Ausgabe 
21.1.1914
 
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vhS rmirb«n in Deutschland geerntet 1800 an Weizen 2.4 Mil­lionen Tonnen. 1912 4.4 Millionen, an Roggen 1880 5 Millionen. 1912 11,6 Millionen, an Hafer 1880 4,2 Millionen. 1912 5,5 Mil­lionen. an Gerste 1880 2,1 Millionen. 1912 2,5 Millionen, an Kartoffeln 1880 19.5 Mill.» 1912 5O.2 Mill. (Hört! hört!). 1892 wurden an Pferden gezahlt 8.8 Millionen Stück. 1912 4.5 Millionen Stück, an Rindvieh 17.6 Millionen UNdLOL Mil­lionen Stück, an Schweinen 12,2 und 21.9 Millionen Stück. An Steinkohlen wurden gefördert 1891 73,7 Millionen Tonnen und 1912 174.9 Millionen Toiincn. an Braunkohlen 20.5 und 80,9 Millionen Tonnen, an Kalisalzen 1.4 und 11,2 Millionen, an Eisenerzen 10.7 und 27.2 Millionen Tonnen. Die Roheisen« Produktion betrug 1891 4.6 Millionen Tonnen, 1912 17,9 Mil­lionen und 1913 10.3 Millionen. Der Güterverkehr hat sich im Laufe der lebten 20 Jahre verdreifacht. 1891 be­trug die KiloineterZayl 24 Milliarden, 1911 aber 71 Milliarden. Da» alle» sind schlagende Beweise für die glänzende wirtschaft­liche Entwicklung.

Nun entsteht die Frage: In welchem Umfange sind dw

Arbeiter, diejenige Klasse, die man nicht zu den .Kapitalisten rechnet, an diesem wohl kaum bestreitbaren Aufschwung be­teiligt?

Dafür einige Beispiele au» der Einschätzung zur Ern. kommen st euer in Preußen. Das zu den direkten Steuern in Preußen veranlagte Einkommen über 9OO Mk. betrug 1592 5704 Millionen. 1902 8560 Millionen und 1912 15 240 Mil­lionen. (Hört! Hört?) ES ergibt sich, daß dieses große Kapital­vermögen sich keinesiuegS nur in den Geldschränken der reichen Leute angesammelt hat, sondern daß die Gesamtbevölkerung, bis in die Kreise des Handarbeiters hinein, an dieser Einkommens­vermehrung beteiligt ist, denn die Grenze von 900 Mk. Ein­kommen wird jetzt bekanntlich von dem Einkommen eines großen Teils unserer Arbeiterschaft längst überschritten. (Sehr richtig! und Lachen der Soz, Zuruf: Das sind ja alles nur relative Zahlen!) Warten Sie nur ab. Sie kenrien mich doch als gründ­lichen Menschen. (Heiterkeit.) Das Einkommen ist in 20 Jahren um 167 Proz. gewachsen, während die Bevölkerung nur um 34 Proz. gewachsen ist.' (Hört! Hört!) Die Sparkasseneinlagen, die also das Vermögen des kleinen Mannes aus dem Mittelstand darstellen, sind im Durchschnitt gestiegen von 594 Mk. im Jahre 1892 aus 882 Mk. im Jahre 1911.

Die Veranlagung zur Vermögenssteuer in Preußen ergab 1595 ein Gesamtbcrmögen von 63 857 Millionen Mark, im Jahre 1913 104 057 Millionen Mark. Ich danke Ihnen, daß Sie diese Zahlen so geduldig angehört haben. (Heiterkeit.) Als wir im Herbst 1911 bic Bilanz unserer finanziellen Kriegs­bereit scha st aufnahmen, da haben wir eine gewisse Sorge ge­habt. ob wir den damals befriedigenden Stand würden durchhaltcn können, wenn die Krise längere Zeit dauert Die Krise hat sechs Monate gedauert und ist daun durch die Balkankris? abgelöst wor­den. Und trotzdem ist unsere finanzielle Bereitschaft am Schlüsse dieser zwncinh'lb Jahre schwerer internationaler Krisen stärker als sie zu Anfang war. (Lebhafter Beifall rechts.) Das ist ein schlagender B'wers 'ür die y'.tte (Situation unserer gesamten Volks­wirtschaft. Natürlich hat das Streben der Reichebank noch Kon­zentration des Geldes in ihren Tresiors auch nachteilige Folgen gehabt, aber gegenüber dem oben erwähnten Erfolg müssen solche unerfreuliche Nebenerscheinungen mit in Kauf genommen werden. Der Mangel an Umlaufkmittcln. der sich zeitweise gezeigt hat. hängt zum groß-n Teil auch damit zusammen, daß viele Kapitalisten ihr Geld aus dem Verkehr gcnonimen und zum Teil ins Ausland geschasst haben, von wo sie wohl auch nicht zurücksließcn werden. Trotzdem können wir mit einer wesentlichen Erleichterung des Geldmarktes rechnen, die hoffentlich anhalten wird.

Meine Ziffern beweisen klar, daß trotz der steigenden Lebens- mittelpreisc auch der Nerne Mann in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren in steigendem Maße in der Loge war, sein Ver- mögen zu vermehren. Die Arbeitslöhne der bei der preußisch- hessischen Eisenbahngemcinschast beschäftigten Arbeiter sind um mehr als 50 Proz. innerhalb der letzten zwanzig Jahre gestiegen. (Hört! hört! recht? ) Die Statistik der Löhne im rheinisch-west- sälischcn Kohlenrevier ergibt, daß bereits 1906 in sämtlichen Re« vieren die preußische Stcuerveraulagungsorenze von 900 Mk. Überschritten frnr. Auch im Baugewerbe zeigt sich eine erhebliche Steigerung der Löhne, und nicht an letzter Stelle stehen die Buchdrucker. Selbst die gewerkschaftliche Holzarbciterzeitung schrieb am 2. August 1613: Ter Fortschritt geht freilich nicht von heute ouf morgen. Zeitweise tritt sogar ein Rückschlag ein, wenn infolge der verfehlten Wirtschaftspolitik (Sehr richtigi links) die Lebensmittel so emporschnellen, wie in den letzten Jahren; aber die Hebung der Lebenshaltung i st doch unvcr- kennbar. (Hört! hört! und lebhafter Beifall rechts.)

So urteilt ein gewerkschaftliches Blatt, das ja den Herren Sozialdemokraten sehr nahe steht. Eine xm Aufträge der eng­lischen Union of Trabe veranstaltete Enquete bestätigt die für uns interessante Tatsache, daß auch im Ausland eine Steigerung der Preise der notwendigen Lebensbedürfnisse eingetreten ist. die unserer Preissteigerung nicht nachsteht. Das ist besonders be- merkenswert, da ja England ein FrerhandelSland ist. die Preis- steigerung also nicht auf die Schutzzollpolitik zurückgcsührt werden kann. Aber selbst wenn die Preise in England weniger gestiegen wären als bei uns, so wäre das doch nicht eine Folge unserer Schutzzollpolitik. Denn die engli.chen Arbeiter sind in ihrer Lebenshaltung uns um Menschenalter voraus. Wir haben in den letzten 20 Jahren mit einer rapiden Expansion uns aus die Höhe der englischen Lebenshaltung zu bringen gesucht und das hatte eine kolossal« Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen hervor­gerufen. die naturgemäß durchweg vreiSsteigernd wirken mußte. Die Statistik widerlegt auch die Behauptung, daß der vorüber­gehende Rückgang unserer Fleischproduktion die Ursache eines ver­stärkten Körperbaues sei.

^Daö Mehr an Erträgen des Körperbaues ist nicht zurück­zuführen auf eine Vernachlässigung des Anbaues von Futter­mitteln, sondern aus die bessere Ausnutzung leichten Bodens durch künstliche Düngemittel. (Sehr ricktm! r-chtS.) ES ist behauptet worden, daß unsere Wirtschaftspolitik eine Vernachlässigung des FuttermittclanbaueS und damit eine Verringerung dert Viehproduktion herbeigcführt hat. Diese Behauptung stützt sich auf falsche Voraussetzungen. Die Viehzählung von 1907 ist erfolgt nach einer reichen Ernte von Futtermitteln, die Zählung von 1912 nach einer schweren Mißernte und nach einer verheerenden Viehseuche. Daraus erklärt sich der Rückgang des Viehbestandes zwischen beiden Zählungen. (Sehr richtig! rechts u. i. Zcntr.) Von 19121913 ist schon wieder eine Steige­rung des Viehbestandes zu verzeichnen, bei Rindvieh von 3,8 Prozent, bei Schweinen von 16,7 Prozent <hört! hört! rechts- und bei Ziegen von 3,7 Prozent. Weiter bat man be- hauptet, durch die Einfuhrscheine würde einseitig die AuS- fuhr von Roggen gefördert. Aber das System der Einfuhrscheine ermöglicht eS den Produzenten, ihr Getreide dort anzubieten, wc sie es am besten verkaufen können. DaS ist wirtschaftlich voll­kommen einwandfrei und eine Konsequenz wirtschaftlich-geogca- phischer Verhältnisse.

Ti« Einsuhrscheine sind keine Ausfuhrprämien, sondern geben lediglich die Möglichkeit, Getreide zum Weltmarktpreise möglichst schnell abzusehen. (Unruhe links, Zustimmung reckst».) Tie Aus­fuhr deutschen Roggen» wird nicht ersetzt durch Einfuhr auslän­dischen Roggen», sondern von Weizen. Der Verbrauch von Weizen ist gestiegen, und darau» ergibt sich die Möglichkeit. Roggen auszuführen. In gtoßen Teilen Deutschland» muß Roggen gebaut werden; Weizenandau ist dort nicht möglich. Unsere WirtsckiaftSpolitik hat im ganzen zweifellos große Fortschritte in Deutschland geschaffen. Sie hat uns seit 30 Jahren ermöglicht; die Sozialpolitik, wie wir e» getan haben, durchzuführen. Wir haben demgemäß gar kein Interesse voran, an den Grundlagen unserer bewährten Zoll, mb Wirtschaftspolitik zu rütteln. (Lebhafter Beifall recht».) Die Regierung vertritt nach wie vor die Ansicht, daß unser bisheriger Zollschutz im all­gemeinen genügt, daß er aber aufrecht erhalten- werden muß. und daß dte Richtung unserer Wirtschaftspolitik im wesentlichen die- selbe bleiben muß. (Beifall.) Insbesondere muß der Landwirt, schaft der Zollschuh nach wie vor erhalten bleiben. (Beifall.)

Bei der schnellen Entwicklung der Volkswirtschaft mag unsere

Zollpolitik in manchen Punkten nicht mehr genügen. Andererseits sind auch Forderungen auf Herabsetzung der Zölle laut geworden, der Zolltarif sei abzuandern und die Handelsverträge einzu­schränken. Auch ist der Reichsverwaltung nicht unbekannt, daß einzelne Unebenheiten cin«a Ausgleich erwünscht erscheinen lassen, und daß die Entivicklung der Technik eine Reihe Ergänzungen im Z o l l t a r t f s ch e m a nötig macht. Es handelt sich dabei überall um Einzelheiten, im großen und ganzen aber entspricht der gegenwärtige Zustand durchaus den Wünschen der deutsckien Volkswirtschaft. Das Ziel muß sein, die bisherige Wirtschafts, ^nd Handelspolitik auf gesicherter Bahn fortzuführen. Soweit sich zurzeit übersehen läßt, wird für uns keine Veranlassung vorliegen, surch Kündigung der Tari'verträge Vvn 1966 den Anstoß zur Neu­regelung der Handelsbeziehungen zu geben. Es besteht daher .einstweilen nicht die Absicht, dem Reichstag eine Novelle zum Zolltarif po-z ulegen.

Wenn die VcrtragSstaaten sich mit und einigen wollten, so würde der bestehende Zustand allen Verhandlungen zugrunde liegen. Wird von ihrer Seite da? Vertragsverhältnis gekündigt oder ihrerseits Tarifänderunaen vorgcnommen, dann werden die verbündeten Regierungen nicht zögern, diejenigen Maßnahmen zu treffen, die erforderlich sind, um die Interessen Deutschlands zu verteidigen und Angriffe auf den derzeitigen handelspolitischen Besitzstand abzuwchren durch Verbesserungen in den best eben den Tarifen, die als notlvcndig anerkannt sind. Die beteiligten Verwaltungen sind bereits seit längerer Zeit damit befaßt, die in Betracht kommenden Verhältnisse zu würdigen, das vorliegende Material und die Anregungen der gewerblichen Stände eingehend zu prüfen. Dieses Material zu ergänzen und aut deni Laufenden zu erhalten, wird ihre Sorge fein, damit unsere Verwaltung im Verfolg unserer bisherigen Gcpflogen« tzettcn auch Weiler imstande ist. die einschlägigen Fragen recht« zeitig zu erörtern und rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Ich wieder­hole nochmals, unsere Wirtschaftspolitik entspricht aanz unserer Sozialpolitik, beide stehen im engen Zusammenhang. Beide in dieser Beziehung zueinanderzuhakten und weiterzusühren, da§ wird unsere Aufgabe sein. (Lebhafter Beifall.)

Abg Chrysnnt (Zentr.):

Die Sozialpolit'k muß mehr Rücksicht nehmen auf die Interessen des Mittel st a n d c s. Die Offenheit, mit der die Sozialdemokratie dem gewerblichen Mittelstand die Da- seinsbec-ccküigl.ng abgesprochen hat. ist dankenswert. Kein Manu des Mittelstandes darf einem Sozialdemokraten eine Stimme geben. (Sehr richtig?) Staat und Gemeinde müssen vor allem dem Mittelstand ihre Aufträge zukommcn lassen. Große Mängel bestehen noch bei den Submissionen. Das Prinzip des an- Ö c me i j c u e n Preises mnß mehr zur Geltung kommen. Die vom deutschen Handwerks- und Grwerbckammertag errichtete Zen- tralbcralungSstclle für die VerdingungSämter bedarf der Für» ' J derung. ebenso die deutsche Handloerksausstellung in Dresden im Jahre 1915. W:r bitten auch um kräftige Unterstützung des ge­werblichen Genossenschaftswesens. Tie Hebung des Hppoth.ken- kredits ist notwendig. Tie Landesversicherungsanstalten sollten mehr Darlehen geben Mit Recht beschwert sich der Mittelstand über den heimlichen Warenhandel. In einer Fabrik wurden 1000 Regenschirme umgeseht. Das ist doch köin Gclegenh.utSgesckstift mehr. Ebenso unliebsam werden die .Han- delsgeschäfte der Beamtcnvercine empfunden. Das Zugabewesen ist eine bedenkliche Unsitte gewordeu.

Die Frage des DaumeistertitelS muß endlich geregelt werden. Der selbständige Mittelstand verläßt sich nicht nur auf StaatShilfe. Er hat den Weg der Selbsthilfe beschriften, ver­langt aber von der Regierung wohlwollende Förderung. (Beifall.)

Ministerialdirektor Casper teilt mit, daß auch vom Reiche aus eine Verordnung gegen den heimlichen Warenhandcl der Beamten ergangen ist. Den Behörden ist e» insbesondere untersagt worden, Raume usw. dafür zur Verfügung zu stellen.

Geheimrat Lewalt erklärt, daß er über die Handwerkerausstellung in Dresden im Plenum erst Auskunft geben möchte, nachdem die Frage in der Budgetkommission besprochen sein wird.

Abg. Böhwe (Bauernbund):

Mit großer Genugtuung haben wir von der erfreulichen Eni-

vicklu.ig der deutschen Viehzucht gehört. Der Glaube an die Ent­wicklung der deutschen Viehzucht hat nicht betrogen. Der Höhe- Punkt vor 1911 ist bereits überschritten worden. Damit ist die Behauptung widerlegt, daß der Zollschutz de» Getreidebaues die Entwicklung der Viehzucht gehindert habe. Tie Getreidcpreise waren wohl höher cls in d^n 99er Jahren, aber übermäßig sind sie auch heule nicht. Auch weite Kreise des Bauernstandes haben ihren Vorteil daran. Unsere Wirtschaftspolitik hat hinsichtlich unserer Abhängigkeit vom Ausland einen Stillstand hervorgcbracht. Die Futtermittelzölle, die wir vertreten, haben die Ent­wicklung nicht gcbemmt. Wenn der Zoll auf Futtergerste auf­gehoben werden soll, so muß auch die Lücke w'eder gefüllt werden, die dadurch in unsere Finanzen gerissen wird. Außerdem ist zu bedenken, daß bestimmte arme Gebirgsgegenden kaum etwas anderes bauen können als Futiergerste.

Auch an eine Aufhebung des Hafer z olles können wir nicht denken. Der Haferbau wiegt innerhalb der bäuer- lichen Betriebe Var, deshalb ist der Haferzoll ein Schutz der bäuerlichen Produktion. Beim Landwirtschaftsschutz steht unS die Viehzucht an erster Stelle. Deshalb können wir die Grenzen gegen Rußland nicht öffnen. Die Masse der Landwirt­schaft ist mehr am Schweinepreis, als am Getreidepreis inter­essiert. In Rußland sind Drohungen lautgeworden, um uns zum Nachgeben in handelspolitischer Beziehung zu bringen. Die Einsuhrscheine sollten den stiefmütterlich behandelten Osten gerechter stellen. Die Entwicklung hat ja einen etwas anderen Gang genommen, als angenommen worden war, aber die Ab­schaffung der Einfuhrscheine würde die Landwirtschaft schwer schädigen. Die Produktion des Roggens hat stark zugcnommen, der Verbrauch dagegen nicht. Außerdem produzieren gerade die mittleren und kleinen Bauern vorzugsweise Roagen.

Die Schwierigkeiten, die durch die Zurückziehung der russi­schen Arbeiter entstehen könnten, müssen überwunden werden durch eine energische innere Kolonisation. Dir haben nickt das Vertrauen zum Staate Preußen, daß er sie in wünschenswerter Weise durchführt. Er steht zu sehr unter dem Druck der A g r a r k o n s e r v a t i v e n , die der Verwaltung ihren Willen diktieren. Regierungspräsident v. Schwerin hat anerkannt, daß die konservative Methode Erfolg nicht haben kann. Für die Arbeiteransiedelung, die von jener Seite in den Vorder­grund gestellt wird, sind keine Leute zu bekommen. Die Arbeiter­ansiedelung soll die wirkliche, innere, die Bauernkolonisation tot­schlagen. (Sehr richtig! links.) An den russischen Saisonarbeitern hat nicht der Bauernstand, sondern nur der Großgrundbesitz Interesse. Die Konservativen dulden an ihrer Svitze Männer wie O l d c n b u r g - I a n u s ch a u , die die schärfsten Gegner der inneren Kolonisation sind. Vom Reiche aus muß sie in die Hand genommen werden. Das ist eine der größten Zu­kunftsaufgaben des Reichsamts des Innern.

. Auch ein vernünftiges Fideikommißgeseh wird Preußen gegen diesen starken Widerstand nicht schaffen können. Dazu gehört ein Parlament, daS auf dem Volkswillen beruht. Das Ideal deS Landarbeiters ist nicht das Koalitionsrecht, sondern der Besitz einer eigenen Scholle. Eine gesunde Sozialpolit'k muß an unserer jetzigen Wirtschaftspolitik festhalten. (Beifall.)

Mittwoch 1 Uhr: Weiterberatuaa.

Schluß Uhr.

Das Uuiocrfitätsttuö um in Deutschland im Winker ie,uiz.

Ti- Zahl der an den Uniirersitäten des Reichs eingeschrie- denen Studierenden, die seit 1896 so gewaltig wächst. dost seitdem eine Verdoppelung eintra«, ist auch in die'em Winter weiter in die höbe gegangen und beliust sich nun auf 59 600. Gegenüber hent Vorjahre betrögt die Steigerung 679 und im Vergleiche mit dem Winterhalbjahr 1893/94 mit 27 000 Studierenden rund 120 Proz.

' Binnen der letzten l0 Jahre ist die Steigerung so groß, wie der

Gcsamtbesuch der deutschen Universitäten vor 15 Jahren, -re | letzte JahreSzunahink ist etwa geringer als die der Voriahrc, > io dost anzunchmcn ist, dast der Höhepunkt des Zudrangeö über­schritten ist, was bei der Ucbcrfüllnng vieler gelehrten Berufe jetzt allgemein als wünschenowerr bezeichnet wird. Zählt man der Stuüeutcnzijjcr noch die sog.Hörer" dieses Semesters hinzu, nämlich 3161 Männer und 1455 Krauen, so ergibt sich, das zurzeit 64 822 Personen am deutschen Univerjitälsunlerrichl tcilnehmen. Bon den studierenden sind 55 914 männlichen und 3686 weiblichen Geschlechts gegen 55 708 und 3213 int Vorjahr

Was die neueste EntwiMun^deS Besuchs der einzelnen Fakultäten bezw Studieniächer betrifft, so ist die jüngste Zunahme zu einem wesentlichen Teil zwar einem Stu- dicnzwcig zugeslosscn, bei dem wirklich ein Bedürfnis nach cincnt Zuzug weiterer Krnste besteht, nämlich der evangelischen Theologie, der sich jetzt 3903 Studierende widmen gegen 3386 im Vorjahr; aber überwiegend entfällt der Zuwachs aus das Medizinstudium, dem die atademifchc Jugend mm schon einige Jahre in einem Maste zuströmt, dast jetzt ein Stillstatrd dringend wünschenswert erscheint. Tic medizinischen Fakultäten zählen liente 15 008 Stu­dierende gegen 14 002 im Vorjahr und erst 8200 vor jünl Jahren. Tie nächstgrößte absolute Zunahme weisen die ,üa- mcialisten und Landwirte aui, die gegenüber dem Vorjahr ihre Zahl von 3295 au, 3761 erhöhten; die Zahnärzte stiegen von 607 aui 767, die katholischen Theologen von 1787 au, 1939, die Vetcrinärmedizincr (nur in Gießen, von 203 aus 205 und die Forst,virte snur in München, Tübingen und Gießen, von 162 aui 195. Zurückgcgangcn, wie schon in den letzten Seniestcrn, sind (infolge der Erhöhung der Anforderungen an Vorbildung und Studienzeit durch die neue Prüfungsordnung und der schlechten Berufsaussichten) die Pharmazeuten, nämlich von 1047 aui 1017, icrncr zuiolge der llebcrsüllung nach jahre­langem Aufschwung die Juristen von 10 569 aus 9941, die Philologen von 15 854 aus 11 864 und endlich die Mathematiker und Naturwissenschaftler von 8160 auf 7956.

Von Interesse ist noch die Feststellung, wie sich die deutsche akademische Jugend aui die einzelnen Universitäten verteilt und welche Aenderungcn neucstenS hierin cinaetreten sind. An den 10 preußischen Universitäten sind 31 335 Studierende eingeschrie­ben, an den 3 bayerischen befinden sich 9658, an den 2 badischen 4981 und an den übrigen 10 einzclstaatlichcn 13 627.

Binnen Jahresfrist ist der Anteil der preustischen Universitäten von 52,9 v. H au,'52.5 v. $). zurückgegangen, während Bayerns Anteil von 16,0 aus 16,2 v. L>. stieg, derjenige Kadens gleich blieb und die übrigen Universitäten mit 22,8 gegen 22,7 v. ö. beteiligt sind.

Tie BcsuchZzisfern der einzelnen Universitäten zeigen, daß insbesondere die Hochschulen der drei Groststädte Berlin, München und Leipzig immer mehr zu Großbetrieben sich entwickeln. An ihnen belindcn sich allein 21 923 Studierende, mehr als ein Tiittcl der Gesamtzahl oder soviel wie an den 12 kleinen und mittleren Schwestcranstallen zusammen. Berlin steht mit 9593 jetzt nahe an ZehMiausend, München zählt 6802 und Leipzig 5532. Ihr Besuch tat sich seit 1895 etwa verdoppelt. Es solgen dann Bonn mit 4270, Halle hat 2910, Güttingen 2815, Bislau 2791 Freiburg 2572, Heidelberg 2409. Münster 2123, Marburg 2168, Stiaßburg 2092, Tübingen 1887, Jena 1862. Kiel 1847, Kö­nigsberg 1568, Würzbnro 1515, Erlangen 1311, Giestcn 1310, Greifswald 1250 und Rostock 911. Im Vergleich mit dem Vor­jahr habe» obgcnvmmcn Berlin, Greifswald, Königsberg, Münster, Frcibnrg und Tübingen. In der Lokation nach der Besucher­zahl sank Breslau von der 6. au» die 7. Stelle, Münster von der 10. ans die 11. und Giesten von der 18. auf ine 19. Göttinge» stieg auf die 6. Stufe, Marburg errang die 10. und Erlangen die 18. _

<Dcrid>t*!nnL

Strastburg i. E, 29. Ja». An, I«. Februar kommt vor der Stralknminer des Landgerichts die vom Staatsanwalt erhobene Beteidianngsklage gegen deti Redakteur Lucien Mink vomJoitr- nal ö-.'Uince' zur Verhandlung, die leinerzeil am 31, v, Mts. aus- gesetzt ivorde't ivar. In deur unter Klage stehenden Llrtikel war bedauvtel worden, die preubische deeresverwattung benutze di- Ellast-Lolkrtnaer ats K a n o » e »t >t t t e r. _

ItaitdcL

Preubische Ante «e. Tie schon angekündigte Anleihe Preuüens wird nach Mangabe des im Inseratenteil n»gedruckten Brosvekle« »ut 35V Millionen Piark »»Itmehr zur Zeichnung a»!> oe egt. Es handelt stch dabei aber nicht um Anlethe» oder um Schatzanweiluuaeu >» der bisher üdliebe» Form, tondcrn »m ein« Art von Zwischenglied, »änilich um ausioSbare Schatzamveisunuen mit verhält»,sutänig langer Laufzeit ein neuer Tyv, der am besten vielleicht Schotzun>r'eis»iiasaiileihe aengnul iverde» iöunte. Während die bisherige» Sckiatzaniveisunoen ichon nach »tioa vier .Inbren iällig ivurdeu, siebt der »ei,e Typ ähnlich de» Ai,leihen, die in Prenstc» langiristig aiiiortiüerl werden, ein« IS,ädrige Laus, zeit vor, er>olgt, ,vie bei den Schatzanweisuuneti und

int Gegensatz zu dcn Auleibe» die Rückzahtung gunt Nennwerte. Eine Eigenart deS ueue» Typs Ut die Serie»eiute>lung und di, Ausloluiig je einer Serie von Mark 25 Millione» in jedem lahrc. Hierdurch irnrd e,ne luutiche Stetigkeit des Kurses geiväkrleistet. Verzinst Ivird der neue Typ mit uoiNiiial ' °/. In Rücksicht mir de» Aiisaabekurs von 97"/ und de,> AuSlosungsgeiviun stellt ,'ich die Durchs ' mti*up,ji ,Umfl tatsächlich aber am last Die

Zeichnung findet bis z»,» 29. Januar Halt. Wege» der Bezahluitg der geicichiieteu Beträge find geräinntge sirtfien voraelebe». Juden, wir ivegeu der Ei»zelhe»en aus den Prosvekl Bezug nehme», de» iiierkeii iviroch, dast i»> Jahre 1013 die Schatzaiiweilnnaen zum Kurie vo,, 90"/,, die Änleil c,> z,i>n Kurse von 03,80 und 97,0 , au!, gelegt wurden. Ter ReichsbankdiSkoul, der sich bei den Aulciyc- vegebunqe» des Jahres 1013 au! 8 % stellte, notiert zurzeit 5"/, mit) zeigt überdies starke Neig»ug nach linten. Ter Privatdtskout, der nur 3/,"/, beträgt, beutet am Geldsliissigkett. Es will uns scheinen, dast i» eu> neuen Tnv mit seiner Perz,»s>t»a und seinen sonnige» Ehauceu etwas recht Annehmbares gevolen wird.

Meteorologische vcobachtungen d er Station Sieben.

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Niederschlag: 0,0 mm.

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