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Nr. 25

Muster Blatt

M. Jahrgang

Ü rschetnl rägtid) mit Ausnahme des sonntags.

£« ZomNteiiblätt«" werden dem

.Anzeiger' viermal wöchentlich beigeleal, dar ..rireirdlat, stir de» Krei* «ietzea-- zweimal wöchentlich. DieL«»d»irtsch-stlich«, Seil- tragen" erscheinen monatlich zweimal.

Eichener A'yeiger

Seneral-Anzejger für ©btfljejfcn

§amrtag. Zs. Januar

Rotationsdruck UN« Verlag der Brühl'jchr» UniversiiäkS - Blich- und LlSiiidrucrcrri. R. Lange, Kiesten.

Redaktion, Expedition uitb Druckerei: Sctsul* ftraste 7. Expedition und Verlag: s^öl. Redaktion: £*ätll2. Tel.-AdruAttzetgerGtesten,

- J"BL^

Ocnlscire Kolonien.

Die trntmitüuns unjercr Lchutzgebiel, 1012/18.

Die T e nkichrisk der Äolonialverwaltung über die deutschen stchusgebielc Afrikas und der Sudsee für da« Fahr 1912/13 wird zu Beginn der nächsten Woche im Buchhandel cricherncn.

Ter .Land friede ivurüe im Berichtsjahre 'April 19l> dir "lvrtl 1913 IN lctnem Scksutzgebt« ernstlich gestört In .»'amerun wurden me von Frankreich erworbenen G,'bietc an den iefl.tcictum Leimt neu m die deutsche Verwaltung übernom­men. Tale! laut cs mchnach zu Unbokinäßtgkciten etn- 1 einer Stämme, die aber bald unterdrückt totirven und. sich nickt werter auHdehnten.

Tie Be v ö l k c l u ng s Politik der «olanialucrtvä'tunq bat zahltctche IN chlontalvoltttiater wie kolontalwirtichajtlicher Bezie­hung ivtchlrge Au,gaben zu lösen. In Togo waren die qelundhetk- lichc.it Berhälkuttte sowohl iür Weiße tote sür Einskborette abge 'eben von der ,rn ctmgen Gegenden ausgetretenen Pockenkränktzeil, normal, .tn Kamerun iuztrdeit schritte zur Sanieruitg oon Tntala getan, wobei im Autereise des allgemeinen WohlS auck zur Enteignung non Lmtdcretcn der Eingeborcncu geichritren wer den mußte. Auck att einigen andern Plätzen Kamerun-- lmt die 'Sanierung Fvrtjchrtfte geinatlrt. Tie große Be k- eituitg der 's rf)t n j_fi a it f (; c 11 tn Kamerun madn der Verwaltung noch iatwete sorgen: ihre erjolgreicke Bekämpfung wird nock längere Zell und grobe Energie erfordern Am üleigen wird der die fttndheitözttstattd in Kamerun als gut bezeichnet. Aus O st a t ri k a wird ein bcirtedtgcnder GeinndbeitSzustatid der Weißen gemeldet: auck unter der sarltgen Bevölkerung traten teine verheerenden Seuchen aut. woll abc, werden die vorbandcnen Krankbefteit durch den Zunehmenden Eisenbahnverkehr, auck durch die beim Bau der Eisenbahnen tätigen Arbeiter, vieliach weiter als bisher oer- brei'ct. An S üd wc jt a i r i ka wir der Gesundbellszustanö der Weißen gitntng. wozu auck die fortschreitende Sanierung der ein zelnen Orte beiirug. Tet Gesundheitszustand der Eingeborenen hat tick gebciscrt, nur ist die Kindersterblichkeit immer noch tehr hoch. o

Tie weiße Bevölkerung in sämtlichen Schutzgebieten in von -3 iss? aut 2)389, alio rund um 100(1 Menschen, g e stieben. Tut Zuwach:- iommr hauptsächlich out Ostairika. dann aus Kamerun und Aeuguiuea. Tie -Akuahntc in Südivestasrika bängt auch» mit der Lkecndigunq von Eisenbahnbapien rutammen. Bet dem Zuwachs von Neuguinea ist zu beachten, daß auch die Japaner zu den Weißen gerechnet werden. Tic tatiädilidtt Be­wegung der gesamten farbigen Bevölkerung, ihre Ab- oder Zu­nahme. läßt iich schwer bestimmen, solange keine allgemeinen genauen Zählungen vor liege,!. Zuwachs- oder Abnahmezahlen, wie tic_ auch iür das Bcrickistabr vorliegen, lind also zurzeit aus neue Schätzungen und aut Fortschritte in den exakten Zählungen turjicfiLiiii fre.n. An Cftatrila sind durck neue Siedlungen von Eingeborenen länge- der neuen Bahnstrecken Verschiebungen unter der Bevölkerung eingclr.u:tt, die wohl nick: zu ü«en Nachteil gereichen. Tagegcn wirst das Wauderlcben der aut Lohnarbeit ausgehenden Reger eriidulich uttgünstia auf die natürliche Be. völkcrungsvermchrunsi ein, ganz abgeseben von der tchon er­wähnten hierdurch bewirkte» weieren Verbreitung von Krank teilen. Tie lumangegltedrrtrit Gebiete Aameruns sind in der BevölkerungSstaliinl ülerlsanpt twch nicht berncknchltgk. An Neu­guinea upd südwestatriia. ergaben die netrcrn Zählungen geringere BcvölkcntngSzahlctt, als bisher angenommen war. Zn Samoa Iku itdi die natürliche Vermehrung der Eingebvrenenbevölkeruitg gebesietl. Gleichzeitig hat aber and) die Zahl der Mischlinge wie­der zugenomtnen. Letzteres gilt auch iür Toga, Südwestairika und Tetmck-Gufttca. Tie RegicrungSschulen sind in ein­zelnen schittzgebseten. wie in Kamerun, noch nicht, ausreichend entwickelt. Bewährt bat iich in Neuguinea die schulniäßige Aus­bildung von 'Dolmetschern, die dann den einzelnen Häuvklingrm der Eingeborcucnselbstverwallung zur Erleichtcrung des Verkehrs mit den deutschen Behörden beigegebcn werden.

Tic w e l t sv i r tcha s t l i ch c Lage war zivar sur die Ko- lonialwittichaft im allgemcinegt günstig. Hot sich aber dockt geaen Ende des- Becichtslahres namenilidi durch den^ Niedergang dec Kautidmkvreiic zu verschlcdttern begonnen. Zn südwengsrila lut sowohl die Z-armloirlichail wie der Bergbau unter dem je tt tociie gcrinacrn Zuzug von Toambo-Arbettern, Zn Kamerun, wo große Nochsragc nach Arbeitern war und wo für die Regelung der Arber eranwerbung iowte -türiorge manches geschah, marine sich gletchsalld zeitweise ein c.iiivsindltchcr M anget an Arbei­tern geltend. Zn Citamla waren eie Ärbeitsoerbälrnisie im

allgemeinen beiticdigend, lnas nicht in letzter Lintc der kontrol licrenden Tätigkeit der Tistriktlommissarc zuzuichrctben ist. irret iich muß der immer größere Bedars an Arbeitern aus immer weiter entfernten Gebieten gedeckt werben. In Teutich-Reuguinca müßte die Zahl der jetzt dort tätigen Arbeiter verdoppelt werden, wenn nur die bestehenden Unternehmungen ihre Pilanzunqsoer- vckichtungc» iür die auigcnommcnen Ländereien einbalten loollru. Zum Abbau der PhoSvbailagcr mußten chtncnichc Arbeiter heran gezogen werden. Zn Samoa trat bei den ösicnllithcn Arbeiten rin Arbciiermangel ein.

Eine der wichtigsten allgemeinen lssrundlagcn der kolonial- wirtl'chast, das Verkehrswesen, ist in seinen verichiedenen Zweigen wieder crheblickt gefördert worden. Tcr Ersenbahnbau und »betrieb hat in allen asrikaniichen Schutzgebieten A-ortschrilte auszuweisen, namentlich in Ostafrika, wo die Tanganjika-Eiseu- ba--n am Ende des Berichtsjahr« bis zum kiiometsr 818 fertig- gestellt war. Zm Normen iw) SchutzzebicieS wurde die Neubau- sttecke der Uiamdarabalm Builo-Mo'chi vollendet, auch wurden Boiarbeitcit iür die weitere Aortietzunr der Bahn unternommen, flür eine -bahn und ci..e Eisenbahn nach Ruanda wurden Erinnduiigsarbeiten gemackn. Tie Bcirtebscrgebntiic der Zentral bahn waren gut, bei der llsaurbarabahn mack.'c fielt der Wegsall bet Bausrach cn bemcrtbar. An Südlocstaf ika wurde der Umbau der strecke Karibib-Windhuk beendigt, ebenso der Bau der Nord '-bahn: ans den neu ethauten Bahnstrecken wurde der Betrieb, allerdings erst zuin Teil, ausgenommen. Tie Betriebsergebnisse der Ltavibahn waren infolge der Vermehrung der Kuviersördc- iung gut. In Kamerun Hai die Nordbabn eine günstige Vetkelsrs enlwidlnng ausfnweifcn, an der MiNellandbrhn wurde weiiecg"- haur. Zn Togo tourde der Anschluß an Atalprmc -rrcibtx 'ür neue Troccn ivurdcn Vorarbei cn gemacht. Tie Bctrizbsergcb- nissc der fertigen Strecken waren günstig. Für den Seeschiss- iaht lsvertehr der Schutz,sebiele waren der Neubau der Lan- dung-.-briick« in Swakopmund, der allerdings erst zum TeU fertig» gestellt wurde, der löafenauöbau in Tonga, die Errichtung der neuen Landungöbrückc in Lome und die Uaienbauarbeuen in Tuala von Bedeutung. Für die neue Landung:- und tzalcnaii- la.,e in Lüderitzbudst Ivurden Vorarbn'cn gemacht. Für den Se:- ststifsahr'sverkehr unserer Südseeschutzoebieie war es wich ig. daß dtc regelmäßige Dampserverlrndung 2 dneg-Tutucka-san Fean- zislo wiederhergestellt wur 'e. Zm Post-, T c l c g r a v b e u » und Kabelverkehr sind bemerkenswerte Förtschritre zu ver­zeichnen. Abgesehen von der weitern Aulgcstaliung de» Post- nnd Telegravhenwesens in den einzelnen SLutzgebieren war die Legung Sei Kabels der Teutich-Riederl indischen K-bc-ae>e'lscho't von Rionrövsa uack) Lome und Tuala von großer Bedeutung. Kämerun und Togo sind nunmehr die ersten Schutzgebiete., die eiste deutsche kabclverbindung mit der io intat besitzen. Zn Neuguinea ist eine iuüken'elegraphische Verbindung zwischen ic. Ans Angaur und der Insel Aäv hergestollt worden, die ja mciriach an das Weltkabelnetz angeschlossen ist.

Unter den einzelnen Zloehgcn der .kolonialwirij-chaik slebt die l ,i n d w i r t i csta i i l i ch e P r o d n k t i o n ebcnau, namentlich wenn man nicht nur an die Auchuhrprodut ion denk-, bei der ja die Ttamanlen an erster S'ellc netzen. Bri den Eingeborenenkuleurtsn ist äußer ihrer groben Bedeutung iür die AuSflthr stets der elvene Perbtauckt der Eingeborenen za berücksichtigen. Turch die Ver­sorgung der Eifenbahnorbeiler mit Lebensmrtieln haben die Ein- geboieiienfulturr» noch einen besonderen Anreiz erfahren. Tie Pslonzerioirtschost hat sich, da die Wirkung dir niedrigen .kant- sdiutviei'c sich im Benchlsiahrc noch wenig geltend mochte, im allgcmcincii guter Vrehälinif e er reu: Auch die kaiitsdsulvslan-

zungen in Ostosril.ä delniten sich trotz der Warnungen, an denen es nickst schite, noch erheblich aus. An Siüt gab es eine gute Ernte und iäilanken Abütz zu guten Preisen. Tie Produktion von Kafsee nahm zu. Tie PArnzerwirtschäfr Kameruns ist im Fottichreittn: für einen neuen Zweig, die B a n a n e II Vst l a I! z u I! >!, sind durch ein Ausfuhtuniernehmen günstige Aussichten «schassen worden. Ben ach lick ist "ie Zunahme des P'lanz->« " ^''des i-! Neuäniliea. von tax auch im cr grö crc Teile crtragsfäbig w rden Zu be­grüßen ist rer zunehmende Anbau von anaern Produkten, wie Kaitti'chul. Kakao neben den Kokosvalmen. da die einseitige Ko- vrarroduktion iolonialivirstschostlid', immer etwas Bedenkliches an sich h'schen wird. Zn Samoa hat beionders der Anbau von Hevea tautsdnik Fortschritte gemadsl.

Die südwcstamkanifche Landwirtichasi hat zwar de» durcks die neuen Eisenbahnen zu erivartenden Anstoß uockr nicht voll eriabrcn. iich immerhin günstig weit« entwickelt. Trotz geringen Regens und vielsack dürftiger Weide haben iich die Biehbeständc der Fannen vermehrt, auch die Zahl der lctztern selbst dal zuge- nommen. Ter wichligste Teil, die Ri n d v ie h zu ch i. in in

vieler Beziehung noch im Versuckrsstadium: allgemein anerkannt: Melhodeu werden iich erst bei intensioerm Betrieb Herausstellen. Tas gilt and, iür die Schafzucht, die im übrigen cbenio toie dtc Rindvtehzucku gute Fortichrrttc autztiweiien bat. Für die letztere war auch von Wichtigkeit, daß Zuckürinder aus Toulsch- laud wieder eiugciührt werden dursten. Das Gestüt iür Pferde zuck, und die Bcrsuchsivrm iür siraußenzitckt baden die besten Eu'olge auizmoeiicn. Besonders hervorzuheben ist auch, duß die Viehbestände der Eingeborenen sich gut entwickelt und vermehrt haben.

Ter Bergbau und der ionstige Abbau von Mineralien, ein schließlich der PhoSvKaic, hat ein besonders günstiges BcirieüS' iahr zu verzeichnen. Obenan steht südwestairila. ivo dzr Tia inantenabban eine sehr bedeutende Steigerung, namentlick» nach Auinahm: des Betriebs durch die Pomvna-ttzciellschatl, eriuhr.

Tie industrielle und gewerbliche Täiigleii entwickelte itdi wer tcr aus der bisher innegchaltencn Linie.

Ter auswärtige Handel der iämilichcn Schutzgebiete hat sich von 210 Millionen Mark aul 263 Millionen Mark ei» böhl, wozu am meisten die Steiscrung des Geiamidandcls »pn Ostairrta von 68 auf 81 Mil'ioncn beitrug. Aber auck in allen übrigen Kolonien hat der Geiamtbandel, zum Tnl beträcht­lich, zugenv'nmcn. Ter E i n i u K r b a n d c l aller Schutzaebictc zusmnmcn ist lwn 112,2 Millionen Mark aus 112,7 2NilIionen Mark gestiegen, har also um 0 (0 000 Mark zugenvmmen: die Aüsiul>' sie von 98 aus 12s Millionen Mark gestiegen ist. hat um 23 Millionen Mark zugenommen. Von der Au»suhrsteig«ung kommen ans St'ckwestairisa ll und auf Ostairika 9 Millionen Ter 'Anteil Teulscklands am Ec,'amthandel der Tchiitzgebretc ist leicht ge'al'en: von 68 aus 66 Prozent.

Tie Finanzlage >oar in allen schutzgebielen günstig: Zn SüZwcstg'rika iniolge der erhol ltchgt Steigerung der eigenen Einnahmen aus dem Diamantenabbau, in Kamerun iniolge er» höb'er Zolleinnahnicn aus Gruuh des allgemeinen Gedeihens des Handels und der erhöhten Zölle iür geistige Getränke, in Ost- a'rika iniolge erhöhter Zoll- und Steuereitmahmen, ebenso wie in Samoa und Neuguinea. Tcr erhöhte Zui'ckiuß sür letzteres Schutz-- aebiet wird hauvtiochlick iür sanitäre Einrichtungen und laud- winschastliches Veririchswescii verwandt. Nur in Togo hat sich 'ie Finanzlage iniolge der gcringeim Eiiinalnnen aus de» Vcr- kehrsanlagen und der durch schlecht- Crnteergebniise verursachten Schwächung der Kauskrait der Eingeborenen etwa«! vericklechsert.

Ans Sta-t nn-S Lanv.

Gießen, 31. Januür 1911.

Berusswahl und Handwerk.

Pou zuständiger Seite erhakten wir die i'okgendiin beachtcisse werten AuSiübruugen:

Tic Schwierigkeiten, die Eltern und Vormündern hei der Atzib wähl eines Berufes entstehen, lassen es gcrecktie-t-.q: erickemen, aus das Handwerk zu verweise». Tas Hanchrerk in seiner reichen Vielgestaltigkeit bietet jedem ernste», ebrlich vor- wärtrstrebende» jungen Menichen günstige Aussichten aus eine gesicherte Existenz, und in vielen Zwciam ist Gelegimheit gz'bvten. selbst ohne reichliches Kapital sich ielbständig zu inacken. Aber auch Niem dieses letzte Ziel versagt icrn tollte, iindei bei tüchtiger Ausbildung in den meisten Fällen lohnenden Eriverd, denn viele Handwerkszweige sind in stetig steigender EniwiRuisg begrissen und in der Lage, dauernd gute Löhne zu >Men. Tie immer ntzch vielfach verbreitete ungünstige Ansicht über die Bedeutuitg und Zulunit des Handwerks ist durchaus irrig. Wenn auch i,u Wandel der Zeilen einige HandwerkSzweige der iortidtreilenden Entniistlung und dein Ueberhandnehmen der Tcdsnit nickst standbolten ionnten, so sind dock> wieder andere Zweige gerade durck die Etrnngen- ickasten der Neuzeit zu hoher Blüte gelangt. Bei manchen Be­trieben ist eine Konkurrenz der Industrie überhaupt nicht zu be- bcsürchrc». da deren handwerksmäßige Erzeugikissd dizrch die ma­schinenmäßige Herstellung der Industrie nickst gleichwertig ersetzt werden können. Wer daher ans den .zablrciöhen Bestrebungen staatlicher, tommunalcr und gemeinnütziger Korvorationear zur Hebung des Handwerks lernt, an jicki gut veranlagt ist und nach erlangter Selbständigkeit gute 'Arbeit liefert, nitdt'beit Wliuschen der sanier IN genügendem Maße Rechnullg trägt, der wird die Erlernung eines Handwerkszweiges nicht zu.bereuen haben.'

Ohne Zweifel lind die Ani'vcüche der Vcrbrauckier gegen trüber größer geworden, hem steht aber entgegen, daß die künstlerische Gestaltung der handwerklidien Erzeugntiie, die in zahlreichen Zächichulen, Kurten und Ausstellungen dem Lernbegietigen dar geboren werden, den jungen tzanöwerker in die Lage etzen. allen Aniorderungen .zu genügen.

Franen-Rnnd?cti«n.

lHeim, nicht Harem!"

'Als die Engländerin Graec Ellison, die zurzeit in Könstan- lirrovel in einem türkischen Haute das HarcmSlcben einer rür Wchc» Frau führt, »or einigen Tagen Hatideh-Hanum, die bc- kannte Führerin der modernen Frauenbildtiüg in der Türkei, tut Namen der großen engliicken Frauenorgantialiätten iraare, was die engliicku'tt Frauen tun könnteu, um ihren türkischen rsst'- irossinncti in !t,retn stanivie um de.ii Fortichritl zu helfen, da meinte Halideh-Harium: ..Buten Sie die Frauen Europas, das mißverslandene WonHarem" iür immer aus ihrem Svracki ichatze zu streichen und statt desscu nur von demHeim der tür­kischen Frau" zu sprechen, sagen Sic ihnen, daß ne versuchen sollen, scnc t'Divulc Aimoivbäre, die sic mit dem Begrissc eines otienloltichen Harems verknüpfen, aus il.ccnt Bontellnngslrcis zu der--teil: sagen Sie ihnen einiach, wie hier-unser Leben

veiläüsl."

Za. die türkische Frau," jo «zählt Grace Eltrson aus ihren Hqremseriahrungen,vetkelnt nicht mit der Getellschan von Pcra, aber nur ganz wenigen »SU ihnen erscheint das als eine Ent behrung Tic wtrkttwc türlitche Frau ans guter Familie bat «ine 'Äneigung gegen die Gciellichaitsdav'.en von Pera, und diese Abneigung ist, da ste die Frauen nocks bester kennt als d,ie Männer, vielleicht noch größer als die Abneigung gegen die Männer. Für die Fremden, Herren und Tamen, die NN euroväijckcn Viertel Konstanlinovels leben, hat die echte Türkin einen besonderen Aus­druck, der nie vl,ne eine gewisse milde Geringschätzung von ihren Lippen fällt.Petotf" nennt sie die Fremden. Sie verabs'ckseut da-s laut« Svtednn dreier Frauen, denn von Kindheit an Hai die Türkin vornehmeren Standes gelernt, ihrer Stimme Zurückhal lung auszuerleaen und rat mit einer weichen, halbierst-» Stimme zu sprechen. Sic verabscheut die Gewohnheit derPeroten", Fragen zu stellen, denn die Tülkii, tvill nickü gefragt sein: und ne vetäkichenr das- ueit-neriqe S'iarr.cii der Männer, die mit ihrem Mstck den Scksleier der- tzürtrn durcksdringen möchten. Aber sie weiß genau, ivelche 2Irr R>->mantrl der Euroväer ihrem Leben beileg! kennt jene Haremödüchm. die das Leben des türkische» Hauses so grenzenlos entstellen und mißverständlich nnedergebcn. tun die Phantasie europäischer Leior anznrege» und dabei zu mißleiten Mn einem Ackiselzuckcn der Ironie spricht sie von dicicr Verkennung :l,r-'-s .Hcintes bei den Fremden. Grace Ellston erzählt, wie sic kützlim eine ihrer türkischen Freundinnen ragte: .Warum hat di.' Mehrzahl von Euch Türkinnen eine ioickic Ab neigüng gegen ?ie Peruicit'?" Und die Amivari lautete:ste

haben das Blut von sechs Nationen und die se.'le keiper. »ic haben die Laster von seckjs und die Tugenden von keinem Volke." Tie Lcvaniinerinncn sind es. aut die dieses harte Urteil, btn- zieti. und die Levantinerrnnen und ihre ausgesck'mückrcn Märcken waren es auch, die Europa eine so salickse Vorstellung von dem wirklichen Haeemolebcn gaben.Armer türkischer Mann, in: viel wurdest du verleumdet! Ter Türke liebt sein Heim und seine Frau, er ist ein güliaer und nachsichtig« Gatte und ein ,örtlichee Bat«, aber teotzdem wird er von den meisten Euro- päeri; nackt jenen l uutauigevutz'en Haremsromanen beurteilt, die nichts, aber auch nichts von dem wirklich«! Leben der tLtlischr» Frau gelnt. Nein, die Türiin steht nick abseits vom e.llgc meinen Lehen: immer starker werden die BerbindnngSfäden, die sie mit der 'Allgemeintteit oerknüpien. Wo sind Kaute ihr: Av welen NUS ihte Schmuckgcrätc'? Mit Ernst und Begeisterung wurde alles geopfert, um die Verteidigung des Baierlandes zu «leichter». Za. cs wäre Zeit, daß Europa tick daran gewöhnte, die türtiicke Frau zu sehen, io mte sie ist: jo. wie sie mustcrbait den roten Hallmond organisierte, wie sic ihre Frauen,citung'lieft, wie sic du: Krankenkurie absolviert und in ihrer allein Lärnt ab- folden Weise tn der Stille alle jenen Bildungsmöglichkeiten er­greift, die die letzten Jahre ihr eröffnet haben."

Aus dem Sündcnregiftcr vcr B.lonvinen.

W« hat an den 110 000 Ehescheidungen schuld, die int letzten Zahle in 'Amerika ftattianieit? - Tie Blondinen und nur die Blondinen. TasAmerican Magazine" beweist es uns, nach­dem es die Gutachten einiger bedeutender amerikanisch« Juristen, die..Spezialisten in Eheicheibungofachen" sind, ejngebolt hat. Nach diei'c'u Angaben cntiallen neun Zehiuel aller Eheichetdunaen aut Blondinen. Ter in 'Amerita bekannte Richter Giegerich vom New Borkcr Gericklshoi hat in der letzten Zeit 220 EKeichet- iungsrrozesje entschieden und in 210 war eilte Blondnn der schuldige Teil Dictc Blondinen bilden nack der 'Ansicht der Richter iür Amerika eine viel größere Gefahr, als die schwarze Eciahr. Man toll ihnen ein Schild umbängcn mir den Lüorten: .^Vorsicht! Geiahr!"Ick weiß nicht, woher es kommt," meint der gelehrte Nicki«,aber cs ist nun einmal so."

Ebenso ungünstig sür die Blondiuen lautet die Auskunft bcL New Porter Rechisanwol'es Hermann L. Roth, der die ScheidungS- prozesse vcri'Mcden« Periönlichkeiien von hoher gesellschaftlicher Stellung geführt hat. Auch er kmnmt aus Gruu" sein« Er- salttnngen zu dem Ergebnis, daß in 99"-- der Fülle Blondinen de: schuldige Teil sind. Roth kommt aus Grund sein« Erfahrun­

gen ü. -rhaupt zu einem sehr ungünsligeu Urteil üb>-r den Cha> ralter dlond« Frauen. Sie sind eilet, mankelmütig, lieben den Flirt und die Koketterie. Ein bedeutender Tdcatcragcnt hat die priahiung gemacht, daß blonde sck'auivtclertniten tu Fanttlien- ranten in her Regel die Znirigantinnen spielen, die 'Rallen der Flauen, die mit rückiicknsloi r Energie die anderen niedertketen, rghiend die Rollen der bedauernswerlen Wesen, die durck ihr gulee Herz unterliegen, gen-ähnlich von Brüneltett gespielt wer en. Roth lwrmas viele Beispiele anzusührcn, in denen Männer in ihrer Ehe mit Blondine., iehr üble Eriahrungcn -sxmacht ',ate. Ein Millioiiärssohn heiratete «n Cbormädch,-». Tie Ehe wurde sehr bald wieder geschieden, -sie verlangte wöchentlich 'Alimente von 250 Dollars 1000 Mgrk. obwohl lic wenige Wotven vorbei', als sie noch unvcihctraiet ivar. kanm 20 TollarS 60 Marl, in der 'Wollte verdient batte. Es lliebe noch F» «-- klären, wol.er die vielfach verbreitete Aussaiinn-t von dt-.ut inilden Wesen der Blondinen hmrübrt. Tic Schuld liegt vielleicht an 'en Mal«», die Madonnen und Engel meist um goldenem Haar malten, bloß deshalb, weil eine lichte Haariarbe dem Bild ein hübsches Aussehen gebe

Ein ebenso barles Urteil fällt ein anderer, in Eliecku-töuttgs- sachen viel auigeiuch'er Jurist Wef-ge Robinson Er Kai «die Er­fahrung gemacht, daß in vielen Fällen, wo Sie Briim-tie der schul­dige Teil ist, sie durch ihre Herzettsgüle ihren Mann' wieder zu gewinnen weiß. Im übrigen lind die Brünetten mit dem Heiraten schlechicr daran, da «fahrttngsgemäß ein viel böberer Prozentsatz Brünetter unverheiratet bleibt.

Ter Regenschirm der Königin. Ti, Köttigt* von England bat dieser Tage die Erfahrung macken Müfteü. daß der heilige Bürokratius nickt mit iich spaßen läßt. Nährend ein« Besuches bei tau Bischöfe Tr. Pollock äußerte dt" Königin plötz­lich den Wunickl dem Schloßmnienm -in» Beinck ahzustakte». Tcr Museumsdiener jedoch, d« sie nicht .rlonnte, bestand stell und fest darauf, daß sic, ehe sie einten,', erst ihren Reacafchitm abzugeben habe. Ta zu hatte diese jedoch kein Lust. Ter Museums Keamtc seinerseits ließ sich nicht irre macken und hinderko trotz det Fürsprache des Bischofs und des Gcj-'lt. - der Königin iiand- haftcitveiie den Eintritt. Ter veiltge-otratinS aber tourde diesmal doch übers OKr gehauen, denn als sein a-.m-w Tiengr Hörle, daß cr der Königin von England den Eitttrtli oertueigert habe, rühr ihm der Schreck derart IN sie Glieder, daß die Königin unterdessen und zwar mit ihrem Regenschirm ungebiirdcrt ciu* kielen konnte.