Kr. 15
Drittes Blatt
Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.
1«4. Jahrgang
Die „«ietzcner Zamiliendliittee" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich belqelegt. das „itreirdlatl für den Kreis Oicheii" zweimal wöchentlich. Die „Laadwirtichastllchen Seil- Iiagen" erscheinen monatlich zweimal.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Montag, ly. Januar 19'^
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'ichen UnwersitätS - Buch- und Steindrnckerei.
9t. Sange, Gießen.
Redaktion, Lxp-dition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition »nd Vertagt »0 51. Redaktiom^SIir. Tel.-Adr.: Ai^e>ger»«d«,>.
Mb Deutscher Reichstag.
193. Sitzung vom 17. Januar.
Äm Ministertisch: Dr. Dclbrück.
Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 11 % Uhr.
Der Etat des Znnern.
Die zweite EtatSberatirng beginnt Leim Reichs^mt des Innern. '
Die allgemeine Erörtern,^ wird auf Antrag Gothen geteilt. Sic erstreckt sich zunächst nur auf
die 2o.',ialpo!ii»t.
Aba. Schmidt-Lel!rn (Soz.)
erläutert an Hand seines umfan^ichen Manuskripte zunächst wlrtschaftlkche Fragen. Nach wiccie'ooltcn ?Naönu, gen d:-A Präsidenten glückte es ihn, cndlut:. unter der HcUcrkctt des Hauicö. d,e erforderlichen Umstellungen in seinen Aufzeichnungen dorzu' nehmen. (^r spricht jetzt zunächst vom Zcntralvcrband deutscher Industrieller, der seinen Einflug aus die Presse dadurch verstärN habe, das; ihm jetzt auch der I^okal -Anzeiger zu Diensten steht. B,el interessanter aber ist, dos; der Ncick)4kanzler persönlich an großindustrielle Kreise bcraugetreten ist mit dem
Wunsche, man möge dem Scherlschen Verlage die erforderlichen 10 Millionen zur Verfüguirg stellen, dam't der Lokal-Anzeiger nicht in die Hände von Moste oixr Ullstein falle.
Bezeichnend für die Bezichnr'gen von Negierung und Industrie ,st ja die Stellungnahme, die der Lolalanzciger und sein Herr v. (Nottberg in den Fällen Kcilpv und Zabcrn in durchaus einseitiger Weise zugunsten militärischer Interessen genommen haben. Nach wie vor werden die landwirtschaftlichen Arbeiter in ihrer persönlichen Freiheit eingeengt und beeinträchtigt. Die Groszgrnndbes'tzer üben einen wahren Terrorl-- «u3 auS. Deshalb flüchten die Arbeiter in die Industrie. Dabei find die Verhältnisse in der schweren Industrie, namentlich in -en Bergwerken, durchaus nicht befriedigend. Trotzdem wird gegen eine Fortführung der Sozialpolitik fort und fort Propa gondo gemacht, n mlich von den literarischen Bureaus der grasten Jndustriegesellschaften. Die Berliner Oinnibusgesellschaft hat 16- bis 17stündige Arbeitszeit ohne eigentliche Mittagspause. Aehnlich ist es in den Wasch- und Plättanstalten und dem Binnen- schiffergewerbe. Der Beirat für Arbciterstatistik hätte hier genug zu tun.
Dasselbe gilt für Ziegeleien, die chemische Industrie, die Müh- lenbctriebe u. a. Die Fabrikinspektorcn niüssen das Recht erhalten, ein subjektives Urteil über die Zustände der Fabriken zu fällen. Seit 1855 ist nichts mehr zilni Schutz der jugendlichen Arbeiter geschehen. Für Jugendliche bis 18 Jahren sollte die Nachtarbeit verboten werden Die Heimarbeit in der Dabakindustric ist derart schädlich, das; sie unterdrückt werden must. Ter Schutz der Bauarbeiter genügt nicht, ebensowenig wie der der Mühlcnarbeitcr. Der Berus der Gärtner mutz schlietzlich doch einmal der Gewerbeordnung unterstellt werden. Der Terrorismus. den die Innungen auf die Unternehmer ausüben, hat bedenklichen Uinfang angenommei,. Die Innungen zwingen die Handwerker, Tarifverträge nicht einzugehen und legen Zuwiderhandelnden schwere Strafen auf. Dagegen gibt cs keine andere Abwehr, wie den festen Zusammenhalt der Arb e i t n e h m e r in ihren Gewerkschaften. Wir hätten längst ein allgemeines Verbot des Boykotts, wenn die Unternehmerverbände nicht fortgesetzt davon Gebrauch machen würden.
Unsere Rechtsprechung behandelt die Unternehmer ganz anders wie die Arbeiter. Jenen wird Wahrnehmung berechtiger Interessen zugcbilligt, wenn sic den Vorwurf des Streikbruches erheben, diese aber iverde>l regelmäßig deswegen ver- urteilt. Diese Klassenjustiz ist bei uns gang und gäbe. (Vizepräsi. dent Pansche rügt diese Beleidigung des deutschen Richtcrstan- beS.) Gewiß gibt eS in Deutschland Richter, die das verurteilen, daS will ich zugcben. Es wäre auch wirklich traurig, wenn es keine Richter gebe, bei denen sich der Ekel gegen solche Parteilichkeit geltend machte. Brutaler und robcr, als ich cs gekenn-. zeichnet habe, kann sich die kapitalistische Ausbeutung nicht mehr gebärden. (Beifall der Soz.)
Abg. Tr. Toornlaun (Vp.):
Es ist erfreulich, daß jetzt die .Handwerker nicht melir unbedingt auf die Beseitigung des § 100q bestehen. Man hat sich nilscren Bedenken angcschlosseii. Die Frage gebt jetzt endlich ihrer Losung entgegen. Noch nie ist soviel an sozialpolitischer Arbeit geleistet, wie in den letzten beiden Jahren. (Sehr richtig!) Und diese Arbeit ist >,och nicht abgeschlossen. Ueber die K r a n k e n k a s s e n b e r s i ch e r u n g kann inan noch kern Urteil fällen. Man mutz ablvarten, wie sich die Landkrankenkaisen bewähren. An gewissen Stellen waren aber die Landcsbehorden nicht auf der Höhe. Ter Beirat für Arbciterstatistik ist in aus balliger Weise beiseite gedrängt worden. Bedenklich erscheint cs. den Gewerbeinspcktorcn polizeiliche Befugnisse zu geben. Leider ist die Vereinigung der öffentlichen und privaten Lebensversicherungen wieder auscinandergefallen. Der Tarifvertrag ist auf dem Siegeszuge. Der Staatssekretär wird erklären müssen, ob die Zeit zur Regelung des Tarif recht- noch nicht gekommen ist. Manches mutz r,och geschaffen werden. Von einem Stillstand auf sozialpolitischem Gebiet ist keine Rede. Das Tempo darf man aber auch nicht überstürzen, damit würde man der Sozialpolitik selbst keinen Dienst tun. Tie Sozialvolitik ist beim Staatssekretär in guten Händen. Wir folgen ihm darin vertrauensvoll. (Beifall.)
Das Haus vertagt sich.
Montag 2 Uhr: Weiterberatung.
Schluß 2K Uhr._
Eröffnung der Reichsbankstelle Gießen.
K B. Gießen, 17. Jan.
Um 2 Uhr nachmittags versammelte sich am Samstag eine große Zahl geladener Gäste im neuen Reichsban k- gebände auf der Bismarckstraße, um der Feier der Erösf- uung der Reichsbankstelle Gießen und der Feier der Einweihung des neuen ReichsbankgebäudeS bcizuwohnen. Unter den vielen Erschienenen waren die staatlichen und städtischen Behörden Gießens vertreten, auch die benachbarten Städte halten ihre Bertreter entsandt.
Nachdem sich olle Anwesenden im großen Geschästs- raume, der festlich geschmückt >var, versammelt hatten, nahm der Vizepräsident des Reichsbank-Tirektoriums Dr. von Glasenavp das Wort zur Festrede. Er sührte folgendes aus: ^ . „
Meine Sielten!
Zweisach ist die Bedeutung der Feier, die uns heute hier vereinigt In Gegenwart bobtr und verehrter Gäste begehen imr die Umwandlung der Nebenstelle Gießen in eine Reichsbankstelle und weihen Ivir für die neue Stelle ein neues »etm. Eine be- deutungSiwlle Fe»:r' Bedeutungsvoll nicht nur iur die Reichs, banl denn daß wir bier eine selbständige Bankimtalt — die 98. — errichten und mit einem so geräumigen Ge>chästsgcbäude au-
naticii konnte», ist ei» vollgültiges Zeugnis ine die Enlwick l»ii g Gießens, ja darüber hinaus ein Zeugnis iüc die glänzende wirtichacklichc Entiricllung des scliöncn Lc.senlandcs.
Tic Nebenstelle Givßcn gehörte zu den ältesten Z w cJ g a n st a l t e n der R c i ch S b a n k
Schon am 27. J::li 1875 ristttcle die Gießcncr Handelskammer eine Eingabr an da- Reichskanzlern»!!, in dev sie unter Betonung des »miangrcichen Geschästsverlehrs und der zahlreichen am Plaiw vorhandenen industriellen Untcrnclmiuiigcii sowie iinler Hcrvor- bebuiig der Stellung Gießens als Prorinzialhanvtstadt »nd Eisen- babnliiolenpnnlr die Errichtung einer Zwcignicdcrlaisung der Ncichöbank in Antrag brachte. De» gleiche» Antrag stellte die Vcitrctliiig der Stadt am 7. August.
Das Preußische Hauptöank Direktorium verschloß sich den iür den Antrag tprechcndcn Gründen nicht, obwohl die Rentabilität der neue» Anstalt zweiselbast erschien. Nachdem ein geeigneter Bankagent in '.er P r on des Sierr» Münch gesunken war. wurde schon a>n I November 1875 ei e A g c n t u r d c r P r c u ß i > ch e n B a ii k iu f'gc'eii rro inet. Mit der Umgestaltung her Preußischen Bank in die Reich bank verwandelte sich am l. Januar 1876 die Bankagentur i» eine R c ichsba nln e b en st e l l c.
Die geschäftlichen Ergebnisse blieben anfangs selbst binler den bescheidenste» Erwartungen zurück. Bis zum 7. Januar 1876 wurden iin ganzen nur 5 Platzwechsel im Betrage von 21 800 Mark, 16 Rimessen von I7 69I Mk 2 Cambios Weätsct auss Ausland' von 73O Mk. diskontiert, 3 Lvnibarddarlebne von 15 000 Mark erteilt, 160 Stück Wechsel von 91 786 Mk. cingezvgen und Gewinne ron 337 Mk. erzielt..
Bon diesem Gewinn entfiel aus den austcktlicsjlich a»i Danlieme gestellte» Banlagenwii ein Tamiemebctrag von 26.15 Mk.: lei» Wunder, dast Münch an der Lebensfähigkeit der Nebenstelle ver- zwcistlnd, alsbald seine Stellung lündiglc und da» angestcksts der Schwierigkeit, einen Nachfolger zu finden -- die ilicickisvank- bauptstelle Frank'urt a. M., der Gießen nachgeordnet ivar. die Dicderaush bung der Zwciganstalt zur Erwägung stellte Sckion war rom Rcickst-bank-Tircktorium die Aushebung für den 1. Mai 1876 in A-'Säckt genommen, als die st a II I m a n n i ch a i r G I'e ßcns in Betätigung desselben weilen Blicks, mit dem iie die Errichtung der Zweigniederlaismig betnebcn kiatte. ovierwillig iür ihie Erbaltung eimrat. Unter dem 27. März 1870 teilte die Handelskammei dem Rcichsbanl Tircttorium mit, daß eine Reiln- von Firmen sich durch Zeichnung jährlicher Beiträge verpflichtet batte, dem Baukagenien ein Mininialabkommen von jährlich 1500 Mark zu garantieien und daß die Stadl bereit sei, diele Garantie leistung bis aus 2ÜOO Mk. zu erhöhen.
In der hiitoritch bemerlenswerten Eingabe hieß eo wörtlich: ..Wer die geichäst'iche Entwickelung der Stadl Girßv» in den lcßleti Jahren mit aufmerksamem Auge versolgt hat, kann sich der Ucberzeuaung nicht verschließen, daß nach Verlaut tvenigec Jahre diese ißarantie überflüssig und die Agentur inmt nur durch die cigcilcn Einnahmen sich zu erhalten imstande sei», ionderir auch iür de» Inhaber derselben die Suelle einer die Garantiesumme weit übcrichrcitcnden Rente werch-n wird.
Wenn die Ergebnitsc Iller am Pläxe bisher nur geringe wäre», ko halte dies leinen Grund hauvtiächlich 'in der allgemeinen ungünstige» Geschäftslage. - Wir legen den größter Werl daraus, unserer Stadt, welche navi allen Richtungen hi» ini Ausblüh-» vcgrisscn ist. deren Handel und. Industrie sich iimner Mlhr erweitern, ein Institut zu erhalten, weiches wie keilt anderes dazu angetan ist, die gedeihliche Fortennoistelung des Geschästsverlehrs zu besördern, und richtcu . hiermit an das Reichsbank Dirckiorilim das geborsamste Eriuckie», beschließe» zu loollen, daß die slieichshanknebeiistelle „nsereni Plaste crbalten bleibe,"
Die Zeichnungsliste weist 61 Name» aus und Beträge,-die. sich zivischen l<>(> Mk. und 5 MI. bewegen. Sic läßt klar erlennen. daß die Nauimaniiichasl in Beurteilung der Angelegenheit gesäüassen dastand und liefert einen schönen Beweis stir das den HandelsstanS beherrschende Soltdarikäisgeiübl. Die höchsten Beträge, 1OO Mt. und 50 Ml, zeichneten die Firma M. Hoiuherger, Job. Balth. Noll. Dierniche Schiciergraden Gesellschrst, Georgs Itstd stlingivor, (stalliche Wollipiiinerei, Aktienbrauerci Gießen, Ferdinand Burk, Gebrüder Hombergcr u. Söhne, Osteßener Gaswerk und C. W. Fcrnie.
Ter Fortbestand der Nebenstelle war nunmehr gesichert: a» Stelle Münchs trat der von der Handelslommcr empiohlene Wilhelm 2 ch m a l l und nach dessen Ausscheiden de^. stausmann T je st.
Wie die S>a»delSka»imer voraue-gcichcu hatte, gestaltete» sich die Geschäitsergebmiie vo» Jahr zu Jahr gütckligcr. Angesichts dieser Entwickelung ionnte im Jahre 1895 die Stelle, nach Aus icheidcil des bisherigen Agenten, durch einen geschulten Bankbeamten beseht werde», Herrn Pasch, der sich ebenso wie seine Nachiolgcr, die .Herren Lauster, Tr. Bernhard und Otto, um die weitere Entwickelung anerkennenswerte Berdienslc er worben hat.
Schon vorher, im Jahre 1888, war die Einisthrung des Giro Verkehrs eriolgt — zunächst bei beschränkten Giroverkehrs —, an dem aniangs drei Finnen: Ara» Heichelheim, A. üatz und E. Waschcrslebcn teilnahmen. Gießen trat damit in die große Giroorganiialion der Rcichsbanl ein, durch die das ganze Reich gewissermaßen ein Giroplatz geworden ist. Ick Jahre später wurde der unbeschränkte Giroverkehr eingesührt; die Zahl der Teilnehmer hat sich bis jetzt aus 50 erhöht.
Lassen Sie mich, meine Sgerrcn, einige wenige Zahlen Deben, welche die geschäftliche Tätigkeit »nd die GeschästScrgcbnistc der ReichSbankncbcnstcllc einst und jetzt veranschaulichen. ES^betrugen
die Gesamtumsätze der Nebenstelle 2095 400
die Wechiclankäusc 570 100
die Wcchseleinziehungen 1 462 300
die erteilten Lombarddarleync 26 200
die Bruttogewinne 1872
>913 226 480 800 Mk. 14 457 500 Mk. 16 601 200 Mk. 3 064 800 Mk. 118 523 Mk.
Das fortgesetzte, aus der glänzenden Entwicklung von Handel und Industrie beruhende Anwachsen deS GcschästSverkehrs legte den Gedanke nanei ii eUmioandl u ngdcrNeben stelle in eine Reichsbankstelle nahe. Im Jahre >911 entschloß sich die RcichSbanIverwaltiing, den dringenden Wünschen deS Handclsstandcs und der Sladtgcinrindc entsprechend, zu dieser Unuvandlung in Bcrbindnng mit einem notwendig gewordenen Neubau.
To lange die Nebenstelle von Bantagenten verwaltet wurde, war sie in den Privat räumen der Agenten nntergebracht. Als iin Jahre 1895 ein geschulter Beamter an ihre Spitze trat, tvurdr sic in das S>aus des ffauwianns Der» kWest-Anlage 17 — später Nr. 33) verlegt. Bereits >m folgenden Jahre erhielt sie durch 2l»taui dieirS Hanse-? INN eigenes Lteim Noch l0 Jahre» schon erwiesen lickt die Ränmlschckeiten als nnznlänglich. eine boulichr Enoeiterung brachte nur vonrberaehendc Abhilie: ein vollständiger Neubon war nickt z» nnigehe». Ein geeignetes Grund st ück wurde von der Stadt enoorben. Der Kaufpreis tollte 45000 Mk. betrage», mit Rücklicht aus die Errichtung einer selbständigen Bankanstalt wurde er auf 25000 Mk. ermäßigt. Äm 10. Febnior 1912 erfolgte die Uebcreignung des Grundstücks, im Frühjahr begatin der Bau, jetzt steht das Haus vollendet. Wir haben Bedacht darauf genommen, daß es der Stadt zur Zierde gereicht, und wir hoffen, d»ß cs grollen wird.
Das Prosckt ist von dem inzwischen leider »erüordenen R»- gicruiiqS- und Parität Habicht entworfen. Die Durcharbeitung er'vlgte durch feinen Nachfolger. .Herrn Tr.-Jng Nipe, umer Mitwirkung drs Architekten Tillmanns. Die örtliche Bau- leininq lag in den .Händen deS Archile9cn Möbius. Ihne» wie allen anderen an, 2lau tätig geweieiien Personen daN ich namens der Reichsbankl>erli»>ltu»g Nolle Anerkennung und wärm, itc» Tank ausivrechen. Daß die einzrlnen Banarbeiten und Lir- scriiiigcii mit ivenigcn durch die Natur der Sache bedingten AuS- nähme» von hei »tische» Firnicu ausgcführt werden rannten, ist ein schöner Brtveis für die Leistungssähigkeit des Platzes.
Meine Herren! Mit berechtigtet» Stolz kann Oließe» au» den teil Errichtung der Nrbcnftcllc verilosseneu Zeitraum zurstchblickeu Unter der weisen Fürsorge der Regierung bat der Handels- und Gewerbestand, ncrlrclr» durch eine wcitblichendc Handclskatiimer und gestützt auf eine umsichtige Stadtverwaltung eine wirtschastlichc Enttvichliiiig gclchnsien, die bewunderiiiigswürdig genannt werden kann und die vor 38 Jahren wohl niemand aeahnt lstitte. Die RcichStzank iir bemüht gewesen, den auS dieser Entwichlung sich ergebend,-» Ausgaben gerecht zu werden. Mit der Umwandlung der Nebenstelle in eine Reichsbankstelle schließt eine bedeutsame Periode der Entwicklung ob und eine neue beginnt, von der wir hoise» dülseit. daß sie nicht mindcr sruchtbringend sein wird als die vergangene. Tie Rcich-bank wird a» ihrem Teil nach strästc» dazu wi:heilen.
U ii d i o r r ö s i n e r ch b c n n d i e R c i ch S b a n k st e l l e u » d ihr neues H c i Nt im Namen des R c i ch s b a II k p r ä f i brüten, der zu seinem lebhaftci, Bedauern verhindert ist, an dem Feste teilziinehmen, der aber in Etedante» mit Iltis feiert, und von dem mir^iiachsteltendeS Telegramm zi-gega»gen ist:
„Schmerzlich vedguernd. daß ich au> die Freude verzichten »Nif:, der Rcichsbanl neues Heim heute selbst einznweihen. sende iä» Jhncii und allen Angehörigen der Rcichsbanl lterzlickten Giuß und danke gllrn, die heute als Freunde der Reichsbank a» liner Frier ckciltirhnien, mit tvarmem Tank. Möge die neue ReichSv.ttlkstclle allezcit durch Vertrauens und verständnisvolles Zitiätinnenwirlen mit Staat. Stadt und Handelsstand auch an ihrem Teil dem Ganzen dienen, und dem iroh aurblühendcn Bei lehr „nd oller ichisiciiden Arbeit in Stadt und Land ihres Bezirks ein treuer Freund, Berater und Rückhalt sein.
.Haue ii stein"
Möchten alle, die iu der neue» Reichsbankstelle zu wirke» l-rrnieu sind, diese Worte stets beherziget, und inöge der Otcifl treuester Pilichteriüllung in ihnen allen iederzeit letn'ndig bleiben: oamt wild auch der Eriolg der Arbeit nicht fehle».
Meine Herren! Tie Eirundlagc jeder gedeihlickteii wirtichasl liche» Entwickelung ist der Friede». In den bewegten Zeiten der letzten Jahre schien es oft genug, als ob ein Wslibrand tick enljündcn würde, der auch das Teulicke Reick genötigt hätte, zur Verteidigung des in langer Arbeit Errungenen und zur Wglirung seines Ansehens und feiner Weltgeltung das Schwert zu ziehen. Durch die Weisheit Seiner Majestät des Kaisers und durch die starke surchtgebietendc Rüstung deS Reichs ist der Friede gewahrt geblieben. I» dem Wunsche, dem Reiche die Segnungen des Friedens auch ferner zu erhalten, weiß gceine Mnieftät sich eino mit seinem erhabenen Bundesgenosse», Seiner Königlichen Hoheit den. Groß Herrn«, unter dessen Zepter das schöne Hesienland »ich glänzend entwickelt hat und, so Gott will, auch in Zuckunst weiter entnnckeln tvird. Meine Herren! Lassen Sie uns die Ge sühlc der Treue. Liebe und Verehrung, die uns beseelen, ausklinge» in den Riii: Seine Majestät der Kaiser »nd Seine Königlich,- .Hoheit der Großherzog, sie leben hoch!
Mit Begeisterung wurde das Stod, von den Festteil nehmern ansgenomincii.
Tie Glückwüilschc der StnatSregierung übcrbracktle Miiiistcrialrot Schl iephnkc und jprach insbesondere nncki die Wünsche und Grüße des Ministers des Inneren von H v ui b e r g l zu Vach aus, der am Erscheinen verhindert sei Es gelte heute nicht allein, so führte der Redner aus, den äußeren Wechsel in den Nnterkunstsräuinen der Reichsbant- stelle und i» der Uintvandlunn der alten Reichsbankiieben- stelle zu feiern, außer diesen äußerlichen Maßnabinen lasse sich auch ein Rückschluß ziehen auf die Entwicklun-; vor- Gieße» selbst und seiner Umgebung und auf das gesunde Forlschreiten ans allen Gebieten. Dieses mächtige Empor streben aus konimerziellcm ißebietc der Stadt Gießen und besonders der S>andelstanimer verdiene die 2lnerkenniing und den Tank der StaatSrestierung. Daß auch die bisherige ReichSbaiibiicdcnstellc zu dlcscm Ersolg beigeiragen habe und auch ihrerseits einen gewaltigen Aufschwung genoitimeii habe, sei ein Berdienst des Rcichsbnnloirektors Behling, des Leiter» der Hauptstcllc in Frankfurt a. M. Tas habe auch der Großhcrzog anerkannt, der ihm als äußeres Zeichen feiner Anerkennung da» Ritterkreuz erster ülasse des Verdienstordens Philipps des Großmüliaen verliehen habe, das er ihm mit herzlichen Gluckwinischeii überreiche Ter Redner schloß mit dem Wul'.sche, daß auch die neue Reichs bantstclle aus diesem Pfade der Eniwickluiig weiicrgehen möge, zum Segen der Stadt Gießen und der Provinz Obcrhessen!
Geheimer Koinmerzienrat Steichclhciin übermittelte die Glückwünsche der Großh. Hondelstlammer Gkießen Mil der Eröffnung der Reichsbankstelle und der Wethe des neuen heiinS sei ein langgehegter Wunsch der Handelskammer in Ersüllung gegangen. Der Reiehsbank gebühre deshalb Dank für das erwiesene Entgegenkommen. Die Rcichsbanl habe stets tiach der Devise gel-andelt: erst die allgemeitien wirtschaftlichen Interessen, dann erst die Interessen der Aktionäre, und sic habe es verstanden, stets Männer an die leitenden Stellen zu setzen, die der Bevöllerung ein großes Verständnis entgegengebracht hätten. So möge die Reichsbankstelle auch lveiler arbeiten, das sei der Wunsch der Smndclskammer
Im Namen der Stadt Gießen und ihrer Bürgerschaft spracki Herr Oberbürgermeister M e c u m seinen herzlichen Glückwunsch zur Vollendung des Hauses ans. Das Reichs bankgebäudc fei, nachdem der Bertrag loegen lleberlassuiio des Grundstückes zustande gekommen sei, i» weil kürzerer Frist fertig gestellt worden, als man anfänglich gehosit lmbe. Daher beglückwünsche die Stadt die neue Reichsuank stelle aufrichtig und freue sich mit ihr des schünc,! Besitzes, der auch iür sie ein wertvolles Besitztum sei, indem das Gebäude nicht nur für Gießen eine architektonifckie Zierde sei, sondern ihr auch »ach außen Ansehen verleihe Dadnrcki ,'ci ein unzerreißbares Band zwischen Stadt und Reichs» bank geschaffen worden.
In humorvollen Worten wußte der Rektor der llni verfität, Prosessvr Dr. Körte, auch die Glückwünsche der olma Mater darzubringen Er sagte, obwohl es kühn sei, daß der Rektor der Landesuniversität, noch dazu ein klasfifchcr


