Nr. 29 Drittes
Erschein! täglich mir Ausnahme des Sonntags.
Die „Eiehener jamiUenblättcr" ,verden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beiqcleqt, das „ilretrdlat! sür den üreir Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Laiidwirtschastltchen öcil- sragen" erscheinen monatlich zweimal.
Matt Jahrgang
General-Anzeiger für Gberheffen
Mittwoch. Zebruar (9^
Rotatiorrsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS - Buch- und Steindrnckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedttion und Verlag: Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Mb. Deutscher Reichstag.
204. Sitzung, Dienstag, den 3. Februar.
2rn Tische des Bundesrats: Dr D c l b r ü ck.
Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr mit der Mitteilung vom Ableben des Abg P r c u ß (Zentr.) und fährt fort:
Meine Herren! Welche Opfer an Menschenleben die Natur» gewalten fordern, haben wir erst am Sonnabend gelesen. Und nun ist wiederum ein stolzes Schiff der Marine Hamburgs in einer stürmischen Nacht an der Küste Englands zerschellt, und Itl brave Seeleute haben mit ihrem Kapitän den Sccmannstod daber gefunden. Aber trotz aller Mißgeschicke und trotz aller Widerstände schreitet die Kultur unaufhaltsam fort. Die deutsche Technik hat in diesen Tagen wieder Erstaunliches geleistet und Beweise ihrer Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit erbracht, auf die stolz zu sein wir alle Ursache haben. Jüngst hat der Kaiser dem Präsidenten der Vereinigten Staaten auf direktem drahtlosen Wege ein Begrüßungtztelegramm übersandt. Gewaltige Entfernungen sind damit übcrbrückt. Länder und Völker in früher nicht geahnter Weise einander nähergebracht worden Ferner ist ein großes deutsches Werk am 1. Februar vollendet worden: die Glcisspitze der o st afrikanischen Bahn hat ihren Endpunkt erreicht, und in wenigen Monaten wird die Eisenbahn von Daressalam bis Tanganzcka führen. Man wird diese Etr»cke in zwei Tagen durchreisen können, wozu man früher mehrere Wochen brauchte. Ich glaube in Ihrem Namen zu sprechen, wenn ich der Freude über die Vollendung des bedeutungsvollen Werkes Ausdruck gebe. (Lebhafter Beifall.) Ich werde dem Reichskolonialamt, das an diesem Werk in kraftvoller Weise mitgearbeitet hat. den Ausdruck der Freude de3 Reichstages übermitteln. Wir vertrauen darauf, daß die nunmehr vollendete Eisenbahn ein mächtiger Hebel sein wird zur Förderung der Kultur. (Erneuter lebhafter Beifall.).
kurze Anfragen.
Äbg Gochein 5Bp.) frag» an:
Zeitungsnachrichten zufolge haben die Herren Professor Dr. Brieger und Chemiker Dr. Krause ein wirksames Heilmittel gegen die Maul- und Klauenseuche entdeckt. Hat der Reichskanzler dessen Prüfung veranlaßt und ist. er fall? diese bcn behaupteten Heilwcrt bestätigt — bereit, das Mittel für das Reich zu erwerben und es den deutschen Vichhaltern gegen Erstattung der Selbstkosten überall zur Verfügung zu stellen?
Ministerialdirektor von Ionquieres: Dein Herrn Reichskanzler ist bekannt, daß d»c Herren Professor Dr. Brieger und Chemiker Dr. .Krause ein chemisches Präparat hergestellt haben, das nach chrcn Angaben in einzelnen Fällen von Maul- und Klauenseuche gute Enfolge gezeitigt hat. Aus den bis jetzt veröffentlichten Ergebnissen läßt ftch ein abschließendes Urteil über die Brauchbarkeit des neuen Mittels nicht gewinnen. Die Rcichsverwaltnng wird ihr Augenmerk auf die weitereil Versuche richten und sich mit dem preußischen Landwirtschaftsminister in Verbindung setzen. Zu Erwägungen lvegeu Erwerb des Mittels hat bisher, zuinal es von der Fabrck erhältlich ist, ein Anlaß nicht, Vorgelegen.
Abg. Kunert (Soz.) fragt an, wie weit die versprochen Denkschrift über die Vereinfachung der Verwaltung des Heeres, insbesondere der Armee-Intendantur gediehen sei.
Oberst Scheuch: Die Deanttvortung und Erledigung einer solchen Anfrage ist zurzeit noch nicht möglich, ^ic wird bei Be- ratu»ig des Militäretats erfolgen.
Die ^lbgeordneten Dr. Müller-Meiningen (Vp.) und Dr. von Liszt (Vp.) fragen an:
Ist zu erwarten, daß dem Reichstage in 'dieser Session e i \i Gesetzentwurf zur Beseitigung der schweren Schäden borgelcgt werden wird, welche der Grundkrcdit durch die übermäßige Erstreckung der Fristen für die Wirkung von Mietzessionen in den Fällen der §§ 1124 V.G.D. und 57 AvangsversteigerungLgesetzeS erleidet?
Direktor im Rcichsjnstizamt Delbrück: Namens des Reichskanzlers habe ich zu erklären: Ein entsprechender Gesetzentwurf ist bereits ausgestellt und wird alsbald dem Bundesrat vorgelegt werden.
Das Aeichsamk öes Znnerri.
(Zehnter Tag. Einzelberatung.)
Jur Förderung der Hochseefischerei werden' 600 000 Mark ausgesetzt.
Abg. Noske (Soz.):
Die Hochseefischerei hat in letzter Zeit einen erfreulichen' Aufschwung genommen. Doch genügt sic immer noch nicht, um die deutsche Bevölkerung mit diesem billigen Nahrungsmittel ausreichend zu versorgen. Eine verstärkte Förderung durch die _ Negierungen ist notwendig. Bor allem bedürfen d i e Fischereihäfen der Vermehrung. Sehr zu beklagen ist die vohe Unfallzisfer im Sccsischereigewerbc. Ein Grund dafür liegt sicher in der viel zu langen und anstrengenden Arbeitszeit.' Am schlimmsten sind die Mißstände aus den Heringsdampfern. Für die Hochseefischerei scheint die Scemannsordnung nicht zu existieren. Für die Hundearbeit erhalten die Leute nicht einmal gesunde und ausreichende Nahrung. Sie sind durch wahre- Sklavenverträge gebunden.
Abg. Schwabach (Natl.):
Durch di- Sturmfluten an der Ostsee ist dort eine Bevölkerung schwer geschädigt morden, die aus die Seesischerci angewiesen iii. Es ist eine alte Klage, daß die vom Staat- aus- geworfenen Mittel nicht ausrcichcn. Di- Bevölkerung, die rein gewerbsmäßig auf die Seefischerei angewiesen ist. dürfen wir Nicht zugrunde gehen lassen. Sie ist zu zahlreich und I,eiert unserer Flotte, namentlich der Kriegsmarine den'besten Nach, wuchs. Durch ihre Arbeit allein können diese armen Fischer niemals auf einen grünen Zweig kommen. Ti- Oslsecfischerci ist gegenüber der Nordsecfischerei immer mehr und mehr in Rück gang gekommen, cs muh ihr jetzt geholfen werden. Wir schlage» keine bestimmte Summe vor, beantragen aber eine den entstandenen Schäden entsprechende Erhöhung des RcichS- j u s ch u s s e k. (Beifall.)
Abg. v. Böhleudorff-Kölpin (Kons.):
Wir beklagen aufs tiefste die schweren Schäden, die das Sturmwetter zu Anfang des Jahres angcrichtct bat. Mit dem nattonalliberalen Antrag sind wir einverstanden. Vielleicht wird die deutsche Seefischerei bei der steigenden Bevölkerung den gesamten Bedarf Deutschlands an Fischen nicht decken können. Aber wie der Landwirtschaft, sind wir der Seefischerei Schutz schuldig. Die Fischerei gehört auch zur Landwirtschaft. kHeitcrkclt.) In ^Swinemündc brauchen wir dringend eine Hochseefischcreistation. Die schwere Arbeit des Fischers muh eine angemesse Entlohnung
Abg. Dr. Strube (Vp.)
Eine Erhöhung des Reichszufchusscs findet auch unsere Zu. stimitiung. Nicht nur für die Fischer, sondern auch für die Arbeiter im Fifchereigewerbe muh gesorgt werden. Den Fischern mutz mehr Land zugcstanden werde». Für die pommcrsche Küste find mehr Fischereihäfen notwendig. Die Eisenbahn muh den Fischern mehr entgcgenkommen, damit der FischtranSport möglichst schnell erfolgen kann. In Kiel sollte auch nachts verladen werden. Für die internationale Forschung auf dem Gebiete der Fischerei müsse» größere Auswcndungen gemacht werden.
Abg. Frhr. v. Nichthoscn (Natl.):
Das Haus ist einig in der Fürsorge für die Fischer. Wir bedauern, daß die Ncichsregierung unseren Entschlüssen vom vorigen Jahre nicht gefolgt ist Sie hat nicht 010 000 Mark in den Etat gefüllt, sondern nur 500 000 Mark. (Hört, hört!) Diese Summe muh unbedingt erhöht werden. (Sehr richtig!) Bei dcr Verteilung dieser Summe ist leider die HeringSfischerci sehr schlecht weggekommcn. Früher erhielt sic von 000 000 Mark Zuschuh eine Summe von 200 000 Mark. Bisher hat sie aber bei 500 000 Mar! nur 183 000 Mark erhalten. Allerdings soll dieser Betrag aus 200 000 Mark erhöht werden. Das ist aber zu wenig. Wie denkt sich die Regierung die Verteilung des Fonds in Zukunft? Ich hoffe, daß die Heringsfischerei bester gestellt wird. Im Jahre 1908 wurdeii für 98 Millionen Mark Fische verbraucht, im Jahre 1911 aber sür 150 Millionen Mark. Der deutsche Anteil an dieser Produktion betrug 1908 rund 20 Millionen Mark, im Jahre 1911 etwa 41,5 Millionen Das ist kein günstiges Ergebnis. T n die deutsche Produktion hat nicht Schritt gehalten mit dem gesteigerten Verbrauch. Das Reich muh mit starken Kräften hier eingreifen. (Beifall.)
Ministerialdirektor v. Jonquiöres:
Die schweren Schäden, di. die Fischer erlitten haben, bedauern auch wir. Wir werden die Not möglichst zu lindern suchen. Aber das kann nur in verhöttnismähig beschränktem Umfange gescheh,,. Die Mittel des Fonds dienen grundsätz-! lich dcr Förderung des Fischereibetricbs. Beihilfen für Schäden an Besitz, an Häusern iisw. zu gewähren, ist Sache dcr Landesregierungen. Dazu ist der Fonds von vornherein nicht eingerichtet. Ob in den nächsten Etat höhere Mittel eingestellt werden können,! ist nur eine Finanzfrage. Die Frage kann nicht für sich allein gelöst werden, sondern nur im Zusammenhänge mit den ganzen übrigen Verhöltniffcn. Aus dieeem Grunde kannten wir auch devi Beschtustc des Reichstags nickst folgen und den Fonds nicht auf 010 000 Mark erhöhen. (Zurufe: Leider!) Die Berechtigung der vielen Anregungen, die hier gegeben worden sind, erkennen wir durchaus an. Aber alle diese Ausgaben sind nicht Sache der Reichsregierung, sondern der Landesverwaltung. Wir werde» aber unsererseits die preußischen Restortministerien darauh aufmerksam machen. Die Fürsorge sür die Fischerei in den' Kolonien muh im Koloniatetat getroffen werden. Was die preußische Regierung tun kann, das tut sie auch. Die Eisenbahn v e rw a l t u n g ist stets auch den Interessen der Seefischerei entgegengekommen. Man kann ihr da nur ein glänzendes Zeugnis ansstellen. Nun wurde behauptet, die Ostsee sei nicht zu ihrem Rechte gekommen.
Ich kann erfreulicherweise Mitteilen, daß gerade in den letzten Jahren von dem Fonds ganz gewaltige Summen der Ostsee zugeflosscn sind. Erhebliche Mittel wurden zur ün( schafsu » g von Motoren bewilligt. In den früheren Jahre» wurden 80-00 000 Mark für diesen Zweck jährlich ausgegeben. Im Jahre 1013 wurden aber 190 000 Mark beantragt. Die Verhältnisse in der deutschen Fischerei haben sich in den lebten Jahre» wesentlich ge-, bessert. Die L-eringsfischcr, die früher viel zu klagen hatten, können auf ein sehr gutes Jahr zurückblicken. . Bei einer sehr, großen Produktion haben sich die Preise sehr gut gehalten, es war nahezu ein Reiordjahr. Die Heringssijcher haben keine Ursache, unzufrieden zu sein. Wir müssen uns vorbc°! halten, wie wir den Fonds verteilen. Wir haben einzelne Sätze mit den Heringssijchcrn vereinbart und können diese nun nicht in den, nächsten Jahre gleich wieder erhöhen. Die Beamten bei der internationalen Meeressorschung können nicht etatsmaßig an- gestellt werden, so lange diese Forschung nur von Jahr zu Jahr
jvereinbari wird. Die Arbeitsverhältnsse der Fischer sind zweifellos nicht ideal. Der Beruf ist sehr schwer. Die Seeberujsgenostenschaft sieht aber streng darauf, daß Miß- stände Nicht cinrcihcn. Die Fischer könne» aber nicht plötzlich aus den, Meere erklären: Jetzt ist die Arbeitszeit um, wir müssen die Netze einziehen. Rein, dann muh fortgearbcitet werde», und das tun die Leute auch sehr gern. Im großen und ganzen geht cs unseren Fischern auch wirklich nicht so schlecht.
Abg. Koerste» (Soz.):
Die Fisrber arbeiten heute noch »ach denselben Bestimmungen wie ,m 14. Jahrhundert. Das allein zeigt schon die Reform- bedurstigkcit dieser Bestimmungen. Die Strafen. Mit denen die Fischer belegt werden, sind drakonisch. Verwarnungen würden ,»«kommen genügen.
Abg. Fegter (Vp.):
Die deutsche Fischerei muß im Ausland e,n grotzeres Ab,atz- gebiet finden. Ter Konsum :m Inland kann durch sachgemäße Anleitung erheblich vermehrt tverden. Die Eisenbahn könnte durch billige Frachten helfend eingreifen. Man sagt, d c r W c h r- beitrag werde viel mehr bringen, als veranschlagt war. Vielleicht kann man den lieberschuß für diese Zwecke verwenden. Abg. Nooke (Soz.1:
Es ist charakteristisch, dah in diesem Falle, wo das ganze Haus einen lebhaften Wunsch hat, lumpig- 100 000 Mar! der Regierung schon zu viel sind.
Die Resolution Basscrmann (Natl.) auf Erhöhung der Fonds wird angenommen.
Abg. Meycr-Herford (Natl.) dankt für die Erhöhung der Unterstützung deutscher Seemanns- b-imc im Aue-lande. Wir können stolz sein auf unsere Scemanns- mission Auf diesem Gebiet könne» die Konfessionen einträchtig zu ammenarbeiten. Wir wissen auch, daß selbst die frqmden See- leute in diesen deutschen Heimen immer willkommen sind. So ist die Seemannsmission ein nationales deutsches Werk. ES ist eine sittliche Psticbt für daS Deutsche Reich, hier zu Helsen. Die freie Licb-S!ätigkeit darf natürlich auch nicht fehlen.
Abg. Sivkowich (Vp.):
Wertvoll sind die Seemannshcime auch in wirtschaftlicher Hinsicht, denn sic halten zur Sparsamkeit an. Für diese See- mannsbeinie sollten nicht 28 000 M„ sondern m nächsten Jahre 50 000 M. bewilligt werden.
Bei dem Zuschuß für di- deutschen Post dampf e r- Lerbindungc» mir Ostasien bittet
Abg. Dr. v. Graesc (Kons.) die Regierung, ncch vor der dritten Lesung di« neuen Verträge vorzulegen
Für Maßregeln gegen die Rcblauskrankheit werde» 1000 Mark ausgcsetzt.
Abg. Pcirotee (Soz)
fordert eine Milderung bei dcr Handhabung des Reblausgesetzes. Eine größere Spezialisierung ist notwendig. Die jetzige Schematisierung muß beseitigt werden.
Ministerialdirektor v. JonqniLrcs:
In Uebereinstimmnng mit den Wünschen des Reichstags hat eine Versammlung stattgcfunden, an der sich die beteiligten Kreise, auch Mitglieder des Reichstags, soweit sie WeingutSbcsitzer sind, und Vertreter dcr Regierungen über alle dicsc Fragen unterhalten haben, die hier Gegenstand der Beschwerden gewesen sind. Aus Grund des Ergebnisses dieser Per- Handlungen ist dann von Regicrungsvcrtretern unter Zuziehung von Sachverständigen im Oktober weiter darüber verhandelt worden. inwieweit die Bestimmungen des ReblauSgesetzeS einer Acnderung zu unterziehen sind. Diese Verhandlungen sind zu einem gewissen Abschluß gelangt. ES ist nur noch über den einen oder anderen Punkt eine weitere Erörterung notwendig, die in dcr nächsten Zeit stattsindcn soll. Sobald diese technischen Erörterungen abgeschlossen sind, werden die Bundesregierungen mit einer entsprechenden Vorlage befaßt werden. Nachdem der Deutsche Weinbauverband Gelegenheit zur Aeutze- rung genommen haben wird, wird nächstens wahrscheinlich «ine neue Vorlage an den Bundesrat eingebrach! werden.
Abg. Dr. Haegy (Elsässer):
5 Millionen Mark sind in Elsaß-Lothringen zur Bekämpfung dcr !>!eblaus vollständig ftuchttaS ausgegeben worden. Frankreich hat bereits die Ausrottung verseuchter Weinberg« als nutzlos auf. gegeben und lediglich seine Reben aus amerikanischer Grundlage rekonstruiert. ES bleibt bei uns Nichts anderes übrig, als denselben Weg zu beschrcitcn. Die Rcbbaucrn mit wenigen AuSnah- men sind darin mit der Regierung vollkommen einer Meinung.
Slbz. Dr. BcckcpHessen (b. k. P.):
Im Rheingau wollen die Winzer an dem Ausrottungsver. fahren festhalten, weit diese Gegend damit durchaus gut abgc- schnitten hat, und weil wir hassen, daß bei längerem Festhalten der Weinbau den richtigen ischutz sindet. Doch sind wir damit einverstanden, daß größere Versuche mit der Anpflanzung von Amerikancr- rcben gemacht werden, damit jeder Ort nach seinen besonderen Bedürfnissen eine geeignete Rebe erhalten kann.
Abg. Dr. Paasche (Natl.):
Wir wollen festhalten an dem Rcbtausgesetz. So tveii nütglich. holl auch aus diesem Gebiet Einheitlichkeit herrschen, wenn auch che» Wünschen der Weinbergbcsihcr cutgegengekommen tverden kann.
Der Titel wird bewilligt.
Das Haus vertagt sich.
Mittlooch 1 Uhr: Handhabung des B c re i n s re ch t-r.
Schluß ö Uhr.
politische Tagerscha«.
Der neue Staatssekretär für Elsatz-Loehriiiftcu.
In dcr „Straßburger Post" entwirft der frühere Bei geordnete von Straßburg, jetzige Oberbürgermeister von Schöneberg, D o m i n i c n s, von dein neuen Staatssekretär für Elsaß-Lothringen, Grafen v. R o c d e r », aus seiner bis berigen Tätigkeit ein nach manchen Seiten hin interessantes Bild. Dominicus erinnert daran, daß Graf v. Roedern in seiner Eigenschast als Laudrnt des Kreises Teltow es verstanden habe, sich eine ungewöhnliche Beliebtheit und Aner kennung zu erwerben. Charakteristisch sür den ltinsang dieser Gesinnung sei die Abschiedsscicr gewesen, die ibiu im Somnicr des Jahres 1911 bei seiner Ernennung zum Oberpräsidialrat von seinen Kreiseingesessenen bereitet wurde. Dominicus führt wörtlich aus:
Nichts kennzeichnet wohl besser die Beliebtheit, die sich Graj v. Roedern in seinem Landratsamt zu »erschaffen gewußt Hot. als di,' Worte, die dcr damalige Oberbürgermeister Sstiustchrus von Eharlottenburg zu diesen, Abschiedsesscn sprach, und worin er als Vertreter einer nicht dem Kreise angehörenden, aber wohl benachbarte» Ttadtgemeindr hcrvorhob, in wie hohen, Maße Graf v. Roedern es verstanden habe, die Interessen dcr ihm anoen traute» Gemeinden zu wahren und doch mit den großen Nachbar- städtcn Berlin und Charlottenburg in sreundschaftlichstcm Einvcr nehmen zu leben. Wie dem Grafen u. Roedern das Wohl und Wehe skincr krciseingesesscncn Bevölkerung ans .Herz getvachscn war, davon zeugt wohl dcr Umstand, daß er es >oar, der -zm- sammen mit dem Berliner Bürgermeister Reiste die Idee der Schaffung eines umfassenden Wald und W ic s e n gü rte ls um Groß Berlin und der Konservierung der dortigen fis kalischen Wälder auigeworten und mit Eifer utü> Zähigkeit verfolgt hat. Aus dieser Gesinnung heraus tvar Grat o. Roedern auch einer dcr lebhaftesten Beffirworter der Schaffung des Zweck- Verbandes Groß-Berlin, dcr bestrebt sein sollte, trotz dcr enorme» tommunalcn Zersplitterung Groß-Berlins für die wich tigsten Lebensfragen dieses Wirtschaftsgebietes eine einheitliche Lösung zu ermöglichen. Als einen großen Erfolg kann Graf v. Roedern cs begrüßen, daß diese seine damalige Anregung dcr Schaffung des Wald und Wiescngürtcls gerade in den letzten Tage» eine entscheidende Mw glüstlichc Lösung zur Erreichung dieses Zieles erlebt hat: hat doch i» der vorigen Woche der Ben. bandsanSichuß des ZwestverbandcS Groß-Berlin einstimmig beschlossen, dcr Berbandsvcrsammlung eine Vorlage zum Erwerb der fiskalischen Wälder auf einer volle» Erfolg verbeißcndeir Grundlage zu unterbreiten. In seinem Amt als Obervräsidialrat, das Gras v. Roedern nick» ganz drei Jahre innehatte, war er der Stellvertreter des Oberpräsidcntcn von Brandenburg und Berlin. Wie Gras v. Roedern auch i» dieser Stellung bemüht war, nicht bloß die laufenden an ihn kommenden Geschäfte zu erledigen, sonder» darüber hinaus neue Anregungen zu geben, datür darf als Beijpicl die Schaffung des Groß-Bertincr Vereins für K l ei n w o hnu ngs >v e s c n angeführt werden, die jern wesentliches Verdienst ist. Erfüllt von der Erkenntnis der Schädlichkeit des Groß-Berlinrr Massenmiethauses war Gras o. Roedern bestrebt, »ach dem Vorbild des io wohl bewährten Rheinischen stleinwohnungsvereins den Gemeinden, Bangrnoffcnschaitcn, Arbeitgebern usw. daS Ideal besserer, lociträumiger und gesunder Bebauung insbesondere für die Wohnungen des kleinen Mannes in vraklischer Weise vor Augen zu sühren und ihnen durch die Verbindung mit den beiden größten LanbeSvcriichcrungsanstaften von Berlin lind Brandenburg die hierfür nötigen Gcldauellcn zu eröffnen. So ist Gras n. Roedern unstreitig einer der hervorragendsten iünaern Berwaltungsbeamten Preußens, von uner müdlichcm Fleiß, hervorragender Intelligenz, herzlicheni vcriön- lichen Interesse an der ihm aiwertraulcn Verwaltung und ausgestattet mit ehrlicher gewinnender Liebenswürdigkeit. Wenn also schon in dieser Krise ein außerhalb dcr Verhältniffc von Elsaß- Lothringen stehender VerwalwngSbeamtcr an die Spitze des Ministeriums gestellt werden sollte, so kann man die Wahl deS Grasen v. Roedern für diesen Posten im Interesse von Elsaß- Lothringen nur aufs lebhafteste begrüßen. Davon, daß das Reicksland in dem Grafen n. Roedcn, etwa einen „ostelbischen Junker" im »blichen Sinne des Wortes bekommen würde, kann keine Rede sein.
Die Reichseinnahmen
sind in den ersten neun Monaten des lausenden RcchnunqS- fahreS bei mehreren Einn-ahmequcllen und vor allem bei den Zöllen hinter denen des Vorjahres zurückgeblieben. Das Jahresergebnis dürfte daher wohl kaum dem sehr vpnmisti-


