Der Flammentöter.
Roman von H ör st Bo demer.
(Fortsetzung.)
Trude Klausner hotte an ihn geschrieben. Tröstende Worte! Es bleibe doch die .Hauptsache, daß sie fest zueinander ständen, so schlimm lägen die Verhältnisse nicht, aber das sehe sie ein, freier müsse ihr Vater oen Kopf erst bekommen. Und da heiße es eben, trotz allen Kummers, ein freundliche Gesicht gemacht und mit bet: eigenen, schwachen Kräften dem Vater über diese Zeiten mitgeholfen. In der Familie dürfe es Mißklänge nicht geben, denen sei er bisher nie begegnet, lind wenn man sich dann habe nach den Kämpfen, war ees doch doppelt schön! Jedem Ding müsse nran im Leben die beste Seite abgewinnen suchen, nur auf diese Weise treibe nran die Harmonie nicht pn Hanse hinaus ...
Krohlow hatte die Zähne zusammengebissen. Beschämen durste er sich Hon der Geliebter: nicht lassest, urrd als er arrr übernächsten Tage ihre jüngere Schwester Lene zufällig mtj der Straße traf, bat er um Enchsehlurrgen zu Hause und Der Trude möge sie sagen, er vertraue seht iaus dre Zukunft, aber beantworten wolle er den Brief lieber rricht, das wünschten wohl auch die Eltern rricht, seine Gesirrrrungerr und Empfindungen blieben dieselben, und das sei doch die Hauptsache. •
Die achtzehnjährige schwarze Lene, die bisher irrrmer ein rechter Wildsaug gewesen war, hatte ernst, mit Tränen in den dunklen Augen, genickt und versprochen, die Aufträge gewissenhaft auszurichten. . .
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Im Hause des Fabrikanten Klausner ging auch in diesen ernsten Zeiten alles seinen ruhigen Gang. Es sielen keine rrnnötigen Worte über Dinge, die sich doch nicht ändern ließen. Arrr schwersten hatte es die schlanke, blorrde Trude. Sie nrußte untätig dasitzen und — warten. Die wenige Arbeit, die im Hause aus ihr Konto kam, war bald getan. Die schwarze, rundliche Lene, die die ältere, viel- urnschwärmte Schwester bisher immer noch als das „Kleinchen" behandelt hatte, obgleich sie diesen Winter zum ersten Male „ansgegangen" war, zeigte, daß sie das Herz ans dem rechten Fleck hatte. In ihrem hellen Mädchen- stübchen plauderten die Schwestern viel von der Zukunft, und tvenrr die „heimliche Braut", dafür hielt sie die Trude, wieder einmal ganz trostlos war, darin setzte ihr der Wildfang schnell wieder den Kopf gerade ans die Schultern. Ohne ein bißchen Schummeln komrrrt man rricht durchs Leben, galt bei der Lene als abgründig tiefe Weltweisheit. Und was sie „Schummeln" nannte, war wirklich kein Vergehen gegen das Strafgesetzbuch. Sie war einfach Optimistin, "die sich die Dinge so eirrredete, wie sie sie gern haben wollte. Und wenn dann die Enttäuschung kam, zuckte sie die Achseln und fand auf der Stelle das vom Zirnrnev- tuaun gelassene Loch, durch das sie zu neuen, sehr hübschen
urrd kolossal aussichtsreichen Dingen munter drauflos mar-, schierte. Mochte eine Seifenblase nach der anderen Platzen, s« lange sie schön schillerte, hatte sie ihr Vergnügen daran. Kindlich und wohlgemut, mit einem sehr anteimehrnendchr Herzen tanzte sie vorläufig durchs Leben.
„Ach, Trude, das mit der Fabrik ist ja Unsinn! Nü ja, futsch sind die Hunderttausend! Papa hat reckt viele Felle ein geheimst, warum sollen ihm nicht einmal ein paar fortschwimmen! Seh' ich gar nicht ein!... Natürlich, für dich ist das jetzt ungeheuer peinlich, geb' ich zu und kann ich versteherr! Aber, du verliebtes Wurm, ein bißchen Bangen, das denke ich mir furchtbar interessant. Denn die Lrvbe siegt natürlich, und Papas Tüchtigkeit erst recht. Hat der Nerven? I wo! Macht der ein kreuzunglückliches Gesichts Fällt ihm gar nicht ein!... Und sieh die Manra an! Ist die nicht geradezu ein blanker Sterrr?... Also, Trudchen, Schwierigkeiten sind lediglich dazu da, damit sie üb«> wunden werden, und ob du nun ein Jahr später UroA, mutter wirft... Du, ich glarrde, das ist überhaupt ein unbequemer Augenblick!... So, nun gib mir einen Kuß Und dann ungezogen und die Schlittschuhe genommen, vielleicht treffen wir den Herrlichsten von allen -auf der Eisbahn!"
Die schwarze Lene wußte wirklich immer, wie sie der Schwester die Micken aus dem Kopfe trieb...
Aber Krohlow war's nicht danach zunrube, unter Menschen zu gehen. Von seirrem Freunde hatte er die Nachricht erhalten, der kluge Wellerkamp habe sich im Laufe bes Jahre zum „verrückten Genie"' ausgebildet, wo er stecke, möge Gott wissen, rvenn er's aber doch rausbekommlh, welcher: Erdenwinkel der Wellerkamp augenblicklich, unsicher mache, würde er das Weitere veranlassen.
Da schrieb Krohlow an rroch ein paar Bekamst», di« Antworten standen rroch aus ...
Eines Abends meldete ihm sein Bursche:
„Hern: Leutrmut möchte ein Mann sprechen!"
„Ein Mann oder ein — Herr?"
Leute aus beut Volke unterscheiden da sehr scharf, Ein kurzes Zögern.
„Ein Mann, Herr Leulnarst!"
Da stand Krohlow auf und ging zur Korridortür, die der Bursche aus Vorsicht geschlossen hatte.
„Wellerkamp — du? Komm rein, Junge! Konntest du nicht gleich deinen «Kamen nennen ?"
Da stand nun das „verrückte Genie" rnstten im Zimmer. Es schnappte erst ein paarmal nach Luft, drehte ben, schäbiger: Filzdeckel in den Händen herum.
„Weißt du, es geht mir nämlich rricht gerade glänzend -und war' dir auch rricht auf die Bude gerückt, aber gleich von dreier: bekam ich Nachricht, du suchtest mich 'wie eilte Stecknadel. Da Hab' ich mir das Fahrgeld vierter Klasse zusammengepumpt und komme aus Iserlohn!"
Krohlow krstff die Lippen zusammen. Sehr vertrauen- , erweckend sah seine „Hoffnung" wirklich nicht aus. ÄanK


