Sttflfcc ij&wricUr Als die beide« sich cnticruten, folgte ihnen der Angeklagte auf Strümpien nach, Gerade, als das Mädchen in feine Mahnung eintretcn wollte — ihr Liebhaber hatte sie mvor verlassen —» trat ihr der Angeklagte in den Weg und erklärte, er sei ein Beamter der SitllichtcilSpojrzei; c3 sei ihm bekannt geworden, daß sie mit eurem verheirateten Manne Pcrlehr geliabt habe , das , fei eine strafbare Handlung uich wcim sie nicht mit ihm „ein Liebesabenteuer unternehmen" wollte, loerde er die Sache zur Anzeige bringen. Gewissermaßen als Legitimation für feine Behauptung, ,daß er Beamter der' Siitlichkeilspolize, fei, zeigte ec deni Mädchen efnen Gnmmiknüttel und erklärte, dies sei seine Waffe Ilnglaub- licherweiic erreichte er nrit diesem Vorgehen seinen Zweck Tao Gericht war der Ansicht, das, es sich hier geradezu um ein gemcrn- geiäbrlicheS Verhalten handle und erachtete eine exemplarische Strafe kür angebracht.
Wegen Diebstahls in, Rückfall kam alsdann der 39 jährige landioirtfcknntlichc "Jltbcitcr St, vor die Schranken des Gerichts, Ihm war zur Last gelegt, im November vorigen Jahres zu Vilbel ein der Wilioc D, gehöriges Hemd im Werte von 2 Mk. gestohlen zu haben. Er war geständig und wurde unter Zubilligung mildernder llinständc, die das Gericht in dem angetrunkenen Zustande des Angeklagten erblickte, in eiue Gefängnisstrafe von 4 Monaten und in die Kosten des Verfahrens verurteilt: ein Monat der erlittenen lknterfuchungshaft tvnrde ihm auf die erkannte Strafe angcrechnet,
Auf Verwertung der Berufung wegen unentfchmdiglen Ausbleiben» des Angeklagten lautete da? Urteil gegen den Buchhalter M, zitrzeit wohnhaft i» Dresden Der Angeklagte war durch Urteil des Grosth, Schöffengerichts zu Nrdda wegen Tieditadlsverinches zu einer Geiangnisstrafc von zwei Tage» und in die Kosten des Verfahrens vcrrtrteilt worden. Er Ivar zur Zeit der Tat Buchhalter in der Papierfabrik St, zu Unter-Schmilten und hatte versucht, in Abwesenheit des Direktors der Fabrik sich Papier iv> Werte von 24 Mk, dadurch anzucigneu, daN er es a» die Adresse seiner Schwester nach Dresden avfenden liest, ohne die Tcuduug ins Kommissionsbuch eiuzutrageu. Durch das Tazwifchentreten des Direktors, der Verdacht geschöpft hatte, kam die Sache zutage, ehe der Diebstahl vollendet war, Ta der Angeklagte selbst Berufung c»i- gelegt batte, mußte sein uncntichuldiqte» Ausbleiben die Verwerfung seiner Berufung zur Folge haben, TaS erstinstanzliche Urteil bleibt also bestehen,
Durch eincii Verglci rl, wurde die Beruiungsstrafsach« gegen den Hotelbesitzer Scki, aus Bad Nauheim erledigt. Der Angeklagte hatte, dem B,, der von dem Angeklagten eine Restauration gepachtet batte, während eines Streites über die vertragswidrige Bennstung der verpachteten Wirtschaft mit rinem Schirm eine blutende Wunde auf dem Kopf beigebrachl, war aber srefgefprockw» worden, weil daS Gericht annahm, er bade in Notwehr gehandelt, B., der in erster Instanz als Nebenkläger aui- getreten war, hatte Berufung eingelegt. Er »ahm die Berufung zurück, der Angeklagte übernahm die sämtlichen aus seiner Teile entstandenen Kosten erster und zweiter Instanz, ebenso die EierichtS- kostcn. Der Nebeukläger dagegen erllärte sich bereit zur Tragung derart» seiner Satte erwachsenen Ktosiri! imü verzichtete aus ictuvedeu Anspruch zivilrechtlicher Art, Es ist dies einer der seltenen Fälle, wo eine Strafsache durch einen Vergleich ihr Ende finden kg»n.
Ein Automobi lun g lück »rav Gegenstand der letzten zur Verhandlung stehenden Sache, Der Hotelbesitzer G, Z. ans Bad-Nauheim war vom Grosth, Schöffengericht Friedberg im Oktober porigen Jahres wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 000 Mark verurteilt uwrden. Tiefer Entscheidung lag folgender Tatbestand zu Grunde: Ter Angeklagte fuhr gor 30 Iu», >913 mit eineni Automobil, dast et selbst lenkte, von Bad-Nauheim nach vom bürg, Iu dem Auto befanden sich allster dein Angeklagten und dem Eigentümer d,-s Automobils mehrere Davicn und der Ehaus- seur L, In dem Augenblick, als der Kraftwagen den voll dem Straßbeimcr Hof kommenden und i» die Straße Friedbcrg Ober Rostbach cinmündenden Weg pgffierle, kam aus diesem Weg das Fuhrwerk des Glttsoächters M, mtt> bog iu der Rrchliing nach Ober Rvstdocki in die Staatsstraste ein, ES erfolgte «än Zusammenstoß beider Wagen. M, wurde «ues seinom Frihnoerk herausgefchleu- dcrt: er erlitt auschemeud tiur geringe Verletzungen, der Arzt aber stellte eine Gehirnerschütterung fest. Diesen vom Schötien- gericht iestgestelltcu Tatbestand legte auch die Strafkammer ihrer Emsckieldung zu Grunde, liest aber tue Frage offen, ob M, unmittelbar durch den Zusammenlwß hcrausgeivorfen tvurdc, oder ob das Schcuktl und Bömnen des Pferdes die Uriackie war, das;
M, vom Wagen fiel. Die Fahrläfsigkerl erbiickre die Strafkammer ebenso wie das Schöffengericht in dem unter den gegebenen Verhältnissen zu schnellcn Fabren des Angeklagten Tic Erwägungen, voll denen sich die Strafkammer hier leite» lieb, sind für die Oeffcntlichkeit von besonderem Interesse: Die Sipielligkeit must sich nach den Pr.chältnissen richten: die Bundesralsverorbnung über den Verkehr mit Krastsahrzeugen vmn 3. Februar 1910 sagt in S 17, dast der Führer zu besonderer Vorsicht in Leitung und Bedienung seine» Fahrzeuges verpflichtet, sei. Die Fälle i» denen lanch'am und io voviichtig zu fahren ist, dast da» Fahrzeug sofort zuni Halten gebracht werden kann, sind in 8 18 II angeführt: ausdrücklich ist hier auch der vorliitziende Fall, lvo cs sich UNI einen r» die Hauptstraße cinbiegen- dcn Weg lanbcli, genannt. Eine Gcsckuviiidigkett von 40—4,> Kilometer, mit tvelcher der Angelt aale .geiadren >ein Ivlll, ist eben für die gegebene» Verl, ilttliiie zu schnell: ei» sckuvcrer Wagen kaittl bei einer solche» Geschwindigkeit nicht fosork zum «alten gebracht werden, Ter Angeklagte ivußtc, dost er sich an einer Stelle beiand, an welcher der Weg vom Löwenboi in die Staatsstraste eininnirüet: er ivustie. dast dies kein bioig-r Feldweg, sondern eine Straste war, ans der Wage» und Mcniche» zu verkehren pflegen rzudem Ivar hier der Ausblick durch Büume uud Weizenfelder verdeckr. ein Umstand, der cbeniallS zu bciond.ucr Vorsicht mahnen mustte, Ter AngeNagtc ivar deshalb nicht nur wegen fahrlässiger Körperverletzung, sondern in begrifflichem Zutainoicittreffev damit auch wegen llebertretmiq des tz 18 der Bvndesratsverordnung sowie des 8 21 des Automobil- gefetzes rum >909 >u bcftrajcil. Jin Gegensatz zum Schüiiengcricht aber glaubte die Ttrafkamnier bei der Stvaszumeisung mebrerc zu Gunsten des Angeklagten sprechndc Umstände berücksickstigen zu müssen: io, das; uugünitiae Umstände obgenntttet baden, und dast sich der Unfall ju trüber Morgenstunde zuoetraaen bat, wv^tcwohn- lich ein regerer Verkehr nicht stgtttindkt. Die Strafe de» Schöffengerichts wurde deshalb auf,800 Marl herabgeietzk, _
GerichlSiaar.
W Berlin. 7. Jan. Weaen Perqelrei'Z aegen das (Nejftz über Verrat militärischer L^efleinmisje umreit die Handelsschülerin 5( ni) i a ö Tüaa. der fiilmfrfjauipieler Kicbn und da? Stuben- nrädtben ^ i u ck--blmrlottendurq anaeklaqt. Die Verl,andluna und auch die Ilrtcilsbearünduna send unter Ausschluß der Deffei,tlichkeit statt. Die Ainisas uud Kielm wurden ^u je eiueu, Ial,r Geiänflnis unter Anrechinma von je drei Monaten Untersuchunaskjait, die Tviucf ju zwei Monaten Gesängui', die als verbüßt erachtet wurden, verurteilt.
Universitäts-Zrachkichte».
— Dem Tr. Ing Friedrich Martin in Tarmsurdt tvurde die venia legendi für Ehcm.e an »er T«hn, Hochickmlc in Dtzirm- stadt erteilt.
Vermochte».
* 2 turinschicks a le, Aus London,?, Jan,, meldet ein Privattelegramm: Der deutsche Schoner „Alma" mit Flaschenftachr von Breme» kam nach 33Iägiger Fahrt in Granton Schottland) an, Tie Mannschaft sichtete »ack> vier- zehntägiger Fahrt durch die schwere» Südweststürme in der letzten Zeit die cnglisckw Külte bei W h i t b »; hierauf tvurdc der Schoner nach der deutschen Küste zurückgetrieben, Als er die Fahrt nach Sckwitland iviedcr anfnahm, geriet er in neue Stürme und verlor den LKstonerfegel und den Baum, Mit zerfetzten Segeln und beschädigter Steuerung ist der Schoner, der nur nach sür zwei Tage Ration hatte, endlich in Granton eingetrvfsen.
Er hat eS erreicht, Eiue hübsche Aucküote weist dee Gaulvis von dem Besuch zu erzählen, den das tlalieuiichc KüuigSvaar der Gioconda in Rom abstattcle. Unter den >u»geu Offizieren, die bei dieser EKlegenheil den ücrrschce begleiteten, teiand sich auch ein Edelmann aus Piemont, dem noch nie die Ehre zuteil geworden ivar, von Seiner Majestät direkt ange- sprochen zu Ivrrbcn, Er brannte nackt dieser Auszeichnung und verfiel nun auf ein seltsmncs Mittel, um sie zu erlangen. AIS dep König mit seinem Gefolge bewundeiud oor dein Meisterwerk Leonardo» stand, riet er ledesmal, lvcnn der Name des Bildes genannt ivurde, im Tone der festeste» Ueberzeugung aus: „Was für ein Grvie war doch Raisael!" Alle sahen sich eritaum nach
ihm unt, und schtiestlich nKükte ihn der König benai. „Was sagen Sie da, nrcrn lieber euntptimunt," meinte er lächelnd, „lotsten Sie nicht, dast die Gidcortda van Leonardo ist?" „Gewist weist ich das, Meuestüt," „Nun, was soll das r-u'.rii „Maieüät mögen »ep- zeihen: ich Hai, nichts Besseres geruirden, um der Ehre einer Ansprache um Euer Masestät 'geaurrdigk r» werden. Ich hoi'e, Sic werde» mir vertzeihcn," Der König lachte, und damit war die Verzeihung auch schon gewährt , , ,
Amtlicher Wetterbericht.
Oessentlicher Wetterdienst, Giesten, WetteraiiSsickuen in Hessen am Freitag, den 9, Januar 1914: Vorwiegend wolkia, Temperatur wenig geändert, wesiliche Wüide,
Letzte riaebrichten.
Angebliche Aeu steru ii g c il de? Kronprinzen B c r l i n . 8, Jan, Die „Vossische Zeiluiig" n»d das „Berliner Tageblatt" erfahren, das; der Kronpriilt nn achlich au» Anlast^der Zabcrncr Vorfälle telegraphierte. Der' bisher' veroisentlichte Ter: ciitspreckte aber in keiner Weise dem Ivahreu Warllaut, Von durckv- a»S ziiderläiiiger Seite werden den beiden Blättern Acusternii- g e n des K r o n p r i » z e il vor einem g r ö st e r e n Kreise über die Zaber n e r B orsä lle iind das a ngebli ch c T e l r g r a m in mitgcleilt Danach äußerte der Kronprrnz, er.ver stet»' nicht, wie man z» der Ausioisung komme, Idatz er Eliai', Lorhriugen als Feindesland betiacküc. Er wünsche, dast zwiscktw AlldeutickUand und Elsgs'-Lolhringeii im Reiclislaiide keilte Gegen sätze beständen und dast die RcichZIändrr sich mit der übrigen Reichs- bet ölkcrung als gute Deutsche fühlen möcksten. Ihm läge die Anschauung durchaus fern, das; IM Deuischen Reiche Willkür Herrscher dürste und die Gesetz,' nicht beachtet zu ivcrden braucksten, Uebei dieZabcrner Fälle äußerte der Kronprmz, er.kliime nickst daran z:,4.isel>i, das: da» Ehrenkleid des Offiziers auch nach der überwiegenden Mebrheir des deutschen Volkes üichedingt vor B-- fchimpstmgcir geschützt werden müsse. Eines Obcriteir Pflicht gegen über seinem Regiment, der Armee und dem kdeutschen Volke sei seine Offiziere und Aiannschasten mit allen ihm verfügbaren «setz- lickcn Mitteln vor Beichimpiunge» -m schüitzcii. Das Gericht»- verfahren könne erst entscheiden, ouvretveit von der eine» oder anderen Seile Fehler oder lliigesetzlichkerten Vvrgekmu- meii feie», tstanz unverständlich ersck eine ihm, und er sei cutrüiret darüber, das; man ihm durch Emslelluiig r«iii privater Aeui: rimgen eine» Eingriif in ein ickm>ehendes Berfa Irren andrchtni tvolle,
Zi,»r Reuter-Prozeß,
S » r a st b u r g . 8, Jan. Au, dem Platze vor dem Gericht gebändc herrscht Ruhe und mir uv-nige Paiianten kreuzen die Straste, Ob man jetzt am vierten Vcrhandiuiigstage bis zu dem Plädoheibeginit vorschreiten kau», steht vor mittag nock; nichi seit. — Als erster Zeuge sagt Major Ude n, a, aus, dast nach seine» Anschauungen dir Polizei von Zobeni nur dann erst ein » geschritlcn fei, al» c» Unbedingt nötig gewesen sei. Man habe aber allgemein die Ansicht, das, alles anigkhört hätte, sobald die P» lizei energisch vorgegoiige» sei, Tiefe» tnilatigt der Zeuge Fr: ieur Anstalt, Gendarmeiiewachlvteisler Schmitt weist bau Stcinwüricu zu berichten, von eineni fei ec selbst getrosten worden. Ein Polizeidienec habe einen Steinwurf gegen den Kopf über der Kette d,-» Helme» erhallen. Die augeianmielle Menge habe aus 800 bi» 1000 Personen bestanden, meist jungen Leuten, darunter auch viele» neugierige» Frauen und Kindern, Ei s enbah ii er st reikin Johannesburg.
Turba », 8, Jan, Dir Arbeiter in den E i f e ii fi_a h » Ivcrkstätten haben beschlossen, auf ein gegebenes Signal hin sofort mit dem Streik zu beginnen,
Prinz Eitel Friedrich in Belgien, Brüssel, 8 Jan Prinz Eitel Fried r i ch, der sich seit Monte! iirroginro vier aushalt, irirb nach einer Blätlernieldung Gast des belgischen Künigspaares sein,
D i e T ü r k c i n n d d i c A e g 8 i s ch e n I n se l n,
Köln. 8, Jan, Bo» »nterrichteter Seite erfährt der Wiener Korrespondent der Kölnischen Zeitung, dast die Türkei keinessalls die Zuweisung der Acgäischen Inseln an Grii-chen land hinnehme und nicht davor znrückschrcckcn werde, sic sich mit W a i f e n g e iv a l t wieder anzneignen.
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Alsfeld, den 5. Januar 191V.
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Grosth, Bürgermeisterei,
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