurknnft verlangt, da sie zur Blondheit der englischen Miß am besten vassen. Dunkle Schönen ziehen ein tiefes Purpur vor, und man ist entzückt von den seltsamen Lichtspielen. die die clek tttschcn Lampen des Abends in diesen sarbigen Wundern em- sesscln. Jnrmerbin sind die Aussichten, daß sich diese Mode der sarbigen Perücken in weite Kreise ausbrcitcl, nur sehr gering. Tie Perücken find nämlich recht teuer: sie losten gegen 200 Mark und mehr, und außerdem muß die Tome im bunten Lockenschmuck natürlich eine in den Farben sein abbestimntte Toilette haben, die zu den Farbcntönen des Haares paßt, und eigentlich müßte sie auch ihre Räume damtt in Einklang bringen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wrssen- schast. Robert Käthe, dem bekannten Münchener Lauten, sönger, wurde vom Herzog von Mteichurg sür seine Verdienste um un, das deutsche Volkslied die Große Goldene Mcdastlc sür Kunst und Wissenschaft verliehen. — General m ns,kdirektor Max Reger soll nach einer Meldung der Rheinischen Mufik- und Theater,eüung die Absicht haben, um seine Entlassung aus meiving,scheu Diensten zu bitten. — Die 28. Versammlung der Anatomischen Gesellschaft wird vom 18. bis 16. Avttl 1914 in Innsbruck, unter dem Ilorsitze von Prof. v. Ebner itattfinden. — In Berlin ist im 88. Lebensjahre der frühere Perlagsbuchhändler und Begründer der bekannten Reisebiuher Theobald Grieben verstorben.


