Ar. 1
Zweites Blatt
M. Jahrgang
Eriche i»i täglich mit Ausnahme de; Sonntags.
Tw „tziezencr Zaaiiiienblättcr" werde» dein .Anzeiger' Vienna! wöchcnüich bcigclegt, dar ^rkeeirdlLtl für den Urei; «ictzea" zweimal
wöchentlich. Tie „tiindwirlschaslllchen Seit-
sragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gietzenex Anzetzer
General-Anzeiger für Oberhejjeu
Zreitag, ?. Januar
Rotationsdruck und Dcrlag der Brühl'schcu UniversnätS - Buch- und Steiudruckerci. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Scl.nl- siraße 7. Expedition und Verlag: ^>8 öl. Redaktion:e^8Iir. Til.-Adr.:AuzeigirKießen.
vir Veranlagung zum Vehrbritrag.
Die Zeit um die Jahresivendc stcdt diesmal unter dein Zeichen des WehrbcitrageS. Das a:n l. Januar 1V*1 i in Hi lft tredende Gesetz Über „einen einnialigcn aiißerordentlickien Wehrbeitras," ivurde in marnrcr patriotischer Stiniinung p.'- schlvsscn, Ihm verdauten wir auch die Erhaltung des Fric dcns. So, richtig betvertet, ist der Wehrbcitrag als eine Versicherung auf den Frieden anzuschen. '.Unit aber beginnt die Wirklichkeit, und mit it>r beginnen die Schwierigkeiten. '.Wicht die 'Absicht, zu hinterziehen, gerade der Wunsch, nach dein Gesetz richtig zu deklarieren, sich eher höher als geringer ein- zuschctltzen, das ist dir lirsache, tveshatb in diese» Tagen so große Beunruhigung, ja. z. T. Verwirrung und Furcht vorherrscht. Tie harten Strafen — diesmal nicht nur Geld-, sondern greiheitsstrasen — drohen als Schreckgespenstc manchem vor Augen. Je schwieriger nun das Gesetz zu verstehen ist, je unklarer die dürftigen Anleitungen in den amtlichen Formularen, je größer die Gefahr, etwas ganz zu übersehen oder inißzuversteben, desto dankbarer ist jeder Wegweiser zu begrüßen, der von sachkundiger Seite den Pslichtigen geboten ivird. Als rin solcher ist der Aussatz des Rcchtsantvalts Tjr. Lion, Berlin, anzniehen, den die soeben erschienene Neujahrsnummer der Deutschen Juristcn-Zeitung enthält. Lion, der aus dem Gebiete des SteucrwescnS als Autorität anzusprcchcn ist, nininit zu einer großen Iaht praktischer Kragen Stellung. So legt er die Grundsätze dar bez. des Wohnsitzes. Cr untersucht eingehend die Behandlung von Gr iamtschnlden, den Fall der fortgesetzten Gütergemeinschaft, des Verrechnung des Vermögens von Ehcgakien. Gibt er in diesen zahlreichen pratiischcn Fällen einen kurzgcsaßtei» Kommentar über Fragen, deren richtige Beantwortung manchem Sorge bereitet, so sind von besonderer Wichtigkeit seine Ausführungen über den Bcgriss des Grundstückes mit Bestandteilen und _ Zubehör, über grundstücksähnliche Rechte und sonstige selbständige Gerechtigkeiten. Rur das Eigentum an Grundstücken gehöre zum Grundvermögen, dieses aber mit Allen als Bestandteilen geltenden Rechten, also mit den dein Grundstück anhaftenden Rcallastcn, Borlaufsrcchten, Ticnstbarkciten, Apotheterprivilegie», Re.iischankgcrcchtigkeiten usw. Im Gegensatz hierzu gelten als Kapitalvermögen sonstige selbständige Rechte und cöercchtigkciten: alle „selbständigen ausschließlichen, Vermögensrechte, ivelckze einen in itzeld schätz- liarcn Wert haben, obne Unterschied, ob sic dinglicher Natur sind oder nicht." Selbständig müssen diese Rechte sein: cs liommen also nicht in Betracht: das Firmcnrecht, der Wert der „Kundschaft", Redaktion und Verlag einer Zeitung, Ron- zessiomeu, Schaiillonzessivnen, auch nicht die neueren Apv- theker-Konzessionen, im Gegensatz zu den Rcalavothekcrprivi-, legiert, Dagegen sind selbständig noch ihrem Werte zu Verein schlagen alle Patent-, Gebrauchsmuster-, Warenzeichen- und Urheber- und Verlagsrcchtc, ferner alle Rechte an einem Grundstück, die nicht Bestandteil eines anderen Grundstücks sind. Auch die Veranlagung minderjähriger Kinder, die im Gesetze nicht erwähnt ist, behandelt Dr. Lion. Der Ertrag der Nutznießung toninit als Einkommen des Vaters in Betracht und sei mit diesem zur Einko-nrincnsteuer zu deklarieren. Tas Vermögen des KrndeS selbst sei von diesem nach den allgemeinen Vorschriften zu versteuern, der Vater babe es also als Vertreter des Kindes anzugeben. Vermögen von Ehegatten wird znsaiumengercchnet: beide hasten für die ganze Steuer, Leben die Ehegatten getrennt, so ist gesondert zu deklarieren. Natürlich konnte im Rahmen eines Aussatzes nur ein sehr geringer Teil der Zweisclssragen behandelt werden. JederWehrbeitragspslichtige, dessenBermögenserklärung «uf komplizierteren Verhältnissen beruht, jeder Kausmann, Fabrikant, Industrielle, Grundbesitzer, Kapitalist, jeder Jurist, besonders als Rechtsbeistand und Vermögensver- tvalter usw., bedarf eines eingehenden und sicheren Führers. .Ms solcher ist der vom Vortragenden Rate im Reichsschatz- amte, Geh. Oberrcgicrungsrat Dr. Hofsmann iin Verlage der Juristen-Zeitung (Ctfo Liebinann, Berlin W.57, erschienen;
y.’ommentar zum Wehrbeitragsgesetz anznschen Ter Verfasser, der alte Streit und Zweieftsfragen in einer, auch für den Laien durchaus verständlichen Weise und an der Hand der miterläuterten einschneidenden Nusführungsbestini- innugen behandelt, ist an den Vorberatungen des Gesetzes als Reqiernngsvcrtreter wesentlich mitbereiligt gewesen. Seine Eriänterungen dürfen daher als besonders sachkundige und authentische bezeichnet werden: sie sind jede», Wehrbeitrags- pslichtigen dringend zu einpsehlcn.
Aerzte imd Alankenfassen.
Bei der Turchsührung des zwischen den Aerzten und Krankenkassen sgctrossenen Abkommens waren, soweit die Lrtskrankenkasseii in Betracht tommcn, bezüglich der .Handhabung der Ilebcrgangsbcstiinmungen Schwierigkeiten erwachsen, die den Staatssekretär deS Innern vcranlaßten, zur Verhandlung mit den Beteiligten, gemeinschastlich mit dcni Deka» der Berliner medizinisch«» Fakultät Geb. Medizinalrat Passow sich nach Leipzig zu begeben. Das Ergebnis ist, daß nunmehr auf der Grundtage des Berliner Abkommens die Grundzüge der Verständigung endgültig seststehcu. Tie näheren Vereinbarungen werden in den nächsten Tagen durch weitere Verhandlungen angcbahnt, wozu die Vertreter der beteiligten Verbände wieder in Berlin znsammentresfen werden. Eine Verzögerung in der Turchsührung tritt nicht ei», da seitens der Äerztcorganisationcn bereits am 30. Tc- zcinber asbcnds die erforderlichen Weisungen an die örtlichen Organisationen gegeben tvarcn.
A n s M Ü n ch e n wird gemeldet: TaS Ministerium des Innern erließ eine Bekanntmachung über die Geltung des Berliner Einigungsablommens zwischen den Aerzten und den Krankenkassen für Bayern.
Zobern.
Z u d e m a n g e b l i ch c n A n s ch l a g a u s e i n e n P o - sten in Zabern wird gemeldet: Die Staatsanwaltschaft hat am Dienstag abend an dem kritischen Orte am Kanalbas- sin Schießoersuche angestellt. Sie läßt auf Grund eingehenden Erhebungen als ihre Ansicht inittcilcn, daß es beinahe absolut sicher sei, daß die fraglichen 2 cki ü s s e von dem j e n s c i tigenHolzlager aus gefallen sind und unter keinen Umständen von dein diesseitigen Rande des Bassins her gclom- men sein können. Ein A »schlag auf den Kajcriicnhofvosten sei unter keinen U m st ä n d e n anzunchmen. Trotzdem die Behörde und ihre Vollzugsorgane in jeder Beziehung ihre Schuldigkeit tun und trotz der ansgcsetzten Belohnung ist die Ermittlung des Täters bis zur Stunde noch nicht erfolgt. — Einem schon vor Wochen ergangenen Befehle gemäß wurde das Z a b e r n c r W a ch t k o m in a n d o des sächsischen In fanterie-Regiments Nr. 105 heute durch eine Abteilung des ioürltenibcrgischen Infanterie-Regiments Nr. 126 in Straßburg unter Führung des Hanptnianns Winghoscr abgelöst. I
Ter „Strahl, Von" zufolge babcn sich die Fraktionen der Zweiten Kammer über die Behandlung des Zaberner Falles dahin geeinigt, daß die Interpellationen erst in der Woche nach der Eröffnung im Landtag besprochen werden sollen. Man wird am Eröffnungstage nur die B i l d u n g d c s B u r e a u s voriiehmcn und daraus am solgcndcn Mittwoch die E la t s - deba t t e obne Berührung der Zaberner Vorfälle beginnen. An dem daraus solgenden Dienstag, den 15. Januar sollen dann die Interpellationen über Zabcrn aus die Tagesordnung gesetzt werden. Die Begründung wird invzA u s t r a q aller Fraktionen der Abg. Bürgermeister vom Zobern, Knüpssler (El- sässcr Zentrum) übernehmen. Aus diese Weise , wird es ermöglicht, vor dem Beginn der varlamentarischeii Debatte ein Urteil im Prozeß gegen den O b c r st e II v, Reuter abzuwarten.
Deutsche» Reird-
Wechsel in den hohen preußischen H o s ä in -- tern. Tein „Reichsanzeiger" zufolge wurde der bisherige Oberhos- und Hansmarschall und Oberzeremonicnineiftcr Gras zu Eule »bürg zum Minister des königlichen Hau
ses, der bisherige Oberstallmeister Freiherr v. Reischach zum Oberbos- und Hansmarschall und Oberzcremvnicnmci- ster, der bisherige Hausmarschall Freiherr v. L >> n ck e r zum Generalintendanten der königlichen (störten und Direktor vom Ministerium des löniglichcn Hanfes, Gras v. Kanitz zum Obcrgcwandkämniercr, der bisherige Vizcoberstallmcistcr Freiherr v. E i e b e ck zuin Obcrstallmcister, der bisherige Hos- inciftcr Freiherr v. Wangenhel m znm Bizeoberzcrcmo - nienmcister und Oberst ü lu puito der Armee, v. Franke n be rg und Ludwigsburg zum Bizeoberstallmeistcr ernannt.
Ter Arbeitsausschuß für das einheitliche Ä n g e st e l l t e n r e ch t hat am 30. Dezember zu dein Gesetzentwurf über die Konkurrenzklauscl Stellung genommen. Tic ihni zugehürcndeu kausmänNischan Vereine Allgemeiner Verband der Deutschen Bantbeamten, Mlgemeine Vereinigung Teuisckier Buchhandlungsgehilicn, Verein der Teutschen Kauslente, Zentralverband der Handlungsgehilfen) protestieren gegen die Anregung des Angestetltcnausschusses der Gesellschaft für soziale' Re.sorn, an den Reichstag, sich damit abzusinden, daß nur eine Gchaltsgrcnzc von 1500 Ml. vorgesehen imd von der Schadcnscrsatzpslicht der Prinzipale für geheime Kontürrenztlauseln abgesehen werde. Tie üt dem Arbeitsausschuß vertretenen nichtiausinännischcn Vereine iBund der technisch-industriellen Beamten, Teutscher Techniker-Verband, Deutscher Steiger-Verband, Verband der Lureauangestellten, Verband der .üunstgewcrbezeichiicr, Verband technischer Schlsssossiziere) schließen sich diesem Protest an. Tic gewertsckiaitlichcn Angestelltenverbände sprechen jedoch erneut ihr Bedauern darüber aus, daß sowohl die Regierung, als tauch der Reichstag die Regelung der Konkurrenzklausclsrage lediglich ans die Handlungsgchilscn beschränkt haben. Sie erblicken darin eine durch nichts begründete Zersplitterung des heutigen Angestelltenrechts,
Kurze Anfrage im Reichstag. Tie Abgeordneten Dr. Müller (Meiningenl und Liesching haben folgende j turäc Anfrage (Nr. 106) an den Reichskanzler gerichtet: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß der Oberst des in Siargard garnisoniercnden Grenadier-Regiments <2. Pom- inciichee , Nr. 9 ein Verbot des „Neuen Pommerschen Tageblatts" voni 1, Januar 1911 au erlassen hat, und was gc- oenlt der Herr Reichskanzler zu tun, um solche Fälle ungesetzlichen Boykotts von Privamnternchninngen durch Militärstellen zu verhüten?
Ter deutsch-chinesischeVertrag über de» Bau zweier neuer Eisenbahnlinien in Nordchina ist am 31. Dez. in Peking unterzeichn ctwordeu.
Ausland.
Das österreichische AbgeordnetentpiuS bcsaßle sich in einer- Nachtsitzung mit den Beschlüssen d,s Herrenhauses zur V e r > o n a l st e u c r n v v e l l c. Es trat den Beschlüssen des Herrenhauses über die Besteiierung der Ausländer, der Amnestie und der Festsetzung eines steuerfreien Existcuzminimums voll 1200 Krone» bei Ter iozialdimrokratiichc Antrag bezüglich Auirecht-- cibalmng eines Eristenzmiuimums von 1600 Kronen wurde mit (96 gegen 195 Stimmen abgclehnt. — Im übrigen wurde die Fas- iung des Abgeordnetenhauses über die Perionalstcuer wieder hcr- gestcllt, jedoch in der Frage der Bucheinsicht der Fassung des Herrenbauscs Rechnung getragen. Ferner wurde in allen Lesungen der Gesctzeiitwurt betrnsend die ll II i a l l v e r s s ch e r ii ii gl der Bergarbeiter angenommcii. Mit NcujahrSwünschcir schloß der Präsident um >,,12 Udr nachts die Sitzung. Tie nächst« Sitzung wird ai» ichristlichem, Wege bekannt gegeben werden. —< Aus Agram, 31. Tez., wird gemeldet: Tic gestrige Sitzung des Landtags dauerte von II Uhr vormittags bis heute früh 5 Uhr. Verhandelt wurde über die Verlängerung des bente ablaufenden Finanzausgleiches mit Ungarn. Tic Opposition störtc die Verhandlungen wiederholt durch Lärmszeucii und stellte ObstiuktivnSaniräge Ter Abg. Raditsch Bauernpartei) wurde wegen wiederkvltc» Lärniens von 15 Sitzungen ausgcichboiien. Heute nachmittag tritt der Landtag ui neuerlicher Weitcrberatung des Finanzausgleiches zusammen. Tic Regierung hat ii» Abgeordnetenhaus eine Lotalbahnovrlagc ciilgcbracht, die 9 l neue Ülahn-
2f!jKiti(ba!i und Leben.
— Die Geschichte einer „M adonnavonTizia ii". Tie große Feierlichkeit, mit der die wicdergcwoiinenc Mona Lisa von Itatien »aw Paris überiührt werden soll, erinnert an eine tragikomische Geschichie. eines andere» Bildes, das mit kaum geringerem Auiwanb an Begeisterung von Roni nach Paris gebracht wurde und dort am Tage der Ankunft den größten Jubel erregte. Ms Papst Pius IX. 1856 die Patenschaft beim einzigen Sohne Napoleons III. übernommen hatte, wandte er sich an die italien. Künstler Minardi, Gagliardi und Eoqtzctti mit dem Auftrag,, auf dem Kumtmarkte »ach ciuciu bcsoiidcrs kostbaren altitalieniichen Mcistcrwerle zu fahnden, das der Papst der Kaiserin Engenie zum Geschenk machen ivollte. Nach einiger Zeit brachten die drei Maier dem Pachte die trendige Kunde, daß es ikiien gelungen sei, ein wahres Wunderwerk onsiindig zu machen: eine Madonna von Tizian, die nur einer Restaurierung bedürft. Pius IX. holte das Gutachten eines angesehenen Mitgliedes der römisch. Kunstakademie ein, lauste das Gcmäloe dann iür 15000 Skudl und sandle es mit einer ftierlicken Spezialminion nach Paris. Ter Kardinal Patrizi war dir Führer dieser Missloil: er hatte dev Austrag, der Kaiserin Eugenie den Tiziaip zu übergeben, dazu eine goldene Rose, eine kostbare Religuie und ein Mosaik mit einer Darstellung Johannes des Täuicrs. Mi- aroßem Pomp wurde die päpstliche Sonder- qesaiidtichastz in Ti. Eloud ci»via»gen, und als die Tizianschc Madonna der Kaiserin übergeben ivurde, kannte die Begeisterung der Hosgeiellkchaii keine Grenzen. Allein die Freude war kurz. Zwei Tage später mußte der Kardinal 'Patrizi dem Papste melden: „Ich verhülle vor Beschämung mein Gesicht! Das Tizian zugcschriebcne Bild ist von Kemtern «lS eine miiteluiäßigc Fälschung erkannt lvorden. Nun ist das Gemälde von dem Ehrenplätze, an den es Ihre Majestäten harten »nfhängen taisen, hcrabgcnomineii und zuni allen Gerümvel gelvorftn." Ter Skandal war groß, aber was tonnie mm raut iiodi machen? Zwar ließ Pi»-S.IX., lvie der Mcssaggero berichtet, die drei Künstler,, die das Bild „entdeckt" und vorge- kchlagen hatte», zu sich ruft», aber nur Minardi erichicn: die andere» beiden ließen sich diircki Krankheit entschuldigen, und sie waren auch wirklich durch die erlittene Blamage nicht loeuig deprimiert. Aber besser wurden dadurch die Tinge srciiick nicht,
— Französiiche Ausgrabungen in Griechenland. lieber die letzten Arbeiten der irnnzösaäien Schule von Athen erstattet« ihr Direktor F o u g 8 r c >; in der Pariser Academie des Jnieriptions einen eingehenden Bericht. Dt« Entdeckungen in Delos haben gezeigt, wclcki« Eniwicklung der Apoltokutl genommen bat: im. Beginn war das Heiligtum des Gottes auf dem Berge in einer Hühlc. in der eine Oucllc entspang, und erst fpäter kommt e- in die Ebene herab »nd wird hierin allen Teilen ausgebaick. In
Delphi wurde beiondcrs der Avollotcmpel genau untersucht, mch auch die beiden Heiligtüivdr, die sich an den Aeitzvl d.-S großen Tempels erheben, wurden von Blum in ihrer Lage genau scstgcstcllt. In' O r ch o m e nw S in Arkabieu hat mau zwei Städte ans vcr- schiedeiicii Epochen erforscht: die ältere lag aus dem Gipfel eines Hügels, aus dessen Abhängen die zweite Stadt gebaut war, die zur Zeit des PauianierS bewohnt war. In der oberen Stadt hat niair Mauerreste bloßgelcgt, die den Markt und ein Heiligtum der Artemis Mesopolitrs nnigaben: in der unteren zeigte ein Säulenknauf, der ans dem Boden hervorragte, die Stätte an, ani der ein sehr schöner dorischer Tempel von 15:30 Meter lag, den man wieder antdecken konnte. ZA NI Nordabhang des Hügels wurde ein Theater entdeckt, dessen Stufen z. T. ans dem Fels gehauen, z. T. tünstlich waren. In Nnnta wurde in einer sehr kurzen Aus- grabungStpochc eiii^Dempel icstgestellt, der in allen Punkten dem Athenatempel in Thegea entsprickit: die innere Anordnung der Zelle gibt die des Pantheon wieder. Auch in Klcinasicn wurden von der sranzösischen Schule ersolgreiche Grabungen unternommen. In Klaras nördlich voni Meerbusen von Ephesos untersuchte Picard einen Apotlotempel und eine Höhte des Klarischen Apollo, i» der er Scherbe» von Tüpierwaren aus neolitbischcr Zeit sand: es hat den Anschen, daß nnm hier an der Wiege dieses .nultes steht. Zwischen dem Tempel von Klaras uild dem von Delphi bildete der von Delos daS Bindeglied zwischen Asien und ölriechenlaiid. Schließlich wurde in AphrodiiiaS ei» jebr bemerkenstoertes Kvlonal» denknial eriorscht, dessen Bcdcutiing inan jedoch »och nicht sicher erkannt Hai,
— E i ii R i c s c n p r c i s für eine M a r k e u > a »i »r -- l u» g. Tie britische Hauptstadt bereitet der Welt der Bries- inarkcniaminter UI jüngster Zeit viel Ueherraichungcn: erst vor lvenigen Tagen ivurde der Verlauf des Pcckittzchen (iftichäites bekannt, heute kounnt die 'Xacknicht, daß die Markenjchätzc eines der reichsten und l erübnnest.-n Philaielisten Englands, die Sammlung briliicher Marken^des Verstorbenen Earl von Erowlocd, vertäust worden sind. Schon früher wurde eine Saininlung de» Earls für einige 100 000 Mark in den Handel gegeben und crzftlie im Ernzeloerkaul mehr als das Doppelte des KauipreijeS, nahezu 900 000 Mark. Tic jetzt an die Firma Ednn» Healey veräußerte Sammlung gilt als die kostbarste und reichhaltigste britiichrr Marken, die jenmls zufammengcbracht ivordc» ist. Sie enthält auch einen Bogen der berühmten schwarzen t Penny- Marken der V. R.-Serie und einen Pagen oou 180 Eremvtarcn der kostbaren blauen 2 Pennu-Markc. Allein diese Excinplare stellen für sich einen Werl von über 100 000 Mark dar. Tie Käufer werden nach Ansicht aller Kenner nstt dem Einzelverkaus der Srininbong ein »ewalreges Geschäft machen: sie haben rund
100 000 Mark iür die Sammlung bezahlt, dürsten aber beim Wiederverkauf niedrig gerechnet das Doppelte erzielen können. Frennde des verfcorbenen Earls erzählen, daß der 'Sammler seinerzeit bei der Anlage dieser Kollektion gcivaltige Summen, alles in allein gegen 800 000 Mark, ansgegeben habe. Im Nachlasse des Earl von Erawiord verbleibt noch eine große Sammlung amerikanischer Marken, von der noch nicht bestimmt ist. ob auch sie. verfällst und im Handel verstreut werden soll.
— T i e Ergebnisse der Impfung gegen die Tollwut. M. Biala vom Institut Pasteur macht weben die Ergebnisse der Jiiivstiilgen bekannt, die im Jabrc 1912 in Paris gegen die Tollwut vorgcnommen wurden. Behandelt wurden 395 Personen, von denen 59 am Kopf, 191 an den Händen und 145 an anderen Gliedmaßen gebissen wurde». In allen diesen Fällen wurde eine Heilung erzielt, ein Todesfall ist nickst »vrgc- kommeil. .Aus Frankreich kamen 377 Personen zur Bebandlung, aus Luxemburg 9, aus Marokko 3. aus Rumänien 2, aus Sva- nien, Schweden, den Percinigten Staaten und Tahomch je eine Person.
— „W i c IN a II die Welt betrüg t." Aus Halle schreibt man »ns: Ein drolliger Phnikall l>at sich an einem der letzte» -ronniage in einem Dörfchen IM SaalekrciS zugcrragen. Mit vielein Geschrei und grellbunten Plakaten hatte eine Schmiecen- Thcalertruppe eine Vorstellung angetündigt: gegeben ftertum sollte das große Sensationsicktauipiel „Wie man die Welt betrügt". Zur rechten Zeit stellten sich die Kuiistkräitc (5 Personen) ein und konnie» mir Eftnugtuung lonstatftren, daß der Vorverkauf tut Gasthaus, deni Mnicntempel, flott im Gange sei. Am Abend strömten dai-n auch die kunstbegeisterten, Bauern in Hellen Scharen ins „Theater", sodan im Saale bald nicht einmal der brrühnitc Apfel zur Erde fallen konnte. Erwartungsvoll harrte das große Auditorinm der Tinge, die da kommen sollten, und als die Bühne erhellt imirde, dunkle Schotten hinter dem Vorhang bin- und bereilten, da rückte man noch andächtiger zusammen. Aber, die Geduld sollte hart in Anspruch genommen ivcrdcn: der Vorhang ging nicht in hie Höhe. Eine neschlagenc Stunde wartete man, bis dann das niinnliche Publikum mit ohrenbetäubenden: Lärm seiner Ungeduld Luft machte, ünbßth teilte sich der Dor- hanq und der Hauskneckii kder Wirt hatte sich »or Angst in tien dunkelsten Tiefen seines Kellers verkrochen, ecickfftn mit schreckmZ-- bleicker Miene und gab den trostlosen Bescheid, daß die Theatcr- lruope samt der K-zlft im Dirnkcl der 'Nacht Hersthwunden sei. Aitt einem znrückgclancnen Zettel toar die Erklärung zu lchpi, daß man so die Welt betrügt!


