Ausgabe 
6.1.1914
 
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Nr. 4

Ter «leßener Anzeiger

erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchenilich OietzenerZamIIiendlätter; zweimal ivöchentl.tleeiri dlattsürSenlireis Kietzen (Dienstag und Freitag); zweimal nionail. kaitd- wirffchaftlich« äeitsragen Fernsprech - Anschlüße; iür die Redaktion 112, Verlag ». Expedition öl Adtcffe kür Depeschen;

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Erster Blatt

lb4- Jahrgang

Gietzeiier Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vienrtage 6. Januar I9l4

Tagcskalknvcr aus dein Fahre 1b(I4.

6 Januar; Preußische Truppen nehmen nach mehrmonatlicher Belagerung das noch von den Franzose» besetzte IS r f 11 r t. An demselben Tage nimmt der preußische General Gras Hcnckel T r i c r ein und macht 800 Franzoicn zu Gefangenen.

Der Zusammentritt der preuh. Landtags.

Der preußische Landtag wird am 8. Januar mit einer Thronrede erossnet werden, die wie unwidersprochen be­richtet wordeti ist, nicht vom Monarchen selbst, sondern vom Ministerpräsidenten v. Bcthmann-Hollweg verlesen werden wird. Tie sorniellc Eröffnung des im letzten Früh­jahr neugcwählten Landtags ist allerdings schon am 12 . Juni 1913 erfolgt, und zwar mit Rücksicht aus den Be­ginn der Legislaturperiode.

Gerade iveil jene formelle Tagung nur durch eine kurze Ansprache des Ministerpräsidenten eingeleitet wurde, hatte man angenommen, daß diese Session durch eine voni Kaiser und König verlesene Thronrede erössnet werden würde. Cin ganz analoger Borgang hat sich im Jahre 1908 abgespielt, >vo der neugewählte Landtag im Juni mit einer kurzen Ansprache des Fürsten Bülow zu seiner formellen Tagung begrüßt lvurde, während die eigentliche Arbeit des Landtags am 20. Oltober mit einer voni König verlesenen, sehr bedeutsamen Thronrede eingcleitet wurde Ist doch darin die Reform des Wahlrechtes als diewich- tigste Aufgabe der Gegenwart" bezeichnet und mit den Worten in Aussicht gestellt worden;

Es ist mein Wille, dast die aus der Grundlage der Ber- sassung erlassenen Vorschriften über das Wahlrecht zum Hause der Abgeordneten eine organische Fortennvicklung erfahre», welche der wirtsck>ostlichk» Entwicklung, der Ausbreitung der Bildung und des volitijchen Verständnisses sowie der Erstarkung staatlichen Bcraut wortlichkcitsgejühlcs entspricht."

Ter Nachfolger des Fürsten BiUow, öetr v. Bethmann- Nollweg, machte bekanntlich einen Versuch mit itntauglichen Mitteln zur Durchführung jener in Aussicht gestellten Re­form, indem er wenigstens die indirekte Wahl zu beseitigen versuchte, während die Mehrheit des Parlamentes vor allem für die Abschaffung der össentlichen Wahl >var. Zum Schluß aber scheiterte, nicht zuletzt infolge der Zerfahrenheit der Regieningsattion, die ganze Reform, und die benachteiligten preußischen Wühler und Staatsbürger wurden auf spätere, bessere Zeiten vertröstet.

llncho inchr Erstaunen muß cs erregen, Iveitn jetzt die Ankündigung, daß nicht der Monarch selbst, sondern der Min»sterpräside»t den Landtag eröffnen werde, damit be­gründet ivird, daß die Thronrede keinerlei Hinweis auf die koinmcndc Wahlreform enthalten werde und inan den Trä­ger der Krone nicht der Möglichkeit aussctzen wolle, Zeichen der Enttäuschungen und des Mißfallens zu vernehmen. Man wird hinter diese Begründung schon deshalb ein Frage zeichen inachcn müssen, weil Geh. Rat v. Schmoller, be- lanntlich ein konservativer Politiker, in seinem Jahrbuch erst unlängst mitgeteilt hat, daß Herr v. Bethmann-Hollweg von der Rotwcndigteit einer Reform des preußischen Wahl rechts überzeugt sei,weil Preußen als Staat mit dem reaktionärsten Wahlrecht Europas, mit dem Wahlrcchre, wobei nur 32,8 v. Hundert der Wähler zur Wahlurne zu bringen sind, auf die Tauer die größte politische Gefahr läuft".

Was die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses be­trisst, so ist von den 143 Mandaten eins, nämlich Minden 1, erledigt, das talS sicherer Zentrnmssitz gilt; im übrigen haben die vier neuesten Ersatzwahlen keine Acndcrung des Parteibestandes gebracht. Tie Stärke der Fraktionen ist, wo­

bei wir das erledigte Mandat dem Zentrum zurechncn, soll gende: Konservative 118, Freikonservativc öl, Zentrum 103, Rationalliberale 73, Fortschrittliche Volkspartei 40, Polen 12, Dänen 2 , Sozialdemokraten 10 und cin Wilder. Tie l häufigste Gruppierung im Abgeordnetenhausc, die von den Konservativen und dem Zentrum gebildete Mehrheit, verfügt also über 2äl Stimmen. Eine andere Mehrheitsbildung ist durch ein Zusammengehen der beiden konservativen Par­teien mit den Nationalliberalen gegeben, die zusammen 27ö Stimmen zählen. Weiter liegt die Möglichkeit einer Grnp piernng vor durch daS Zusammengehen aller Parteien gegen die beiden konservativen, wobei die ersten 20 Stimmen über die absolute Mehrheit hätten, und diese Mehrheit könnte vor allem bei der Wahlrechtsreform in Frage iommen, da son>ohl die suationalliberale Partei wie das Zentrum zu­mindest für eine Reform auf Grund des direkten und ge­heimen Wahlrechts cintretcn.

Auf einem anderen Blatte steht es freilich, ob und wann eine solche Reform den Landtag besmästigen wird. Bisher sind von neuen Vorlagen nur angekündigt das F i d e i konzmißgesetz, ein »Entwurs über Reform in der Lan deS v er waltsp ng und das im vorigen Jahre un­erledigt gebliebene A u S g r a b u n g S g c f c tz , die dem Her­renhause zugchen werden, sowie das bereits im Sommer 1913 veröffentlichte W o h n n n g s g e s c tz, welches nebst dem Vor­anschlag, dessen Ziffern schon bekannt sind, dem Abgeord- netcnhause alsbald nach seinem Zusammentritt zugestellt iverdcn soll.

Eine Novelle zum preußischen B c a in t e n g e s c tz von, 21. Juli 1852 wird dem preußische» Landtage demnächst zu­gehen. Tie Novelle beschäftigt sich mit der Wiederaufnahme des. Tiszivlinarversahrcns und entspricht iui wesentliche» dem dem Reichstage vorgelegten Gesetzentwürfe über die Wiederaufnahme von Disziplinarverfahren. Bei dieser Gelegenheit werden auch einige Un- ebenheitcn des alten BcamtengesetzcS eine Abänderung erfahren. Während bisher der Beamte, gegen den ein Tiizivlinarvcriahren schwebte, nur die Hälstc des TienfteinkommenS erhielt, soll in Zu­kunst den Beamten in solwen Fällen drei Viertel ihres Gehaltes angcrechnet werden. Tie Bestimmungen über Entschädigungen sind dem Entwürfe, der zurzeit deni Reichstage vorlrcgt, nachgebildct.

DcutscHss

Ter Kaiser traf am Montag morgen 9 3 1 Uhr ans dem Potsdamer Bahnhos in Berlin, von Zigmarintzen kommend, wieder ein und beaab jxch in das Königliche Schloß. Tie Kaiserin war kurz vorher eingetrofien.

B e s o l d n ngsn o v e11 c n werden bekanntlich dem Reichstage und dem preußischen Landtage i:i den nächsten Wochen Angehen. Diese lBesoldnngsnovellen pewegen sich in ziemlich engen Grenzen und sollen bestehende Un­gleichheiten in den Besoldungsverhältnissen des Reichs und Preußens ausmerzen, so z. B. sollen die preußischen Assisten­ten mit de» Postassistcnten gleichgestellt werden und eine Reihe von Uuterbcamtenllassen Nr, i bis .5 der Besol­dungsordnung) aufgebessert werden. Wie wir aus parlo- mentarischen Kreisen hören, besteht innerhalb der Frak­tionen die Absicht, eine Reform der BesoldungSordnung in größerem Umfange vorzunehmen. Der Bundesrat und das preußische Staatsministerium werden diesen Bestrebungen aber Widerstand entgegensetzen.

DerG e n c r a l p a r d o n" für das Wehrbei- tragsgesetz wegen srülzerer Steuerhinterziehung bezieht sich nicht nur auf solche Steuerpflichtigen, dir Wehrbeitrag leisten müssen, sondern, ivie das Reichsschatzamt bekannt inacht, auch aus solche Steuerpflichtigen, die unter das Wehrbeitragsgesetz nicht satten. Tie Wohltaten de- General­pardons kommen somit auch den Steuerpflichtigen zugute, die weniger als 5000 Ml. Einkommen versteuern und im

Gegensatz zu früheren Steuererklärungen ihr Einkomincu jetzt richtig angebcn.

U e b e r die Ausgabe neuer 5 0 - M a r k - und l 00-Mar ksche i u c werden sich demnächst die zustän­digen Instanzen schlüssig zu machen haben Sowohl für die neuen Gt-Markscheine als für die neuen 100-Marffchcinc liegen bereits Entwürfe vor, die zurzeit gcprüst werden. Diese Entwürfe genügen in künstlerischer und praktischer Beziehung alten 'Ansprüchen. Die neuen 100-Markscheinc werden das kleinere Format der alten Scheine wieder er­halten. Es ist beabsichtigt, zunächst neue 50-Markscheine herauszugeben und erst später die neuen IM-Markschcine. Zn beachten ist, daß die technisch? Herstellung der neuen, Scheine ziemlich lauge Zeit in Anspruch nimmt, so daß immerhin noch einige Monate vergehen werden, ehe die 50-Markscheiue ausgegebeu werden können.

Prvi. Ru hl and t. Dem mich langer Krankheit am gc- stiigen Montag in Bad-Tölz verstorbenen Professor Ruhland rühmt derBerliner Lokalanzeigec" nach, daß er der eisrigsle und tatkräiligstc wisscnschastlichc Vorkämpier des Bundes der Landwiltc gewesen sei. 'Auch wenn inan die voiksivirlichaitlichen Theorien Ruliiands nicht als stichlkattig ansehc, io werde man dach ancrkeiinen müssen, daß er sich um die deutsche Landwirtschaft manches Verdienst erworben habe und daß er für seine praktischen Eisahrunge» und seine wissenschaftliche Ucbcrzeugung stets mit seiner ganzen Persönlichkeit cingetretcn sei.

Umland.

Französische Lehrmeister der türkischen Gendarmerie, Einer amtlichen Mitteilung aus Paris zufolge ist die französische Regierung von der türkischen ersucht worden, ihr weitere fünf Offiziere zur Leitung der Gendarmerie in Kleinasien zur Verfügung zu stellen. Be sehlshaber der Gendarmerie in Kleinasien ist der fran­zösische General Baumann.

Tie m i t l e l c u r o v ä i s ch e W i r t s ch a s t s k o n s c r c » z wurde ain Montag in Ofcn pest durch den Präsidenten Wclcrlc eröffnet. Er verwies in seiner Begrüßungsansprache aus die Interessen der in der Organisation einbcgrisseircn Staaten. Bei vollster Wahrung der Interessen des eigenen Landes müßten die von den Vereinen periodisch veranstalietcn Aussprachen allen Beteiligten zum größten Vorteil gerciclieii. Herzog Ernst (siünthcr von Schleswig-Holstein erinnerte an die herzliche Ausnahme, welche die Vertreter der deutschen Gruppe in Ungarn imnlcr gesunden hätten. Tic Wirtschailsoeremc nähmen Nicht in dem Unlsangc eine breitere Ocssentiichkeit IN Anspruäi wie andere Organisationen. Jene aber, welche die Arbeit der Vereine beobachteten nnd einen Einblick in diese 'Arbeit nelmie» könnten, inüßten sich auch von ihrenr für die Geschäftswelt be­deutsamen praktischen Wirken Überzeugen. Ter Vorsitzende der österreichischen Gruppe, Baron PI euer, verwies auf die Frage», die mit der bevorstehenden Erneuerung der initteicuroväischeil Handelsverirägc verbunden seien. Namens des belgischen Vereins sprach Senator Peltzer de Clermont. Für die lingorischc Re gierung drückte Handclsminiftcr Harkanvi die aufrichliasten Sympathickn für die Arbeiten aus. Nach Absendung der Huldi- gungSdepeschcn wurde in die Tagung cingetreten. Das Theina behandelt ausgewählte juristische Fragen im Texte der .Handels­verträge. s

Die bulgarische Kabincttskrisis. R a d o s l a - wow wurde mit der Kabinettsbildung bettaut und trat mit allen parlamemarisckien Gruppen, ausgenommen der Partei Geschows nnd Tanews, gegen welche alle anderen Parteien die Einleitung einer parlamentarischen Untersuchung verlangen, in Fühlung. Die zu Rate gezogenen parlamcntanschcn Gruppen lehnten den Vor schlag ab, in das Kabinett einzutrctcn. Tic agrarischen lind sozialistischen Abgeordneten erklärte»', daß sic es ablehnen, an jedweder Kabinettsbildung teilzimehmen. I» einer cinstündigen Audienz nahm der König die Ratschläge des Obmannes der stärksten parlamentarischen Gruppe entgegen nnd Unterzeichnete die Anordnungen, mit welchen sämtli che Mitglieder des Kabinetts R a d o s l a w o w wieder ;u Ministern er­nannt werden und ihre Porteieuilles behalte». Das Minifte-

wagnersparsisal" in Mainz.

Mainz, 5. Januar.

Eine iveihevollc, ernste Stininiung liegt über dem däni- nierigcn Theaterram». Sauste Ruhe . . . kaum durch ein leises Rücken »der Hüsteln unterbrochen. Alles wartet in iicbcrhastcr

Spannung aui den Beginn.--

Ta dringen gedämpfte Tronipctentönc durch das Haus . . das Licht verlöscht mit grünlichen! Schauer. Zarte, ivcichc Töne fluten aus dein .Orchesterraum, klagend klingt das Abendmahls- nrotiv . , . dann brausen verhaltene Trompctentönc aus und

schwellen in leichtem Bcckcnschlagc» ab?----

Parsival, der reine Tor, der durch Mitleid wissend, Erlösung bringt, wie Christus, sein größerer Vorgänger. Krank liegt Aursvrtas, des heiligen tztralcs Hüter, durch Sinnen tu ft gefallen und von Küngfor niit dem heiligen copeer, den er ihin im Liebes rausche entriß, schwer an der Brust- verwun­det. Parsival sieht den leidenden König, er wird für ihn von Mitleid erfüllt. Aber er steht dem furchtbaren Uebet noch un­wissend gegenüber. Erst als ihin Kundry, das Höllcmveib, das auch Auriortas zu Full krachte, in heißem Kusse au die Brust sinkt, wird es ihn, klar, daß Avisortas im Sinnenrausche siel. Er reißt sich los und bestellt in seiner Rcinlieit die Versuchung, Als Älingsor siebt, daß die Tcuselskünste seiner Tiencrin nichts frommen, schleudert er wütend die Lanze, die ChriftuS die Seihe nufriß, nach ihm, Sic schwebt jedoch über dem Haupte des sicghast Reinen.

Nun zieht der Wissende als Erlöser zum Gral. Gurneinanz erkennt in ihm denToren" Ivieder und salbt ihn junt König am ..allerbest,gsten Karfreitag". Parsisal taust Kundry >md hestt durch die Berührung mit der .Hcilslanze die Wund,' des 2lm- sortas. Tann enthüllt er den Gral, der lange verdeckt gedliebeN Ivar, da sein Anblick die Leiden des kranken Königs oeruichrt halte Verzückt hält der Befreier die Schale empor, über die fick, die heilige Taube segnend herabscnkt.

Hingerissen lauschten die Zuhörer den nie vernommenen ,Kkä»- aeu. Keine Hand rührte sich während der ganzen Handlung, die mäckckige Töne im Innern anichlägt. Wagner schul trotz aller Gegcilredcii im Parsisal cin Wunderwerk.

Tie Juszemeiung des Stückes gereicht Herrn Hvsrat B e h r e n d zur hoben Ehre. Auch die Regie des Hern, B r j, i ch r c ivar meisterhast.

Bon den Sängern sind besonders Herr Groencn, der den leidciidc», gramgebeugten AmlortaS >,anz tresslich wiedergab und

Herr Stock üls Gurneinanz zu erwähnen. An die Leistung beider schloß sich würdig die Darstellung des Herrn Geiff cr. als Parsisal, der besonders das Wachsen vom, knabenhaft Kecken zum männlich Besonnenen trefflich mit seinem Spiele verknüpfte. Tie überaus schwierige, wechselvolle Rolle der Kundry war mit Frl. Märtel glücklich besetzt, wenn auch ihre Stimme üud bisweilen ihr Spiel nicht allen Anforderungen völlig gerecht wurde.

0. -N.

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Ein hessischer Schulmann vor 100 Jahren. Tem dritten Bande der Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschast und der deutschen Einheitsbewegung entnehmen wir aus der Feder ihres Herausgebers Gcheimrat Haupt in Gießen solgcnde interessante Schilderung;In den oberen Klassen des Tarmstädtcr Gymnasiums unterrichtete damals der treffliche, auch in der trübsten rheinbündiichen Zeit sehr entschieden chcutsch ge­sinnte Rektor Joh. Georg Zimmermann. Aus den mir vorliegen­den Auszeichnungen des 1872 in Mexiko gestorbenen Gießencr Schwarzen Karl Christian Sartorius läßt sich ersehen, wie dieser Patriot den Geschichtsunterricht und die deutschen Stilübungen der Prima genau so, Wiehes gleichzeitig F. G. Wclcker am Gicßener Gymnasium tat, zur Stärkung des deutsch-vaterländischen Sinnes seiner Schüler benutzte. Als Sartorius in einem Auiiatzc über den meffcnffchen Helden Arfflamencs als Nutzanwendung die Mah nung zum todesmutigen Kampfe gegen die Unterdrücker Deutsch­lands eiiislocht, hielt der Lehrer leuchtenden Auges mit seinem Lobe nicht zurück, wenn ec auch den jungen Rhetor zur Vorsicht mahnte. Auch aus unseren Hosmann hat der treffliche Schulmau» starken Einfluß geübt;Die Begeisterung, niit der Zimmermann bei Erklärung der Alten so ganz aus der Fülle seines guten warmen Herzens alles Große und Schöne uns recht nahe ans Herz zn legen suchte, die tiefe Rührung, womit .er Züge von Heldenmut, oo» Vaterlandsliebe, von Hingebung sür Tugend, Recht und Freiheit uns als Muster vorzuhaltcn wußte, ergriff mich lebhait, besonders aber das überall durchblickende Schmerzgefühl dieses Ehrenmannes über die damalige Schmach unseres Volkes, seine warme fromme Liebe zum Vaterlande, sein Haß gegen unsere Unterdrücker läuterte, was bisher bloß Gewohnheit und Empfindung gewesen war, immer mehr zum klaren Bewußffeiii. Ich besitze aus meinem 16. Jahre vlcdichte und allegorische Zeichnungen, welche freilich in sehr mangclhaster Forni die kernigsten Wünsche für den Tieg und die Befreiung des teutschen Vaterlandes ausdrückcn. Tics Gcsühl hat mich seither nie verlassen." Auch unter Hofmanns Kameraden waren

manche, die mit ihm in dichterischen Versuchen wetteiferten und i» lugendlickiem Uebeeichwang sich wohl den Dichtern des Göttinger Haiiibundes gieichstellten. Außerordentlichen, Einilnß hoben au> Hoh- inann Schillers Tichliingen ausgcübt. In einer Entwicklungs- Periode. die allerlei siltlichc Gcsahrcn an den jungen Heißsporn heranbrachte, war cs nach seine» Bekenntnissen Schiller, dessen reine iungiräulichc Muse ihn über sich selbst und übtr seine Umgebung cmporgehobcn und ihm einen scsten sittlichen Halt geliehen hat."

ki. Tie ?lusführung eines Dramas der Ros­witha im Reinhardt-Stile. Am 11. Januar veranstaltet die Londoner Theatcrgesellschast derPioneer Players" eine höchst interessante Privatvorstcllung, die in Deutschland noch ganz be­sonderen Anteil erregen muß, iveil sie einem Stücke der aus der deutschen Literaturgeschichte ioohlbekoiinten 'Rönne Roswitha von Gandersheim gilt. Tas Drama, um das cs sich handelt, ist der Paphiiutius". Tie sromme Gandcrsheimcr Nonne Imt darin jene bekannte Legende von der Bekehrung der schönen, aber sittenlosen Thais durch de» heiligen Pophnutius geschildert; es ist dieselbe Legende, die Massenet zu seiner bekannten Oper und Anatole France zu seinem geistvollen Romane benutzt hat. Tie Uebcrsetzung aus dem Lateinische» hat Miß St. John besorgt, während bic Inszenierung in den Händen von Miß Giith Craig, der Tochter von Ellen Terry, liegt. Ellen Terry selbst ivird die Aebtrssii« spielen, während die Rolle der Thais von Miß Miriam Lewes gegeben werden wird. Das Stück wird im ganzen 65 Personen in AnspNlch nehmen, und wird im Stile von ReinhardtsMirakel" gespielt iverden, insofern die Ausführung sich nicht auf die Bühne beschränken, sondern den ganzen Ring des National Sporling Club benutzen wird. Eine Bencdiktinernoiine hat die nötigen ?>lnweiiün- gc» für die in dem Stücke »orkommcndcn kirchlichen Aufzüge, Ge­bräuche uiw. gegeben. Eine Szenerie wird nicht verwandt, sondern die Bühne wstd nur durch Vorhänge abgeicklosseu Es sind im ganzen nur zwei Aufführungen des Stückes in Aussicht genommen.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Mathcmatikerkongreß. In Stockholm wird derUmschau" zufolge, im Jahre 1916 der sechste Mathematiker- kongrcß zusammentreten. Im Berliner Kgl. Ovcrnhausc wurde zum erstenmal Richard Wagners BühnenweihsestspiclParsisal" gegeben unter der musikalischen Leitung des Generalmusikdirektors Blech. In der großen Hosloge versammelten sich die Umgebungen der Majestäten. Um 6V- Uhr erschien das K a i s c r p a a r und das Kronprinzcnpaar.