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Nr. 20

104. Jahrgang

Erschein! täglich mii Ausnahme des Sonntags.

Dieriehence Zamitienbiätter" werden dem

.Anzeiger" viermal wöchentlich beiqelegt, da» Krcisblatt fir den Kreis Sieben" jnseimal wöchentlich. TieLandwirischastlichrn Seit-

tragen" erscheinen monatlich jwennal.

Samstiift, 24. Januar 1914

Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen Universiiäls - Buch- und Sieindrnckerci.

R. Lange, Gießen,

Seneral-Anzeigrr für Sberhessen

Redaktion, Expedition und Druckerei: Säu^ straßc 7. Expedition und Verlag: SJth öl< illedakt>oiuiedN2. Tel,-Adr,:At>zkigerGi«ßen,

Deutscher Neichstag.

Ibk. Sitzung, Freitag, den 23. Januar.

Am Tische des BundcsratS: k. Dethmann Sokllvcg, Tr. Delbrück, Kühn, 2 i 3 c 0 , P. Iagow, ».'Fallen-

h a l) ti.

Das Haus und die Tribünen sind stark besucht.

. Präsident Dr. ft a c m p f eröffnet die Sitzung um 12 Uhr.

Kurze Aufrvge.

Abg. Dr. Quarck-Frnnkfurt (Soz.) fragt' an:

Will der Herr Reichskanzler die nötigen Schritte tun- um angesichts der 'Feststellungen im Frankfurter Gistmordpcozeß »opt eine Ergänzung der deutschen Gesetze und Verordnungen Ul>cr den Handel mit Giften durch Einbeziebung leums,«errege,üxr RikroorganiSmeu in das amtliche Verzeich­nis dox Gifte sowie eine internationale Regelung des Handels mit Gift und -pichen MikroorganiSa:en in Anlehnung an z lg der preußischen LandeSpolizciPcrordnung »am 22. Fe- bruar 1206 in die Wege zu leiten'!

Ministerialdirektor JoneauiereS:

Der Handel mit Giften ist im Inland durch das Gesetz von 1901 verboten. Die Abgabe von Cholera, und anderen Bazillen 4earf nur c»n zum Empfang ermächtigte Personen erfolgen. In Deutschland ist unabhängig von dem in Frankfurt durchgefuhrten Prozeß. schon vor. einiger Zeit geprüft worden, ob die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen ausrcichen. Die Erfahrungen in dem Pcozctz werden Veranlassung geben, zu erwägen, ob im Wege internationaler Vereinbarungen eine internationale Regelung deS Handels mit Gift und seuchenerregenden Mikro- Organismen getroffen werden könne.

Sic neuen 3 Jetpef!ßtionen über die Zabern-Asfäre.

Stuf der Tagesordnung steht sodann die Interpellation Albrecht lSoz.) und Genasien:

^ Was gedcnlt der Herr Reichskanzler zu tun, um Ver­sa),ung und Recht zu schützen gegen die gesepwidrige» lieber, aristo der Militärgewalt, wie sic durch die kriegsgerichtlichen Verdandkungen über die Vorgänge in Zabern offenbar ge- worden sind und die in beiden Häusern des preußischen Land­tags Unterstützung gesunden haben!

Verbunden damit wird eine Interpellation v. Paper (S5p.) und Genossen, die folgenden Wortlaut hat:

In dem Strafverfahren gegen den Oberst von Reuter aus Zabern wegen unbefugter Amtsanmaßung und Frelheits. beraubung hat der Angeklagte anscheinend unter Zustimmung des Kriegsgerichts sich darauf berufen, daß nach Vorichris. ten, welche für das preußische ftontingeut der deutschen Armee in Geltung seien, ein Militärbefehlshaber berechtigt sei, ohne Requisition der Zivilbehörden die polizeiliche Gewalt au sich zu nehmen, ohne daß der Belagerungszustand verhängt ist und ohne daß die Zivildchorde durch äußere Umstände außer Stand gesetzt ist, militärische Hilfe zu requirieren. Oberst von Reuter hielt sich nach seiner Aussage aus Grund dieser Diensivorschrif- ten für berechtigt, ohne von der Zivilbehörde ersucht zu sein, am 23. Rovember 1913 die öffentliche Gewalt in Zabern an sich zu nehme», einen öffentlichen Platz und eine Straße durch das Militär räumen zu lassen, zahlreiche Verhaftungen vor. zunehmcn und d,e Verhafteten bis zum anderen Vormittag in Haft zu behalten.

Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um den dringenden und ständigen Gefahren zu begegiwn, welche sich aus dieser Sachlage für die persönliche Sicherheit der Bcvölke- rung, für das Ansehen der Ztvilbehörden, aber auch der Armee, und für die versassungSrcchtlichen und gesetzlichen Grundlagen der persönlichen Freiheit ergeben, und um die in Elsaß-Loth- ringen eingetretenc lebhafte Beunruhigung der Bevölkerung zu behebe»!

Abg. Dr. Jyranf (Soz.) begründet die sozialdemokratische Interpellation. Der Reichs­kanzler wurde von allen «eiten angerissen. Das ist ein Schicksal, das sonst nur bedeutenden Staats man nie in passiert. Herr Basiermann hat sestgeitellt, daß der Reichskanzler im großen und ganzen natianalliveral ist. (Heiterkeit.) Man weiß nie so recht, wie man mir der natianalliberalen Politik dran ist. Das ist inimer ein Schritt nach rechts, ein Schritt nach links, ein Schritt vorwärts und zwei Schritte rückwärts. Es geht liicht vom Fleck. Auf die Dauer wirkt dieses Spiel ermüdend. Das Volk möchte wissen, ob es vorwärts oder rückwärts gehen soll. So hat sich auch die ganze Affäre in Zabern zugespitzt. Uns ist es ganz gleichgültig, ob die Herren eingcsperrt oder mit Orden verziert worden siild, denn es handelt sich um keine juristische, sondern um eine eminent politische Frage. Es ist nur eine kleine Episode in d°m großen geschichtlichen Prozeß, der nicht von Gerichten entschieden wird, und wobei die Frage zur Entscheidung kommt, ob es vorwärts gehen soll zum Verfassung-;, staat oder rückwärts zum Palizeistaai Der Reichskanzler weiß

S enau, worum es sich bandelt. Im Dezember hat er im ersten -chrecken über die Ausschreitungen ,n Zabern ein kleines Schritt- lei» vorwärts machen wollen. Er hat zugegeben, daß die Set* Haftungen u» gesetzlich waren. (Hört, hört! links.)

Dqnn ob-r kam die unsriedlichc Weihnachtszeit Uiid die Hetze der ftontervativen. Der Reichskanzler wurde nun schwankend und dunkel wie eilte Phthia sagte er im HerrenbanS: Recht muß Recht hleiven! Später wurde er deut­licher und er ,'agie im Abgeordnetenhause>.die Armee sei die stärkste Stütze für Ordnung und Recht. Das sagte er von der­selben Armee, die noch seinen eigenen Behauptungen in Zabern Ungesetzlichkeiten begangen hatte- tSehr richtig! links.) Die Freisprüche der Reurer, Söbad und Forstner waren Kolben- stöße für de» Reichskanzler. Was will er nun tun, um fein Wort einzulösen und sein Ansehen zu wahren? Bisher bat er weiter nichts getaii, als den Gerichtsherrn auf jede Be­rufung und Revision verzichten zu lassem (Hört! Hörtl links.) Das geschieht mit einer ganz fadenscheinigen iind unzulänglichen Begründung. Was hat die Meinung'des RcichskbnzlerS so gänz­lich geändert? Die Verhandlungen in Straßburg können cS doch nicht getan haben, denn schon bier batte sich der Reichs. tanztcr aut die militärischen Berichte gestützt. ES gibt keine andere Erklärimg, als daß der Reichslanzler vor der Rilttär- praxis kapituliert hat. (Sehr richtig! links.) Es liegt hier viel­leicht die erste praktische Anwendung der feudalen Herrenmoral vor, deren Anwendung kürzlich der Abg. Röchling empfohlen hat. Nicht die Gerechtigkeit, sondern die Staotsraison soll entscheiden. Tao gleiche bat nach den Kruppprozesien Gehcimrat Willing geschrieben. Wir sind der altmodische» Meinung, daß nichts iii der Welt politisch so notivendig ist wie die Gerechtigkeit. (Zu­stimmung links.).

Nun hat der Reichskanzler nach der Mitte zu, wo die schwan­kenden Gestalten sitzen (Heiterkeit) einen ft n i x gemacht: die Gültigkeit der ftahinettsorder van 1820 soll nachgeprüsl wor'-

mir nicht denken, daß eh eine Beleidigung ist, v.-cnn ich den Regi­mentsbefehl de? Kranpriiizeu ziti ire. (Slürmiiche Zusiimmung bei

, - - .. . ---- den Soz.i Was dm ftronptinz als sein höchste» Soldateralück

den. Mie Anregung zu dreier revolutionären Nachprüfung, gegen preist, wäre für den grögien Teil des deutschen Volkes das böck-tie die die ftonservativen «turin lausen, stammt von dem be- Unglück. iLebbaite tanganhaltende Zuit inmung links.) Die Tbroii- , n? ,* * S» ^ 0 * 1 ,v ? . i-un-rm. -'v; rede hol icsigeilellt. daß der W.Ilsri-de gewahrt worden ,'ci und zur

terkcit. Man N ciß >a, was t-l der Rack'prniung in der Wahl- ale:: n Ze r schwärmt der kuniliae ftaiicr »an einem stielten in di: rechtstrage bceausgekanimen ist. («-hr gut! links.) Man will 22-!-.»'. Im Herrenhaus b.i man d> monjtrierl für die Aus.

J« cr *H n * m ? n das Volk cknichlcherm Wir lind «.c-uerhattung der konscrdallbcu ftlcksscv.herrschatl. Mau saßt daS

der Meinung, daß IN i'clchen KoniliktSzeiten die K,.cg:g> ''' IN die zur Gewohnheit gewordenen Worte: Wir kümpien iiir die ihre Aufgabe gar Nichi erfüllen können. Hier richtet der Kamerad Kommandogcwutl des ftaiici',;, Erst hat gegen das Urteil gegen über den Kamerad in eigener Sache. (Sehr richtigl links.) Der den Lculnan: von Forstner die Camartlla cmgcsetzi und ast

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Nicht schuld der Offiziere oder üver die schuld oder Nichtschuld > AbgeordnctenhauZ flktaqt bat. ni.-i^t im Reichstap. Die Zabl der der Zivilverwaltung. Sie beweisen einzig und allein dre U n - Herren wird ia sre:Iich immer kleiner, und bei der näckiten Tagung h al tba rke : t j5 c r^M ilitä rge r rch tsbarke t t." (Sehr \ werden sie vielleicht schon tn einem kleinen Kommissionßzimmcr

cichrkg! links.) Ter Reichskanzler wird da-Z ja nun nicht saxen. (Heiterkeit!)

Wir aber verlangen die ?sbschaffung der Militärgerichts­barkeit. (Beifall links.) Ter Ausspruch des Obersten vc-n Rer^- ter:Da hört alle Jurisprudenz auf", köimte als Portal-

infdirifl über sänitlichen deutschen Militärgerichten stehen. (Sebr richtig! links.) Vergegenwärtigen wir UNS doch nur einmal, was das Obcrkriegsgericht im Prozcs; Forstner aus dem Begriff der Notwehr gemacht hat. Weil die Musketiere 11 an d r Zaal das Gewehr hatten, waren sie gegenüber öenr Schuster Blank,' der sie zu umzingeln drohte (Heiterkeit), nicht gewännet wie unter normalen Umständen, und daher konnte der Leutnant die­sem Schuster mit dem Säbel eins über den Schädel geben. Noch ärger liegen d'e Tinge im Prozetz gegen Oberst von Reuter. Hier wollte man o^nbar den Schein der Objektivität überhauvt nicht aufkemmenlaffen. War es doch bisher unerhört, daß Rich­ter einen Angeklagten zu ihrer eigenen Frei, sprechung bealückwünschcn und daß der Präsident eines Ge­richts den Freispruch an konservative Politiker telegraphierte, man kann beinahe sagen, bei ihnen Meldung erstattete über den vollzogenen Freispruch. (Sehr gut! links, Unruhe rechts). Und zu alledem kam noch der Fall des KricgSgerichtSrats McdiruS. In Stratzburg musiten sich die Zivilzeugen zu der Vernehmung erst drangen und nur die Beweismittel mit blanken Knöpfen waren für das Gericht maßgebend.

Als im Juli 1853 das Gesetz über den Belagerungszustand beraten wurde,^ hat weder von der Regierung noch vom Abge- ordnetAihause irgend jemand auch nur mit einem Worte er­wähnt, daß die KabinettSorder von 1820 Noch eine Rolle spielen solle. Wenn man diesen Hintergedanken gehabt bätte, so wäre das ja geradezu eine Geheimlehr edes Absolutis­mus gewesen. Gibt es etwa noch mehr solcher Gecheimorders? Tas ist der Abschluß der Jahrhundertfeier, daß der Reichstag sich eine Order aus der Zeit der tiefsten Erniedrigung des deut­schen Volkes als zu Recht bestehend vorhalren lasten muß. in dem Jahrs, wo er den Wehrbeitrag bewilligt hat. Das ist ihr Jahr- bundcrtgeschenk und kein unverdientes Gescbcnk. Tie rifafc* lothringische Regierung bat bereits erklärt, daß nach ihrer Mei- nuug die Order bei ihr nicht gilt. Ebenso die württembergische, Bayern ist von vornherein ausgeschlosien. Hier scheint sich eine preußische Eigenart ausznbilden, auf die das preußische

Platz haben. Ich würde empfehlen, ihnen dann daS Zimnwr en- ^ zuweiscn. in den, die Kommission füx dre clsäsincbc Verfassung ge­tagt hat. Tort hängt ein Bild des Freiherrn von Sleirr. darunter stehen die Worte: Ich habe nur ein Vaterland und das ist Deutschland. Ich bin nur ihm und nicht eiycm Test davon mit ganzem Herzen ergeben. (Lebhafter Beifall linkL) .

Es ist eine Ebre für den deutschen Reichstag, daß diese Herren ihren giftigsten Haß gegen uns gerichtet haben. Es ist vom historischen Rerz. daß früher fast wönlich zugleich die Be« schjmpfungen gegen das preußische Abgeordnetenhaus von dar Militärkamarilla erhoben wurden. Damals nannte man das Ab­geordnetenhaus die Verkörperung der Revolution. Heute sind die .Herren von der Kamarilla der Meinung, daß das damals be­kämpfte Abgeordnetenhaus die Grundlage Preußens sei. Ich habe mich gewundert, daß die bci,u Pceußcntag anwesenden Herren von der konservativen Fraktion den mutigen General, d^r die Anträge Erzbcrgcr, Bastermann eine Un^rschämtheit nannte, nicht darüber belehrt haben, daß die Konservativen in nicht ge^ ringer Zahl dafür gestimmt haben. Ich bcdaurc es, daß dMitgliede^ dieses Hauses, wenn auch von der Rechten, dabei geblieben sind, ohne ein Wort des Protestes zu erhebe,,, als der deutsche Reicht- tag in dieser Weise beschimpft wurde. (Lebhafter Beifall link-.'. Dann der Vorstoß gegen die Süddeutschen, ^antif war wohk der Abg. van Calker gemeint wegen des Weingeistes (Gr. Heiterkeit.) Darin haben wir Deutsche uns alle nichts vbr- zuwerfen. Der Süden hat seinen Wein, Bayern daß Bier und Norddeutschland den Branntwein. (Gr. Heiterkeit.) Und ein General hat nach dem Bericht der Kreuzzcitung über die Bayern gesagt: wenn die Preußen kommen, kriegen sie alle Courage. - Nun, der Verlauf der Sache hat gezeigt: wenn die Bayern kcutt" men, verlieren auch manche Preußen oie Courage! (Gr. Heiter­keit.) Dieser Preuße,,tag bedeutet nichts als Knebelung des Reichstags. Beschimpfung der Süddeut sch.en und Betampfung der Reich § verfassu n g. " Was wird der Kanzler tun, um uns vor Taten eines Reurcr. Forsinar oder Sämd -u bewahren, die sich jeden Tag in Norddeutschlcn^d wiederholen rönnen'ö ' -' . , V -V 'k :

Der Reichskanzler hat im Mgcordnetcnhaufe von fernen^ schlaflosen Nächten gespr^en. Wir bedauern, daß er au Schlaflosigkeit leidet. Aber eS scheint fast so, als ob er des Tages nachbolt. was er des Nachts versäumt. (Gr. Heiterkeit.) Nach allen' Vorgängen der letzten Zeit w'll die Rechte den Konflikt, sie treibt WWWWM auf ihn hin. Herr von Heydcbraud ha! uns zugerufen: Machen Volk nicht stolz zu sein braucht. Aber selbst nach der Order ! S i e d o ch e n d l i ch d i e R e v o l u t i o u. Wir werden uns den hätten die Offiziere bestraft werden müssen. Es lag keine innere Zeitpunkt dafür nicht von Herrn von Heydebrand vorschreibeu Unruhe vor. Oberst von Reuter hat selbst zugegeben, daß er in > lassen. D-er Reichskanzler möge^doch den Glauben aufgeveu, es

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der Menge stehend keine Rufe gehört habe. Trotzdem verteilte ex scharfe Patronen und ließ d,e Maschinengewehre auffahren.

(Pfuirufe.) Die Zivilverwaltung bestreitet, daß sie zu lange ge^ zsigert habe. ES ist zweifellos, daß Reuter eS zum Konflikt treiben wollte. Er wolltg^die ganze Verantwortung auf sich nehmen. Warum hat man ihn nicht gefragt, wer ihm Befehl gegeben hat zum Einschreiten.

Angesichts des förmlichen Kultus, der mit Reuter getrieben wird, muß festgestettt werden, wie der Oberst sich einem Mann gegenüber benommen hat, der die Mütze nicht vor ihm- nimmt.Du Lump, weißt du nichr, wie man sich vor einem preußischen Offizier zu benehmen hat-" hat er ihm zugcrufen. Den Behörden hat er Meineid vorgcworfen. Staatssekretär Petrr hat ihm Unwahrheit nachgewiesen. Und diesen Mann verherr­lichen Sie als ihr Idol' An die Spitze dcS Feldzuges gegen das Bürgertum stellte sich Herr vr jur. v. Jagow. Nicht nur der König, auch der Leutnant kann nickst Unrecht bekommen, ist seine Logik. Herr v. Jagow hat sich nicht nur mit Herrn v. Dall­witz, sondern auch mit dem Reichskanzler in WiderilKuch gesetzt.

Er hat in ein schwebendes Verfahren eingegriffen, obwohl der Reichskanzler erklärt hatte, es seien Rechtsverletzungen beengen worden. Und was war die Strafe für Herrn v. Jagow? Offenbar ist er verurteilt, rlle Akte der Staatshoheit mitzumachen, von einem Diner zum andern zu gehen Die nötige Konstitution dazu besitzt er wohl. Derselbe Jagow, der noch nie geschlagen wurde, wenn der Feind im Tiergarten steht, scheint ja der gegebene Etottbaltcr für Elsaß, ja für das Reich zu fein. Auf ihn trifft das Wort eines österreichischen Staatsmannes, das auf eine andere Persönlichkeit gemünzt war zu: Er ist zu nichts und zu allem fähig.

(Große Heiterkeit.)

Trotz der Depeschen des K r o n p r i n z e n an die Daim- ling und Reuter gilt das. was der Reichskanzler mit Unrecht von den Beschlüssen des Reichstages gesagt hat. selbst wenn diese Depeschen von Herrn von Oldenburg^Januschau verfaßt sein sollten: Sie sind staatsrechtlich ohne Bedeutung, aber politisch unheilvoll und unerträgUch. (Zustimmung bei den Soz.) Für die innere Politik sind wir ihm ja dankbar, denn Hundertlausendc werden dadurch aufgerüttelt, wenn der künftige deutsche Kaiser >in intimer Freuridschast steht mit den Veräwtern der Verfassung und den Staats, streichhctzern. Sie sagen sich, daß es da notwendig ist, daß dos deutsche Volk selber seine Geschicke in die Hand nähme. lGr.

Unruhe rechts. Stürmischer Beifall b. d. Soz. Präsident ttilu ^ utul w V J L~ a .........-----P,...........

Kaempf ersucht den Redner, sich mehr Zurückhaltung aufzuerlegen. ^ bon . cner Zene gegen jeden soldatischen Geist. (Groytzr da,« ihn sonst znr Ordnantz nrfen muffe. - L ärm bei den (Sog.) rechts und b. d. R-ti»nallib«-I«n.) Tc: Herr Boxrkdn«

. , f t i _ i. V _ S ___ S... f Irpii.-vt« , * v. « m i . 'v* . ?! .Pli ,

lasse sich mit allgemeinen Erklärungen in dem Zeichen dleset- Preußentums regieren. Tie Worte, die man von jener Seite gegen schlappe Beamte gerichtet hat. gelten auch gegen ihn.^ Wir sehen schon voraus, «,'r wird bald dastehen, verlaßen wie König Lear ürrd auch C o r d e l i a Bassermann wird ihn verlassen. (Gr. an­haltende Heiterkeit.) Die anderen, nicht konservativen Parteien, glauben, sie können den Konflikt noch vermeiden. Wir sind schon mitten drin und wir müssen ihn auskämpfcn. Wir rufen das Bürgertum zum Kampfe auf. Das kleine Häuflein der Konservativen da drüben, das sind nicht die alten Konfer- vativen mit dem eisenharten Willen, sie, lind nervös geworden. (Lachen rechts) Sie beweisen es eben jetzt wieder. (Präsident Dr. Kaempf: Bitte, mehr zur Sache zu sprechen!) Ich spreche üöer die Parteien des Hauses und ihre Stellung zu den Interpellatio­nen. Ich nehme an. daß der Präsident das überhort hak. (Unruhe.)

Präsident Tr. Kaempf:

Ich habe Ihnen die Grmzen sehr weit gelassen; ich bitte Sie, ' sich jetzt zu mäßigen.

Abg. Tr. Frank (Soz.):

Die Konservativen sind mit ihren besten Männer^ selbst nickst, einig. Herr von Oldenburg, ein vielgenannter Staatsmann (Heiterkeit), ist unzufrieden mit seinen Vertretern hier im Hause. TaS Bürgertum sollte jetzt die Gelegenheit benutzen,^ jetzt, wo die Herren in wichtigen Augenblicken nickst cinm:^ geschlossen sind. Tep parlancentarische Kc mpf all» in genügt nicht. Er m^ß getragen werden von der großen Mehrheit des Volkes.^ Das Volt empfindet es aber mit brennender Scham, daß chm seine Rechte geraubt, werden. Sie sollen nichts werter als den Mut haben, ihre Rechte, anzuwenden. Die Konservativen fjoleu ihre Rechtsbitel mit au? dem Schutt der Vergangenheit. Wir holen unser Recht aus der. Not der Zeit, Wir ..gemischte Gesellschaft", wir, dieRotte", hinter der Millionen und Abermillionen sichen, wir sind die wi^klichcu Schmiede der deutschen Zukunft. (Lebhafter Beifall der Spz.)

Neichskaip.lcr Dr. v. Bethmann HoLweg

(in großer Erregung): Meine Herren, ich bin gezwun gen.' sotort Verwahrung einzulegen gegen die' Worte, die der Herr Vorredner mit Bezug auf den üeutjchen Kronprinzen gebraucht hat. Diese Worte atmen den ganzen Hatz der Oa;ialdema:rarie (Gelächter und 2ärm bei den Soz, Stürmischer Beisall recht!,', den. ganze»

Und dann der Regimentsbefehl des Kronprinzen, worin er sagt, sein höchster Soldatenglück Ware e-, an der Spihe seiner Husaren in die Schlucht zu reiten. (Stürmische Unterbrechungen ron rechts, wobei einige konserdative Abgeordnete, darunter der Abg, Krelh, in höchster Erregung auf der Tribüne unverständliche Zurufe gegen die äußerste Linke machen. Gegenruse von der äußersten Linken: Ruhig. Spirituszenirale.)

Ter Reichskanzler Dr, v, Bethmann S o 11 w e g wendet stch mit unwilliger Miene zum Brändenlen Dr, ft a ; m p r. Präsident Dr. ftae m p s ersucht den Redner, keine Beleidigungen gegen den Kronprinzen auSzuiprechen, lS'ürmische Unruhe aus der äußersten Linken, Zurufe: Wo liegt denn die Beleidigung?) Ich kann

hat behauptet, daß der deursche Kronprinz in intimer.Freund- schalt mit Verächtern der Verfaflung und mit Staatdureichbeeern stche, (Zustimmung der Soz.) Das ist ein unerhörter Vorwurf (Lärm bei den Soz,), den ich ganz entschia- den zurück weisen muß. (Großer Beifall rechts, Lärm der Soz.)

Abg. Tr, v, Liszt (Dp.)

begründet die Interpellation d'r Volt-Portes. Gegenüber hem Abg, Frank die Bemerkung, daß ja auch seine Partei die Deckung de, Heeresverstärkung bewilligt har. Wir haben unsere Stellung

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