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Nr. 12

Ter ®i«6«n« Anzeiger

«scheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich

SiebenerZamMeiidlätter;

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iür die Redaktion 112. Verlag u. Ervcdilioi, LI Adresse lür'Dcrelchen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen lür die Tagesnummer bis vormittags v Uhr.

Erstes Blatt

Jahrgang

Donnerstag, 1(5. Januar TO

General-Anzeiger für Oberhesien

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Ilnio.-Buch- und Steindruckerei R. Lange.

Bezngsorcltz:

monatI>ch7LPl.,v,enel- jährlich Mt. 2 . 20 : durch 'Abhole- u. Zweigstellen monatlich KL Pi.; durch dicPost Mt.2. viertel» jährl. ausschl. Beslcllg. Zeileiivreis: lokalbLPsi ausivärts 20 Pienniq. Chesredaktenr: A-Goetz, Verantwortlich iür den volit. Teil: Aug. Goeh: sür .Fenillclon', ,Ber- niischles" und.Gciichts» saal": Karl Ncnialh: sür .Stadt >ind Land":

- .... . - - - t - Kurt Bei,dt; iür de»

Redaktion, lkrpeditlon und Druckerei -. Schulstrahe «. Anzeige,ne,l: v. B--r.

Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

Der velagerungrzutand in §iid-Afrika

Ein deutscher Ingenieur, der noch kürzlich Bri tisch-Siid-Asrika bereiste, schreibt uns: Ter allgemeine Aus stand des ArbcitervcrbandS der siidasrikanischei, Union ist mit einem, man milchte sagen, verzlveisclten Gegenmittel der Regierung beantwortet worden: Man hat von Kapstadt aus den Belagerungszustand erklärt: er erstreckt sich aus die imch rigsteu Bezirke Transvaals, des Oranjestaates und NaklS. Tie Regierung ist sich also der ganze» Schwere des Augen­blicks bewustt, der sie vor die dvppellc Gefahr des weihen Ausstandes und der schwarzen Rcvolle stellt. Es sragt sich nur, ob das vorhandene Militär der Ricseuaufgabe gcwich- sei, ist. Die englischen Truppen in Süd-Asrika sind an Zahl sehr gering, etwa bl 500 Mann, in Transvaal stehen nur etwa 4500 Monn reguläres englisches Militär. TieRe­serve", also die Bürgermiliz ist in eine Nmsormung eingetre­ten, die noch nicht sehr weit gediehen sein dürste. Aber selbst nach vollendeter Neuorganisation sind cs nicht mehr als 2025000 Mann. Das ist fast nichts für ein so nngo heures Gebiet. Bei Unruhen größeren Umfangs, die auf verschiedenen Plasten ausbrechen, wäre die Regierung voll­ständig aus den Rachschub aus dem Mutterlande angewiesen. Bevor dieser aber praitisch au Ort und Stelle sein kann, vergehen, wie der Burcnkrieg zur Genüge gezeigt hat, kost­bare Woäjen.

Man vergegenwärtige sich nur: Tie Südafrikanische Union ist ein Land von 470000 englischen Quadraimeilen Idas Königreich Preußen umsaßt deren nur 134 585) wozu iioch rund 300 000 Quadratineile,! Protcltorat Betschnana land und Basutoland kommen. Bewohnt wird dieses Riefen- lzcbiet von 5 l Millionen Weißen und mehr als 5 Millionen Schwarzen, die sich sehr stark verniehren. Tie Minenindnstrie hat zahllose Weiße aus dem Innern des Landes in die Städte gezogen, zahllose Neger sind aus den deutschen und vorln- gicsijchen Gebieten durch die Aussicht ans reichen Lohn eben­falls nach dem Rand gelockt worden. Dazu kommt noch die Jndersrage. Man kann es also verstehen, mit welch ernster Sorge die Führer der Union dem beschlossenen allgenieincn Ausstand entgegensehen. Nirgends in der Welt haben dis Hetzer ein so leichtes Arbeiten als in Johannesburg, in Prä- roria, in Potschwssstrom, in Bloemfvntein ujra., nirgends fin­den die Agitatoren so leicht «ine Horde roher Dhnamiiarden, um die vernünftigen Arbeiter zu terrorisieren und sic zu zwingen, mitzuniachcn. Solange diese Städte das Ziel aller schlechten Elemente der Welt sind und der Abschaum der Menschheit dort zujammenströmt, wird die Gesahr furcht­barer Revolution immer wieder auftauchen. Nirgends geht es toller zu als in diesen Städten. Alle Laster sind dort zu Hause, alle Gemeinheiten. Tic letzte Zählung in Jo­hannesburg ergab 05162 Weiße, 78 781 Neger, 6780 Asi­aten, zusammen 180 723! Sollte der Krieg von neueni auf flammen, so würden diese Tausende in einen leidenschaft­lichen Kampf gegen die Minengcsellschasten eintreten, und nicht nur der Minenbau, sondern alle Zweige der Wirtschaft würden in diesen Kampf verstrickt werden. Man macht sich vielleicht noch nicht die richtige Vorstellung davon, wie die Weltwirtschaft in ihren Grundlagen erschüttert wurde, wenn durch eine längere Anarchie in Süd-Asrika die Goldpro­duktion abnühme und infolgedessen der sog. Standard­preis von 2700 Mark für 1 Kilo Feingold erheblich gesteigert werden müßte. Transvaal ist bekanntlich der grüßte Gold produzent der Welt. Es lieferte seit dem Jabrc 1884 für «ehr als 8 Milliarden Gold, im Jahre 1012, wofür die Zahlen jetzt vorliegcn, nicht weniger als 260000 Kilo, also mehr als ein Drittel der ganzen Goldausbeute, die sich ans

700000 Kilo jährlich beläuft kim übrigen sind die Vereinig­ten Staaten von Nord-Amerika sowie Australien die großen Goldlieserante»!. Jedenfalls ist der Wellmarkt in erster Linie von dem Goldbergbau Transvaals abhängig; geht dieser zur»», so kann eine Goldnot eintrete». Es können alle Waren im Preise sinken, die Bewertung der körperlichen und der geistigen Arbeit erfährt in allen Nationen eine ungeahnt weitgehende Schmälerung, Not und Elend Hallen überall Einkehr und große Krisen drechen über das Wirtjchasls- lcben der zivilisierten Völler herein.

Ter Ausbruch des allgemeinen 'Ansstandes in Süd- Asrilä ist umso beunruhigender, als die Bewegung bei dein Zusammenhänge der südasrinrnischen Staaten außerordent­liche Fortschritte macht: sic kann sich heute schon auf ganz Südasrita ausdehnen. Eines Tages kann unter Umständen also der größte Teil der Goldprodntlion unseres Erdballs unterbunden werden. Man erinnert sich vielleicht noch der aufsehenerregenden Entdeckung, das: aucn i n dem mineral- armen Kaplande Gold liegen soll, von genau derselben Güte wie in hon Erzlagern des Witwatersrandcs bei Johannes­burg, allerdings wahrscheinlich schon unter dein M-eres- boden, was aber eine Abtensung und eine Entwicklung des- dortigen Bergbaues in größtem Stile nicht hindern durste. Erstrecken sich einmal die Organisationen der weißen und schwarzen Goldbergleute aus alle Äoldkammern Südafrikas, so dürfte der Tag kommen, Ivo die ganze Welt von den Be­schlüssen der dortigen Arbeitervcrbünde beunruhigt wird.

Die wünsche der elsaß-lothringischen zweiten Uainmcr.

Straßburg i. Elf., 11. Januar.

In der Zweiten Kammer gab heute nachmittag zu Be­ginn der Aussprache über die Anfragen betressend Zabern der Präsident Dr. R icklin folgende, von den vier Parteien deS Hauses eingebrachte Entschließung bekannt:

Die Zweite Kammer ist mit der Regierung der Ucbcrzeu- gung, daß die Z i v i I v c r w a l l u n g in Zabern durchaus ihre Pflicht getan und zum Eingreifen des Militärs jeder ran'ächlichc _ Anlaß und jede rcästlick'. Grnndlckgc gefehlt hat. Sic stellt fest, daß die Regierung auch in dem engen Rahunir ihrer verfassungsmäßigen Befugnisse eine größerg Energie zur Erlangung einer Genugtuung für die dem el­saß-lothringischen Volke zugcsügten Beleidigungen hätte entfal­ten, sowie zur 'Auiklaruug und Beruhigung der Bevölkerung etwas hätte tun müssen. Sie vermag endlich in der Erklärung der Re­gierung keinerlei Gewahr gegen eine Wiederholung solcher ge- setz- und rcchtsvcrletzendcn Vorkommnisse zu finden. Tie Zweite Kammer bittet den Reichstag, dcui sic für sein ener­gisches Einrrctcn den Tank des.elsatz-lothringischcn Volkes aus- svricht, in Fortführung des Kampics um die Wahrung von Ge­setz und Recht einzutrcten für: 1. eine den modernen bürger­lichen Anschauungen cntsvrechendc gesetzliche 'Abgrenzung der Ge­walten, 2. eine Reform der Militärgerichtsbarkeit, 3. den Aus­bau unserer Verfassung in der Richtung der vollen bundes­staatlichen Selbständigkeit Elsaß-Lothringens.

Im Verlause der Verhandlungen crgriss in der Zweiten Kammer U n t e r st a a t s s e k r c t ä r D r. Petri das Wort zu einer energische» Vcnvahrung, indem er für die als Zeuge ge­ladenen Zaberner T l a a t s a n >:> ä l t e unter wiederholtem Bei­fall des Hauses eintrat. Tie Staatsanwaltschaft habe durchaus sachgemäß gehandelt u»b die Angrijie des Obersten von Reuter seien entschieden z u rück; n weisen, vor allem auch der Vorwurf, die Staatsanwaltschast sei bei ihren Entschei­dungen von einer gewissen Voreingenommenheit gegen Oberst von Reuter und das Militär befangen gewesen.

Abg. H a u ß (Ztr.) drückte dem Justizminister die 'Anerken­nung des Hauses aus für seine anerkennenden Worte. Umsoweni­ger habe die gestrige Regierungserklärung befriedigt, in der man vor allem die Garantien dafür vermißt, daß künilighin die ver­fassungsmäßigen Zustände strengere Beachtung sinken möchten, eine Garantie, die doch in Tvnoueschingen feierlich verkündet worden sei.

Unter st aatssekrctär Mandel : Ich hatte umsoweni­ger Anlaß, im Reichstag z» sprechen, als von Seiten des Reichs­

kanzlers und des Kriegsministcrs nicht der geringste Vorwurf gegen die Landesveiwaltnng von Elsaß-Lothringen erhoben wurde.

Zurnse: Oho!> An der lrrrcgung der Zaberner Bevölkerung zum größten Teil die Presse schuld. Was ein junger, un- ciiahrenrr Leutnant in der Kaserne jagte, konnte einen ganzen Polksslanrm nicht beleidigen. > Lebhafter Widcrsvruch.) Tie Za­berner Angrlegrnheit bat mit der Verfassung nichts zu tun.

Es sprachen noch die Abgeordneten K jener lLothr. Block, und Qmnel 2*; . woraus Staatssekretär Freiherr Zorn v. B u l a ch nochmals unter teilweiscm Widmprnch den Stand- punkt der Regierung darlegtc. Tie Regierung batte nicht das Recht, sich in militärische 'Angelegenheiten einzumischen. Der Mi­nister bestrick das Vorhandensein einer Nebenrcgicrung und be­tonte, die Regierung sei stets bestrebt, die Würde und die Jni- tcrcssin des Landes zu vertreten. Er schloß mit dem Apvell an das Haus, mit der Regierung Hand in Hand zu arbeiten und so bald bas Ergebnis zu erreichen, dos alle sehnlichst wünschten. Daraus wurde die Wciccrberatung aus Tonnerstag vormittag ver­tagt.

veutscvc» Hcicb.

Ter Arbeitsplan des Reichstags. Ter Aeltestenrat des Reichstages trat vor der Plenarsitzung am Mittwoch zusamnicn, um die Geschästsvcrteilung zu be­sprechen. Um die Haushaltsberatung möglichst vor der Lster- pause, die am 3. April eintreten soll, zu beenden, lvurde in Aussicht genommen, nur wenige Sitzungstage frei zu lassen, nämlich se einen weiteren Tag beim Geburtstage des Kai­sers, bei Mariä Reinigung (2. Februar), Fastnacht (25. Fe­bruar i und Mariä Verkündigung (25. März). Tie sozial- demokratische Anfrage über Zabern soll Donnerstag oder Samstag ans die Tagesordnung kommen, je nach der Bercit- willigieit des Reichslaiizlcrs zur Beantwortung. Gegebenen­falls'wird Tonnerstag und FreicaZ dieser Woche über die Sonntagsruhe verhandelt werden. Schwerinslagc sollen vor­der Osterpanse nur dann äbgehalten werden, wenn cs der Fortschritt der Elatsberatnng zuläßt.

Zur zweiten Beratung des Voranschlags des Reichstags hat die nativnallibcrale Fraktion des Reichslags den Antrag gestellt: die verbündeten Regie­rungen zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorznlegcn, dnrck> welchen das Gesetz, betreffend die Gewährung einer Entschä digung an die Mitglieder des Reichstags, vom 21. Mai 1906 dahin abgeändert wird, daß den Mitgliedern des Reichstags freie Fahrt während der Tauer der Legislaturperiode auf den deutschen Eisenbahnen gewährt tvird.

I in P r c u ß. Abgeordneten ha u S erwähnte bei der Fortsetzung der Hanshalkungsberatung am gestrigen Mittlvoch der Minister von Dallwitz, daß er zur Linde-> rung der ersten Not an der Lstsertüste bereits 20000 Mck. zur Verfiigung gestellt habe.

Die Frist für die Abgabe der Wehrbei- t r a g S e r i l ä rung cn in Preußen ist durch den Fi» nanzininister bis zum 31. Januar d. I. verlängert worden. Tie Steuerbehörden sind in diesem Sinne bereits verstän­digt Ivordcn.

Au»lanv.

Tie I n s e l f r a g e. Das Reutersche Bureau erfährt, daß die setzt überreichte 2lntwortdc rDreibundmächte wegen der Jnsclsragc keinerlei llcberraschungcn in der Richtung enthalte, haß Griechenland eine der Inseln vorenihalten würde, welche nach den, enolisckicn Vorschläge ihm zuiallcn sollen. Tic Antwort nehme aus­drücklich mehr oder weniger alle englischen Vorschläge einschließlich der in Grebs Note cmhaltcnen Voroehalte sür die Wahrung her Freiheiten der Minoritäten, ioawh! der Griechen nne der Mnsel- manen, an. Was die von Italien besetzten Inseln angcht, so wird dies sür eine besondere F^ge angesehen, ha wieberholt die italie­nische Regierung erklärte, daß sie der Türkei zurückgcgeben werden sollten, sobald alle Verpslichtungen des Friedens von Lausanne er­füllt sein werden.

K c i n ?l n k an f e i n e s i t a l i e n i s ch e n S ch i f s c S d u r ch d i e T ü r k c i. TicAgcnzia Stefani" erklärt: Die Meldung eines

Aunst, rvi??cnschast nnv Leben.

T i e Erhaltung desKassclcr Grimmhauses. Ans Kassel wird uns geschrieben: In der M-rktgassc steht ein gediegenes altes Giebelhaus, dessen krästiger, weit vvrge- kargter Dacherker dev Straße einen malerischen 'Abschluß gibt. Im zweiten Stock dieses Hauses wohnten mst ihren übrigen Go- schwistern von 1805 bis .1814 die Brüder 'Grimm, die großen Spracksorscher und Sammler deutscher Bolksmärck>cn. Mit Be­fremden vernahm nian gegen Ende vorigen Jahres, daß dieses denkwürdige, in vielen Literaturgeschichten abgebildetc, auch archi- lekwnisch wertvolle Hans den sattsani bekannten und selten aus­reichend begründete»Peikehcsrückiichlen" zum Ovier lallen solle. Jnzivischen haben Vcrbandlungcii über den Abbruch stattgcsunoen, die jedoch man erfährt cs jetzt mit Genugtuung z u kei­nem Ergebnis stibrten. da die Mittel zum Ankauf des Hau­ses nicht hinreichen, außerdem bei seiner Niederlcgung auch die ailgrenzendcn Wohngebäude fallen müßten, wenn den Ansprüchen des Verkehrs genügt werden sollte. Soniit kann das Grimmhaus für lange Zeit als gerettet gelten und aus Kreisen des Heimat sckutzes kommt die Anregung, noch ei» Weiteres zu tun, nämlich gewisse Vernnstalwngen des Erdgeschosses und den Verputz zu beseitigen, der das schöne Holzfachwcrk verhüllt. Slehnlich wie andere Gicbclbällscr der Altstadt, die man von ihrer entstellen­den Putzdcckc befreit hat, würde auch das Grimmhaus noch we­sentlich an malerischem AnSdnick gewinnen. Neber dem Eingang befindet sich übrigens ein Rcliefbild derMärchens rau" aus Zwebren, der Frau Vichmann, die den .Brüdern dir meisten Voltsniärckwn des zweiten Bandes ihrer Sammlung crzählr Iwt. Das Relief ist 1885 von einem Ressen der Brüder, dem Bila lmuer Carl .Hasscnpslug, nach einer Radierung von Ludwig Emil Grimm, dem jüngsten der Brüder, angcscnigt worden.

E i n K o l o ssa l g e », ä l d c der deutschen Gotik. Aus Fritzlar wird uns geschrieben: Bei den Erneuerungsarbei­ten im hiesigen Tom hat man, Ivic schon kur, mitgcteilt, einen be­deutsamen künstlerischen Fund gemacht. An der Osiwand des sogen. Elisabetbckiores entdeckte man zufällig unter dicken Tüncheichichten ein vrachtoolles Kolossatgemälde. Das Bild stellt offenbar eine etwa 10 Meter hock' hinanistrebende, in gotischem Stil gehaltene Altar- r ü ck w a n d dar, die, wie man cs nicht selten in alten Kirchen findet, unmittelbar aus die Mauer gemalt wurde und durch Fi­guren- und Rankenwcrk plastische Wirkung erhielt. Das Bildwerk

besteht aus zwei dauptmottvcn. In mittlerer Höhe ist durch über­lebensgroße Gestalten die Krönung der Mutter Maria veranschaulicht. Zur Seite der Gottes,mittet stehen anbetend zwei Figuren, in denen man die heilige lAilabeth und den heiligen Bonisatius vermutet. Unterhalb dieser Darstellung, säst zu ebener Erde, erblickt der Beschauer einen Heiligen auf einem Throne sitzend. Man ist versucht, in diesem Bilde Kaiser H e i n r i ch II. (100224), der bekanntlich heilig gesprochen wurde, zu sehen. Tic ganze Komvosition wird cingesaßt oon einem breiten, sricsarligen Band. Tic F-arben des monumental wirkenden Kunst­werkes sind ziemlich gut erlmitcn geblieben, so daß es nicht schwer halten dürste, ihm durch geeignete Behandlung den Glanz seiner einstigen Schönheit loicderzugcben. Zeitlich wird das Gemälde dem Anfang des 15. Jahrhunderts zugcichricbcn. Obnc Zweifel wurde cs von einem äußerst talentierten Meister hergestellt.

Mainzer Tlicatcrbricf. Pfarrer Hcllmund, ein bürgerliches Schauspiel, bringt denFall Jaiho" ans die Bühne und man sah der 'Ausführung mir NM so größerem Inter­esse entgegen, als in Wiesbaden, der Vaterstadt des Veriassers, die Ausiührung verboten war. Ter Versasier, der selbst Geistlicher ist, hat dem Kampfe zwischen der srcihcitlichen Glaubensaussassnng, wie sie Psarrcr Hellmnnd vcrkörvert, und her kirchlichen Ortho- i-oxie, als deren strenger, aber im Grunde nicht uirsvmvatbiickier Peitretcr Kon,istorialPräsident Lcnnig entgegentrilt, sehr geschickt auch einen Fmniliensvniliki gegenüber zu stellen gewußt. Mit guten, dramatischen Jnssintt hat er eine Handlung erfunden, in deren Mittelpunkt die Amtsentsctzung des ircimüsigcn Geistlichen steht. Hcllmnnds Tochter ist mit den,. Sohne des Konsistorialpräsi- dentcn, einen, Leutnant, verlobc. Am Verlobnn: 7 --tage geht eine anonpinc Anzeige bei der Kirckwubehörde ein, die Pfarrer Hell mnnd der Irrlehre beschuldigt: der Psarrcr ist zu stolz dazu, um vor dem Vater seines zukünftigen Schwiegersohnes z,c widerruien, obwohl ihm dieser mehrmals rät, mit Rücksicht aus das Glück der Kinder sein Abschiedsgesuch einzurcick>en. In einem! schwachen Augenblick Unterschreibt er aber doch das vorbereitete Entlaliungs- gesuch und will sogar freiwillig aus dem Leben scheiden, das er ohne seine Gemeinde nicht ertragen zu können glaubt. Ten Tod im Herzen wird er zu Zwei Tvvhuskrankeir geruien, um ihnen die letzte Wegzehrung zu geben: dabei packt auch ihn die tückische Ärank- hcit und bringt ihn an den Rand des Grabes. Seine Frau, die wohl weiß, daß er übereilt gehandelt hat, indem er seine Unter­schrift gab, schickt das Schriftstück nicht ab, und legt «s nach seiner

Genesung in seine Hände zurück. Im Vertrauen ans seine Ge - meinde vernichtet er sein Rücktrittsgesuch, als die Entscheidung des Obeilirckicnrais ans Amtsentsctzung ointrifft. Als die Gemeinde mit einem gemeinsamen Austritt aus der Kirchb droht, besteigt er noch einmal die Kanzel, um seinen Gemeindemijgliedcrn von diesem Schritt abznraten. Sterbend wird er aus Ser Kirche gebracht, wäh» renddcn, recht packend - die Orgel Ein' icstc Burg spielt. Noch einmal erbebt Hellmnnd segnend die Hände, dann legt ihm der Tod die Hand aufs Herz. ,'Ta der junge Lcnnig aus die Ossi zicrslausbahn verzichtet, ist trotz allem das Lebensglück! der jungen Lcuie gesichert. Tie beiden Hauvtck-oraktere sind genau und sorg­fältig duichgklührt. Hellmund als weichmütiger Schwärmer, Lennig als strcngglrnbiger Verstandesmensch. Auch die übrigen Menschen sind nickii übe! geschildert und das sehr gut besuchic Haus bercitctr kein Werte eine begcistctte Ausnahme. Tic Hauptrollen waren gilt besitzt und Regie und Darstellung waren an dem vollen Er- solg wesentlich beteiligt. Ter anwesende Versasscr, der stürmisch gerufen wurde, zeigte sich nicht und ließ sich von Herrn Tircklov 'Lehrend entschuldigen.

Norwegische E x v e d r t i o » n a ch W e st s i b i r i c ». Ein norwegischer Naturforscher Organ Olsen will in den nächsten beiden Jahren in Wcstsibiricn biologiiche. ethnogravtzischc- und archäologische Untersuchungen vornehmen, für die er bereits die Genehmigung der rui'inhc» Regierung gewonnen hat. Rach 'Peterm. Mitt." begibt er sich runäck! von Kraßmoiarsk nackr drin oberen Jenissei und in das Sajanische Gebirge, während das zweite Jahr dem Istcbict des unteren Jenissei gewidmet sein wird: wenn möglich soll die Rückfahrt nach Norwegen aus dem Seeweg durch das itarsiche Meer erfolgen. Öauptgegenstand seiner For schunqcn sollen die Beziehungen sein, die sin vrähistoriscber Zeit in der Pflanzen- und Tierwelt zwischen Skandinavien und den» nördlichen Asien bestanden haben, und drirn Entwicklung bis zur Gegenwart.

Professor Lichtwark f. Ter Direktor der Ham­burger Kunsthalle, Professor L i ck, t w a r k, ist in der Nackrk gestorben. Ter Verstorbene hatte sich nach einer im Juli er­folgten Magcnoperasion eine starke Lungenentzündung zngezogen, von der er sich nie erholte. Er war trotzdem bis in hie letzte Zeit bcruslich tätig.

K » r;c Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Maxim Gorki, der bisher in der Verbannung auj Capri lebte, ist nach Petersburg zurückgekchrt.