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auswärtigen Blattes. Italien habe den Kreuzer „3 a u M c»r e o" •tn die Türkei t»erfauft, ist vollständig unbegründet.
Die deutschen Offiziere im türkischen ö c c t c. (General Liman v. Sandrrs ist zum Marschall des türkischen Heeres ernannt worden. General B r o n s a r d v. S ch e l l e n - dors ist, wie aus .^onstantinopel mitgeteilt wird, zum stellvertretenden Chef des General st abs ernannt tvorden uird hat sein Amt angetreren.
Mordanschlag auf einen türkischen Gen eral in Paris. Da- neue fungtürkische Regiment wird bezeichn ende r- weii'e von allerlei Katastrophen begleitet. So wird heute aus Paris gemeldet: Gestern, Mittwocli, vormittag wurde in der Wohnung deS Führers der radikalen türkischen Partei, de ^ Generals Scherif Pascha und ehemaligen türkischen Gesandten in Stockholm, ein Mordanschlag verübt. Ein junger Mensch erschien dort und verlangte dringend, von Scherif Pascha empfangen zu werden. Der Kammerdiener Sckerif Paschas verweigerte dies, worauf der junge Mann einen Revolver auf ihn al>- seuerte und ihn verwundete. Infolge des Knalls eilte der Schwiegersohn Scherif Paschas, Salil, herbei und tötete mit einem Revoloerschust den Angreifer, dessen Identität bisher nicht festgcstellt werdeii konnte. Es handelt sich allem «lnschem nach uni einen politischen Anschlag. Scherif Pascha gibt hier seit einigen Jahren eine Zeitschrift heraus, umm das lung- türkische .Komitee für Einheit und Fortschritt ans das heftigste befehdet wurde. Scherif Pascha ist übrigens vor Jahresfrist von der jungtürkischen Regierung in contumaciam zum Lode verurteilt worden.
Der japanische Admiral Graf I t o ist Mittwoch früh gestorben. ^
Heer und Flotte.
Aus bic Melduit-, Do it dem Ätapellaus bei neuen Schulschiffes „Großher^äg Friedrich August, ging Don, Kaiser an den Grvßherzog Dvn Oldenburg folgendes Telegramm ein:
„Uel-er den glatten Srapcllanl des neuen SchulschmeS, und seine Benennun, naeli Den: veidii-nstvollen erlauchten Protektor res Deutschen SchulschisivereinS sehr erfreut, sende ich Dir und dem Verein zu dem schönen Ettolge nieinen wärmsten Glückwunsch. Möge es dem Schiit bcschieden sein, die ihm anocitraute deutsche Jugeich zu wackeren nnd verläßlichen Seeleuten hera n wa chse n zu sehen, stets bereit, ihre Pilickck im Kampfe mit den widrigen Elementen und den seindtichtti Mächten bis zum Ludersten zu tun 4 , 1,0 ähre Treue, wenn es lern nuiti, mit bent Tode zu besiegeln," _
Rn» Stadt nnd Land.
Gießen, 15. Januar 1914.
Bürgermeister Keller wird Oberbürgermeister.
In der gestrigen nichtöffentlichen Sitzung der Stadtverordn eleu berichtete Öen- Justizral Grünewald über die Verhandlungen des init der Varbereitnng der Wahl des Oberbürgermeisters beaustragten Sonderausschusses, der e i n st i in m i g den Antrag stellte, die Stadtverordnetenversammlung wolletzerrn Bürgermeister tt e 11 e t zum O l> e r b ü r g e r ° me i st er der Stadt Gießen mit Wirkung vom 1. Avril 1814 auf 12 Jahre wählen.
Bon einer A u s s ch re i b u n g der Stelle beantragte der Ausschuß a b z u > e h e i,, mit der Begründung, daß ein Ausschreiben dann nnzweckniäßig sei. »venn bereits eine bestimmte Person für die Wahl in Aussikvi genommen sei.
Der Ausschuß begründete den Antrag bannt, daß Bürgermeister Keller das Verlrauen der gesamten Bürgerschaft besitze, so das- inan wohl sagen könne, er werde, wenn die Bürgerschaft ihn zu wählen hätte, ebenso einmütig mit dem Amte des Oberbürgermeisters betraut werden.
Herr Bürgermeister Keller sei seit etwa sieben Jahren in der Verwaltung der Stadt Gießen tätig, sei infolgedessen mit allen Verhältnissen vertrant nnd besitze für die Interessen der Angehörigen aller Stände Verständnis. Bürger- ineister Keller sei lein Parteimann, stehe den politischen Parteien unabhängig gegenüber, gehöre aber seiner politischen Ileberzeugung nach dem entschiedenen Liberalismus an. Er trete ein für Freiheit der Wissenschaft nnd Kunst, sowie für Gleichberechtignng aller religiösen Besenntnisse, besitze sozialpolitisches Verständnis und habe beispielsweise bei Schaffung der Arbeitsordnung sür die städtischen Arbeiter liberale und arbeitersreundUche Grundsätze entwickelt. Man dürfe von ihm erwarten, daß er für intensivere Mitarbeit der Stadtverordneten bei Erledigung der städtischen Geschäfte nnd bessere Vorbereitung der Stadtverordneten bei wichtigen Entscheidungen eintrelen werde. Sparsame Finanzwirtschask, Öeranziehuug von Verkehr und Industrie liege öerru Keller am Herze», wie er insbesondere auch bei, innigen Zu» samnienbnng zwischen Universität nnd Stadt betone.
In der Verhandlung der Stadtverordneten wurden die Gründe des Ausschusses als richtig anerkannt und hervor gehoven, daß Herr Bürgermeister Keller allgemeine Svm pathie als ein freundlicher und jedermann ivohlwollend gegenübertretender Beamter genieße.
Tie Stadtverordnetenversantinluiig beschloß einstimmig, Herrn Bürgermeister Keller zum Oberbürgermeister zu wählen.
Dem Gesetz entsprechend war vorausgehend das Gehalt des Oberbürgermeisters festgesetzt worden, und zwar im AnsangSbetrage von 1OOO0 Mk., steigend von 3 zu 3 Jahren um je 1000 Mk. bis zu 13000 Mk, Tic Wahl unterliegt bekanntlich der landesherrlichen Bestätigung.
Bürgermeister Keller ist geboren am 5. Mai 1879 in Mainz als Sohn bes 1895 verstarb. Direktors der höh. Mädchenschule in Mainz. Tr. Jakob Keller. Er ist evang Konfession, öen Keller bestand in Mainz die Reifeprüfung, studierte Rechtswissenschaft in Gießen, wurde Leutnant der Reserve in, Regiment 115 und absolvierte in (tzießen seinen Vorbereitungsdienst beim Amtsgericht, Landgericht, Skaats- amvaltschaft, Kreisamt nnd in der Anwaltpraxis. Im öerbst 1905 bestand er die große Staatsprüfnng, war dann vorübergehend bei der Bürgermeisterei in Gießen tätig, so dann wiederum im Justizdienst, zeitlveise als Staatsanwalt und wurde im Öerbst >907 besoldeter Beigeordneter der Stadt Gießen.
** £a<ie5fii teilt er litt Tonnerstaq, den 15. Jamiae- Landwirtscha!tlikl,ee Lokalverein Gießen: „lieber DeravI-qung zur Wehrs,euer«, Tr. Burg. Hotel .Felsenkeller'. nachmittags 3'4 Mir.
weselllchait fiir Erd- und Völkerkunde: Ter
Pavama-Kanal" <näl Lichtbildern), Prob Tr, SieverS, versilatS-Auta, 5 U Uhr, ,
" Der Groß Herzog hat den ordeniliche» Professor sür Geschichte m der philosophischen Fakultät der Landes' Universität Gießen, Dr. Robert Ho Ihm nun, zum staat' lichen Mitglied der Historischen Kommission sür dar Groß' Herzogtum Hessen ernannt.
" SetuciiieUe. Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Stolbcig-Roßla-Ortenberg aus die erledigte Lebrer- stell- an der Volksschule zu Steinberg im Kreise Schotten
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präsentierte SchulamtSaspirant Heinrich Preusch auS Stein- berg sür diese Stelle.
'• Der LehralntSajsessor Georg Heßler au? Gießen wurde zum Oberlehrer an der Realschule in Bremen ernannt.
** Stadttheater. Nochmal« sei auch an dieser stelle aus die morgige Erstanstührung von Tr. Reinhard ^lreaer, läftorilchem Schauspiel „Tie ö u m b o l d t > a n e r hmge.vi-ien. die als Festvorstellnng zur Erinnerung a» die Erlebnute Gießens in der großen Zeit vor 100 Jahren ftattsindet.
" Mit a l t ä 4 v v t i i ch e it Tänzen tritt am Molltag, den 19. Januar, Seitt M'a Heia ,mn erstenmal vor das hiesige Pulüknm. Ihre Kunst ist, wie man uns schreibt, obwohl ,ie von fremden Formen inspiriert ist, doch zum Ausdrucksmitlel eines ganz persönliche» indioidncllen Leben-- giworoen, keine Konstruktion antiker Silhouetten oder orientalischer Rivpnguren. Eine fremde und raffinierte Kultur spricht aus dielen Larbieiungen und ihrem komplizierten Rhylmus, eui» der absichllieben Primitivität der Gebärde und dem Rassinemenl ihrer Aussiihrung. Es sind nicht Tänze primitiver Lebensfreude, Aber bei aller Formrn- strcnge, die sie auszeickmet, liegt ei» erotischer Tust über ihnen: die orientalische Mischung von Sklavin und Priester»! »urd von ihr im herben Styl aitatischer Kunst znni Ausdruck gebracht
" Kleine Mitteilungen. In Friedverg lllirzte am Mitnvoch ein Sckiüler einer höheren Leliranstalt aus der Eisbahn und verletzte iickl erheblich, so daß er ärztliche Öilse IN .ln- lpruch nehnlen mußte. - In Obe r-See mcn machen die Aibeilen der elektrischen Lichtanlage ini Amckl»,, an das vbe,hessische Elektrizitätswerk erfreuliche Fortschritte Wie veilautet, soll schon Ostern clelirische Beleuchtung stall linden. --- In dem Schuhgcschäst von Strauß in Ossenbach erschien ein Mädchen, da- sich für die Tochter des Redakteurs Ignatz King ansgab und zwei Paar Stieseln ausbändigen ließ, ohne sie natürlich zu bezahlen. Später stellte es sich heraus, daß der EeschästSinlialer einer Schwindlerin in die Hände geiallen war. - Einem Gauner gelang eS, ein Pelzgeichäst in Bingen um einen Alaslaluckisvelz i:n Werte von 280 Mark zu betrügen. Landkreis Gietzen,
-ebt. Alten-Bus eck, 13, Jan, Ta« an der Straße nach Trohe gelegene B a ck si e i n g e s ch ä i t lvnrde von öeinr. ö a h n an den Unternehmer öärtel aus Bachum zum Preise von -400 Mk. verlaust. Ter neue Besitzer beabiichtigl, die .Herstcliung von Back steinen in größerem Umfange zu betreiben.
-obt. R e i s ! i r ch e n, 14. Jan. Einen UnsallbeimÖ o l z- fällen erlitt gestern der Ortseinwohner Wilhelm Becker. Tie Öolzhauer hatte» den etwa zehn, Psund schweren eisernen Öaken in einer ungefähren Höhe von sieben Metern besestigt, um den Bannt umzuziehen. Ter Öaken liute sich lo« nnd fiel dem B. so heftig aus die Schulter, daß man den Bedauernswerten nach Öausc fahren mußte.
-ni. Lich, 15. Jan Ein 12jcihrig«r Willige brach gestern beim Schlittschuhlaufen auf der Wetter ein und sank bis an die Brust in das eiskalte Wasser. Mit äußerster Anstrengung und mit Öilse einiger Kameraden gelang es ihm, sich wieder aus der gefährlichen Lage zu befreien, die leicht seinen Tod zur Folge hülle haben tonnen.
tt. Langsdorf, 14. Jan. In der LangSdorfer Ge- marlung lag früher ein Hofgut, lvelches von der Gemeinde angetanst nnd parzellenweise an die Bürger verkanst wurde. An sideilommissarisch gebündelten Besitz war in unserer OK- ma.rkung nur noch eine kleine Fläche, die dein Fürsten von Braunfels gehörte. Tiefer hat im vergangenen Sommer seine Aerker nnd Wiesen an hiesige Bnneni vertäust. Bor einiger Zeit hat er dann auch noch den ctlva 20 Morgen großen Stvckweiher znm Preise von 5000 Mk. an einen Landwirt verlaust, welcher aus dem bisher der Fischzncht dienenden Teich Ackertand Herstellen will. Mit Genehmigung dieses Kaufes ist jetzt das letzte jideikommissa- riscll gebundene Land in die Öände der Bauern überge- gangen. Der Fürst von Braunfels besitzt an der Grenze unserer Gemarlnng noch einen Besitz von etwa 245 Miorgen Wald.
-eilt, BerSrod, 14. Jan. Zwischen die Pusfer geriet am vergangenen Freitag der bei Weidenau (RrctS Siegen) beichästigte imb hier ivohnhafie Arbeiter Nürnberger. Plan brachte den Bedanernsiverten nach Weidenau in die Klinik, wo er an, Sonntag seine» Verlelzungen erlag. Ter Pernnglülkte hinterläßt Frau und Kinder, deneli ein geringer Betrag ans einer Versicherung zusteht.
Kreis Lauterbach.
^ Schlitz, 14. Jan, Ein italienischer Erdarbeiter ist bei Sandlofs in die Fulda gestürzt >md ertrunken. Er ivollte mit einem anderen Arbeiter über den schmalen Steg gehen. Ter Steg knn, ins Wanken, der Arbeiter glitt v»i ein eisbedeckten Breite ans und versank in den hochgehenden Fluten, ehe sein Kollege Hilfe bringen konnte.
KreiS Fricdberg.
L. Friedberg, 14. Jan. Das am 23. April 1872 errichtete ö s se n t l i ch e Lesezimmer und die Volksbiblia- tl,cl waren bisher in geinieteten Räumen nntergebracht. Jetzt hat die Stadkverwaitung sowohl ein Ziinmer sür eine Lesehalle wie für eine Bibliothet Herrichten lassen. — Unser seit 50 Jahren bestehendes V e r s o r g » n g s h a n s für Waisenlinder wird init dem l. April eine Neueinrichtung er-s halten. Von genannteni Tage an werden Tiakonissinnen die Pflege und Leitung des Öanses erhalten.
b. Öausen (bei Butzbackii, 14. Jan. Heute wurde in Frankfurt der Monteur Wilhelm Klein von hier verhaltet. Er hat in Gemeinschast mit dem Spenglernieister Peter Thoma au« Alzenmt einer Sängerin einen B ril la n ti chm » ck im Werte von 4 000 Mark gestohlen. Bei den Dieben wllrde der Schmuck noch vorgefunden.
Starkenburg nnd Rheinhcsscii.
t . Darmstadt, 14. Jan. Am 15. d. Mts. wurde irj El'erstadt bei Tarmstadt ein „Land hei in sür Unfall- verletzteund Invalide" eröffnet. — Es ist errichtet durch einen zu diesem Zweck gegründeten Verein, deren Vorsitzender Geh, Regierungsrat Tr. jur. et nied. h. e. Dietz- Tarmstadt ist, dem wir schon neben vielen anaeren gemein- nützigen Einrichtungen, die beiden Lungenheilstätten Hessens im Odenwald und die Lupusheilstätte in Gießen zu verdanlen haben. Als seine Aufgabe betrachtet es der Verein, zur Sicherung des HeilpersahrenS Unfallverletzten nnd Invaliden die Müglichieit zil geben, ihre ErwerbSfähigkeit Ivirtschasllich zn entwickeln. Das soll erreicht werden durch eine in der Regel vorüberg, hend-e Ausnahme in dem Landhein, In ihm sollen die Aufgenommenen in solchen Tätigkeiten nnd Beschästigungen ansgebildet werden, die ihren Kräften und Fähigkeiten angemessen sind und die innerhalb der in dem Lanbheim eingerichteten Betriebe liegen <-o beilnden sich in dem „Landheim Eberstgdt" eine Reihe von Werkstätten, lote: Tischlerei, Schuhmacherei, Strickmg- Innn-.-nlaal nsw.: daneben werden aber natürlich auch ein sachere .vandfertigleitsarbetten gelehrt, die auch schwerer, durch Unfälle oder Krankheit Geschädigten noch die Mög- Uchkeit eines kleinen Erwerbs bieten. Leiter des Öeim-s ist Dr, Rigler-Tarmstadt.
„ ° -lchm Gestern nachmittag um
.4 Uhl wurde der lOj -tOrige Schreiner Franz Zim Ni ermann aus FrauenlteiN, als er das Geleise liberschittt, auf der Station °. n em ctnf aft t cnb_e n Zuge überfahren n n d g e vt t e t. Z. lvar ans der Station B u d e n h e i m beschäftigt.
Hessen-Nassali,
h. Frankfurt a, M„ 14, Ja». Eine Gläubigerrn-riamm- lung der in Konkurs geratene» I »l m o b i l i e N-V e ritio I»
IIIng Wiesbaden n n d Baue r stellte die Verbindlichkeiten dieser Firma einschließlich der Ö»potbelen aus 15—2 0 Millionen Mark fest, denen Aktiven oorllusig fast garnicht gegcnüberstehen. An die Konklirsmnsie hat die Stadt Frankfurt eine VorzugSsordernng von etwa 40 000 Mark für Steuern und WährlchatlSgelder, Eine ganze Serie lo» Anfechtting-klagen ist in Vorbereitimg.
Ii II singe n, 14. Ja». Durch einen vorzeitig loL- qegaiigenen Spreng schuß lvnrde in den Quarzitivecke» von Hainchen derArdeiler stalteiicr getötet nnd der Ar. beiter Pabst erheblich verletzt. Kaltetzer hinterläßt eine Witwe mit drei kleinen Kindern.
Hfietzencr Ttrafkamnicr.
Gießen, 13. Januar
Ein Mensch, dem der Diebstahl so zur . (st e w o h n h e i t g e lo o r d e n ist,
dag er wegnininit, lvas ihm gerade im Augeubtick begehrenswert erscheint, ohne Rücklicht daraus zn nehmen, ob der ttzeganstand wett voll oder sür ihn vo» Wert sein kann, str id in der Person des Schlossers R. Ö. aus Frechenhausen, Kreis Biedenkopf, vor den Sehranken des Gerichts. Ihm wurde zur Last gelegt, ein altes ge ringwer iges und später ein neues wertvolles Fadrrad, einen alten, ihm viel zu weiten und einen ganz neuen Ueber'-iehec, ein Lesebuch sür Schnlkinder und eine Serviette gestohlen zn daben. Er wollte die Strastalen in betrunkenem Zustande ausgesührt haben. Tiefer An gäbe aber, die von den Zeugen nicht in vollen Umsange bestätigt wurde, konnte das Gericht feinen maßgebenden Einkluß iür die Festietzuiig der Strashöte beilegen gegenüber der Tatsache, daß « nlckit aus Not, sondern lediglich aus Freude nin Stehlen die Sacknn weggeiiainmen hatte, nnd verurteilte ihn unter Einbeziehung früherer von ihm begangener Straitaten wegen Diebstahls im wie derhollen Rückfalle zu drei Jahren nnd l> Monaten ZuchlhanS.
Wegen Untreue wurde der Schreiner L. G. von Butzbach zu einer Gesängnisstrase von einem Monat und in die Kosten deS Verfahrens verutteilt. Er lvar geständig, als Vorsitzender des Arbeilerkrankenunter stützungSvereins im August l9lO aus Grund eines ihm in seiner Eigenschait als Voriitzcnder onverlranten Sparkassenbuchs den Be trag von VfiO Mark für lich erhoben nnd behalten zu haben. Das Gericht konnte strasmildernd in Verücknchtiguug ziehen, daß der An geklagte ossenbar aus Not nnd in der Absicht gehandelt habe, das Geld nach nnd nach wieder zu ersetzen. So hatte er bereits 56 Mk. zurückgezahlt. AndererseilS konnte daß Gericht nicht unberücksick> tigt lassen, daß er schon einmal wegen eines PermögenSdeMeS bestraft worden lvar.
Eine Urkundenfälschung brachte die A. L. auS Rodheim vor der Höhe auf die Anklagebank. Sie halte vor der Beigeordnetenwahl in ihrem Öeimatsdorie an den in Franksurt a. M. arbeitenden, in Roddeim aber wahlberechtig . ten O. .Kr. eine Karte folgenden Inhalts geschrieben: „Lieber Freund! Ich teile dir hierdurch mit, daß du Samstag nicht zu komnien brauchst, da die anderen keinen Kandidaten auistellen und
etliche übergetreten sind......Mil Gruß dein Freund Louis W "
Ofienbar sollte auf diese Weise O. Kr. von der ain SamStag statt iindenden Wahl serngehalten werden. Bei dieser kam es, wie dog Ergebnis — 44/41 Stimmen — gezeigt hat, ans jede einzelne Stimme an. Tie Angeklagte gibt zwar an, aus eigenem Antrieb die Karte geschrieben zu habe», um den O. Kr, damit „zuin Uz" zu haben. Das Gericht aber war der Ansicht, daß die Angeklagte diese Angabe nur zur Schonung- des eigentlichm Urhebers mache: sie war ossenbar nur die Angeüiftete. TaS Gericht hielt eS iür aanz unwahrscheinlich, das, ein Mädchen von 20 Jahren ein iolches Jnteresse an den politischen Anoelogenheiteii dabe, daß eS sich zu einer derartigen Handlung hinreißen lasse. Das Bewußtsein, etwas Unrechtes zn tun, hatte die Angeklagte, wie sie selbst zugestand Sie mußte also bestrast werden. Zn ihren Gunsten wurde berück sichtigt, daß sie noch jung nnd noch nicht vorbestraft war, ferner, daß der getvollte Erfolg nicht eingetreten war: O. Kr. war doch zur Wabl nach Rodheiin gekommen und hotte den Gegenkandidat gewählt. Vor allen aber sprach zu ihren Gunsten, daß die Angeklagte als die Verleitete erschien. Sie kam deshalb nkit der geringsten znlässiaen Strafe, mit einem Tag Gefängnis, davon. TaS Gericht wird^jich noch mit der Angelegenheit zu belassen haben, tpemi die Staatsanwaltschaft den Anstifter ausfindig gemacht hat.
Gegen einen itz a l i z i e r. den IKiährigen P. L. aus Nahcrzow, ivurde in der letzten zur Verhandlnng stehenden Sache verhandelt. Sie umr dadurch inte> eisant, daß eS sich um einen Angeklagten handelte, der des Deut lchen säst gar nicht mächtig war. so daß die Hilfe eines Totmet schers in Anivtttch genommen werden mußte. Der Angeklagte halt! ant einem Gute in Butzbach gearbeitet. Ihm wurde zur Last ge legt, seinen Ärbeitskameraden Kleidungsstücke und ein Paar Strümpfe, seinein Dienstherrn zwei Taschentücher gestohlen zn haben. Tie Verhandlung ergab, daß es sich im ersten Falle nicht NU, einen Diebstahl, sondern „in eine öehlerei handelte. Der Ange Uagte wurde denigemäß bedeutet. Das- Gericht berücksichtigte straf mitdl-rnd die Jugend des Angeklagten, die geringe Stilie seiner geistigen Entwicklung — er wußte nicht einmal das Jahr seiner Geburt mit Bestimmtheit anzugebcu —, und seine mangelhafte Schulbildung: es verurteilte ilm daher nur zu einer Gesamtsttafe von 2 Wochen Gefängnis, welche durch die erlittene llntersuchung« hast sür verbüßt erklärt wurde. Es wurde ihm deshalb vom Tot inetscher bedeutet, daß er gehen könnte, tvaS offenbar eine Ueber- raschung für ihn war: Vor der Verhandlung eingesperrt. nachher lausen gelassen, obwohl er die ihm zur Last gelegten Straftaten begangen batte, das erschien seinem naiven Geiste unfaßbar.
Kericl,k»?ac,l.
Der Giftmordprozeß Hopf.
Frankfurt, 14. Jan
Als erste Zeugin in der heutigen Verhandlnng wurde die bereits einmal vernoinniene Mutter der Frau Öopf, Frau Schnei der, nochniats vorgerufen. -— Bors.: Ihre Tochter ist an Tuku-l kulote gcNorben? — Zgn.: Jawohl. - Vors.: Wann hat sich der Atziang der -tnberknlose gezeigt/ — Zgn.: Kurz vor dem Tode. 7 /-"'or,.: Hat sie vorher keine Beschwerden gehabt, — Zgn : ?! cn V 7' . , cl • -vaben Sie sich Gedanken darüber geniacht, woher die Tuberkulose Ihrer Tochter gewninien ist? — Zgn,: Jatvobl, zzch bin der selten Ueberzeugimg, daß
Öops ihr die Tuberkutosebazillen beigebracht
tat, er hatte solche in einem Reagenzglas - Angelt.: Das ist nlchr^ wahr, ich habe ihr keine Tuberkutosebazillen beigebracht. Es itt auch nicht richtig, Ivas gestern gesagt morden ist, daß »leine oran stets krank geworden fei, wenn sie hei mir loar, und bei ihren Ettern schnell wieder gesund wurde.
Die nächste Zeugin Frau Wülz lvar als Answartefrau hei Hohl ,n N,ed>-rhöchstadt, Sie hat mehriach beobachtet, daß ,öovi ettras in den sür seine Frau bestimmten Tee geschüttet Hai»-, Jedesmal, wenn Frau Hopf von diesem Tee getrunken habe, hätle tte lehr starkes Erbrechen belomuuni. Als die Zeugin von Frau Schneider hörte, daß^ Öopf seine Frau versichern wolle, habe sie gleich getagt: Nun ist das Rätsel ja gelöst! Tie Zeugin lmt zn den Gerüchten, datz ,öopi seiner Frau iöjjt gegeben habe, beige tragen, Öopi hat sie deshalb weaen Beleihianna verklaat und sie wurde aucki zu 30 Mk, Geldstrafe ve>-urteilt, weil ihr der Wabr deiisbkwei« Nicht gelungen war. Sie bekundete weiter, sie habe d>- —'Cutter der Frau Hopf, die Zeugin Schneider, durch einen Brief vor Hop, gewann, — Der Angeklagte erklärt, datz er
möglicherweise etwas in d e-n Tee gesckiüttet habe, er erinnere sich des Vorfalles aber nicht: wenn er es getan I-abe, habe es jich um ein homöopathisches Mittel oder um Zucker gehandelt.
Kanimann ^eeger, der zweite Mann der zueejten Frau des Angcllagten, belundet, daß er seine Frau im Jadre >909 ge heiratet habe: sie habe geiund und blühend auSgesehen und fei im Jahre 1911 an Lungenschwindsucht gestorben, Der .Vcrsall t*i


