ist» —
Sehnsucht.
Won H. G.
Nacht hält die Erde umfangen. Tie liegt in.' ihm: Armen und seufzt: „Zwar liebe ich dich, denn du bist mild und träumerisch. Doch die Sehnsucht nach dem Licht, nach der vollkommenen Reinheit, laßt mich und meine Menschenkinder nffn'mer los, wir trauen sie in uns. Tn aber wirst mich kaum verstehen. Weißt dn nM mehr, wie Gott, der Herr, durch die Weltenräume schritt und sprach: „Es werde Licht!" Und es ward Licht. Ter Tag kam und brachte :die Sonne. Du wandest dich ab, ich aber eilte ihr jauchzend entgegen. Ms das Himmelsgestirn sah, daß ich aus deinen LLrmen kam, blieb es auf dem Weg zu mir stehen «und weilt nun schon seit EwigMten im blauen Aether. Du bist vor seinem goldenen Schein geflohen. Ich aber vergehe vor Sehnsucht nach dem reinen Licht und manchmal, glaube ich, fühlt e® die Sonne, dann kommt sie näher zu mir heran und mich durchglulen ihre «Strahlen. Ich und mehre Menschenkinder, wir baden uns in ihrem Licht. Aber wenn du wrederkommst des abends und mich HÄM holst, dann taucht die Sonne aufschauernd unter, derm sie weiß, daß du mein Schicksal bist Mich aber hebt die Hoffnung empor, daß ich die Sonne einmal ganz Wißen werde, denn sie ist mir die hohe Freundin, die des' Glückes Golostwm über mich gießt, an deren Hungborn ich allein gesunden kann. Und ich muß es dir fasert, Mutter Nacht, ich liebe sie mehr als dich. Aber das wirst du nie begreifen, denn dn kennst die Sonne nicht, hast dich in deinem Mahn streng von ihr geschieden. Auf der goldenen Himmelsleiter steigt meine Sehnsucht zur Sonne hinan, einmal, das-weiß ich, finde ich zu ihr den Weg. Tann. Mutter Nacht, wandern wir mitsammen, bringen dir die Strahlenkvone. Alles Dunkle fällt von dir, eist Hosianna ertönt und das' All Ws in Lcht und Freude getaucht!"
Büchertisch.
hh Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Literaturfreunde. /Begründet, «von Dr.~ Jvsef Ettlinger. Heraus-« gegeben von Dr. Ernst Hetthorn.) Verlag: Egon Fleischel & Co., Berlin W 9. Das 2. Aprilheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Friedrich Kluge: Luthers Bibelübersetzung; Hanns Ziehst: Referat und Bekenntnis; Franz Gvaetzar: Die Humoristin; Eugen Köhler: Vom alternden Anatole France; Kurt Martens: Flugschriften über den Krieg — Echo der Bühnen — Echo der Zeitungen — Echo der Zeitschriften — Echo des Auslandes Kurze Anzeigen^
Gießener HauKfrauett-Berein. Kochanweifungen.
Schmackhafte Beilage zu Gemüse. Wenn MaN mn- Mal etwas Schweinefett oder Speck ausgelassen hat, kann man aus den Grieben eine gute Beilage für Gemüse bereiten. Man vermischt sie mit gleichschwerem Mehl, etwas Pfeffer und Salz, 1—2 Eß-, löstet Weißwein oder MW und Hefe. Ter gut durchgearbeitete Teig wird gut ausgerollt, zu kleinen Formen ausgestochen und «auf ein Blech gelegt. Wenn die Plätzchen aufgehen, werden sie mit Eiweiß 'bestrichen und.im Ofen hellgelb gebacken. Man reicht sie als Beilage zu Gemüse. Kleine Plätzchen^ mit einem Fingerhut ausgestackM, bilden eine ausgezeichnete Suppeneinlage.
Kartoffelplätzchen, ein einfaches Kaffeegebäck.
f uf ein Pfund gekochte und geriebene Kartoffeln rechnet man 25 ramm Mehl, wenig Salz und geriebene Muskatnuß. Daraus ivird ein Teig geknetet, zu einer kurzen dicken Rolle- geformt und diese in Scheiben von 1—l x /2 Zentimeter Starke geschnitten. Tre Plätzchen werden auf der Herdplatte geröstet, .bis fte sich von selbst ablösen und goldbraun sind, dann gewendet und auf der änderest Seite gebräunt. Warm zum Kompott gegeben, schmecken sie gut. Man kannn sie auch kalt mit Mus bestrichen $um Kaffee essen und spart damit Brot. Sehr verfeinern kann man die Plätzchen, wenn man etwas Brösel unter den Teig mischt und Eiersatz sowie beliebige Würze — Mandelextrakt, Banilleessenz usw. — und.auch etwas Zucker dazu gibt. - *
!R habarbertorte. Bekanntlich braucht man zum Rhabarber sehr viel Zucker: bei nachstehendex Art der Zubereitung! ist jedoch nicht so viel notwendig, aber es gehören Eier dazu. Man nimmt 400 Gramitz geschälten Rhabarber, ohne ihn zu waschen, gibt 150 Gramm Zucker, 2 Eßlöffel Messer dazu und läßt das Ganze breiartig verkochen und auskühten. IN erner Schüssel werden 2 Eidotter und ein Eiersatz mit 100 Gramm Kunsthonig zusammen aut verrührt und eine Prise Salz, eine Messerspitze Banille, ein Backpulver, 150 Gramm Grieß, sowie 3 Eßlöffel Kartoffelmehl ioder gewöhnliches Mehl (man kann auch geriebenes Brot dazu verwenden) hinzufügt. Nun rührt man alles durcheinander und gibt den festen Schnee des Eiweißes hinzu. Eine Tortenform wird mit Fett aushesttichen, mit ein wenig Mehl bestreut und die
S Masse hrneingegeben. Sie muß % Stunde bei mäßiger Hitze
' Dar magisch« Viereck.
Bon Artur Fürst,.
-Professor Johann Eberhardt Krusius' war vdn sämtliche« 45 760 Einwohnern der Stadt Pappenbnrg enffchieden der Klügste. Ms er kürzlich den Gtnberufimgsbefehl erhielt, ließ/ Profestog Kduftus den Bürgermeister zu sich kommen und sprach zu ihimit „Drer sehen Sie einen Kasten stehen, der meinen Mchiedsgruß M dre Gemeinde Pappenburg enthält, Der Inhalt ist für säinllichü Ernwohner «ohne Ausnahme bestimmt, jeder einzelne wird etwas, oamt finden, das nur ihm allein gilt. Ich rechne darauf, daß jeder Bürger der Aufforderung Nachkommen wich, die ich nach Meinem! Weggang an ihn richte."
. 'Am Tage darauf war Professor Krusius abgereist. Der Bürgern meister ging in Gegenwart von zwei Beisitzern in feierlicher Weise daran, den Kasten zu öffnen.
Als der Deckel gehoben war, machten alle drei Männer recht erstaunte Gesichter. Der Kasten war leer bis auf ein schmales Matt Papier, das auf feinem Boden lag. Bürgermeister und Beisitzer Men einander an und wußten nicht, was sie davon halten sollte^ Schließlich nahmen sie den Zettel heraus und betrachteten ihm „Herr Professor Krusius scheint sich über uns lustig' zu machen,"« sagte der Bürgermeister, „da sind ja nur Buchstaben darauf, bie'girg körnen Smn geben." Mle betrachteten das auf den Zettel gezeichnetzch
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Dem Bürgermeister aber ließ die ArrgelegenheiL doch kein« Ruhe. Krusius pflegte wie er ihn gekannt hatte, keine schlechten« Sch«Ge.zu machen. Alles, was der sonst getan und gesagt Hatto, war irgeudivie von Bedeutung gewesen. Vielleicht >v>ar also auch m diesem MMtabeirzettel ein Sinn enthalten, der ihm als einem! ungelehrteuHRann nur nicht erkennbar war. Ms der Bürgermeistw kurz darauf m der Landeshauptstadt weilte, ging er in die llniverstz« tät und zeigte den Zettel einem der Professoren, der ein Freund des Verstorbenen getvesen war.
Ter blickte gleichfalls zuerst mit Erstaunen. Tann aber zuckt« ein Lächeln über [ein Antlitz. „Mein Freund Krusius hat Ihnen hg ein gelehrtes Rätsel aufgegeben", sagte er. „Aber ich glaube, baß in dem Viereck. lvirklich pme Aufforderung für jeden einzelnchj Bürger enthalten ist. Wieviel, Einwohner hat Pappenburg?" —, „45 760." i
. „Dann stimmt es! Tie Inschrift auf diesem Zetbess ist die Nach, ildungeines alten Grabsteins, der sich zu Ovideo in der spanischest ivovinz Asturien befindet. Ein Fürst namens Silo hat dort^l Ürche San Salvador erbauen lassen, in der er auch-begraben ist, lufdem Stein über der Grabstätte ist ein Buchstabenviereck gleiche Art wie dieses hier eingemeißelt. Wer es versteht, kann darauf lesen t „8j1o princeps fecit", auf dnttsch „Fürst Silo hat mich er&aut," 1 Das Wunderbare ist, daß dieser Satz nicht 'weniger als»45 760 mal in dem Viereck enthalten ist. Krusius hat aus dem Zettel hier die
aktuelle ÄäaHnmg ersetzt: Sehen <A« das genau in der Mitte steht? Wenn Sie die Buchb Reihe lesen, die senkrecht nach oben gcht, «rd alsdann in der nach-rechts einbiegenden, ungerechten obersten Lr»»e bis r'ne Ecke M'Lesen^ortfahren, so wissen Sie, was Krusius sagen toollttl< Ta die Stadt Pappenburg nun gerade 45 760 EinwAmer hal^ ö sprich t er Hier in dieser gewiß «seltsamen Weise aus. engstem Raum .n jedem einzelnen. Bon dem 2 in der Mitte, nach' den vier Eckost M,ckönmnGie Bürger Krusius' Mahnung auf 45 670 verschieden« IrtM.^ lesenL Und hoffentlich tut jeder, was bas magisch«? Bievoch ihm peftehlM
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Zeichnet Kriegsanleihe.
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Schriftlütung: W. Meyer. — ZwillingSrmr-^ruck der B rS b rächen U»«—Buch- und Dt^ruckerei. R. L n n a e.-Gießen.


