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Nr. 21

Zweites Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag».

Ti-«ic&fner z-mllienblätter" werde» dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigeleg,, da» itrelrblott für den Kreis Eiegen" zivcimal wöchentlich. Tiekandwirilchasllichen Seit-

sragen" erscheine» monatlich jwetinal.

16^. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhejjen

Montag- 2t. Jannar 19^

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Universität» - Bitch- und Sieindruckerci.

R. Lange. Gießen.

Redaktion, Expedition tind Druckerei: Sebul» slraüe 7. Exvedttlon und Verlag: k^E öl. Redaktion: l 12. Tcl.-Adr.: AnzeigertSiegen.

Mb. Deutscher Reichstag.

199 Sitzung, Sonnabend, den 24. Januar.

Am Tische der Bundesratö: AicmanS.

Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 19 Uhr 29 Minuten

Lie Se'inMe der bewasfoelen Macht.

Zur Beratung stehen öic Anträge, betreffend die Befugnisse der beivafrneten Macht, den Waffengebrauch des Militärs uno die Militärgerichtsbarkeit.

Ter von voltsparteilichcr Seite eingebrachte Antrag Dr. Ablas; isr ein vollständiger Gesetzentwurf. Er lautet:

8 1. Tie bewaffnete Macht kann zur Unterdrückung innerer Unruhen nur^auf Ersuchen der zuständigen Zwilbebördc verwen­det werden. Tie Fälle, in denen ein solches Ersuchen zulässig ist. und die Formen, in denen cs zu erfolgen hat, bestimmt der BundeSrat.

§ 2. Unberührt bleibt das Recht oer bewaffneten Macht, die Ausübung ihrer dienstlichen Tätigkeit gegen Änarisse und Stö­rungen zu schützen.

§ 3. In de>i Fällen der 88 1 und 2 ist der Gebrauch der Waffen abgesehen vom Falle der Notwehr, gestattet:

1. zur Abwehr eines Angriffs oder zur Ueberivältigung eines durch Tätlichkeit oder gefährliche Drohung geleisteten Widerstandes,

2 zur Erzwingung der Ablegung der Waffen oder anderer zum Angriff oder Widerstand geeigneter oder sonst gefährlicher Werkzeuge,

3. zum Schutze der ihrer Bewaffnung anvertrautcn Pei> soncu oder Sachen.

4. zur Vereitelung der Flucht von Personen, welche ihr alS Gerangener zur Bewachung anvertraut oder von ihr ergriffen oder festgcnommen sind.

8 4. Tie Destiminungcu über den Belagerungszustand wer­det durch diese» Gesetz nicht berührt.

Ein von Elsässern und Polen unterstützter Antrag Del- so r (Elf.) lautet:

Der Reichstag wolle beschließen: In Anbetracht

1. des durch das Vorgehen des Obersten von Reuter in Zabern entstandenen Konflikts zwischen der Militärbehörde und der Zivilverwaltung:

2. der MeiniiiigSvcrschiedenheit zwischen der Militärbehörde und der Militärjustiz einerseits und dem Unterftaatösikrctär des Innern im Ministerium für Elsaß-Lothringen andererseits i»ber die Gültigkeit der preußischen Kabinettsordcr von 1820 in Elsaß-Lothringen:

3. der Gcfahrcii. welche für die öffentliche Sicherheit uiid Rechtsordnung, für die persönliche bürgerliche Freiheit aus die­ser Rechtsungcwißheit sich ergeben, die um so größer ist. als für die in Elsaß-Lothringen stehenden bayerischen Truppenteile andere Vorschriften gelten.

den Reichskanzler zu ersuchen, baldigst einen beschleunigten Ge­setzentwurf einzubringcn, »vclchcr die Befugnis der bewaffneten Ausübung der 'lautlichen Zwang^gewalt für das Reicki ^nheitlich regelt und der Rechtsauffasiung Geltung verschafft, daß das Militär nur auf Requisition der Zivilbehörde zu Polizei-^ lichen Zwecken verwendet werden darf.

Der Antrag der Sozialdemokraten ersucht 'den Reichskanzler, einen Gesetzentwurf einzubringen, durch den unter Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit die Militärpcrfonen des aktiven Heeres und der aktiven Marine und die übrigen in 8 1 der Mil'tärstrafgcrichtsordnung für das Deutsche Reich ge- nannten Personen der bürgerlichen Strafgerichtsbarkeit unterstellt werden.

Ein n a 11 o n a 11 i b c r a I c r Antrag Wassermann lautet: Der Reichstag nimmt davon Kenntnis, saß eine Nach­prüfung der Dienstvorschrift über den Waffengebrauch des Mi­litärs vom Jahre 1599 ungeordnet ivorden ist, nachdem sich bei den jüngsten Ereignissen in Zabern Zweifel daran ergeben haben, ob diese Vorschrift die Befugnisse der Zivil- und Militärbehörden richtig abgrenzi Ter Reichstag, ersucht den Herrn Reichskanzler. vaS Ergebnis dieser Nachprüfung baldigst dem Reichstag bekannt- SDSebcn.

Ein Zentrums« »trag Dr. Spahn ersucht den Reichskanzler. bei den verbündeten Reaicrunacn dahin zu wirken.

ban die Voraussetzungen für das Einschreiten des Militärs i"voli- zeilichen Angelegenheiten übereinstimmend in einer die Selbst­ständigkeit der Zivilverwaltung sichernden Weise geregelt werden.

Präsident Tr. Kaemyf:

Ich empfehle, alle Anträge gemeinsam zu beraten.

Abg. Dr. Müller Meiningen (Bp.) beantragt, den ZenrrumSantrag betr die bewaffnete Macht sofort anzurnhmen und die anderen einer Kommission von 21 Mit­gliedern zu überweisen. Die Erklärungen des Reichskanzlers haben nickt voll befriedigt. Wir müssen überhaupt dagegen pro­testieren. daß so wenig auf die in Resolutionen niedcrgclcgrcn Wünsche .'ingegangen wird. Tie Antworten des KriegSministerS sind eine ununterbrochene Kette von Provoka­tionen (Sehr richtig!) Ich glaube, das Zentrum denkt ebenso. ^Tehr richtig! im Zentrum.) Das wird jcSe Partei tun, die etwas auf sich hält. ES wäre ein Akt oer Parlamen­tär i s ck n Solidarität, von der ich nur die Rechte auS- uehme. wenn wir unS 'Derartiges nicht biete»i lassen. Süddeutsch- land kennt solche Bestimmungen nicht, wie sie zu den Vorgängen von Zabern gerührt haben. Teöhalb ist ein Reichsgeseh dringend notwendig. Es soll Frieden schaffen zwischen Zivil und Militär, um allen Exzessen und Rcutereien ein End-' zu machen. (Beifall.)

Abg. Fehrenbach (Ztr.):

Mit ocm Antrag des Vorredners sind wir cindcrstaiiden. Wir wollen eine starke Einflußnahme nur den Willen der Regierung. Hoffentlich kommt dcsha', ein reckt einmütiger Beschluß deS Reichstages zustande. Wir müssen bei der Materie auf gewisse partikularrechtliche Strön. >ngen Rücksicht nehmen. Es wäre zil befürchten, daß ein Reichsgesetz die vorzügliche Regelung stören würde, die die Materie bereits in Bayern und Württemberg ge­funden har. Vor allen Dingen ist die Bestimmung zu treffen, daß die Militärgewalt nur auf Requisition der Zivilbehöroe eingreifcn darf. Wenn Preußen den Gegenstand in partikularrechtlichem Sinne regelt, so muß cS ebenfalls in diesem Sinne geschehen.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.) .

beantragt, auch den Antrag Berssermann sofort anzunchmcn.

Die Abgeordneten Bassermann (Natt.) und Fehrenbach (Zenir.) schließen sich an.

Abg. Dr. Haase (Soz.):

Daß die Regierung die Resolutionen zur Wehrvorlage nicht befolgen würde, haben wir immer vorausgcsagt. Ter Reichstag wird ja immer von den Regierungen mit F utz t r i t t e n be­handelt.

Präsident Dr. Kaempf:

Sie dürfen nicht oavon sprechen, daß der Reichstag mit Fuß­tritten behandelt wird. Ich rufe Sie zur Ordnung. (Lebhafter Beifall rechts.)

Abg. Dr. Haase (Soz.):

Wir hatten andere Erklärungen von dein Abg. Fehrenbach erivartet Jedenfalls ist aber das wichtigste, daß die Militär­gewalt nur auf Requisition der Zivilbehörde einschreitcn darf. Dir werden deshalb auch für die Anträge eintreten. Unseren Antrag hat der Reichskanzler aus sehr durchsichtigen Gründen dargestellt, als ob er ein Akt revolutionärer Betäti­gung sei. Wir fragen, ob es nötig war. die bürgerlichen Par­teien zu sondern und seinen ganzen Angriff auf die Sozialdemo­kratie zu richten und damit die Aufmerksamkeit abzulenken von der Schuld der Regierung und der Parteien. Unser Antrag ist oft genug gestellt worden. Dir brauchen ihn daher nicht nochmals zu begründen.

Abg. Httlch (Elsässer):

Es ist erfreulich, daß der Reichskanzler anerkannt hat, die Kabincttsorder von 1820 vertrage sich nicht mit der Verfassung und den Reckten von Elsaß-Lothringen. Wir wollen aber den Tag nicht vor dem Abend loben, der Gang der Verhandlungen har uns schwer enttäuscht. Wir wissen nicht, ob wir den schwan­kenden RechtSboden in Elsaß-Lothringen wieder gewinnen. Wenn jeder Soldat sein Recht im Tornister mit sich trägt, so kann bas nach Lage der Verhältnisse für uns verhängnisvoll werden.

Abg. Bafsermann (Natl.):

Tic Erklärungen des Reichskanzlers konnten im allgemeinen befriedigen. Er hat die Tatsache anerkannt, daß Lücken bestehen, 'und daß eine Prüfung erfolgen werde. Daß Ergebnis werde er uns mitteilen. Die Rechtsfrage ist aber nicht zu bean-

das neue berliner Gverntaus.

Tic Ausstellung der Entwürfe.

Aus Berlin wird uns geschrieben: Ludwig Hoss-

manns Pläne für da- neue Berliner Opernhaus sind in diesen Tagen den, Budgetausschuß des preußischen Abgeordnetenhauses vorgclcgt wurden. Ter mühsame Kamps um dieses gewaltige Bau- werk, der gefährliche Formen anzunehmen drohte, ist damit durch- gefvchtcn. Tcnkt -man zurück an die Planungen van Gcntzner. Mittmann und Grude, so hat die protestierende Ocsscntlichleit ein architektonisches Tclrkel verhütte, Krone und Ministerium hat sic vor einem osscnsichtlichen Mißgrin bewahrt, den zu be­gehen man lis zum letzten Augenblick nur allzu gern bereit ge­wesen ist. £>.» »euer Bau ist schließlich auch ein Werk überlegenster Kritik. Selbstverständlich konnte der Architekt die riesigen Vor­arbeiten, die vier geleistet worden waren, nickt unbeachtet lassen. Mit all den verfehlten und unzureichenden Versuchen mußic er sich «niseinandcrfctzen, um zu einem Entwurf zu gelangen dessen wesentliche Eigenschaft darin zn suchen ist, dast ei» erfahrener Baunleistcr daS gegebene Programm von allen Schlacken, die >h,n irgendwie «»hafteten. gereinigt hat.

Hossmann erstrebte gegenüber den komplizierten Verhäliniisci! die allergrößte Einsachheit. Ter Bau mit dcnt bei allen srühcrcn Entwürfen führenden Aussatz für das Bühnenhaus sollte eine einheitlich geschlossene Masse werden. Steigerungen sollten nicht durch äußere Zutaten, sondern durch die richtige Gcgeneinandcr- stellnnq der Ranmmasien erzielt werden. In, Innern sollte der Zu schauerraum und nicht, wie bei den früheren Entwürfen, ein nronnnrcntalG Treppenhaus die Dominante werden. .Hand rn Hand damit geht das Bestreben, die riesig.' Baumassc iür das Emvsinden leichter, icstlicher zu machen. War bei den srühcrcn Entwürfen an der Fasjadcnfront ein Rieiengicbe! von annohernd 90 Mtr Brcilc zu sinden, io begnügt sich hvlimanil damii, die beiden Ecken durch kleine, gut dnrchiührbare Giebel zu betone», »nd läßt in der Mine den bis zur Front iwrgezogencn Bühncn- aufbau wirken In gleicher Weise verkleinert er die Säulen, die man vordem vom Königsvlatz bis »um Tachgesims ricscn- 1 , 3 * Miswachie» iah. Er scvt sic. wie am ReichStagsgebäudc. au, einen 7 Mir Hohen Sockel und führt sie damit au, ein menichlich- gesölliges Foriiiat zurück. Tadurch vermeidet er das peinliche Gefühl der Enttänschung, das man immer erlebt hätte, wenn man durch eine so reine Säulenarchitektur in die niedrige Vorhalle eingetretcn wäre. Jetzt gib- die Vorhalle den Besuchern den Maß­stak Durch sie tritt er in ei» Treppenhaus, das nicht allzu groß ist, das abc, im Gegensatz zu dem früheren Prosekt eine klarere ,liichtungstcnden.z bekommen hat. Es strebt in einer schmal an­gelegten Halle dem Znschaucrraum zu, der als Zielpunkt dieser überlegten Stcigerungskunst machtvoll monunicntal wirken muß.

Die Zugänge zu den beiden Parketts und Rängen sind klare, gerade Achsen, die von der Vorhalle ihren AnSgangSpunIt nehmen und durch ihre Klarheit auch vom seuervolizeslichen Standpunkt versöhnen mit dem Verzicht ans die offenen Höfe, die im Ber- lau» dieses Wettbewerbs als ein beachtenswerter Gedanke ansge­taucht waren.

Ten dissizile» Punkt: die Anordnung der kaiserlichen Räume im ersten Ranggeschoß hat hossmann mit genialer Einsachheit gelöst. Es handelt sich darum, durch eine Anzahl Räume eine Verbindung zwischen der kaiserlichen, Proszeniums- und der großen hoslogc zu schassen, ohne hie eine Hälfte der ersten Rangbesuchcr abznschnüren. Zur Isolierung dieser hosräumc sind die schwie­rigste» Versuche gemacht worden. Bald wurden für den hoi, bald ,'ür die Leute des l. Ranges Brücken, Tunnel. Zivischengeschosse ii. a. angelegt, hossmann bleibt bei der ursprünglichen Programm- skizze, leg! mitten in den l. Rang die große hosloge mit ihren Talons und läßt ganz einfach für die seltenen Fälle, in denen diese Loge benutzt nnrd, die Möglichkeit, den Turchgangsraum für Augenblicke abzusperren. Ebenso verhält er sich bei dem großen Fover, das die Programmskizzc ohne eigentliche Begrün­dung in fünf ungleichartige Räume aufteilt. Er macht daraus eine einzige Särilenhallc von etwa 90 Mtr: Länge und schasst sich so durch ein Zurückgchen a», die allercinsachstc der Möglichkeiten eine architekronislbe Situation von zwingender Größe

Man sicht, wie hossmann. als der erfahrene Baumeister, überall daran, ans war, Kompliziertheiten zu vermeiden, aus das Einfachste und Selbstverständlichste zu kommen und dadurch eben bedeutend zu wirke». Auch das Acußere de» Werkes ist ia an­gelegt. Das Opernhaus lildet mit den beiden zugehörigen Neben­gebäude» eine einheitliche Masse, die in sich klug gesteigert ist. Sockel und Tachgesims gehen mächtige horizontalen, zwischen denen an den Seiten Pilaster, an den Eckpaiticn Treiorertcl- Säulen und in der Mitte ichlicßlich als stärkster Akzent ganze Säulen vorgesehen sind. Tie Baumassc selbst ist ziemlich frei ran plastischem Schmuck gehalten, dafür sind die Tachlinien mit einer großen Anzahl Figuren besetzt. Tas Ganze hat dadurch einen stark barocken Ton bekommen, ein Barock, durchgesühlt von einem sein empfindenden Baumeister. Also nicht das. was einem vorschwcbl, wenn man eine Architektur des 20. Jahrhunderts verlangte: aber eine glückliche Lösung dieser Komproniißausgabe. au, barocken Ansprüchen ein zweckmäßig modernes Opernhaus zn entwickeln. ^ Paul Weither m.

T ie Gesellschaft sür Verbreitung von Volksbildung hat im Deutschen Reiche in den letzten sün, Jahren 47 435 Bolksbibliotheken mit 1015 783 Bänden begründet und unterstützt. Es erhielte» Büchcrzuwen- dungcn in den Jahren: 1909 8919 Bibliotheken 181887 Bände,

st a n d e n , er hat anerkannt, daß rm allgcmcincn ein Einschreiten der Militärbehörde nur auf Acguintion oer Jwllbetördc erfolgen darf. AnSnahmciöllc gibt ja auch der freisinnige Antrag zu, Tie Sachlage iit soweit klar. Wir hossen, taß die Ergebnisse der Prüfung dem Reichstag baldmöglichst vorgclegt werden.

Ter ZcntrumSantrag sowie der nationallibe. r a I c werden gegen die Stimme» der Rechten angenommen, die anderen einer Kommission von 21 Mitgliedern ü b e r w i e ,' e u.

Abg. Tr. MüSer-Mciningei! (3Jp.) beantragt Vertagung.

Tie Vertagung wird angenommen. lLebhafter Benallst

Mittwoch, den 28, Januar, nachmittagr- 2 Uhr: Etat de» Rcichöamts des Innern.

Schluß 11 Uhr.

Deutlet*?» Ncictz.

Sei» Reichs-Zigarette n-Monopol. Im Zu­sammenhang nift den Ans ehe» erregenden .Haussuchungen bei der Georg A. Jasmatzi A.-G. und anderen Zigarctten-- sabriken in Dresden ist das Gerücht entstanden, daß die Re­gierung schon seit längerer Zeit mit dem Plan umgehe, das Zigarettenmonopo einzufiihren. Wie dieVerein.Tabak-Zei­tungen" hierzu in ei ec Unterredung mit Un.erslaatS.ekrctSr Jahn im Renhsscha^ amte erfahren, ist im Reick-s.chatzamte von diesen Erwägungen zurzeit nichts bekannt. Auch liegt ein e.usgearbeiteter Entwurf zur Vorbereitung deS Ziga­retten Monopols nicht vor. Das Rerchssch^ahamt steht viel­mehr allen derartige» Nachrichten vollständig sern.

Zur zweiten Lesung des Voranschlags des Reichsamts des Innern beantragen einige Vertreter von Weinbaukreisen der' nationalliberal'en Fraktion und des Zentrums im Reichstag, die verbündeten Regie­rungen zu ersuchen, im nächsten Voranschlag eine ent­sprechend hohe Summe als Prämie einzusetzen für den E r s i n d e x eines zuverlässigen, gut anwendbaren Mittels, niit welchem der unseren Weinbau schwer schädigende Hen- und Sauerwurm mit Erfolg bekämpft werden kann.

Die Verhandlungen über die Bewilligung deS Reichsbeitrags zu den Kosten der Vor­bereitung und Durchführung der olpmpischebi Spiele, die zwischen Vertretern der Regierung und den Fraktionen des Reichstags geführt worden sind, haben bisher zu keinem positiven Ergebnis geführt. Für die Be­willigung de-s Beitrags werden nur die Konservativen, die Reichsxarteiler. die Wirtschaftliche Vereinigung, die Natio- nallrberalen und die fortschrittliche Volkspartei stimmen. Das Zentrum hat es abgelehnt, für den Beitrag zu stimmen, hat sich aber bereit erklärt, für den Voranschlag sür 1915 einen Repräsentationsfonds für das Reich zu bewilligen. Tie Durchführung der Vorbereitungen zu den olpmpischrn Spielen wird mithin von den Einzelstaaten zu überuehmeu sein, vornehmlich wird Preuße» die Aufgabe zufallen, einen höheren Beitrag für diesen Zweck auszuwersen.

Jn Sachen des Rekurses des Präsidenten Jean vom Souvenir Alsacien-.Lorrain wurde am Samstag vor dem Kaiserlichen Rat in Straßburg das Urteil verkündet. Ter Rekurs wurde als unbegründet zu - rück gewiesen. Tie Kosten, einschließlich einer Pauschal­summe von 20 Mk fallen dem Rekurrenten zur Last. Ter Kaiserliche Rat hat sestgestellk, daß die vom Bezirkspräsi­denten ans Grund des § 7 des RAG. notwendige Begründung voll gegeben war und daß der Verein Souvenir Ollsacien- Lorrarn nichts weiter sei als die Fortsetzung des Souvenir Francais.

Der M it t elr h c in isch e Fab r ikantcn-Ver- ein hielt am 22. d. M. in Mainz unter dem Vorsitz des Professors Tr. Beck seine ordentliche h a u p t v e r s a m ni» tung ab, er hat an Mitgliedern und Beiträgen im letzten Fahre erheblich zugenommen. In seinem Geschäftsbericht be­handelte der Bereinssekretär, Syndikus Meesmann,

1910 9640 Bibliotheken 213 362 Bände. 1911 8816 Bibliotheken 194 802 Bände, 1912 8836 Bibliotheken 206181 Bände. 1913 11 219 Bibliotheken 219 551 Bände In 5 Jahren 47 435 Biblio­theken 1 013 783 Bände. Tic Gesellschaft gibt »egen mäßige Jahresbeiträge Wanderbibliotheken »nd Eigcn- büchercicn im Werte von 60200 Mark ab. Tie Wanocr- brbliothcken können alljährlich bei völlig freier Wahl neuer Bestände umgctauscht werden. Tic Eigcnbüchercicn, die von den bctrcsscnden Körverschaste» völlig frei zusammengcstellt werden können, ,verden IN 4 Jahren freies Eigentum der Ge­meinden. Im letzten Jahre hat die Gesellschaft nebni ihren regel- mäßigen Leistungen noch als Käiscr-Wilhelm-Jubiläumsgabc an 1500 wenig bemittelte Büchereien 18 000 Bände im Werte von 37 500 Mart unentgeltlich abgegeben. Anträge sind zu richten an die Gcsellschast sür Verbreitung von Volksbildung, Berlin IW., Lüneburger Straße 21. Von der Geschäftsstelle werden orien­tierende Drucksachen kostensrer versandt.

LconeavalloS neueste Over. Leoncavallo arbeitet gegenwärtig, wie aus Neapel berichtet wird, an einer neuen Oper, deren Schauplatz Neapel sein wird Ter Titel des Werkes wird ,.2lve Maria" lauten, und cs wird auch in Neapel feine erste Ausführung erleben,

- Tas Louvre und die Photographen. Turch den Raub der Mona Lisa ist die Aufmerksamkeit weitester Kreise ans die bedenklichen Folgen gelenkt worden, die das Monopol des lekannten vhowgraphiichen .Hauses Braun. Element und Eo. iür das Louvremuseum schon seit Jahren nach sich gezogen hat. Nunmehr hat der neue Direktor des Louvres, Henry Marcel, kurz nach seinem Amtsantritte den Mut gesunden, den Vertrag dcS Lonvrr mit dem gedachten Hause, wodurch dicici» ieil Jahr zehnten das alleinige Recht des Phoiogiaphscrens und der Ka talogverössciNlichung geirchcrt war, zu lösen. Leicht n>ar dies allerdings nicht, da Braun, wie der Pariser Mitarbeiter des Cicerone" berichtet, sür die Rcstbeständc seiner Kataloge, die teil­weise ans den achtziger und siebziger Jahren stamme» und greu­lich gedruckt und ausgcstattet sind, die Summe von 65000 (!!> verlangte. Ein Anstguar würde iür diese Makulatur kaum ein paar hundert Franken zahlen. Nach langen Verhandlungen er­mäßigte Braun seine Forderung au, 40 000 Franken. Nun hat sich die Zentralvcrwaltuiig entschlossen, sür Verleger einen Wett­bewerb auszuschrerben und demjenigen bei Katalogausgabe zu übertragen, der die Schulden des Louvre bei Braun übernimmt und außerdem dem Staate einen Gewinnanteil am Absätze der Kataloge zusichert. Tas Recht, rm Louvre zu photograpbiere», soll allen, die die crsorderlichc Bürgschast zn leisten oennögcn. zu- geiviochcn wcedcn, so daß endlich zu hossen steht, daß^dic ilowt- Welt auch von den Tcnknrälcrn INI sranzösischen Staatsbesitze brauchbare Wiedergaben zu erlangen ersparten kann.