Ausgabe 
22.5.1918
 
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Das glaube UnM das wviß ich!" sagte der Minister unentwegt.

Lougford trat an den Schreibtisch. und zog eine Schub- Ärde.

Und Exzelleriz werden nicht waEerld, wenn ich jetzt Ku nreiner Rechtfertig'rula das Schreiben des Anwalts vor­ige, den ich mit Ermittlungen in dieser Nachlaßsache be­traute? ExzellenK können sich ja augenb'licks durch den Fern- frecher mit Attorney Burnyam in Verbindung setzen."

Der Minister fuhr zurück, als habe ihn ein giftiges Duselt berührt.

Burnham haben Sie in dieser Sache beauftragt, den herüchtigsten Arcwalt von ganz London, einen Mann, der ßelbst in der mittleren und unterer! bürgerlichen Gesellschaft wnnöglich ist? .Das haben Sie sich fein ausgedacht. Sre Wissen sicher, daß ich bei diesem üblen Herrn keine Er­hebungen pflegen werde."

Mir ist der Mann empfohlen worden. . . Mer wenn Exzellenz ihn so Unangenehm finden, Was mir nach .Persön­licher Rücksprache mit dem .Herrn nicht unbegreiflich erscheint, genügt vielleicht der Einblick in dieses Schreiben."

Cr reichte dem Minister einen Halbbogen hinüber, der die Firma des Anwalts am Kopfe trug. Der Minister las:

Herrn Hauptmann Longford, hier. In der Nach­laßsache Walther Drooy bestätige ich Ihnen den mir münd­lich Zerteilten Auftrag zwecks Anstellung von Nachforschungen. Bor Beginn meiner Mühewaltung in dieser Angelegenheit erbitte ich Einsendung eines Kostenvorschusses von 10 Pfund.

aufrichtiger Ergebenheit Burnham."

Wortlos gab er den Brief zurück.

L o ng for d svagte ' g errtd:

Exzellenz glauben mir nicht'?'

Ich glaube Ihrem vorhin abgelegten Geständnis und meinen Augen. Also, geben Sie sich weiter keine Mühe. Ich, will ja anerkennen, Daß Sie alles ausgezeichnet vor­bereitet haben. Aber die beiden Briese sprechen dock) über­zeugend geigen Sie, wenigstens in meinen Äugten."

.Apd gut, Exzellenz, nehmen wir einmal an, ich sei ein Deutscher, ein Spion. Dann wäre dies ein Zusammen­treffen ohne amtlichen Charakter. Exzellenz wären nicht mein Vorgesetzter, sondern für diesen Augenblick mein Gast. Darf ich Exzellenz jetzt eine Zigarre anbieten oder einen kleinen Likör, eine Erfrischung?"

Die dunklen Augen suchten vergeblich in Longsords un­beweglichem Gesicht zu lesen.

Ihre Unbekümmertheit ist staunenerregend. Wirklich stau­nenerregend. Es wäre mir in der Tat von Wert zu erfah­ren, was Sie getan hätten, wenn ich nun nicht selbst gekom­men wäre, sondern die Angelegenheit einfach den Strafbehör­den zur weiteren Behandlung übergeben hätte."

Ich habe seit Tagen damit gerechnet," erwiderte der junge Offizier einfach.Gerade als mir Ihre Karte über­bracht wurde, habe ich ein kleines Briefchen in den Papier- Lorb geworfen."

Noch einen vorbereiteten Brief?" entschlüpfte es in widerwillig anerkennendem Tone dem Herrn des Kriegs­amts.

Gewiß! Noch einen vorbereiteten Brief. Er wäre an Eure Exzellenz gerichtet gewesen und hätte lediglich die Worte enthalten:Exzellenz, zur Vermeidung eines ungeheuere liehen Skandals spreche ich die Bitte aus, schleunigst in Frei­heit gesetzt und von Eurer Exzellenz unter vier Augen emp­fangen zu werden."

Sehr gut! Sehr gut! Und was hätten Sie in dieser Unterredung von mir gefordert?"

Ich hätte Euer Exzellenz auseinandergesetzt, daß ein Gerichtsverfahren gegen mich geradezu Wahnwitz sei. Das Klügste und Beste für Eure Exzellenz wäre, mir zur Flucht nach Holland sozusagen freies Geleit zu verschaffen. Ob ich nun erschossen würde oder als untauglicher Krüppel in Deutschland meine Offizierspension verzehrte, könne der britischen Sache gleichgültig, ja, das letztere müßte ihr aus tausend Gründen lieber sein. Und hier würde kein Hahn da­nach krähen, wenn der plötzlich aufgetauchte Herr Longford ebenso plötzlich wieder verschwände.

Sicher nicht!" stimmte die Exzellenz grollend bei. Aber es würde auch kein Hahn danach krähen, wenn der

K aufgetauchte Herr Longford eines Morgens in seinem fverseh^ns tot aufgefunden würde."

Bor diepm Irrtum," bemerkte der Hauptmann ganz

sachlich und trocken,möchte ich Eure Exzellenz eben bewah­ren. Es ist mir nicht unbekannt, daß die englische Staatsi- moral in solchen Fällen stark macchiavellistische Tendenzen aufweift ..Schließlich werden Exzellenz zur Rechtfertigung sagen, der Kopf des Mannes sei allemal verfallen gewesen; also wozu erst Ankläger und Richter mit allem sonstigen Beiwerk des Skandals in Bewegung setzen? Man könne ja die Prozedur unter Umgehung von Gericht und Skandal Wesentlich abkürzen mid sichle da, eines Tages liegt der plötzlich 'aufgetauchte Herr tot in seinem Bett. Mer vor diesem Irrtum möchte ich Exzellenz eben bewahren."

Ja, wer sagt Ihnen denn," warf der Aeltere unsicher ein,daß ich persönlich so denke?"

Daß Exzellenz persönlich so denken, will ich nicht be­haupten. Aber es soll vorgekommen sein, daß man in Dow­ning Street so dachte. Und für diesen Fall möchte ich Eurex Exzellenz die ergebenste Mitteilung machen, daß dann die Hähne ganz erschreckend laut krähen würden, ganz er­schreckend laut."

Der Minister zerrupfte den buschigen Schnurrbart.

Wie? Womöglich noch ein vorbereiteter Brief?"

Gewiß, Exzellenz, so eine Art versiegeltes Geheimnis, das irgendwo lagert, um im Falle meines plötzlichen Todes geöffnet zu werden."

Der Sieger von Omdurman war ehrlich erstaunt.

Lassen Sie mich einen Augenblick Nachdenken! Sie sind ein Gegner, den man nicht geringschätzig behandeln darf."

C's ist ehrenvoll für mich, wenn gerade Exzellenz als Feind mir mit Hochachtung gegenübertreten. Feindesloö hat noch immer seinen alten, guten Klang."

Der Minister hatte sich erhoben und stand jetzt in seiner ganzen überragenden Größe vor dem jungen Hauptmann.

Nein, zur Flucht verhelfe ich Ihnen nicht. Nach Deutschland dürfen Sie mir auf keinen Fall zurückkehren.. Auf keinen Fall! Dann wäre ja der Skandal ohne weiteres fertig." '

Exzellenz irren. Ich bin gerne bereit, wenn Exzellenz mir zur Flucht verhelfen, mein Wort zu verpfänden, daß ich drüben mit keiner Silbe meiner Londoner Erlebnisse Erwäh­nung tun werde."

Nein, nein! Ohne Ihrer Ehre zu nahe treten Zu wollen, aber selbst ein Ehrenwort 'kann unter Umständen eine recht unbeständige Sache sein; nach Deutschland dürfen Sie aüf keinen Fall znrückkehren! Aber ich mache Ihnen einen Vor­schlag: Bleiben Sie doch der Mann, dessen Papiere Sie be­sitzen! Seien Sie Mister Longford! Dann gehört Ihnen, wie ich in Erfahrung gebracht habe, in der Tat eine wunderschöne Farm nahe bei Ottawa. Meinethalben können Sie auch hier leben, nur nicht mehr in Deutschland. Ich biete Ihnen 50 000 Pfund, falls Sie einverstanden sind."

Zornbebend sprang der Jüngere hoch.

Ich verbitte mir ein solch entwürdigendes Angebot."

Die Exzellenz aber faßte ihn besänftigend über den Arm. -

Behalten Sie doch Ihre Ruhe und geschäftliche Neber- legnng, wo es sich nur Erwägung nüchterner Dinge handelt! Ist Ihnen die Summe zu klein, so lullt ich einmal mit den Herren vom Auswärtigen Amt sprechen; man wird Ihnen aus dem fonds secret das Doppelte anweisen."

Mit schneidender Kalte erwiderte derHaupt mann:

Exzellenz! irren sich ganz bedeutend in der Person. Wofür halten Sie mich denn?'

Je, nun, für einen schneidigen Offizier, der seinem Vaterlande gedient und genützt, aber jetzt sein Leben doppelt und dreifach verwirkt hat und daher trachten muß, es auf anständige Weise, wenn auch vielleicht unter veränderten Bedingungen, zu retten."

Schön, verhelfen Sie mir zur Flucht; dann werden Sie nie mehr v on mir hören, und ich bin für Englands tot."

Ich habe Ihnen bereits erklärt, dajß niir das ein zu unsicheres Geschäft wäre: Sie sollen nicht für England, sondern für Deutschland tot fern oder noch besser ..... Sehen Sie, ich bin felsenfest entschlossen, den deutschen Ofslzier in Ihnen zu töteu: das ist für mich condicio sine qiita non; unter anderen Umständen ist das Geschäft siir mich überhaupt nicht zu machen, und icfy bitte Sie wiederholt, die Angelegenheit rein geschäftsmäßig zu betrachten; da kommen Ivir arn raschesten zum Ziele. . . . Wie denken Sie beispielsweise darüber: Sie sterben als Deutscher und treten gls Mister Loirgford in unsere Dienste? Aber diesmal ehr- . lich. Sie brauchen bloß, wie bisher, Briefe nach Rotterdam zu schreiben: aber den Wortlaut der Briefe werde ich besinn-