*64. Iahraana
Nr. 3
Zweiter Blatt
erscheint töglich mit Ausnahme des Sonntags.
Tie „Sietzencr .famlllendlättet" werden de», .Anzeiger' viermal wächciillich beigelegl, das ..«rclidlatt str den Kreis Siegen" zweimal
wöchentlich. Tie „randwirtschaftlichen Seitsrogen" erscheinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger sür Oberhessen
Montag, 5. Januar 19*4
Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'jchi» Ilniversiläts - Buch- und Steindruckerei,
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition »nd Druckerei: Schiil- straßc 7. Expedition und Verlag: 0 51. Redaklion:sEII2. Tel.-Adr.:AnzeigerG>cßew
Das Wirtschaftsleben im Jahre fyss.
Ein Jahr voll von Widersprüchen und Gegensätzen ist vorüber — ein Jahr, das einen internationalen Wirtschaftskrieg vroklamicrte, einen Krieg, der die Kräfte aller wirte schostlichen Nationen auf das empfindlichste anspanntc, der jede Lücke und jeden Mangel in der tvirtschaitlichrn Koustella- lion eines Landes rücksichtslos ansdeckle, einen Kamps, dev sich vor den Augen neidischer Rivalen vollzog, und einen Kamps, der zu eifrigster Befehdung unter diesen Rivalen um den Weltkonsum führte. Deutschland hat in entschiedener Weise den Tieg in diesem Kampfe davongctragen und steht wirtschaftlich trotz schlechter Erträgnisse und schlechter Aussichten der Industrie stärker denn je da. Es hat schon hcnta an der Pforte des Jahres 1!) 14 die Quelle sür eine neue Belebung der grossen wirtichastlichen Entwicklung, den Gcld- niarkt, erschlossen und es hat in Achtung gebietender Weise in mannigsachen Formen den Belveis geliefert, das; cs seine tvirtschastlichc Machtstellung in der Welt zu behaupten und auszudehncn versteht. Das Jahr 1913 hat uns neben all dem Unerfreulichen auch sür diese eine bedeutsanie Gewißheit schlagfertige Tokumente geliefert, und gerade die Börse hat infolge dessen keinen Grund, ins uferlose Fahrwasser des Pessimismus und der Baisse zu steuern. i
Die großen Ernteergebnisse dieses Jahres, das uns in verschiedener Hinsicht eine Rekordernte brachte, werden in finanzieller Hinsicht erst in den nächsten Monaten bemerkbar werden, und sie tverden die Geidcrlcichterung fördern, zumal sic die Einfuhr von Getreidcarten und von Futlerartikclv, überflüssig machen. Bo;n Standpunkte der Börse aus sind jedoch nur die Erscheinungen, die den Geldmarkt günstig beeinflussen, tvichlig, den» die Börse weih, daß ein neuer wirtschaftlicher Zyklus, der schlichlich mit der .Hochkonjunktur endigt, nur vom Geldmärkte ausgcheti kann. To werden An- lagcuioglichkcitcu in ungeheuren Beträgen ans Tageslicht treten, die wir in der Zeit der politischen Krisis gar nicht merken konnten, und man muh hier auch an die bedeutenden Summen denken, die bei Korporationen und Bersicherungs- gesellschastcn frei liegen, weil Vas Jahr 1913 eine durchaus hinreichende Berzinsung im freien Markte brachte und die Politik eine längere Festlegung dieser Mittel nicht gestattete.
Diese Erleichterung des Geldmarktes ivird, wie man hoffen darf, vor allen Dingen eine so weite Ausdehnung anuehmen, daß die unertrüglicheln Verhältnisse am H » p o t he kc u - und Immobilien markte nushören, oder sich zum ininbestcu bis zu demjenigen Grade.bessern, tvic cs in Anbetracht der wenig sachgemäßen EKsetzesmaß- uahmcn auf diesem Gebiete niöglich ist. Wenn sich dicso Besserung ani Grundstücks- ilnü .Htzpothckenmarkte durchsetzen kamt, wird die Industrie, hie üi letzter Zeit in der Hauptsache von der Ausfuhr gelebt hat, tviedce durch den. Inlandsbedarf Beschäftigung und Anregungen erhalten und man wird bei der Entwicklung des neuen Jahres ganz besonders auf diesen Punkt achten müssen. Aber für die Ausfuhr ist ebenfalls eine neue Absatzmöglichkeit geschaffen, denn die in diesem Jahre angenommene Zolltarifreform in den Bereinigten Staaten schlägt in die hohen Schntzzoll- mauern dieses Landes -eine Bresche. Man kann sich aus die zähe Energie des deutschen Industriellen verlassen, der hier sicher jede Gelegenheit zur Schaffung eines erweiterten Absatzfeldes feiner Produlte ausnutzen ivird.
Alles in allem ist die Börse unter den verschiedenen Einflüssen des wirtschaftlichen Lebens augenblicklich in der günstigsten Lage. Die darf zunächst die ruhige Zuschauer rolle in der weiteren Gcstalinng der Dinge bcibehalten und sie wird in nächster Zeit durch die lähmende ttzcschäfts- nntätigkeit Gelegenheit finden, ihre Kräfte solveit auszuspeichern, das; sic nach neuer Betätigung und neuem Kamps drängen. Ter Börscngeist ist lebhaft und schnellcbig und die Börsenentwicklung ist gerade in unserem nach Gewinnen hastenden Zeitalter der langsameren Gangart von Industrie und Handel weit voraus. Die Börse lann deshalb das Jahr 1911 mit weit ruhigeren und hossnungsreichercn Empfindungen bcgrüsien als das vorige Jahr, denn es sind wenigstens die Widersprüche und Gegensätze genonimeit, die dieser aufregende und aufreibende Zeitabschnitt in so mannigfacher Art und nach so verschiedener Richtung hin brachte.
Die freien Gewerkschaften über das Jahr J9M
Das „Korrcspondciizblatt der Generalkonimissio» der Gewerlschasten Deutschlands" verüssentlicht einen „Rückblick auf das Jahr 191.'!", in dem u. a. ausgesührt wird:
DaS Jahr 1913 weist in seinem Gepräge überwiegend ungünstige Züge auf. Der Krieg auf dem Balkatt ist nun zwar als abgeschlossen zu betrachten, und damit ist für absehbare Zeit auch die Gefahr eines Weltkrieges beseitigt. Indes hat dieser Umschwung der politischen Verhältnisse keine erhebliche Wandlung auf ivirtschaftlichem Gebiete nach sich gezogne Es hat zwar den Anschein, als wenn die Verhältnisse auf dem Geldmärkte sich etwas zu bessern begännen und damit auch ssiir die Prodnltioti einige Schwierigkeiten behoben würden, die namentlich das Baugewerbe und drc niir diesem im Zusammenhang stehendenIndustriezweige lähmten. Auch der günstige Crnteausfall des verflossenem Jahres mußte zu Hoffnungen nach dieser Richtung hi» Anlaß geben. Die Rückwirkung der guten Ernte auf die Le- bcnsmittelpreisc tvar immerhin schon groß genug, um die Höhe der Haushaltskosten wesentlich zu beeinflussen. Leider war von einer günstigen Rückwirkung aus den Beschäftigungsgrad nichts zu bemerken. Im (»legenteil trat bei den Arbeitsnachweisen ein ständig und bedrohlich anwachsendes Ueberangcbot von Arbeitskräften hervor, und die Arbeits- tosennol und das lArbeitSlosigkeitsproblem beherrschten in der zweiten Jahreshälfte die össentliche Diskussion. — Tie Gewerkschaften lonnten sich den iingünstigen Wirkungen der Wirtschastslage nicht ganz eiilziehen. Wenn auch die meisten Organisationen wacker standgehalten haben, hat doch eine Minderzahl mir teilweise erheblichen Mitglie- derverlusten kämpfen müssen. Bon 48 Verbänden, deren Mitglicderzablen sür das 3. Quartal 1913 vorliegen, hatten 19 einen Rückgang von Mitgliedern zu beklagen. Diese 48 Verbände (einschl. der Landarbeiter und Hausangestellten) zählten am Ende des 3. Quartals 1912: 2 564893 Mit
glieder, dagegen am Schlüsse des 3. Quartals 1913 nur
2549 932 Mitglieder. Ter Mückgaug beträgt 14 691 Mitglieder oder 9,57 Proz. ES ist nicht anzunehmen, das; das 1. Quartal des letzten Jahres günstigere Verhältnisse auf- uweiseii hätte, so daß die Gesamtmilgliederzaht hinter der cs Vorjahres, wen» auüi nicht erheblich, zurückbleiben dürste' . . . Der Kampf um das Koalitivusrecht hat bereits zu einer praktischen Nutzanwendung geführt, die die gesamtem flngefieklteiiverbände auf die Seite der Arbcitcr- schast gedrängt hat. Tic Leitung der Deutschen Bant würde sicher die Maßregelung ihres als Vertreter seiner Organisation fungierenden Angestellte» Baron unterlasse» haben, wenn sie den Stnrni voransgesehen hätte, den ihr Vorgehen entfesselte. De» freien Gewerlschasten gab dieser Maßregelungsfall Gelegenheit, die Anlegung ihrer Gelder inniger mit der Wahriiiig gcmcrlfa-asllicher Interessen zu verbinden und solche Bankinstitute zu bevorzuge», die Gewähr dafür bieten, daß ihre Angestellte» sich »»gehindert koalieren dürscn. Ter Gcwerischast-: und Solidaritätsgedankc hat
durch diesen Vorgang in beit Kreisen der gesamten Ange- stelltenbewcgung eine starke Belebung und Förderung erfahren.
Die steigende Arbeitslosigkeit ivird auch dem kommen» deu Jahr ihren Stempel ausdrückcn. Aller Voraussicht nach gehen wir einer neuen Krisis, wenn auch vielleicht von kürzerer Tauer, entgegen. So drückend ihre Wirkungen besonders in den Kreisen der Arbeiter empfuiiden werden, so »iiuß doch auss neue cingeschärst werden, daß in solchen kritischen Zeiten ein vorsichtig abgewogenes Vorgehen der Arbeiterorganisationen, (bei dem ,Einmütigkeit auf allen Punlteu der Kampfeslinie herrschen muß, doppelt notwendig ist. Ten wachsenden Anforderungen größerer Kämpfe wird die Schasiung einer zentrale» Streikunterstützung durch den diesjährigen EKivcrlschaftSlongreß Rechnung tragen, so- daß, wenn solche Kämpfe uns ausgezwungen werden, auch ihr Erfolg verbürgt werden kann. So können wir auch der duiikelbewvlkten Zukunft getrost ins Auge schauen und alle Kräfte sür die weitere Stärkung unserer Organisationen ausiveuden, denn nur in diesem Zeichen werden wir siegen!
politische Tageslicht»«.
Die Presse zum neuen Jahre.
Das Kennzeichnende der Nciijahrsbetrachtuilgen der Blätter ist neben dem "Ausdruck der Geiiugluiing über die Aiinahine der Wtehrvorlagc die Bcleuchlniig unser inneren Zustände im Lichte der Zabcrncr Angelegenheit. Hier zeigen sich die tiefen Gegensätze, der Quell der Wirren unserer Zeit, während unsere auswärtige' Politik, wie das nach den jetzt vorliegenden Ergebnissen der Balkankrisc und nach den Anzeichen über die schwebenden Verhandlungen ganz natürlich ist. viel ruhiger und ciiitzelliger bciirteilt ivird, als noch vvt einigen Monaten. Die konservative Betrachtung wütet gegen den angeblichen Ansturm der Temokrarie gegen Verfassung, Heer und Krone. Sie warnt vor jedem Zugeständnis. Die „Deutsche Tageszeitung" faßt das in die Worte: „Das Preußentum ist das Rückgrat des Deutschen Reiches, wie Fürst Bülow jüngst gesagt hat, und muß cs bleiben. Es' lann aber diese Ausgabe nur erfüllen, wenn cs sich zu keinerlei Zugeständnissen au die Temokrarie bcrcitsinden läßt." Bemerkenswert ist in den konservativen Betrachtungen überhaupt das Hcrvorhebcu eines angeblichen Gegensatzes zwischen dem Preußentum und dem Geist im übrigen Reich. Seit langer Zeit ist, wie die „Köln. Zdg." fcststellt, nicht so verletzend in preußischem Partikularismus gearbeitet worden wie in diesen Tagen. In den von der konservativen Presse erhobenen Ruf nach einem starken Mann stimmt die „Tägliche Riiiidschaii" ein, indem sic sindcl, das; der Ruf nach einer starken Leitung unserer Angelegenheiten aus der Nord- und aus der Ostmark wie aus dem Reichsland erschallt. Das Blatt ist der Meinung, daß wir an den Folgen der Zaberner Vorgänge noch lange zu tragen haben werden, was in mehr als einem Sinne richtig ist, wenn sich daran ein Feldzug des politischen Aniimodcrnismus knüpft. In der volksvartci- lichcn Presse äußern sich verschiedene Abgeordnete der Linken,, so Haußmann in der „Bossischeu Zeitung", der als das Charakteristikum der Gegenivart sowohl wie der letzten 25 Jahre die Unsicherheit des höchsten Beamten und der Regierungs- griiiidsätzc bezeichnet und die Fortsetzung überlebter Tradition unter veränderten Gesellschastsverhältnissen und modernen Staatszusländcn beklagt. Er knüpft daran ein Schuld- Verzeichnis der Konservativen, deren Staatskunst er vor allem geringschätzige Gleichgültigkeit vorwirst gegen den Haß, den die von ihnen beeinflußte Politik erzeugt. Der Abgeordnete Wiemer kommt im „Börsenkurier" zu dem Schluß, daß die Schwäche des gegenwärtigen Regimes mangelnde Fühlung mit dem Parlament und mangelndes Vertrauen zum Parla- nieul sei und erwartet vom neuen Jahre eine durchgrcisende Wahlresorm in Preußen. Im „Berliner Tageblatt" zeichnet von der ausivärtigcn Poliiik ausgehend, Naumanii das Ergebnis des Jahres in dem Sinne, daß alles schließlich viel besser gegangen sei, als man erwartet habe. In der persönlichen Unantastbarkeit und Redlichkeit des Kanzlers sieht er einen nicht unbeträchtlichen Aktivposten in unserer internatio- »alcn Rechnung, aber die letzten iilnerpoliiischen Vorgänge erscheinen ihm als der Ausdruck der Hilflosigkeit eines großen opferbereiten geschichtswilligcn Volkes, das auch am Schluß des Lpferjahres nicht weiß, wie cs zu einer vom Volk getragenen Regierung kommen kann. Dabei handle es sich aber nicht, wie die Konservativen glaubhaft machen wollen, um eine theoretische Forderiiiig der Demokratie oder des Rcvu- blikanismus. „Wir werden für uns die deutsche Form des volkstümlichen Nationalstaates linden." Der „Vorwärts" begrüßt im Vertrauen auf die Wirkung des neuesten Agi- lationsmaterials das neue Jahr als ein Jahr des Kampfes.
Die veisetzuilgsfeierlichleitek, in 5i?maringen.
Sigmaringen, 3. Dez. Eine weiße Schneedecke hüllte heute vormittag die Stadt ein. Die zahlreichen auf Halbmast gesetzten Flaggen und die 46 schwarz ausgeschlaae- nen Obelisken in der Karlstraße gaben schon äußerlich Kunde von der Trauer um die Fürstin-Mutter. Kurz vor 19 Uhr betraten der Kaiser und der Fürst, sowie die übrigen Fürstlichkeiten die Sakristei iiiid nahmen dann unter örgelklang die für sie bestimmten Plätze ein. Ter mit rotem Samt aus- geschlagene Katafalk mit der Leiche der Fürstin verschwand
beinahe unter einem Berg von kostbaren Kränzen. Bei de»' von Erzbischof Schüler zelebrierten Pontrsfkalami wurde die -bliche! Pracht des katholischen Ritus entfaltet. Das Requiem saug der Convent der Benediktiner von Bcuron. Tie fein durchdachte Trauerrede hielt Pater Timotheus Kranisch von Beuroii über die Worte: „Er legte seine Rechte auf micki und svrach: Fürchte dich nicht, ich bin der Erste und der Letzte und habe die Schlüssel des Todes und der Unterwelt."
Arbeiterbewegung.
Johannesburg, 3. Ja». Da zwischen den Bergleuten Natals und den Grubenbesitzern ke»>e Einigung ersielt wurde, sckilngen die Führer der Syndtkalisien lür den 7. Januar einen allgemeine» ?(u 3 ft a n b vor, salir sich nicht vorder eine
Lösiniq findet
Ans Stabt und Land.
Gießen, 5. Januar 1914.
Sonntagsruhe im Handelsgewcrbe.
Ter Entwurf eines Gesetzes bcir. Sonntagsruhe im .Handelsgewcrbe, der bereits vom Bundesrat beschlossen ist, liegt nunmehr, wie uns die hessische Handwerkskammer schreibt, dem Reichstag zur Beratung vor.
Der Eittwurf berücksichtigt die zahlreichen Wünsckie auf Ausdehnung der Soiiniagsruhc, er trägt aber auch den besonderen Verhältnissen einzelner Geioerbezweige Rechnung. Insbesondere ist hierbei auch für die sogenannten Bedürsnisgewerbc (Bäcker', Konditor, Metzger u. dcrgl.i die Möglichleit für Schaffung von Ausnahmebestimmungen gegeben. Ter A 7 des Entwurfs ordnet a»:
„Tie höhere Verwaltungsbehörde kann für solche Gewerbe, deren voUständige oder teilweise Ausübung an Sonn- und Festtagen zur Befriedigung täglicher oder an diesen Tagen besonders hervortrctcnder Bedürfnisse erforderlich ist, Ausnahmen von den in 88 l, "2 gctrosfcneti Vorschriften erlassen."
Wie bekannt, hat die Handwcrkskauiiner i» liebe rcin- stimmung mit den Beschlüssen des deutschen Handwcrks- u,id Gewcrbelammcrtags bei deir Erhebiingen zu dem Gesetz stets darauf bingewirtt, daß die den Bedürsnisgewerben bisher zugestandcneii Ausnahmen bei einer Neuregelung der Sonntagsruhe eine Einschränkung nicht erfahren. Diesem Verlangen wird durch den vorliegenden Entwurf entsprochen, indem, tvic aus dem aufgeführten § 7 zu entnehmen, die Landcsbehürden auch künftig in der Lage sind, Verkaufszeiten zu gestatten, die sich infolge der Eigenart einzelner Bcdürfnisgcwerbe als notioendig erweisen.
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" Der Großhcrzog empfing am 3. Januar den Forstmeister S ch l o t t e r e r von Butzbach.
" D c r 9! a t, o » a l l i b e va 1 c Verein läßt beule abend ein Thema bchanbcln, das in der letzte» Zeit besonders im Border- arund des Interesses steht. Proiessor Tr. Molde »hau er aus Köln, der Vorsitzende der natlonalliberalen Partei der Rheinprovinz, wird um 110 Uhr im Hotel.Großhcrzog' über .Die Stellung der Fra» im ö!lsnt lich en Leben' tprechen.
** I m Uniontheater ist vom Samstag ab ein interessantes fsinfaktiqcs Drama „Elcovatra — die Beherrscherin des Nils" zu ielien, das als eine recht gute Wiedergabe des bekannten Ttosses aus der Geschichte des klassischen Rom zu bezeichnen ist. Anschauliche, stimmungsvolle Szenerien und vorzügliche schausviclc rische Leistungen der eiiizcluen Darsteller erheben das Filmdiama über manches andere, ivas man im Kino zu sehen bekommt. Auch die übrigen Nummern des Programms sind sehenswert.
" Die Deutsche Turnerschast <t. Ga» Selsen) bittet »ns, mltzutetleii: Ten Vereinen sind die Unterlagen für die B e si a n d S e r h e b » n g frühzeitiq zugegangen. Diese sliid, ge- wissenhast ansqestiklt, deni Gauvertreter vor dem 10. Januar einziilciiden. Sosite» Vereinsvorstände, bcsoiiders vvii fleincu Land- vereinen, über inailche Fragen »» iii,klaren sein, dann sind gewiß Lehrer oder aiidere kiiiidloe Personen bereit, ihnei, zu Heike».
'* Fraucnseminar für soziale Berufs-
arbeitin Frankfurt a. M. erössnetc am 2. Januar 1914 seine erste theoretische Fachklassc mit der Vorlesung von Bürgermeister Dr. Lupve über Staats- iiiid Gcmeinbcvcrfassung Deutschlands Dir vraltisckie pflegerische A u s b l l d l, n g der Schülerinnen des nächsten theoretischen Fachkurses hat bereits seit einiger Zeit begonnen. Frauen, die am 1. Oktober den thcoretlsckien Fachkiirs besuchen wollen, müssen sich schon jetzt für die praktische Ausbildung melden.
" Oeflentliche B ü ch et h a l le. Im Tezcinbec ivurdei, 2262 Bände auSgcliehci,. Davon kommen aul: Erzähteiide Literatur I2öS, Zeitschriite» 321, Jngendschriste» 197, Literaturgeschichte 15, Gedichte iiiid Dramen 52, Läiider- und Völkerkunde 59, Kiiltiirgeschichte 27, Geschichte »nd Biogravbten 121, Kunstgeschichte 21, Natnrwissei,schalt und Technologie 103, Heer- und Seeiveicn 20, Haus- lind Landwirtschatt 8, GesiindheitSlebre 12, Rcliqio» imb Philosophie 25, StaalSwiffenschatt 12, Evrachwiflen- scha» 6, Fremdsprachliches 7 Bände. Nach auSwärtS kamen St Bände.
** Für die Bienen ist jetzt die Zeit tiefster Ruhe gekommen, und die Tätigkeit des Bienenzüchters erstreckt sich daraus, Störungen von seinen Völkern iernzuhalten. Er vernfeide cs, wie man cs oft wahrnchmcn kann, an den Stöcke» zu klopfen, um an dem Anfbrauscn des Volkes zu hören, ob cs noch lebt oder nicht. Irgend ein Gewinn springt dabei nicht heraus, darum unterlasse inan diese unnötige Beunruhigung deS Volkes. Wo die Blcncnwoh- nungcn frei stehe», sehe man nach Tchncciällen nach, ob die Fluglöcher nicht durch Schnee geschlossen sind, weil dadurch ein Ersticken der Bienen eintreten kann. Dasselbe kann auch bei stark schweißenden Völkern durch Eis erfolgen, das sich in den Fluglöchern bildet. In dieser Zeit werden die Bienen auch gerne durch Mäuse, Meisen und Spechte beunruhigt. Mäuse, namentlich Spitzmäuse, versuchen es, in die Stöcke einzudringcn; deshalb verschließe man die Fluglöcher derart, daß cs ihnen nicht möglich ist. sorge jedoch dabei ivieder, daß es nicht an der nötigen Lust fehlt/ Meisen und Spechte versuchen durch ihr Klopsen an den S«öckcn die Bienen herauszuiagen, um sic zu verzehren. Der Specht hackt sogar mitunter große Löcher in die Strohwände, um in das Innere zu gelangen. Liegt das Bienenhaus geschützt, so werden die Bienen leicht durch den Hellen Sonnenschein zur Mittagszeit herausgelockt, um natürlich sosort zu erstarren, lim dieses zu verhindern, schließe man die Läden oder, wo keine vorhanden sind, verblende man die Fluglöcher durch Brettchen oder Ziegelstücke.
"Ein P o si k u r to i >i m. Eine Iieue Zeltrochnung scheliit die Kaiserliche Post eingelührt zu babe»: sie arbeitet jetzt mit 13 Monaten. So liegt ans »nserem Redaktionstisch ein Briet aus Berlin IV,, der an einen Hern, nach Wiesbaden gerichtet war ml» dem deiitlichen Poststempel „31. 13. 13. 1—2 X.'
Landkreis Gießen,
)( Lich, 27. Dez, lDic neue Orgel.) Eine der ältesten Orgeln in Hessen ist die in der hiesigen Marlenstistskirche. Sie


