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Der «lehener Anzeiger
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Erster Blatt
J64. Jahrgang
Samstag, \T. Januar 19^
eneral-Anzeiger für Oberhessen
RofationsOrud nn6 Verlag der Vröhl'lchen Univ.-8uchi und Steinörurfcrei R. Lange. Redaktion. Lrpedition und Druckerei: Schulftratze 1 .
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111011(1(1!* 75 'Ei., men»; jährlich "Mt. 2.20: burij Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 ISi.; durch dicPost Mk. 2.—viertel» jährl. ausicht. Beitellq. Zeile,ivreis: lokal lü tzj„ auswärts 20 Bicimiq. Ehesredakteur: A Goetz. Nerantwortlich sür den polit. Teil: Ang. Goetz; sür .Feuilleton", ,Ber- mischlcs" unü.GcnchtS- saal": Karl illenrath: lür .Stadt und Land": Kurt Bcndt; sur de» Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfntzt 20 Seiten.
Tageskalcnder aus -cm Jahre 1814.
19. Januar: Tos Blüchcrschc Korbs feiert das prcußisckw" Krö- nirngsfcst in dem eroberten Nancy.
politische wochenschav-
Gießci». 17. Januar.
2cm Gewittersturm in der inneren Reichspoütik ist zwar nach keine erquickende Ruhe und Irische gefolgt, aber manche Hälmchen richten sich doch wieder ans, niid die Aussicht nach maßvollem Fortschritt bleibt uns nicht ganz verhüllt. Es fällt uns nicht ein, darüber zu mäkeln, daß zu deni frei- sprechenden Urteil über den Oberste» v. Reuter aus Re Vision verzichtet worden ist, im Gegenteil, man muß das >Amt vion dem Manne zu lrcnnen wissen und bedeuten, daß der Oberst offenkundig von höherer Stelle bei seinem Bor- gchen inspiriert worden war. Während „nn am Donnerstag vormittag im preußischen Abgeordirctenhaiise das Wetterleuchten aus Elsaß-Lothringen sich noch einmal bemerkbar machte, weilte der Ministerpräsident und Reichskanzler im kaiserlichen Schlosse znm Äortrag. Ter Kaiser hat eine R a et Prüfung der Dienstvorschrift von IK99 über den Waffe,i- gebrauch des Militärs angeorduct. Tns ist vielleicht ivenigcr dis Wirkung der Forderungen, die aus Volk und Presse erschallt sind als vielmehr ein Zugeständnis an das Statt- haltcrpalais in Elsaß-Lothringen. Wir haben davon Kenntnis gegeben, lvie entschieden der Untcrstaatssekretär Petri in manchen Punkten dem kriegsgerichtlichen Urteil entgegen- getreten ist, wie weiter vom Regiernngstische deni elsaßlothringischen Landtag „Beruhigungen" zuteil geworden sind, die mit den Klagen des Militärs ganz und gar nicht in Uebereinstirnmung zu bringen sind. Gestern ist der Statthalter Graf Wedel selbst in Berlin angc- langt, und nun werden die Regiernngsspitzcn vielleicht nach der vielbesprochenen Einheiilichleit streben. Möglich, daß sich der Kanzler hat überzeugen lassen, daß ein etwas .lahmer Kurs den Wclfchlingen gegenüber doch etwas abgc- ändert werden muß, aber ein Statthalterwcchsel wird augenblicklich schwerlich in Frage lammen,denn schließlich ist in Straßburg ja BethmannS Politik gemacht worden, und ein Rücktritt des Grafen Wedel gerade jetzt, unmittelbär »ach den :ZabeL»«r Vorgängen, würde zu allen inöglichen Schlußfolgerungen und Beunruhigungen heransfordern. Ta der Reichskanzler den Ausspruch getan hat, er „werde vielleicht nie wissen können", wer in bht Grcnzlandcn recht und n»- recht gehandelt habe, die Zivil oder die Militärgcwalt, liegt es aber auch nahe anzunehnien, daß er jetzt wieder die gute, alte inittlere Linie zu ziehen sich bemüht.
Er hat im preußischen Landtag neue, .gar nicht un- fqinpathische Bekenntnisse abgelegt. Ten bekannten konjer- vativen Vorhaltungen int Herren Hause ist eine ebenso nachdrückliche Kritisieruirg in dem Hause Heydebrands gefolgt. Von allen Seiten wird an dein Kanzler und Ministerpräsidenten hernnigemäkclt, und er hatte nicht unrecht, wenn er der „getreuen" Opposition von rechts traurig und unmutig
<8ies;e»»er Stadtthccrtcr.
Die Huniboldtiancr.
Ein historisches Schauspiel von R. Strecker.
Gießen, 17. Jan.
Zur Erinnerung an Gießens Schicksale vor hundert Jahren wurde gestern abend bei prunkvoll beleuchtetem Hause Reinhard Streckers Schauspiel Tie Humboldtianer mit großem Eriolg ,-um erstenmal ausgcsührt. lieber dev Inhalt und die Absichten des Werkes haben wir un» bereits nichriach ausgelassen, und kurz nach Berösscnllichung der bei Emil Roth erschienenen, sckmiucken Buchausgabe ba: Pros. Tr. Bcrnbeck, der bei den Vorarbeiten wesentlich beteiligt war. deni Stück IN den Gießencr Fa- milicnblättcr» eine eingehende und warmherzige Würdigung zu teil werden lassen. Es erübrigt sich deshalb, heute nochmals ausführlicher aus das Festspiel einzngehen, und cs sei lediglich scstge- siellt, daß es auch von der Bühne herab eine starke Wirkung aus- üble. Der Wunsch des Verfassers, aus sciucu dramatischen Bildern einen Teil dessen, was in seiner eigenen Phantasie aus der großen Zeit wieder lebeichig wurde, auch in anderen neu erstehen zu lassen, wurde völlig erfüllt, und so stark war dcr Beifall, daß Tr. Strecker sich nichrfach zrigen konnte.
An deni Erfolg des Abends war die höchst sorgfältige Vorbereitung. die Herr Tworkowski dem Werk batte angcdeihcn lassen, wesentlich beteiligt, indem er mit großem Geschick den Nachdruck aus das Malerische, Bildhafte legte. Durch Hinzuziehung einer großen Anzahl von jungen Damen und Studenten war es ibm g>- lungen, das Bühnenbild außerordentlich zu beleben, sotvie äußerst wirkungsvolle und glücklich bewegte Massenszenen auf die Bretter zu bringen. Auch die einzelnen Darsteller, die im großen und ganzen keine besonderen Schwierigkeiten -zu überwinden hatten, laten sich macker hervor. Herr B ruck w i 6 gab dem tapscr-n Prof. Wclckcr ein feuriges Herz und markvollc Redekunst, Herr Rotteck dein freimütigen Medizinalrat Hegar ioarmdlütigr Lebendigkeit und schmerzvolles Mitgefühl. Ten Pros. Crome zeichnete Herr T w o r - k o io s k i mit festen Strichen. Einen bedächtigen Gymnasialdirck- tor schuf Herr V o l ck, der zugleich auch den urwüchsigen Bäcker- iobn Karl Teiv mit trcsslickier Natürlichkeit verkörperte. Einen köstlichen Sprachlehrer gab Herr Grosser. Als verbohrter Professor Waren« tat sich Herr Schubert hervor, der auch als Stadtkommandant eine gute Figur machte. Eharakiervollc Züge lieh Herr (Soll dem RatSdicncr Moll, -ehr tüchtig war Herr Grosser- Braun als Teiche« und Herr S t c i n h o t c r als Follcnius. Recht litt war auch.Herr Ulrich als Schulz. Bon den Damen, die ebenfalls alle nur in kleinen Rollen zu tun hatten, lind zu nennen: Frl. T a a u y als liebliches Jettchen, Fr. S o n n t a g-B l u m e als Hegar-Frau, Frl. Martini als Kellnerin und Frl. Nathusins als Frau Stumps. Aus dcr großen Zahl dcr Dilettanten, die sich dankenswerterweise zur Verfügung gestellt batten, konnten sich nur 111 , 1 »",," besonders hervortun. Zu erwähnen sind besonders Herr B r an d aii als Stadtrat Weidig, Frl. Schill» als Sophie.tzcycr, Herr L o tz als Zcppcnberg und Herr H o in b c r g e r als Soldat
bedeutete, die Phrase vom schlappen Staatsmann hätte man ja ans der Straße ausiesen können. In dcr Tal: was sollen diese nachträglichen Mrgeleien an der Steuerpolitik des Reiches, was sollen die ansschweisenden Angrissc des Herrn v. Heydebvandt auf die Tcickungsbeschlüsse des Reichstags, der doch immerhin eine große patriotische Ausgabe glücklich erledigt hat. Tie Regierung hätte diesen Reichstag „znni Teufel jagen" sollen, so lautete das angenehme Rezept des „ungekrönten Königs". Er »erstieg sich sogar zu folgender Wendung: „Tie Stunde kann kommen, wo man mit der Belastung des Besitzes nicht iveiter kömmt, wo man lieber lagt: Machen Sie mit Ihrer Revolution ernst, dann geht wenigstens alle s drunter und drüder." Wir glauben nicht, daß die Konservativen niit solchem Gebaren sich neue Freunde und Anhänger im Volke gewinnen werden. Tic Besitzlosen, die nur von ihrer Hände Arbeit leben, sind doch bei den neue» Steuern wahrlich nicht leer ausgegangen. Hat der angeblich soziatpoliiisch so übereifrige Reichstag nicht den Wehrbeitrag, ioie er von der Regierung vorgc- schlagen war, zugunsten dcr größeren Vermögen abgeändert, damit breitere Volksschichten, mit bescheidenen Einkünften, auch dazu herangezogen würden? In der Verteidigung des Herrn v. Bethmann-Holuveg auf die konservativen Angriffe berührte der rechtliche, mannbafte, ivenn auch resignierte Ton recht wohlklingend, ivodurch Herr v. Heydebrand ins Unrecht gesetzt wurde. Nicht die taktische Lage, sondern die nationale Lage sei, so sagte dcr Kanzler, schließlich für ihn maßgebend gewesen. Herr v. Bethmann-Hollweg ist sicherlich persönlich ein vornehmer und gediegener Charakter, und cs Versöhnt mit manchen seiner bureaniratischen Mißgriffe, wem, er uns überzeugt, daß er so gewissenhaft nach Pflicht und Veranttoortung sich richtet, unbekümmert um den Beifall der Parteien unv um die schlaflosen Nächte, die ihm sein schweres Amt einbringt. Er hat seine Fehler und seine Vorzüge, und man wird ihm niemals seine Achtung versagen dürfen.
Wäre mit dcr Auflösung des Reichstages für die „Besitzenden" etwas getan gewesen? Hätte sich das Volk etwa so sehr dafür begeistert, o h u e Bcsitzsteuer die Wehrvorlage zu machen? Wäre nicht, lvie bei der letzten ReichSsinanz- rcform, nach deni neuesten Ausspruch des Reichskanzlers, das deutsche politische Leben wieder „geradezu vergiftet" worden? Gewiß wird die Rcichssinauzpolitik sich davor hüten müssen, die Steuerschraube» immer wieder auss neue anzuziehen, und Herr v. .Heydebrand batte nicht ganz unrecht, als er im Abgeordnisteilhäuse erklärte: „Wenn das im Reiche so weitergeht, haben wir in den Einzclstaateu schließlich nicht mehr die Möglichleit, unsere Aufgaben sür Kultur, Bildung, gewerbliche Institute und die Pflichten gegen unsere Beamten zu erfüllen." In Hessen ist der mühevolle und langsame Verlauf der zeitgemäßen Beamten- Besvldungsreform ein Beispiel dafür. Turch die Weigerung der Ersten Kammer, ans die vom andern Hanse beschlossene Erhöhung der Gehälter für die Boltsschutlehrer einzugehen, ist bedauerlicherweise ei» neuer Stillstand eingetreten.
Enver Pascha bereitet der Welt, und auch seinen deutschen Bekannten, Ueberraschnngen. Zwar tvird bein deutschen General v. Liman dcr Marschall-Titel verliehen, aber zugleich heißt es neuerdings in einer Meldung der „Frank-
Klingelhöfer. Aber auch die übrigen all halfen nach Vermögen, das Werk zu vollenden.
Am Schlüsse konnten sich der Verfasser sowie Herr Dircitor S t e i n g o e l t e r und Herr Oberrcgijsrur Tworkowski wiederholt zeigen. Herr Tr. Strecker wurde außerdem durch einen von dcr Stadt gestifteten Kranz geehrt. 91.
(Ein bedcnMcher veriauf des Landesmuseum.
Zn den in Nr. ö veröffentlichten Aitssührungcn unseres Tarmstädtcr Mitarbeiters über aufschciicrregcndc Berkäusc im Landesmusemn schlecht uns die Tircitiou:
Im Gießencr Anzeiger, Mainzer Journal unv. ist ein Artikel erschienen, der ""ine» Verkant älterer Bestände des Großh. Landes - muicums als „nicht gerade lehr pietätvoll" branstandct: es werden besonders Gegenstände aus der „japanischen Sammlung" nambait gemach!, die Proscilor Scriba bei seinem Ableben dem Museum vermacht habe. Diesem Vorwurf gegenüber habe ich folgendes festzustellen:
Ter Verfasser kennt die Sache nicht, um dieses lieb handelt. Er svricki von einer „iavansichen Sammlung" Seriba, die einen .Hanpibestand des Landcsmnseunis neben der berühmten Santtii- lung tzüpsch gebildet habe. Er lveiß nicht, daß die i a p a n i s ch c Sammlung des Professors Scriba nur vorübergehend a U l den Wunsch des Besitzers im Museum depotmäßig aufgehoben und 1907, nach dem Ableben des Besitzers, wieder an dir Erben nach I avan zurück- geschickt worden ist. Er weiß nicht, daß Prosesior Scriba dies ausdrücklich als einen großen, i h ni erwiesenen Dien f! angcscbe» hat. Ausdrücklich aus Erkenntlichkeit dafür hat er dem Museum im Jahre 1999 ei» Geschenk gemachl: eine etbnv- giaphiiche Sammlung von Gegenständen dcr Ainos, eine Kollektion oftasiatischer Münzen (beides nach wie vor im Museum) und 11 iapaniichc Kunstgewerbearbeilen. Diese letzteren waren ihm in seiner 1390 Stück zählenden „japanischen Sammlung" oisenbar entbehrlich: einige von ihnen waren sür Vas Museum völlig wertlos und sind darum kürzlich unter günstigen Bedingungen ab- aestoßcn worden. Dieses Geschenk war als» eine Gcgenicistung. Das Museum hat ungefähr 20 Jahre hindurch dcr Sammlung Scriba. ein nicht bloß „Opfer a» ;kit und Geld" (wie Seriba ausdrücklich bclannt hal, sonder» auch erheblichen Raum erforderndes Gastrecht gewährt.
Nur aus völliaer Unkenntnis dieser ganzen Vorgänge lonnic dcr Verfasser den Vorwurf dcr Pietätlosigkeit erheben. Aber was heißt überhaupt Pietät für ein staatliches Museum? Ein Museum hat sich dankbar zu zeigen sür jede wertvolle Siiftting. Tie Verwaltung des Landesmuscums läßt es daran nicht fehlen. Während in früheren Zeiten nur bei einzelnen, größeren Stiftungen dcr Name des Stüters hcrvorgchoben war. geschieht dies letzt bei jedem, auch dem unicheinbarsten Geschenl. das dcr Annahme wert befunden worden ist. Wenn die Pietät aber darin bestehen 'oll. paß alle, für das Museum nicht geeigneten, in einer weniger krilisckien Zeit angenommenen Gegenstände in alle Ewigkeit ausbewahrt werden müßten, so widerspricht sic den künstlerischen
furter Zeitung", er sei bei dcr Enthebung vom Kommando des Ersten Korps nicht zuni Generalinspetteur der gesamten türtischen "Armee ernannt worden, sondern werde iünftig nur als Ehes der deutsckien Militärmission bezeichnet werden. In der gestrigen Ausgabe des „Tag?" bespricht Generalseldmarschall Frhr. v. d. Goltz die „Nru- iahrsüberraschung" dcr Ernennung des „jungen Mannes". Ter Aufsatz enthält Vieles zum Lobe Envcrs, aber auch manche Besorgnis vor der Unersahrenheit und dem Draus- gängcrtnni der jungen türkischen Minister. Es sind säst durchweg junge Herren am Ruder. Ter setzt allmächtige Minister des Innern, Talat-B«>, ini selben Atter stehend wie Enver, war Tclcgraphensekrctär, als er im Jahre 1909 zum ersten Male in den Ministerrat beruse» wurde. Ter Finanzmi- nifrcr Tjavid Bei, der Bauten minister Tjemal-Bei und der als der tonimendc Grvßwesir genannte Halil-Bei (jetzt 2e- natspräsident) sind Altersgenossen EnverS. „Was diese jungen Kräfte zu leisten imstande fiiisr" so meint Frhr. von der Goltz, „lann nur die Zukunft lehren," Mit kühler Zn- rückbaltung stellt von der Goltz fest, daß unter den vom neuen Kriegsminister Verabschiedeten die meisten seiner ehemaligen Schüler sich befänden. Im übrigen lobt der Ge- ncraifcldmarschall die Tatlrasi, die Selbstlosigkeit und den „phänomenalen persönlichen Mit" EnverS, dem es freilich nach dem Urteil deutscher Offiziere bei seiner Truppcnfüb- ru»g in Benghasi noch an Erfahrung geschlt habe. Dagegen; waren dieselben Beurteiler des Lobes voll für seine ungewöhnlichen Erfolge diplomatischer und administrativer Natur. Freiherr v. d. Goltz warnt die jungen türkischen Machthaber vor ihrer Neigung zum Radikalismus und Dok- trinarismus. „Tie Armee verträgt indes den Radikalismus am ehesten. Seine Wirkungen bleiben eine interne 2ln- gclegenheit. Bedenklicher wird er, wenn er das Gebiet der Politik berührt. .Hier ist davor entschieden zu warnen. Alles wird darauf ankommen, ob das jungtürkische Mrnistcriun: mit dcr Energie, die man wohl von ihm erwarten kann, auch die nötige R u h e und kluge Besonnenheit vereinigt, die unumgänglich erforderlich sind, um das in seinen Fuge» erschütterte Reich zusammcnzuhalten und neu zu kräs- iigcn. Aiöglich ist die Lösung dieses Problems, aber außerordentlich schwer, und das Gelingen zweifelhaft."
Deutsche» &ctd».
2er staijc r empfing am Freitag da» Statthalter Grasen" Wedel und die Präsidien beider Häuser des Landtags, die auch von der Kaiserin empfangen wurden.
M ü ß i g e G c r ü ch te. Das Wolfs-Bureau schreibt: Tie heute Freitag) abend von mehreren Seiten verbreiteten Gerüchte über einen bevorstehenden Wechsel auf dem R eichskanzlerpo st e n, im 'Auswärtigen und im Reichs- tolonialamt, sowie über eine angebliche Erkrankun g dcs RcichSianzlers werden uns von zuständiger Stelle al§ müßige Erfindung bezeichnet.
Der Statthalter von Elsaß-Lothringen 0> ras von M edel ist am Freitag morgen 9 Uhr aus dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin eingetroffen und im Hotel Bristol abgestiegen.
Maßregeln gegen die U c b c r f ü l l u » g des An w a lt s b e ru se s. Ter Abg. Baren Horst hat mit
ii n d wissenschaftlichen G e s i ch t s v n n k t c n, z u d c n e n d i i Leitung eines öffentlichen Museums in erster Linie verpflichtet iß. Darum ist cs rin überall, auch am Tarmstädter Museum bereits irübreiid des ganzen 10. Jahrbunbcris geübter Brauch, daß unpassende Bestände bei günstiger Gclcgcw- beit abgestoßcn werden, um Passendes dasür cinzulauschen. Auch die Sammlung Hüpsch enthielt eine Masse von Gegenstände», die bereits von den ersten Gutachtern als wertlos erkannt wurden.
Aber auch die übrigen Tatsachen, die der Verfasser des Artikels zusamm>?ngestellt hat, sind nickt richtig. Es handelt sich bei den vcrkausten Gegenständen durchaus um T u - b l e 1 1 r n oder Gegenstände, für die das Museum bessere Exemplare besitzt, oder die überhaupt iür ein Museum wertlos sind. I IN I n t e r e s sc d e r Qu a- lität unterer Sa n> in l ungen waren weitaus die NI ei st e n der vertan stc » Gegen st ändc überhaupt nickt in d i c Sammlungen ausgenommen worden. Im einzelnen zeigt der Artikel eine Ilnkenntnis, die zu der Siche," beit, mit der hier eine slaattiche Verwaltung kritisiert wird, in bedenliichem Verhältnis stellt. Ter Veriasscr spricht von Majoliken dcr itasicnischcn Frührenaisjanec. Es hat sich nicht um solche ge handelt, sondern um die häutige und immer noch billige Ware der sväieu Zeit, nicht um Erzeugnisse der berühmten Werkstatt von Gubbio, sondern um die weniger gesuchten der Svätzeit vo» Venedig und Urbino. Ein Buchdeckel der Sväirenaissancc, der u. o. mit einige» wcrtloicn Steinen und Glasflüssen verziert war. hal sich in dem Artilcl in ein „reich mit Edelsteinen besetztes Werk"' der kostbaren Frührcnaissanec verwandelt. Auf diese Weise sink die tlntcrlageii der Kritik zustande gekommen.
Ter Verfasser des Artilels fragt, warum die ganze Verkaufs" augklcgenhcit so geheimnisvoll betrieben worden sei? Daraus ist zu antworten, baß dcr Vcrkaus unter Zuziehung uon bcrutenen Sachverständigen regelrecht cingelci- tet und dn rchgcsübrt worden ist. Hätte »tan, wie t^r Ver, lasser vorichtügt. die Gegenstände den privaten Liebbabein frei • bändig anqeboten, io wären im beste I, Fall ansgkwäblie Stücke vertäust worden, aber der ganze große, schwer verkäuslich." Rest wär," "übrig geblieben und das Museum hätte seinen mit den. Vcikaut d""r Gegenstände beabsichtigten Erfolg nicht erreicht. Ein Teil der Gegenstände war längere Zeit bei hiesigen Antiguaren ausgestellt, aber die hiesigen Liebhaber haben sür die Tinge NUI wenig Interesse gezeigt.
Darmstadt, 14. Januar 1914. Tr. Back.
Aui vorstehende Ausführungen erwidert der Einsender des betreiienden Artikels:
Es ist überflüssig und unbegründet, daß Herr Tr. Back dem Versasier dcr Beschwerden zu wiederholten Malen „völlige Unke,ininis" dcr Verhältnisse uiw. vorwirst, während sich doch aus sas» jedem Satz ergibt, daß der Verfasser gerade sehr genau darüber informiert ist. Zudem bildet die ganze Angelegenheit schon seit Wochen ein weit verbreitetes Tagcsgcsvräch und cs wäre deshalb zur Verhütung weiterer „Unstimmigkeiten" besser gewesen, tvcnn die Muscnmsdircktion statt unbegründeter Borwürsc


