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Ledersosa einer Nische. Vor sich auf dem Tischchen hatte er .dre übliche Whiskyflasche und das Sodawasser stehen.
Neben ihm zappelte auf einem Stuhl ein hageres Männchen mit einem gelben Gesicht, einen goldgeränderten Knei-
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Wurf schälte, hörte er das alte Männchen zwitschern:
„Der schönste Nebenverdienst, den sich ein Mann von Ihren Gaben m der gegenwärtigen Zeit schaffen kann. Ich bitte Sie, alle Tage geschieht doch irgend etwas in den feind- lrchen Ländern. Es wird Ihnen doch eine Kleinigkeit sein, meinetwegen hier in der Bar, jeden Tag ein halb Dutzend Witze oder satirische Glossen über unsere Feind zu machen."
lzn elegischem Tone erwiderte Atterley:
, , „Tut mir leid, tut mir wirklich leid. Sie stellen sich das ein sanier vor, als es ist. Die Dinge, über die man die Lauge seines Spottes ausgießen könnte, ereignen sich leider nicht in oen feindlichen Ländern, sonderii bekanntlich bei uns, und darüber darf man keine Witze bringen, versteht sich ... ich habe aber noch einen zweiter! Grund-"
In diesem Augenblick brach er ab; denn der Diener hatte chm Longfords Karte gebracht. Man vernahm deutlich die großartig gesprochenen und für ein weiteres Publikum berechneten Worte:
. „Ich.muß zu meinem Bedauern jetzt um Entschuldigung bitten. Ein Hauptmann vom Generalstab wünscht mich zu sprechen."
Der Offizier lächelte unwillkürlich. Ohne ein bißchen Pose gmg's nÄht ab.
Der Journalist trat heraus und streckte ihn! freudestrahlend beide Hände entgegen.
„Also haben Sie meiner doch nicht ganz vergessen?"
Longford verneigte sich artig.
. „Wie sollte ich das? Sie waren ja der erste Mensch, der NIL den Willkommgruß Altenglands bot."
Atterley führte den Offizier an seinen Tisch. tue. "1^t e kommen gerade recht." Seine Stimme umdüfterte srch. ^Zch bringe nämlich meinen Leichnam zum Begräbnis."
Der Hauptmann zog die Brauen zusammen.
„Wollen Sie mir einen Gefallen erweisen, Herr Atter- A? Ich Null vorausschicken, daß ich Sie sehr hoch schätze. |>te sind zweifellos ein junger Dichter, den wie alle jungen Drchter das MMeschick'etwas derb gerüttelt hat. Nun, Sie ?ut£ sicherlich jung genug, un: den Kampf mit dem Schicksal «roch erne Weile aumchmen zu können . . . Glauben Sie mir, eimss Tages läßt sich die neckische Dame, das Glück, schon zu einem längeren Stelldichein bewegen. Aber . . . lassen Sie bitte die Theatralik. Ich würde Sie noch viel höher schätzen, S^enn Sre zu mir rein menschlich sprächen."
Atterley schwieg befremdet. Nach einer Weile reichte er ihm die Hand.
„Sie haben recht!" sagte er leise.
.„Wenn ich recht habe," fuhr der Hauptmann beherzt fort,.„dann erklären Sie mir vielleicht zunächst Ihre orakelhafte Warnung: „Setzen Sie sich nie mit Lord Southriffe m ben Spieltisch und lassen Sie sich nicht von Lady Edith die Wohnung zeigen!"
„Das ganz wörtlich zu nehmen," versetzte der andere ernsthaft. „Der Lord ist ein Mensch, der feine Opfer am Spieltisch sängt. Sehen Sie, Sie spielen mit chm. Meinetwegen „Einundzwanzig". Sie setzen. Mindestsatz 1 Pfund. Gewinnen Sie, so werden sie weiterspielen, bis Sie — eben erkoren haben. Wenn Ihr Verlust aber — sagen wir, um än Beispiel zu nehmen, 100 Pfund erreicht hat,' dann hören Sw aus, müssen Sie aushören. Ihn würde so ein Verlust von 100 Pfund nicht stören. Aber Sie können nicht weiter, außer Me wüßten: im nächsten Augenblick schlägt das Glück um Wrd läßt Sie gewinnen. Da Sie das nicht wissen, müssen Me anfhören. Gr verliert nie und gewinnt meistens, weil sr den längeren Atem bei seiner Unbekümmertheit um Spielverlnste hat. Es ist eine alte Geschichte, daß Leute mit Reinerer Börse bei einem bestimmten Verluste anfhören müssen, und darum verlieren immer die Leute mit kleineren Börsen ... So ist es auch mir mit dem Lord ergangen. Ich war ihm urplötzlich 120 Pfund schuldig und da konnte er mit mir machen, was er wollte. Ich habe die Schuldscheine mnasam einaMfi: aber hart genug ist mir's angekommen. Et der Zeit spiele ich nicht mehr, weder mit Lord Mse noch mit einem andern. Ich weiß, daß er mich zum pprelen verleitet hat, um mich zu seinem Sklaven m
Machen . . . Das Mißt, er hat auch noch feinere MitÄ
gehabt oder, wenn Sie wollen, abgefeimtere. Denn, ehrlich gesagt, der Lord ist ein —" ^
Der junge Offizier erhob sich und fiel feinem Gegen- über rn die Rede.
„Bitte, sprechen Sie nicht ans! Ich war über eins Woche fern Gast und möchte nicht/ da'tz meine Gastfrennde beschimpft werden."
, „Ich will mit meinem Urteil zstrückhalten; Sie. sollen sich selbst ein Urteil bilden."
Uno er reichte ihm den Brief an den Lord, in den Longford verwundert Einblick tat.
„Wenn ich Sie für ein paar Minuten um Gehör bitten darf, werden Sie den Brief vielleicht eher verstehen."
Longford nickte teilnahmslos. WM gingen ihn die persönlichen Verhältnisse und Beziehungen oieses Menschen zü gro Zeitungskünig an? Er wollte Klarheit über Lady Ediths Charakter gewinnen und mußte sich nun eine Erzählung von irgend einer alltäglichen Zeitungsreiberei vorsetzen lassen. «
Atterley hatte das Nicken bemerkt. Er räusperte sich.
„Ich danke Ihnen. — Mr tut es wohl, mich einnral
anssprechen zu Wunen-Nun, Sie wissen selbst, daß ein
lfswl'w Dichter, dessen Name noch keinen Klang in der Elt hat, nicht von den Erträgnissen seiner großen Werks leben kann. Ich mußte mir also irgend einen Nebenerwerb suchen, um mit meiner Familie leben, soll heißen warten zu können, bis die neckische Dame, wie Sie sie vorhin namr- ten, sich zu einem Stelldichein herbeiließe... So schrieb ich kleine Beiträge für unsere Zeitungen, möglichst an die Ereignisse des Tages angelehnt, allerlei unterhaltsames Zeug, das dem Geschmack der Zeitungsleute und -leser nicht „zu hoch" ist. Es ist auch auf diesem Gebiete schwierig, sich emporzubringen, aber immerhin leichter, als man ge- memhin -annimmt, — wenn man eben bloß Alltagsware bietet, wie sie gerade vom Markte verlangt wird. Meine Einkünfte waren geringfügig und nicht gerade regelmäßig. Vor allem wunderte ich muh über eins. Da kam es oft Lfnus vor, daß ich einer Zeitung in Sheffields oder Readina erne klerne Arbeit anbvt. . . ohne Erfolg. Sie schickte sie mir zurück. War das Aus>ätzchen aber erst einmal hier in London oder in Manchester erschienen, dann gefiel es den Leuten und sie druckten's nach. Sie werden nun glauben, das könne mir nur erwünscht fein: denn dadurch hätten sich ja meine Einkünfte gehoben??!"
. Der Hauptinann sah gequält drein. Was kümmerte ihn dcese Zeitungssachsimpelei? Er nickte wieder und Atterlev erleichterte weiter sein Herz.
. „Ja, ja, ich habe auch fo ähnlich gedacht. Aber als ich den Nachdruckern eine Rechnung sandte, kam ich schön an. Sie verbaten sich die unverschämte Dreistigkeit und was derlei Liebenswürdigkeiten mehr waren."
Nur, um etwas'zu sagen, flocht Longford ein:
„Ist denn der Nachdruck hier in England sticht verboten? Ich verstehe leider wenig von diesen Preßgesetzlichen Vorschriften."
„Ich habe versucht, mein Recht nach englischen! Gesetz zu bekommen. Ebensogut und mit mehr Gewinnaussicht hatte ich in der Lotterie spielen können. Der eine Richter sagte ja, der andere nein. Und derweil druckten die biederen Leute fleißig weiter nach. Das war ja auch viel billiger, als lvenn sie die Arbeiten von mir bezogen hätten. Schließlich konnte ich doch nicht jeden Missetäter erwischen. Denn dazu hätte ich ja alle Zeitungen täglich lesen müssen . . . Doch auch dies wäre am Ende noch zu ertragen gewesen, wenn nun nicht. . . wissen Sie, sie haben da eine großartige Fachzeitschrift, die „Prest-Cdition", und die begann zu schurch! und zu hetzen. Erst hieß es, ich verlange zuviel, ich ser >em Wucherer, — dann: ich hätte meine Arbeiten selber' abgeschrieben und sei ein Betrüger, dann: ich hätte Leute verklagt, ohne ihnen überhaupt eine Zahlungsaufforderung Weben zu lassen. Ja, Kapt'n, die „Preß-Ldition" nahm sich der durch mich fürchterlichen Menschen bedrängten armen Zeitungsverleger an; da stand es gar rührsam zu lesen vom ehrlichen Zeitnngsverleger, der schwer ringen müsse, während unsereiner, so ein hergelaufener Kafsee- hansschrrfLsteller für irgend eure belanglose Nichtigkeit uw ftmttge Gelder fordere."
Longford lachte und Atterleh spann unter heftigen Gesten den Faden seiner Erzählung weiter:
„Haben Sie Won einmal einen ZertungsverlsgLr m> sehen, der ein armer .Teufel gewesen ist? — Ich nMU —


