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erschein! läßlich, miücr Sonnlni,?. Beilagen: Diermnl wöckwullich «ießenerZamIIienblittee, jiucminl iröclienU.Ktcis= dlattsürtzenllreir Sichen (iitnälnfl mib (Jreiinn); jiueimnl monntl. £nnt= wittschoslliche öcitfraaen fferuivrech - Anschlüße: sür die Rcdaklion 112, Verlag u. Eppedilion 51 Adresse lür Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnuinmer bis voriniUagS 9 Uhr.

Erster Blatt

Jahrgang

Mittwoch» 2'. Januar TO

General-Anzeiger für Oberheffen

Rotationsdruck und Verlag Ser vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei 8. Lange. RedaMon, Expedition und vruckerei: Schulftrahe 7.

Be zu a s o reis;

monatlich75PI.,vienel- jährlich '91t. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 durch die Post Mk. 2.Viertel­jahr!. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pi, auswärts 20 Plenniq. Lheiredakleur: A Goetz. Perautwortlich lür den rolit. Teil: Aug. Goetz: für »Feuilleton", ,Ver- niischieL" und.Gerichts- sanl": Karl Renralh; iür »Stadl und Land": Kurt Bendt; sür den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten.

Eine 5lottenentsendung sür den Prinzen Wied.

Unser B c r l i n e r M i t a r b e i t c r schreibt uns:

Tie deutsche Regierung ist, ivie ich störe, soeben davon verständigt worden, das; die Einführung des Prinzen zn Wied in Albanien ohne die Entsendung von K r i e g S s ch i f s c n an die albanische Küste wohl kaum ^u bewerkstelligen sei. Oesterreich und Italien halten zurzeit ie ein Kriegsschiff unter Dampf, um sofort eingreisen zu können. Zn Entlarv wartet der KreuzerAdmiral Tpaun", in Brindisi derFrancesco Aevruccio" aus den Beseht zur Ausfahrt nach Albanien. Bor Balona befinden sich bereits brr italienische geschützte KreuzerJride" und der österreichische Ilcine KreuzerPanther"': letzterer wird setzt durch den modernen TorpcdobootszcrstörcrEscprl" ab- gclöst.

Tic Pariser und Londoner Presse wird natürlich nun von einer österreichisch-italienischen Eigenmächtigkeit oder von der Sondcraltion des Treibundes reden. Tatsächlich liegt aber weder vorn Dreibund noch im einzelnen Lester reich, Italien oder uns etwas daran, den Prinzen Wied als unseren Schützling gegen die Triple.Entente auSzuspielrn. Tatsächlich handelt es.sich doch um die letzten Konsequenzen der Londoner Konfercnzbeschlnssc, an denen alle Großmächte beteiligt sind, ersolgreich beteiligt, wenn die Durchführung gelingt, und wieder einmal blamiert, wenn ein kleines Länd- chen dem uneinigen Konzert der großen Rationen ein Schnippchen schlä,gt. Niemand wäre froher als Oesterreich, loenn ihm die Triple-Entente durch Anschluß, an sein durch die Londoner gemeinsamen Beschlüsse gerechtfertigtes Per­langen ein ..sechsseitiges" Einschreiten mit Aussicht auf recht rasche Wirkung ermöglichen ivürde. Und selbst ivenn Oester­reich und Italien nun einseitig Vorgehen, wer lann es ihnen im Ernst verübeln? Sind doch so viele Beschlüsse und Direk­tiven der Londoner Konferenz durch einseitige Taten über den Haufen geworfen worden, daß mau nur dankbar sein kann, wenn endlich einmal etwas durch einseitiges Bor­gehen konscrenzgeniäß ausgeführt wird.

Nicht ganz leicht ist ja allerdings die Rolle, die Prinz Wied als kommender Fürst von Albanien bei dieser Aktion zu spielen hat. Soll er ruhig in Potsdani abwarten, bis das Bett in Durazzo aemachr ist, oder hat er auf cineni der Kriegsschiffe, um von vornherein zu imponieren, einensieg­reichen" Einzug zn halten. Schon machen ihm Pariser Zei­tungen den Borschlag, sich dadurch aus die wirksamste Art zn schützen und den Beginn seiner Rcgententätigkeit zu er­möglichen, daß er S k u l a r i als vorläufige Residenz wählt. "Dort, unter dem Schutze des internationalen Kontrollaus- fchusses, könne er viel besser den Verlauf einer Flottenkund­gebung vor Durazzo und Balona abwarten. Dieser schlan- genkluge Rat ist natürlich nicht gut gemeint. Begäbe sich Prinz Wied nach Skuiari, so fänie er allzu sehr unter die Pvrinundschaft des Kontrollansschiisses und würde seine Geg­ner und die Anarchie an der Küste nur ermutigen. Mit anderen Worten, er muß seinem Schicksal, ob es nun günstig oder ungünstig verläuft, von Anfang an mutig- und männ­lich die Stirn bieten. Das erwartet man von einem deut- fchcn Offizier und Adelssproß, und das ist auch sicher seine Meinung und Absicht. Im übrigen ist cs auch das polilisch klügste. __

Ter Anlunst des Prinzen Wied sehen die Küstcnbewoh- ner Albaniens mit den ireiiiidlichst.'ii Gefühle» entgegen. Dagegen herrscht lunter der Landbevötternng im Innern, insbesondere in den Bergen des Lckndes, 'die alte türkische Apathie: die dort lebenden Bauern, die durchweg A,mlpl>a- betcn sind, haben nicht die leiseste Ahnung von dem Wert und der Notwendiglcit einer albanischen Zcntralregiernng, ihnen ist es gleichgültig, wer die Krone Albaniens tragt, und sie haben noch nicht das mindeste Berstündnis dafür, daß dieser Fürst der alleinige Herrscher des Landes werden soll und nicht ein Basalt des Padischah. Prinz Wied muß also unbedingt mit der Flottenallion und möglichst in persön­licher Wirkung an der Küste Albaniens Einsetzen, und zwar in Durazzo. Tort bcstebt jetzt als eine der achtRegierun­gen" das Kommando Essad Paschas. Bon Essad und seiner Stellungnahme gur Thronlandidatur des.Prinzen Wied hängt für die nächste Zeit alles üb. Män nimmr an, daß, Essad nunmehr entschlossen ist, seinen Einfluß im Lande nicht mehr gegen den Prinzen gellend zn machen. Essad ist ener­gisch, geschickt, ehrgeizig und sehr tatkräftig. Gelingt es, diesen Mann durch sichere Aussicht aus einen führenden Posten des tünftigen Albaniens an den Thron des Prinzen Wied zu fesseln, so kann man ihm ruhig die Reinigung von den türkischen Einflüssen anvertrauen, auch die Reinigung von den griechischen Einflüssen. Das übrige müssen die drohenden Rohrlnündnngen der österreichischen und italie­nischen Schissskauoncn besorgen.

Der abgelehnte Reichrzuichutz für die olympischen Spiele.

B e r l i ii, 20. Jan. Nach dem Bckannttoerdcn des ablehnenden Beschlusses des Budgctausschusscs des Reichstages, betreuend den Reichszuschuß für die olympischen Spiele 1916 gingen dem Präsi­denten des deutschen Reichsausschusscs und dem Gcneralsekretariat aus allen Teilen Deutschlands Zuschriften zu, die die H o s f- n ii n g aurdrückcn, daß der Deutsche Reichstag den Be­schluß des B u d g c t a u s s ch u s s c s n i ch I z u seinem eigenen machen wird. Ein bekannter Berliner Kommerzien­rat sandte an Exzellenz v. Podbiclsti 200 Mark mit dem Be­merken, daß in deu weitesten Kreisen die unsaßliche und Iliivcii- sländtiche Ablelmung des Reichsznschusses für die kommende Olvm viade wohl viele säumige Bürger aus den Plan rufen wird, damit die so überaus wichtige Olpmviasache nicht scheitert. (Einzahlungen sind zu leisten ans das Poslicheck-Koiito des deutschen Reichsans- fchusses Nr. 12 890 bei deni Postscheckamt Berlin NW. 7 oder aus das Konto: Deutscher Reichsaussckmß an die Kasse des Union-Klub, Sche.aowitraßc !i>. Eine ciiigelau>e»c Postanweisung über 1000 Mark ist von den Worten begleitet:Antwort einer deutschen Frau aus den bedauerlichen Beschluß der Bubgellommiision des Reichs­tages." Ter Senat in Bremen gewäyrtc eine Beihilfe von 3000 Mark. Der Senat in Lübeck beschloß, zur Förderung der Bestrebungen des Reichsausscbuncs aus fünf Jahre eine jährliche Beihilse von 200 Mark zu bewilligen.

Dcutscbe» Reick».

Der Widerhall d e sP r e u ß e n t a g c s". Wie wir aus Berlin hören, wird der Abg. Erzbergcr sich in den nächsten Tagen im Rahmen der Etatsdcbatte mit den A e u ß e ru ng « n des P r e a ßen t a ge S am 18. Januar bcschästigeii und namens des Zentrums eine scharfe Erklä­rung zu den Bestrebungen des Preußentages abgcben. Bon naiioiiallibcraler Seite wird ebenfalls eine Kundgebung ver­anstaltet werden.

Generalleutnant v. K r acht, der bekannte Redner aus demPreußentag", hat an den Kriegsminister ein Schreiben ge­richtet, in dem er zuin Ausdruck bringt, baß er sür die bayerischen

Waifengesäbrtcii die größte Hochachtung habe, und seine Worte müßten entstellt miede,gegeben worden sein. An dem Mißverständ­nis ist der General aber sicher nicht ganz schuldlos: seine Aus- iühruugen waren an der Stelle, wo ec sic machte, unnötig und in ihrer Wirkung doch wobt etwas zweideutig. TicNordd. Allgcm. Zig."', die den Brief vcrössentlicht, fügt hinzu, die i» vielen Schlach­ten erprobte Tapferkeit der Bayer» brauche leinen Vergleich zu scheuen, und so ivird der fatale Zwischenfall hoffentlich ickmell vrv- gesscil werden! Auch die bayerische Kammer hat sich am gestrigen Dienstag mit der Sache besaßt, und einige Abgeordnete zogen in scharien Ausdrücken gegen den yreußisärcu Redner los. Der b a y c r i s ch c K r i c g s m i n i st e r crllärtc, die Worte Krachts anüßtcn ihm als tendenziös entstellt erscheinen, sonst könnte er eine, so unerhörte Aeußcrung nicht scharf genug brandmarken.

Tie Befugnisse der Militärgewalt in W ü r t t ei b c r g. lieber die neuerdings viel erörterte Frage, unter welchen Voraussetzungen die militärischen Bcschlshaber zur Unterdrückung innerer Unruhe» einzuschrciten befugt sind, ist der württembcrgischcSlaatsanzeiger" Nachstehen­des milzuteilcn in der Lage: Die Bestimmungen über die Bcrtvcnduiig des Militärs bei inneren Unruhen sijid im Reiche keine einheitlichen. In Württemberg darf ein Eingreisen des Militärs nur nach vo rang eg an- neue r Aiifforde r u n g d c r z u st ä n d i g e n B e h ü r d e erfolgen. Diese Vorschrift, die sick, auf bas württembcrgische Gesetz vom 28. August 1840, betreffend das Aufgebot der be wasfnclcn Macht gegen Zusammenrottungen und Aufruhr gründet, ist für alle in Württemberg dienenden Offiziere also auch sür die hierher kommandierten Offiziere anderer Kontingente ausschließlich maßgebend.

D ie fortschrittliche Fraktion des würt - tembergischen Landtages hat in Beziehung auf den Fall Zaber» eine Anfrage au die Staatsrcgierung ge­richtet, in der auf die Möglichkeit hingcwicscii wird, daß auch in Württemberg die Ausübung der bürgerlichen Polizeigc- walt von dem Militär an sich gerissen werden könnte.

Tie Zobern er Garnison. DieStraßburger Post" läßt sich aus Zaber» melden, es fei den Offizieren des Infanterie-Regiments Nr. 00 mitgeteilt worden, daß das erste und zweite Bataillon ans den Truppenübungsplätzen Oberhofen bczw. Bitsch bis zum l. Oktober d. I. verbleiben, und daß nach diesem Termin das Regimen! nach cineni neuen Garnisonort verlegt wird. Wie man höre, sw Slraßbnrg in Aussicht genommen. Einige Offiziers familicit hätten bereits ihren Haushalt ausgelöst und seien vorläufig abgereist. Eine amlliche Bestätigung liegt nicht vor.

Franzosen i n D e u t s ch l a n d und Elsaß-Lo­thringen. Nach der Volkszählung von 1010 lebten im Deutschen Reiche 10 110 französische Staatsangehörige. In der Hauptsache haben sie ihre Wohnsitze in Elsaß-Lothringen, wo rund 12 000 französische Staatsangehörige gezählt wur­den. Nur 7000 Franzosen sind in den anderen Teilen des Deutsche» Reiches aiiziitreffen. Die Zahl der Franzosen in Elsaß-Lothringen fleht zu der in den übrigen Teilen Deutsch­lands in einem auffälligen Mißverhältnis.

Eine Schwarzburg-Rudolstädtcr Land­tagswahl. Lei der Ersatzwahl ftir den Schwarzburg- Riidolstädter Landtag im Wahlkreise Frankenhausen-Land er hielt am Montag der bürgerliche Kandidat Käm­merer 560, der sozialdemokratische Kandidat Kratz 112 Stimmen. Kämmerer ist somit gewählt. Ter Wahlkreis war bisher durch einen 2 o z i a l d c in o k ra t e n ver­treten. Dem Rudolstädter Landtag gehören nunmehr iicilii bürgerliche und neun sozialdemokratische Abgeordnete an.

Rudolf Senee y.

Einer der Patriarchen deutschen Schrifttums ist in Rudolf IMeiiee dahiitgegangeit. Holzschneider und Redakteur, Dramen- und Pvssendichicr, Shakespeare-Forscher und Vorleser all das war '<n in einer Person und so kann cs nicht wunder nehmen, daß dos Leben des dahingegangenen Neunzigjährigen überaus reich an Erinnerungen war. Rutwli Genec hat selbst erzählt, wie cs ihm init seinen! ersten drainatüchen Versuche ergangen ist. Es lvar dies ein Drama, dessen Held der Hussit Ziska war: in einem Luche, das sür billiges Geld beim Antiauar erstanden war, hatte Geuse den Stoff dazu gesunden, in den Jahren 1847 48, also als 23jäh rigcr, schrieb er das Drama nieder, und da sein Barer Leiter des Danzigcr Stadttheaters war. brachte er es bei dieser Bühne an. Der Tbemerzettcl nannlc bei der Uraufführung Februar 1849 den Versa,scr zwarichr, dennoch lvar er in Danzig bekannt, und das an stürmischen Austritten reiche, sehr lebhafte Stück hatte daher einen theatralischen Eriolg. Ter junge Genec hielt sei,, Werk natürlich sür etwas ganz Hervorragendes, und hatte die Naivetät, es an Emil Tevrient narb Dresden zu schicken, der cs dann mit der Versicherung zurückschickte, er habe esmit großer Freude" gkleien. . . . Es ist heute iast vergessen, daß Rudolf Genöe es - war, durck) dessen Bearbeitung KleistsHcrmannichlacht" ihre großen Bühnenerfolge davongciragcn hat, durch die sie zum seste» Bestände der deuiichcn Bühncnspielplänc geworden ist. Und doch hatte die Intendanz in Berlin zunächst geglaubt, das Stück locrdc keinen Eriolg haben! Als Genec im Januar 1875 nackt Berlin zu den Proben kam, sab er mit Verwunderung, daß überhaupt nur sehr wenige Proben angesetzt waren, und noch am Vormittage der ersten Aufführung sagte Herr von Hülsen ihm:Was von unserer Seite geschehen konnte, ist geschehen", als ob er von einer verlorenen Oache rede. Bei der Aufführung wurde das Publikum aber bald warm, in der Szene zwischen Marbod mit den beiden Knaben brach ein tvahrcr Beffallssturm los und zum Schluffe gab es tosenden Bciiall, kurz, der Erfolg und die Wirkung waren so, wie sic das Berliner Schauivielhaus kaum ie vorher erleb! l>atte. Von Hülsen gestand seinen Irrtum sreimütig-licbenswürdig ein, das Stück wurde bis zum Beginne der Sainmericrien allwöchent­lich drei- oder viermal vor ausvcrkauitcm Hause ausgesührt und in, Jnlandc wie im AuSlandc, selbst in "Amerika, lourde die Hcrmannschlacht" seitdem in Genöes Bearbeitung gespielt.

wo liegt die Gralsbvrg?

Tie Aufführungen des Wagnerschen Pariisal, durch die die «<ui Iura mit ihren Wundern in der scierlichen Verklärung des Klanges aus vielen Bühnen crichcint, verleihen der vielerütterten Frage nach der geschichilichrn Lage von Montsalvat ein aktuelles.

Interesse. In eineni Auffatz der Annalcs desprieht Ernest Gaubert die mannigsachcn Hypothesen, die an dieses Problem/der Parsital- sagc geknüpft sind, und löst schließlich das Rätsel der wirklichen Gralsburg.

Von verschiedenen Seiten ist versucht worden, da-: große Heilig ­tum und die letzte Zuiluchtsstättc der Albigenser, 'die Burg Mont- segur, als die Gralsburg zu erweisen. Bevor Ramon de Perelha ries Schloß als letzte Zuslucht sür die versolgte» GtaubenShelden baute, lagen dort bereits die Trümmer eines berühmten Schlosses, in dem man vielleicht die lstralsburg sehen könnte, wenn nicht alle Lichter und Ehroniste», die die Pariiiatiagc bearbeitet haben, den Schauplatz nach Spanien verlegen würden, und zwar in ein Bcrg- (chloß des nördlichen Spanien. Tieieuigcu, die die Gralsburg in Spanien suchen, werden dal>cr die größere Wahrickulnlichteik iür sich haben. Man hat »nn den Monrialvat im Gebirge von Ääntabiicn, bei einer kleinen Stadl Salvaiierra finden wollen, die zwischen Alsasna und Viiroria liegt. Das heilige Schloß hätte sich hier wirklich in einer Umgebung erhoben, die durchaus den« Schilderungen der Legende entspricht. Aber die wmigcn Mauer- r-ste. die noch von einer alten Burg zeugen, stammen höchstens ans dem 12. Jahrhundert, während doch die Gralsburg in einer früheren Zeit entstanden sein muß. Deshalb hat man noch ein anderes Salvaiierra misnndig gemacht im südlichen Galizien, an der portugiesiichcn Elrcnze. Diese Gegend voll enger Berg­schlünde. malerischer Engpäffe »nd herniederbrauiender Bergströmc weist die Ruinen eines Schlosses aus dem 1t. Jahrhundert aus, und in einigen Lolalsagcn der Gegend ffirden sich auch Spuren, die aut die Sage Hinweisen. Alle diese Hvpothcien müssen aber gegen die zurücktrcten, die in dem' altberühuitcn Henediktin er» 11 öfter v o n Montscrrat in der Provinz Barcelona das wahre Montsalrat erblickt. Gaubcrt weiß zwingende Gründe daiür anzuiülnen, daß hier der Ort der Gralsburg zu suchen ist. Tic Abtei, die zwischen Monfftool und Manrrsa liegt, erhebt iich aut demMvntserrat", demgesägten Berge", der sich nach der Le­gende in zwei Stücke teilte am Karsreitag zu der Stunde, da der Herr sein Leben allshauchte: sic liegt in diesen Bergen der Westgoten in Nordipanien. voa denen Wagner irrt ersten Akt des Parsisal spricht. Alle die Landichastcn findet man hier, die im Parsiial geschildert werden: die EinsiK>elei, die Quelle, den

See, die großen Gegensätze der Natur, die weiten Fernblicke. Tie brtalonischen Sagcn erzählen zudem, daß^hier die Gralsritter ein Asyl sandeu. Ein Gras von Barcelona, Disredb cl Belloso, fand hier ein wundertätiges Marienbild, das von dem lreiligen Lukas selbst geschaffen sein soll, und ließ 880 ein Kloster bauen, das einer der berühmtesten Balliahrtsortc Spaniens wurde.

Das alte Kloster wurde 1808 von den Franzosen zerstört und 1812 wieder miigebaut; cs hat eine wundervolle Lage über den

weiten Ebenen von Katalonie», ciiigcnistet zwisckwn den zer- riffcueu Bergwände» in einer Höhe von 1237 Mlr. Heute führt eine kühn angelegte Zahnradbabn von Monistroi heraus, von der aus sich die wundervollsten Fernblicke ciithüllcii. Mau begrcfft, wie dicier uralte Bau, aui steilem Fels wie in die Wolken gebaut, in den Vorstellungen der Tieslandbewohncr zu dem Sckklöß der Seele werden mußte, einem Tempel der Erlösung und de- Geistes.

Ter Verband der Kunstfreunde in den Lan­dern am Rhein, dcffcn Schirmöerr der Großhcrzog ist. wird in der Zeit vom 24. Mae, bis 15. Ollobcr dieses Jabres in Stuttgart eine große Sun st ausstcllu » g veramtal - reu, die vier Gruvpen umfasscn soll: Eine württembccgiiche Sou- dcrcusstcllung unter eigener Jury der Stuttgarter Kunst konnniffio», eine Ausstellung der übrige» Verbandsgcbicie, nach Landsmannst.,asten geordnet, eine gemeiuiame Ausstellung hervor­ragender Werke aus allen Vcrbandsgcbietcn und endlich eine Son- deransstellung der sog, Erprcssionisten des Vcrbandsgebietes. Die Ausstellungen loerden Gemälde, Plastiken und gravluiche Arbeiten umsaffen. Tic zwcitgenanntc Gruppe umfaßt die Landsmannschai- trn in je einem Saal, die Schweiz, Eliaß-Loibringe», Baden, H c ssc n -D a r m ft a d t, die Pfalz, Hessen-Nassau, die Rbcin Provinz und Westfalen. Mit der Ausstellung wird ein Privativelt- bewcrb vereinigt. Nähere Auskunst erteilt Bürgermeister Müller i» Tarmstadt, der kürzlich a» Stelle des wegen Llrbeilsübertastung zurückgetrctcnen Tr. Billy Merck zum Vorsitzenden der Kunstkoin- mission Tannstadt gewählt worden ist.

Henry BataillcsK i n d d e r L ie b c". Aus M üu- cheu, 19. Jan. wird uns geschrieben: Henry Batailles StückD as Kind der Liebe" erlebte heute ferne ktrauffüh- rung in den K a m m e r s p i e l c n. Es ist ein Theaterstück von robustem Bau und geschickter, aber zuweilen brutaler Mache. Liane Lrlaud, eine galante Frau von vierzig Jahren, wird von ihrem langjährigen Liebhaber Rantz verabschiedet, als dieser Minister wird. Der zum Selbstmord cntschloffciien hysterffchen Frau crstebt jcdocki der RLttcr in der OVcfthlt ihres zwanzigjährigen Sohnes Maurice. In einer Austoallung kindlicher Liebe benützt er einen alten zweffelhaftcu Rcnncouv von Rantz und den llmstand, daß Nelly Rantz ihn liebt, dazu, Rantz zur Heirat mit seiner Mutter zu zwingen. Nachdem er sein Ziel erreicht hat, wird er von Rantz mit großem Gehalt nach Amerika abgeschoben, Tie Ausnahme war zuerst abwartcnd kühl, nach der großen Thcaterszcne im dritten Akt be­gann jedoch starker Beffall, während der Schluß wieder abiicl.

E l n neuer Su der manu. Im Teulschen Tckau- spiclyaus in Hmniburg fand gestern abend die llrauitührung des neuen groben Dramas Hermann SudermannsDie Lobge- s ä n g c d c S C l a » d i a n" statt. Nach anfänglich kühler Aufnahme