Nr. 2')
Ter Clt&tntr JInje!gtr erMinnt tödlich, annec Sonntags. - Belagen: viermal ivöcheiillrch
«ietztlieijamlltkyblclter;
zweimal ivöcheinlRreis- dlon sürdea Itreir Sießen
iTienstng »nd Frei: na): xivelniat monatt. Lind- wittschästlicheöeitfroge« Ferniprech-tzlnschliiste: Kr bie Redaktion 112, Berlar, u. Ervedwon 51 Adicfle h‘ir Deoelchen: Anzeiger «ießeu. Annahme von Anzeige» bür die Tagesninnnicr bis vormittags S Uhr.
Erster Blatt
*64. Jahrgang
Samstag, 2*. Januar *9*4
General-Anzeiger für Oberhesten
Rotation;-ruck und Verlag der SrLhl'schen llnio.Vuch- und 8tem-r>«kerei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Schulftraße 7.
S(,ha 5> reis:
monatiitf) 75 'CUDicrtel. jährlich Pik. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 -Bf.; durch die Post Mk.2.— vieriel» jähri. auslchl. Bellellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pl, ausivärts 20 Pleuniq. Chefredakteur: A Goetz. Neraulwortlich lür den polst. Teil: Aug. Goetz; sür .Feuilleton", „Vermischtes" und.Gcrichts- saal": Karl Nenralh; lür .Stadl und Land": Kurl Bend!; sür de» Anzeigentest: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.
Tageskatenvcr ans dem Jahre 1814.
24. Januar: Siegreiches Gefecht des Blückierschen Korps über die Franzosen bei Bar-sur-Aubc. Blücher besetzt B r i e n n c. An demselben Tag schlagen die Russen die Franzosen bei Lüttich.
2j. Januar: Die Russen besetzen St. Dizicr in der Cham- pagnc. — Ter preußische General v. Lobe erstürmt H e r - zogenbusch iu den Niederlanden.
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politifcfrc H?ocbc!Md>rtu.
. Gießen, 24. Ja».
Schicket euch in die Zeit, so müßte man jenen selbsl- beivußten Preußeusührcru znrufeil, die da glauben, sic konnten dein Organismus unseres bentigen staatlichen Lebens mit ein paar tönenden Kraftworten die Knochen zerbrechen. Gewiß, das Volk bcdari noch einer anderen Leitung als der teuer „gemischten Gesellschaft" des Reichstags, von der Herr v. Wrochem höhnisch sprach und Sie allerdings oft unharmonische .Klange durcheinander läutet und daS „Gold" ihrer Reden vrelsach sehr unprodulriv zum Fenster Isinaus- loirft. Aber denen steht die Führerrolle doch noch schlechter, die über diese „gemischte Gesellschaft" mit dünkelhaftem Hochmut und ein paar armen Phrasen zu Gericht sitzen wollen. Die Anteilnahme des Volkes am öffentlichen und staatlichen Leben ist doch ein Faktor, mit dem.gerechnet werden mtlßl ivenn in der Politik von ethischen Dingen wenig die Rede sein kann, so liefert doch gerade die Volksstimmung das Lebcns- rlement, das die kalten Geschäfte der Staaiskunst erwärmt und beseelt. Demagogische Mißbräuche hören je eher auf, je besser cs gelingt, die Massen mit dem Geiste der großen Männer zu durchdringcn, die der deutschen Bildung ihren Glanz verliehen haben. Nun fa>cint cs uns aber, als ob die ,,ed)t preußischen" Leute bei ihrer Zusammenkunft am 18. Januar zwar hervorragend den Hochmut und Aerger einer höher gestellten Kaste, dagegen bei weitem nicht die Aristokratie der deutschen Bildung vertreten hätten. Sie haben sich mit billigen Schlaqwortcn und mit Sclbstlob her vorqetan. Dabei sollte ihre Bersammlmrg und Verhandlung doch wohl Eindruck machen, und es war eine Kundgebung nach außen geplant. Wie aber hat sie gewirkt! Wenn die .Herren auch hinterher ihren partikularistische» Reden die Spitzen abgebrochen habeu, ein starker Unwille außerhalb der schwarz-weißen Grenzpsähle ist dennoch die einzige Folge gewesen. Die Veranstalter des Prcußentages sprechen nun in bezug aus die bekannten Worte des Generals v. Kracht von „Mißverständnissen", und das Organ der bayerischen Regierung hat ihnen eine nachsichtige Beurteilung zuteil werden lassen, obwohl einer der Prcußenredncr, Herr Perrot, auch überflüssige Angriffe gegen die Katholiken und die katholische iGeistlichkeit sich geleistet hatte. Indessen, der Groll in den einfachen Volksschichten wird noch lange nachzittern, und die Draufgänger um Herrn v. Hehdebrandt werden es auf dem Gewissen haben, wenn demnächst auch parlikularistischc Regungen im deutschen Süden sich bemerkbar machen sollten.
Wir meinen: gerade in rechtlichen und moralischen Dingen hat unser Zeitalter der Oesfentlichkcit ein gesundes und zuverlässig sich äußerndes Volksempfinden herausgebildei. Das ist vielleicht ein besonderer Vorzug des deutschen Volkes, und man soll dieses Empfinden hegen und pflegen, wie man die Vaterlandsliebe fördern soll. Nicht nur das Heer, sondern auch das Recht ist eine .Hauvtstütze des Staates. Wenn
Gietzener Theaterverein.
H. Opcrnvorstellnng: Lohcngrin.
Gießen, 24. Januar.
Im Winisr 1844 '45 beendete Wagner seinen „Tannhäuser", wärmst er sich sofort den Eniwnrscn zu „Meistersinger" und „Lotzengrin" jmwniMc. Vielleicht wären die „Meistersinger" unter dem wohltuenden Einflüsse des M.arienbader Auienthaltes nicht von der „Lohcngrinidee" zurückgedrängt worden, dütte sich Wagner qanz der heiteren Stimmung des durch die Beendigung des Tamchäaser unbedingt notwendigen Erholungs-Aufenthaltes hingeben können. Doch die sür die^iamalige Zeit nur zu begründete Besorgnis, sein Tannhäuser" konnte vom Publikum mißverstanden werden, verlieh fbm wenig Arbeitskraft „nd lies; ihn nur mit der all-rdings schon fertigen Skizze zu „Lohcngrin" nach Dresden zurückl-hren. Dmrch die nun folgende ,.?annh?.uscr"-Aus'Lhrung und die berühmt? Vorbereitung imd Ausiüheung der „Neunten" von Beethoven im Winter 1845'4K tonnte Wagner na tie Text-Tichlung des „Lohen <gi!n"'sertigstellen. Ter erste musikalische Entwun füllt in den Tom- mer 1846, loch war die Komoosition des 8. Aktes, den der Meister zuerst IN Anqrisi nahm, erst am 5. Marz 1847 fertig. Vom 16. Mai bis 8. Juni entstand der ganze erste Akt und am 2. Auaust war der zweite Akt, am 28. August das Vorspiel beendet. Erst am 28. August 1850 fand die berühmte Uraussührung — dir einzige strichlose Ausführung übcrhauvt — in Weimar unter Franz Liszt statt. Vielleicht ist es nicht Uliiiliercssant, was Ludwig Nohl in feinem Buche ..Richard Wagner" über das Entstehen und die Aussührung der Lohcngrimdec schreibt:
„Tic schmerzliche Erfahrung, mit seinem schncndstcn Wollen als Mensch und Künstler nicht verstanden, seines heliendcn Dranges selbst nicht erlöst zu werden, hatte ihn mir geradezu leiden schastlicher dcstigieik in jene sehnsüchtig ernste Regio» seiner Rarur »nrückgetrgeben, aus der er jetzt ganz den Lohengrinstoif verstand, der ihm vorher in dem mystischen Ztvielicht seiner mittelalterlichen Erscheinung immer noch Mißtrauen eingeslößt halte ^ er erkannte ihn als ein lstedicht des sehnsüchtigen Verlangens der rein nicnfchlichen Natur, als die unumgängliche Notwendigkeit der Liebe, und wußte ihn setzt auch als Künstler zu erfassen."
Tie gestrige Auisühruug des „Lohcngrin" war sicher das l>eslc Gastspiel des Tarmstädtcr Hofthcaters, das Gießen je erlebt hat es war frei von den sonst immer ziemlich deutlichen Merkmalen einer. Abstecher Vor'eilt,ug". 5'errNowack als Spielleiter sorate sür äußerst wirksame Bühnenbilder, doch konnte er an oerschie- denen bedeutsamen Stellen, z. B. „Des Brudermords klag ich sie an" den .Herrenchor nicht dazu bewegen, an solchen dramck tischen Höhepuniicu reichsten Anteil zu nehme,i. Man merkte.
die leitenden Personen an der Rcichsspitze dies nicht gebührend berücksichtigen, wenn sie nicht sein und wachsani dein Empfinden des Volkes entgegenkonimen, so bringen sic Unheil über uns. „Schlägst du erst diese Welt zu Trümmern, die andere mag darnach entstehn." Auch die Zabcrncr Frage muß zur letzten Beantwortung geführt werden, und nur schwer kommt das öfsentlichc Gewissen darüber zur Ruhe, daß die obersten Autoritäten des Staates der Gerechtigkeit nicht völlig Genüge getan nnd andere angebliche Notwendig keilen darüber gesetzt haben.
Der Reichskanzler, der gestern im Reichstage Rede stehen mußte, ist sich dessen doch allmählich bewußt geworden, daß die Regierung von den sich rege:.den SJininun en nicht fremd sich abwenden darf. Er hat der bereits veröffentlichten Absicht, daß die Dienstanweisung von 1899 nachgcprüft werden solle, eine befriedigende Erläuterung hinzugefügt. Es wi rd Klarheit geschaffen werden über die Abgrenzung der militärischen Machtbefugnisse. Nach des Kanzlers Worten, der ausdrücklich auf die Notwendigkeit verwies, einheitliche, klare Bestimmungen, die für das ganze Reich Geltung haben, aufzustellen, darf man nicht inehr, wie es das „Berliner Tageblatt "dennoch lut, daran zweifeln, daß „elwaö rechles dabei herauskomme". Es klang denn doch aus Herrn von Bethmann-Hollwcgs Worten heraus, daß er bei der Schaffung der neuen Grundsätze selbst täligen Anteil nehmen werde. Sehr erfreulich war ferner, daß der Kanzler an den letzten bedauerlichen Vorkommnissen, die weile Volksschichten befremdet haben, nicht vorübcrgegangen ist: er hat sympathische und befreiende Worte gehabt gegen die konservativen Frevler am Reichsgedanken, und wir hosfen, daß dies nicht ohne Wirkung bleibt. Heute veröffentlicht bereits die „Konservative Korrespondenz" eine parteiamtliche Erklärung, daß der Preußentag keine Veranstaltung der deutsch-konservativen Partei sei. Wir haben nun gerade genug von „mißverständlichen und mißverstandenen Aeusterungen". Es wäre aber wünschens- loert, daß nicht nur eine vorsichtigere Ausdrucksweise allenthalben beliebt würde, sondern daß auch ein anderer, besserer Geist einziehe, der Geist „des Gemeinsinns, der Volksbildung, der Ausbildung aller BollSträfte", den Herr von Bethinann-Hollweg gestern gelobt l)at, der aber von seinen Lonservat. Widersachern heute noch so schnöde befeindet wird.
Ob wir vor Rußland zurückgewichen sind, ob es llug und tapfer lvar von unserer Reichsregiernng, ihr Einverständnis daztt zu'geben, daß dem General Liman von Sanders rn Konsiantinopel das Kommando über das dortige türkische l. Korps wieder genommen wurde? Diese Frage hat nach der bekannten halbamtlichen Äerössenilichung der „Kölnischen Zeitung" die mannigfaltigsten Beantwortungen gesunden. In der „Köln. Ztg" ist zugegeben worden, daß Deutschland vor die Frage gestellt worden war, ob es seine Beziehungen zu Rußland verbessern oder verschlechtern wollte. Da waren nun viele Zeitungen leicht geneigt, zu sagen, die deutsche Regierung sei cs ihrer Ehre schuldig gewesen, ihre Selbständigkeit gegenüber dem Zarenreiche zu wahren und damit ihr Ansehen weithin nach außen aufrecht zu erhalten. Mir der Temperamentlosigkeit, die der deutschen Regierung zuweilen eigen ist, wurde aber amtlich verkündet, Deutschland habe diese Miiiiärmissionsfrage und die Frage der Kommandoqetvalt des Generals v. Liman von Anfaug an nicht als eine Frage seines Prestiges betrachtet, nur die militärisch-technische Zweckmäßigkeit sei maßgebend gewesen. Dabei hat man aber doch aus das Dreinveden des russischen Ministerpräsidenten Rücksicht genommen. Daß
daly solche Stellen dem Chor längst „bekannt'" sind. Ich möchte damit nicht Herrn sttvwack, sondern dem Clior allein den Bonvurs lnachen, besonders wenn er in solch starker Besetzung gastieren kommt. Vielleicht wären im Brautgemach infolge de- kleinen Platzes besser nur je vier Damen nnd vier Herren vom Chor beteiligt gewesen und hätten die anderen Chorherrschaften den übrigens ganz vortrefflich gesungenen Brautchor hinter den Kulissen unterstützt, was sa an vielen Theatern gennacht wird. Das ganze Finale im eisten Auszug bedeutete entschiedeir einen Höhepunkt, was Kraft des Ausdruckes und regste Anteilnahme an Spiel und Gesang jedes Beteiligten anbrlangt. Herr Kapeil- meistcr L e r t bekundete gestern wieder, welch ein umsichtiger und sicherer Führer er Sängern i:»d Orchester ist. An vielen Stellen klang das Orchester ganz mächtig, doch müßten die Holzbläser mehr aus Reinheit der Intonation sehen. Im Vorspiel, dar meines Empiindcns zu schnell - lvar, waren die beiden Bccken- schlägc viel zu laut, das war ein dem Grundcharakter des Vorspiels ganz entgegengesetzter fast brutaler Krastausbruch. Ebenso war das Vorspiel zmn dritten Akt viel zu schnell.
Von den Solisten ist an erster Stelle Frl. Geyersback als EI >.I su nennen, weil .sie, abgesehen vom der musikalischen Beherrschung der Rolle, sür diese Partie in Erscheinung und Stimme wie geschaffen ilt. Ein ännigbcsecltcr Vortrag und äußerst oorneymes Spiel wie eiudrueisvollste Gesangskunst machten diese LcisMng zu einem erlesenen Geiruß. Doch möchte ich der Künstlerin — wie allen Solisten —- ! eindringlich raten, die Stimme nicht io oft bis zur Grenze ihrer Kraft in Anwendung zu bringen. Es Iväre besonders sür diese so sympathische Stimme jammerschade. Neben der Partie der Elsa ist Frl. Callwcy als Or- trud zu nennen. Auch sie erscheint in den gleichen Eigenschasten wie Frl. Geycrsbach lür die Rolle der Friesensürftentochtcr wie geschaffen. Es war eine Leistung voll dämonischer Leidenschast und stimmlich von höchster Kraft. Äon den Herren möchte ich Herrn Schützcndorf als König Heinrich das Vorrecht geben. Wenn er auch zu jung und wenig mach, lg aussah, so ergänue er doch diese Mängel durch ein königliches Spiel, und sein musikalisches Beherrschen der Partie, unterstützt durch sein an und sür sich hervorragend schönes Stimmaterial — das nur durch zcitweiscs Trcmolieien etwas beeinträchtigt wird —, verdient vollstes Lob. Herr G l o b e r g e r, der für Herrn Becker als Lohengrin einiprang, bewies ebenfalls große musikalische Sicherheit und wußte vom zweiten Akt an für sich einzunehmen. Die Partte ist ja so voll von lyrischen Stellen, daß, sie von einem lyrischen Tenor leicht bewältigt werden kann, besonders, wenn er, wie be, Herrn Globerger, auch die entsprechende Tiefe besitzt. Tie Brauigemachszenc wie Uberyaupt der letzte Akt bedeutete eine^wachsende Steigerung in Stimme und musikalischem Ausdruck. Schade, daß Herr Globcoger vorlänsig, besonders im ersten AuiAM, »u
dieses Bekenntnis verösientlicht wurde, war doch wohl nicht gmiz klug. Es heißt zwar nachher noch in der ciinilichcn Er- tlärung, durch die Verjünzung der oberen Kommandvstellen sei der Alters- unv Ranffunterschied zu erheblich geworden, um gegen Lim ans Verbleiben in seiner Stellung als Korpskommandeur nicht starke Bedenken zu lvecken. Tamit wird jedoch der Verdacht nicht beseisigt, die Rücksichtnahme aus Petersburg sei entscheidend gewesen. Man hätte darum besser von einer solchen Verössentsichung abschen sollen. In der Sache selbst läßt sich natürlich auch die Annahme ver- treten, Envcr Pascha 1>abe „ach: seiner Ernennung znm Kriegsministcr als maßgebender Kenner der Lcrhältttissc neue Vorschläge gemacht, deren äußere Wirkungen sodann bekannt geworden sind. Ob Enver mehr der Not des russischen Esi'iflnsses oder Veni eignen, Deutschland günsttgcn Trieb gehorcht habe, ist nicht ohne ioeiteres zu entscheiden. Man inuß sich damit trösten, daß die dentscheit Offiziere nichts als einflußlose Puppen sich werden hcrumschieben lassen. Ausfallend bleibt es, daß gegen das Komniando eines englischen Admirals über die vergrößerte lürlischc Flotte anscheinend nichts eingewendet worden ist.
Preßstimmen über die Zabern-Erörterungen im Rcichsiag.
:: Berlin, 24. Januar. Das „Berliner Tageblatt" schreibt:
Der Herr Reichskanzler macht seine Ansicht in einer Frage der Rcichshohcit nnd des Vcriassungsrechtes von einer Prüfung abhängig, bei der er schwerlich mitzuwirken hat, sonderen deren Ergebnis ihm einfach zugestellt wird. Ein ruhiges Wort zur Deckung des Kronprinzen war sicher ruhig hinge,wmmen, aber so vergreisen kann sich im Tone der Herr Reichskanzler nur, weil er sich in erster Linie als Diener van Mächten fühlt, die über alle anderen, nur nicht in der Reichsversalsung begründet sind. Der politische Ertrag der 'Aussprache war wenigstens insosern ersrculich, als die Reichslagsparicicn in ihrem Süd- »nd stlorddeutschen Bestand bis aui das lonscrvative Häuftein die Entschtasienheit betundeten, daß der zersetzende Oieist des Parttkularismus in der dcntschc» Volksvertretung keinen Boden hat. Es wäre eine Antwort aus die,Frage Naumanns angebracht gewesen, was denn im Rcichslande geschehen soll. Will man dort die Dinge wieder einmal rückwärts drehen? Ten, Frieden und der Ruhe würde es ebenso wie den Reichs intecessci, nur förderlich sein, wenn diese Unklarheit recht bald beseitigt würde.
Die „Vossrsche Zeitung" schreibt:
Ter Reichslanzler hat Recht. Es gilt, wenn die ursvrüuglichcn Forterungei, des Rechtsstaates ersultt werden, wozu der Reichstag verdienstvoll Anlaß gegeben hat, nicht weitcrindcrWunde zu wühlen, sondern sie zu heilen. Das hat auch die Volksvertretung gewollt, als sie ihre Jnterpellationci, stellte und da alles einmal ein Ende haben muß, so ist auch gestern die Zabsrnev Debatte glücklich geschlossen worden. Wir denken, es ist dafür gesorgt, daß sich in absehbarer Zeit kein Scitenstück zum Fall Zabern ereignet. ,
Die „Kreuz-Zeitung" erklärt:
Nach der wirkungsvollen Rede des Reichslanzlers, die aut der rechtcn^Sci'e des Hauses sichtlich einen guten Eindruck machte, da sic de» nationalen Oiesichtspunkt stärk in den Vordergrund lücktc, wurde die Besprechung der Jnicrvellation beichlosicn. Tie Debatte hielt jedoch nicht, was die zahlreichen Tnbünenbcsiicher sich zwesiellos von ihr versprochen hatten. Es gab keinerlei Sc„- iotio». In einem besonderen Anitel rügt die „Kreuz-Zcitiing" das otlz» laue Verhalten des ReichstagsM'ätidcnten Tr. Kamps gegenüber Tr. Frank nnd urteilt, daß ein Reichstagspräsidcnt, der die Mitglieder des Kaiserhauses nickt in ausreichendem Maße vor vltimven 'Anrempelungcn schütze, nicht an die Stelle gehöre, an der er stehe.
wenig Zpiettalent mitbringt und so stark vom Dirigenten abhängig ist, obwohl ich letzteres gerne ans eine Nervosität des Künstlers zurücksührcn möchte: denn es ist mir aufgcsallen, daß er auch in Momenten aus seinen mukikasischcn Helfer sieht, wo ihm seine Partie noch keinen baldigen Einsatz vorschreibt. Als Ortruds Gemahl war Herr Perkins ganz am Platze und wußte besonders die draniatiichcn Akzente stimmlich und darstellensch im Sinne dcS Komvonisten ausgezeichnet zu unterstreichen. Herr Semper als Hccrrutcr bringt einen überraschend weichen Bariton mit »nd fügte lick im Spiel und Ausdruck trcsilich dem ganzen Ensemble rin.
Das ausverkaufte Hans spendete reichsten Beifall, worin zu- aleich der D-nk gegen den Theaiervcreinsvorstand sich als herzlicher lkntcrion mischte. ^ a—r.
T ! e l ä n g st c T r a h t s e i l b a h n Europas geht soeben ihrer Vollendung ent-egen. Sie sschr' von der kleinen Stadt Sidcrs im Rhonetal zw>sch-n Lenk und Sitten ant die Ho-bftäche von Montana, die schon biKier von Sommergästen viel besticht worden ist. Tie Bahn besitzt eine Läng" von 4150 Mir., die ans zwei Abschnitte verieilt ist. Ter erste Wb'rtmitt von 2350 Mir. Sänne hat eine Höchststeigiing von 49 Prozent, der zweite von 180(1 Mir. Länge eine solche von 40 Proz. zu überwinden.
Man hat dem Drabtikftbelrieb vor einer Zahnradbahn den Bor- zog gegeben, weil sich die 'Anlage im Bau und im Betrüb billiger stellt. Die ganze Fahrt wird V« Stunde dauern und im ganzen einen HöheiUiiitenchicd von 1143 Mir. bezwingen. Sidcr- liegt 537. der "v„nMna 1510 Mir. und hie Eud'do'ion Vee.
mala 1 fc'8^ Meter Uber dem Meere. Tie ganze Str-cke mit
einem cin-igen Kabel zu überwindeii, erschien zu gelvaat auch »orderte schon die Bodcngestaltting eine Teilung in zwei Strecken, -''je Leistnngssähigkstt der Anlaoe ist aut 100 Fahrgäste in der Stunde bemessen. Die Winden, die das Drahticil beiati-en werden durch Elektromotoren gettiebe». die ibre Energie aus einem Elektrizitätswerk bei Sjders erhal'en. In d-n lctz'en Fahr-n hat
sich aut der Lochiläche zudem ein starker Winterkportdet-neb enl- mi-telt, so daß die Bahn v-rmutlich Jahresbitrieb wird ein- iühreii müssen. In schneerei-sten Wintern wird das allerdings vcruiutlich großen Schwierigkeiten begegnen.
— TiePräsidentenFrankreichsvvrdemKi'ne- matvgraphen. Bekannftich svi"lt die Pbotogra'chie und Kinc- matogrovbie im Leben des modernen .Herrschers eine anßerordcntl'ch große Rolle, und kommende 0seschlcht»chreib-r werden die zghl- losen b'ldlrchen Darstellnnoen als eine willkommene Ergänzung betrachien. IV'IIN sie das Leben unstwcr Epoche in leinen wineren Formen darslelle». Diesem Zuge »»er Zei» kann ii-b kftn Staats- oberhM'pt entzieben, so schwer cs ibm auch anfänglich saften mag jeder seiner Lebensrrzungen im Bilde sestgchaltcn zu wissen.


