sjo heiß umworbAl, ihr all.seine Lieder gchveiht. Er aber MB sie eine Weile an, dann wendet er sW nnd sagt lakomsch: „Nem, mein Fräulein — ich danke!" ,
Warum wird er die Verse nicht los? — Zu dumm ergmtlich!
Und er denkt an ein Möslein fern im Tal, duftig und taufrisch, eben der Knospe entsprungen. Denn er heimkommt Non seiner Sommertoanderung, frisch, gebräunt und gestärlt zu. langer .Winterarbeit, dann möchte er sein Röslein fragen, und sicher hat er kein schnippisches „Nein, mein .Herr, ich- danve!" zu gewärttgen.
Aber...
Weiter steigt er hinan, ein zweiter ^Wanderer taucht vor feinen. Blicken auf, aber der, klein und schmächtig, trägt Hemdbluse, dunklen Lodenrock -und auf Hem dunklen Haar, das hinten rn? einen dünnen Knoten zusammengedreht ist, ein kleines Lodenhütel.
Also ein junges Mädchen, der dürftigen Figur nach! ein sehr
Ein dicker Felsblock engt jetzt vor ihr den Weg. Tre Wandrerin erklettert ihn, fetzt sich auf seine Plattform und schaut sinnend ins Tal hinab.
Hans Robert pickt. Ten Felsblock kennt er — hier hat er j<t auch schon einmal gesessen — ein Dutzend Jahre ist! es her. Aber nicht allein. Neben ihm hat ein niedliches Mädelchen gesessen, ein allerliebster Kobold mit dunklem Kraushaar und braunen Schel- nrenaugen. Aber das Idyll da oben nahm ein übles Ende. Nicht schnippisch hat sie ihn abgewiesen, sondern sentimental die bitter^ Pille verzuckert. Er jedoch hat aus all den schönen Worten nur das eine herausgehört: „Nein, mein Herr — ich danke!"
Tas hat er lange mit sich hernmgeschleppt und ist auch heute nochnicht ganz damit fertig. Tarunr hat er zu. seinem Röslein fern im Tal auch das entscheidende Wort noch nicht gesprochen. Wenn sich's ihm auf die Lippen drängte, tcülchte ein dnnWer Krauskopf vor ihm ans, ein Paar übermütige Augen blitzten ihn schjelmisch an. Und ein roter Mund verzog sich tzrt einem spöttischen Lächeln. Darum ist er hierher geeilt. Er will die Stätte Wiedersehen, wo er den erstell großen Schmerz, die erste herbe Enttäuschung seines Lebens erfahren, er will den Stimmungszauber des Ortes aus sich wirken lassen. Kommt dann die Erinnerung übermächtig-üb erj chn, wird er dann iitrte, daß die Vergangenheit für ihn nicht tot ist!, hne er zuweilen wähnt — und wünscht — ja, dann darf er nicht vor sein Röslein hintreten, darf das entscheidende Wort nicht sprechen.
Zart duften die Heckenröslein, ein leichter Wind erhebt sich, leise rauscht es in den Zweigen, nnd wie irr kicherndem Spott klingts ihm ins Ohr: „Nein, meirr Herr, ich danke!"
Nun steigt auch er ans den Felsblock — mag die Andere da sitzen — er wird ihre Gegenwart da .vergessen und mit sich ins Reinekommen. Und wenn.er sie stört in ihrem Natnrgennß, um so schlimmer, für sie — Raum für alle»hat die Erde.
Mit kurzem Gruße läßt er.sich am Rande des Felsens neben ihr nieder, doch so inert von ihr ab, als es ihm immer möglich ist. Sie wendet den Kops.
„Hans .Robert!" Ein Laut halb höchsten Erstaunens, halb freudigster Ueberraschnng, und für einen Augenblick errötet sie von der Stirn bis zum Halse.
Auch er wendet sich nun ihr zu, groß nrrd weit starren seine stahlblauen Augen in ein kleines, blasses Gesichtchen, irr das der harte Kamps ums Tasein zahlreich!: vorzeitige Fältchsn gegraben. Tie herb gewordenen blassen Lippen versuchM .ein schelmisches Lächeln, das sie so gar nicht kleidet.
„Annemarie!" stottert er verlegen in peinlichem Wiedererkennen.
„Nein, rvie ich mich freue!" ruft sie jetzt mit schlecht gemachter in6endlicher Lebhaftigkeit, und die müden Augen versuchen wieder das Feuerwerk schalkhafter Blicke ftMett zu lassen, mit denen sie früher immer aufs neue sein junges Herz entzündet, „mie lange haben wir uns nicht gesehen! Und ein großer Künstler sind Sie indes geworden! Ich habe Ihre Bilder in den Ausstellungen gesehen — wie habe ich mich! darüber gefreut!"
Er sieht sie groß an, Spott und Staunen kämpfen in seinen offenen, schönen Zügen.
Wie ist es nur möglich, daß sie heute so spricht! Weiß sie denn gar nicht mehr, was sie ihm damals mefagt hat, vor zwölf Jahren — hier auf derselben Felsplatte? „Die Malerei ist eine brotlose Kunst, Hans Robert," hatte sie ihn damals in altklugem Tone belehrt, der airs ihrem siebzehnjährigen Munde höchst sonderbar klang, „wir können unnröglich warten, bis du damit etwas verdienst. Werde doch Zeichenlehrer, das ist eine angesehene, gut bezahlte Stellung. Dann vielleicht . .Dies Wort hatte ihn ansgcrüttelt, er hatte ihr zeigen wollen, daß in ihm mehr steckte, als ein armseliger Schulmeister!
„Nun, das ist sehr liebenswürdig von Ihnen," sagte er nach längerer Pause, „beim leicht ist mir der Ausstieg zur Höhe nicht gMorden. Aber nun bin ich oben!"
„Ja," sagte sie nachdenklich, mit etwas wehmütigem Lächeln, „nur der Starke macht seinen Weg — und der Schwache muß Gott danken, wenn er nicht unter die Räder kommt und sich aus den Trümmern all seiner kühnen. Entwürfe! ein 'bescheidenes bißchen Glück rettet. Ach, was war ich — damals — doch für ein übermütiges junges .Ding! Die ffcmfc Welt gehörte mir, meinte ich und ich w anchtc nur znzingveisen! Eine große Pianistin
glaubte ich werden zu können — eine kleine Ktavierlehrenn bin pH geworden, die sich recht und schlecht durchschlägt. Aber," fährt sie errötend fort, ihren Blick warm zu ihm ausschlagend, „zu einem bissel guter Hausmusik langt's noch. Und wenn einer abenoÄ nach harter Arbeit zu mir käme, um Ruhe und Erholung zu suchen, dann würde ich mich ans Klavier setzen und ihm Heiterkeit in seine beladene Seele gießen —" /
„Und beneidenswert wird der Mann sein, der eine solche ^-Zufluchtsstätte sein eigen nennen wird! Möge er bald den Weg zu Ihnen finden, Annemarie, das ist mein innigster Wunsch! Anch> mir hat meine Kunst ein Herz gewonnen, das sich mir in. innigster Liebe erschloß, und das ich bald ganz mein eigen nennen werde. — Und nun leben Sie wohl, Annemarie! Es war mir eine große Freude, Ihnen noch einmal begegnet zu sein. Heil!"
Er streckt ihr me Hand hin, in die sie nur zögernd ihre plötzlich eiskalten Finger legt, springt vom Felsen herab und strebt mit großen Schritten den Pfad hinan, ohne sich noch einmal nach ihr um zu blickein Im Vorübergehen streift er eine halb verwelkte Rose — müde fallen ihre schlaffen Blätter aus den Weg.
„Pink — pink — pink!" schmettert droben in scharfem Spott der Fink, „nein, Mein Fräulein, — ich danke!"
.Befreit atmet Hans Robert auf. Nun ist der Bann gebrochen — nun kann er hintreten vor sein Röslein fern im Tal und kann das .Wort sprechen, das sich ihm! schon so oft ans die Lippen gedrängt hat.
Der Traum auf dem wafser.
Von Georg Engel. ■ . .
(Nachdruck verboten.)
Das Herz klopfte ihm. Es hämmerte so stark, daß er das Sckftagen und Gestampf der kurbelnden Maschinen in seiner eigenen Brust zu hören glaubte. Dazu tanzte ein Schleier vor seinen Augen, wie v!vn. weißglühenden Drähten. Und das Gejvebe stieg auf Enno nieder nnd spannte sich sogar hftldernd Vor die roten und« grünen SiAnallichtter, die von Sekunde znj Sekunde wechselnd in dem Geschützranm des nntertanchenden Bootes anfdämmerten.
Wer konnte enträtseln, was sie mit ihrer stummen Lichtsprache meldeten? .Er hatte im Moment völlig ihren Sinn vergessen.
Spähend und beobachtend trat der Geschjützmaat zu ihm. In dem herb geschnittenen, straffen Gesicht des Vorgesetzten lauerte ein Befremden. Ihm gefielen dis zitternden,, her umtastenden Hände von Claus Grischow nicht:
„Nun?" fragte er gewichtig, wie jemand, der sich evkmrdigt, ob alles in Ordnung,
Bor dem gewohnten Klang der KommMldostimMe raffte sich der junge Mensch zusammen, und doch kroch der Laut ihm Nur mühsam aus der Kehle, als er in kaum bezwungener Erregung hinwars: „Ist der Dampfer Columbia jetzt gesichtet?"
„Ja, wir haben ihn," bestätigte der Maat, indem er erstaunt seine blauen Angen auf den anderen richtete.
Da tasteten die Finger der Geschützbediemmg von Neuem verloren und unsicher über die Abzug stürbet. und ohne daß er merkte, wie aufmerksam sein Gebaren von dem Maat verfolgt wurde, brach es widerstandslos und voll sehnsüchtiger Neigung ans' dem Armerswn von Clans Grischow hervor: ^,/O, es ist ein schönes Schiff. 200 Donnen. U;w all die schönen Säle. Der eine hatte eine Kuppel wie ein Dom. Und darunter waren fünf .wundervolle Frauen gemalt, die sollten die Erdteile vorstellen. Und dann eine reiche Bibliothek an Bord, Büch an Buch in den Gestellen, und die kleinen Kajüten mit den Setten, mtö die Promenadendecks, ans denen die jungen Paare ihr Spiel trieben. Es war Deutschland, das da über die See wandelte. Man war zu Hanse und hatte jeden Span lieb." Er stöhnte leise.
An der Eisenwand des frf)|m-ei ß,t r ief enbe n , zitternden Raumes wechselten die Lichter. Der Maat warf einen Blick hinauf und streifte die Aermel in die Höhe: „Achtung," befahl er kurz. Und nach einer Weile des Wartens: „Woher weißt du das alles. Junge?"
Langsam strich sich der Bursche das weißblonde Haar zurück: „Ich bin ja selbst fünf Jahve auf dem Dampfer gefahren," bekannte er halb im Traum. „Vom Schiffsjungen aufwärts. Fünf Jahre. Tag und Nacht haben wir das Schliff behütet — und jetzt — —?"
„Und jetzt hat man es uns gestohlen," vollendete dar andere hart und bitter, und legte für alle Fälle die schwielige Faust ans den Abzug. „Jetzt führt es unseren .Gegnern Waffen zu, die uns morden."
„Ja," stotterte der jüngere und richtete sich ans.- Und doch wand er sich hilflos hin nrrd her: .„Aber die Erinnerungen sie haben Macht über den Menschen. Es fällt schwer - --
„Junge, ich kann mich doch ans dich verlassen?"
.In diesem Moment ging ein Gewirr von Blitzen über m Eisenwand.
,^Fener,
schrie der Maat.
-prnngartig schoß Clans Grischow an die Kitrbel, iiberimmden war das ziellose Gleiten der Hände, der ganze Körper des Menschen riß an dem' Abzug, der schweißige Raum neigte sich schräg, dumpfes Zischen peitschte von dannen — unb dann — die Flamme an der Wand tat ihren MNnd ans nnd meldete: „Volltreffer".
„Gut," lobte, der Maat und dabei streichelte er Hem jungen


