im Allen doch geärgert hatte. Freilich, die Rettung seines Schiffes war Taylors Wer? gttveserr. Das stand fest, aber wie jener den Tank hingenommen, das batte ihm .sein Herz verwundet, tza, sein deutsches Herz ! Tausende von deutschen Seeleuten taten tagaus, tagein ihr« Pflicht und fühlten sich stpiz dabei. Und wenn ein anderer ebenso brav ans seinem Posten stand, so freuten sie sich dessen nicht minder. Aber jener hatte es damals ausgesprochen, was eigentlich alle Bewohner des Bereinigten Königreichs dachten, daß nämlich der Herrgott feinen XieSeit Engländern stets eine Extrawurst braten müsse. Das war es ! Und darüber! sollte er sich als Deutscher nicht ärgern?
Kapitän Petersen war wütend. Und er bohrte sich in seine Erinnerungen fester. „Meiner Mutter Sohn hat imrner ein lvenig Glück gehabt." Das hatte ihn damals nun nicht so arg gekränkt. .Aber letzt während des Krieges hatte Petersen, der eigentlich ftmst kein Grübler war, über manches nachgedacht, ivas ihm an den Engländern, mit denen er in Berührung gekommen war, mißfallen hatte. Und in den Zeitmtgen hatte er darüber manches wissenschaftliche bewiesen mrd erhärtet gefunden, was ihm bisher nur dunkel feilt Gefühl gesagt hatte. ,,Glückskinder, Abenteurer, Freibeuter sind sie alle- mehr oder nnnder, die Herren Briten," rief es da plötzlich in seiner Seele, „mutig zwar, aber doch Aden-! teurer, die auf die anderen, die emsig Stein auf Stein fügend das Werk langsam rvachsen ließen, übermütig herabsahen." Und er fühlte es plötzlich wie eine Offenbarung: der Lotse Jack Taylor ist dein Feind, der Feind deines innersten Wiesens und der Feind dernas Volkstums, von dem auch du ein Teilchen bist."
Während er weiter nachdachte, da wußte er auch, was jener beabsichtigte. Von hier aus war es nicht tveit zu den Werften, eine Stelle, die nicht hinreichend geschützt werden konnte. Und auf denen vielleicht an neuen Panzern für die Marine gebaut wurde. Vielleicht gab es an der Stvommünduna doch noch irgend- wenn «s auch noch so schwierig war, diese ausfindig zu machen, so reizte das gewiß den Wagemut Taylors um so mehr! Petersen hörte im Geiste den Lotsen höhnisch lachen über die deutschen Tröpfe: er ballte drohend die Faust.
Sollte er .Anzeige machen, oder sich wenigstens Beistand sichern? Er verwarf den Gedanken schnell wieder. Es durste keine Zeit verloren werden.
werde nach dem Strande hinuntergehen," sagte sich Petersen. Tie engen Straßen waren menschenleer, und nachdem er einige Villen hinter sich gelassen, fand er deii Wieg erleuchtet Nur durch, den Mond, der heute nacht besonders hell schien.!
Bald hörte er den Strom leise plätschern, und sein Tritt versank im Smrde. > >'
„Kehr' um," sagte er sich. „Du weißt nicht, ob du dich über-, Haupt geirrt hast, und außerdem hast du keine Waffen." Aber eine andere Stimme sprach in ihm : „Sei kein Feigling! Auch du kämpfst für dein Vaterland!"
Und plötzlich sah er zwischen dem Ried ein Boot, halb auf den Strand gezogen und daneben Taylor.
„Ra, old boy," rief dieser, ,,was soll's, daß Ihr mir nach, späht, Kapitän Petersen? Denke, daß wir gleich offen und ohne Winkelzüge miteinander reden!"
Peterseir bemeisterte seine Ueberraschung. Ruhig und fest antwortete er: „Herr Taylor, was machen Sie hier?"
„Was geht Euch das an?" gab jener spöttisch zurück.
„Als Deutscher habe ich wohl ein Recht, Euch zu fragen, was Ihr hier in der Rachut treibt."
„Wie Ihr seht, bin ich im Begriffe, Euer ungastliches Land in diesem Augenblicke zu verlassen. Und" — dabei nahm er eine herausfordernde Haltung laist* — < „wenn Ihr, wie es den Mischern, mich daran hindern wollt, so bedenkt, daß ich jünger und stärker bin als Ihr. Und ich möchte Euch Mn Leid antun."
,_Jch will den Hohn in Euren Worten picht hören, Taylor, j«id Ihr mögt mit Gott reisen, wenn Ihr mir auf Ehre und Gewissen erklärt, daß Ihr nichts Unrechtes gegen mein Vaterland ge-; ttttt habt."
„Ein Engländer tut überhaupt nichts Unrechtes!" gab der andere überlegen zur Antwort Md machte sich daran, das Boot vom Ufer zu lösen. >
„Ihr bleibt, Taylor!" rief Petersen nnd stellte sich yor ihn'.
.Mus dem Wiege da!" schrie Taylor und warf ein Notizbuch ins Boot. ^
Siedend heiß durchschoß es Peterseir mrd in Sekunden-^ relle fuhr es durch sein Hirn: IN einigen Tagen vielleicht werden in der Nähe britische Kriegsschiffe durchbrechen nnd an des Flaggschiffes wird der Lotse stehen und^lachen über den dummen, weichherzigen Michel. Und in hellen Scharen wird es sich über me Küstenstädte ergießen, und sieghaft wird es trium°i phieren, das Volk der glückhaften Abenteurer. Und seine Flaust fuhr gegen die Stirne des Engländers.
„Tamned Dutschrnan!" brüllte der Lotse. Dann warf er sich auf Petersen und seine Hände schlossen sich um die Kehle des! Kapitäns.
„Hilfe!" rief Petersen. Tann sank er zu Boden.
„Wer ruft hier Hilfe? Einer hat englisch gesprochen. Ta— Boot! Halt!" Gin Schuß rollte über oas Ufer. Und noch *. Der im Boote tar einen kurDn Aufschrei
fallen. —
und ließ die
Neberl Petersen kniete der Führer der Strandpatrouille.
„Schnell, Leute, etwas Kognak! Ter alte Mann lebt noch. Vielleicht kann er uns sagen, warum der mit dem Boot so schnell davon taollte." Man reichte das Verlangte und nach einigen Minuten schlug Petersen die Augen wieder <rrtf.
Flüsternd und in abgebrochenen Sätzen gab er dann feine Erklärungen.
„Ich denke, mir sind zur rechten Zeit gekommen," rneürte der Führer. Tann wandte er sich an einen seiner Leute. „Und der im Boot ist ganz tot?"
„Jawohl, Herr Unteroffizier! Und das hier scheint mir, soviel ich davon verstehe, Auszeichnungen zu enthalten über deutsche Minenfelder!"
Ta trat ein Glanz in die Angen des Kapitäns. Und aufatmend sagte er: „Ich habe seinen Tod nicht gewollt. Aber er war der? Feind meines Volkes und darum auch mein Feind. Und lachöu soll keiner über unser Vaterland."
Helden der Heimat.
Mm Curt Reinhard Dietz,
Ich habe sie gesehen, oft nnd überall — die Helden der Heimat. Eigentlich müßte ich sagen: Heldin,ren der Heimat, denn es sind Frauen, die ich« meine. Mütter, Jungfrauen, Mädchen nnd solche, die fast noch Kinder sind. Im Scheiden des Tages habe ich sie gesehen, in der letzten lauten Hast des Tages, als die gncaneu, rußigen Tore der Fabriken mrd Werke sich öffneten und sie hinausströmten — nach Stunden der Arbeit ans Licht. Blasse, von der Qual ihrer Arbeit abgezehrte Gesichter, Hab" ich gesehen unter frischer, roftgett Wangen- unter lachendoll Augen manchen Zug bitterer Not und Sorge. Kinder sah ich vor den Toren, bleich und arnr, die ihrer? Mütter harrten, seit der Frühe des Tages sich selbst und der Hut Fremder überlassen. Und ich sah, wie diese Mütter ihren Kindern das Vesperbrot brachen und. teilten, das sie sich am Munde abgespart bei aller Arbett, um die hmigrigel, Mäuler zu stopfen. Da habe ich, die Helden der Heimat gesehen. . .
Am anderen Morgen ging ich durch eines der granSi Tore hinein in die Stätte harter, schwerer Arbeit. Da habe ich ne zum zweiten Male gesehen, die Httdinnen der Heimat. Mn Dreh- bank unh Spindel, an surrenden Rädern und gewaltige!: Maschinen habe ich sie gesehen in unermüdlicher Airbeit. Und durch all das Surren und Sausen und Hämmern Md Klopfen habe ich etwas! Seltsames immer wieder gehört: fröhliche, scherzeiche Wiorte uno helles, klingendes Frmlenlachen! Wohltueirdes befreimdes Lachen! in all dieser Not und Last! ttitb noch eins habe ich gesehen: ein» jmige, schlalike Frau mit bleichem, durchnächttgtem' Gesicht Ulld hohlen Wangen. über die schtvere Tränen rollten und niedersicleni wie große, kostbare Perlen auf die Granaten in den zitternden, arbeitsharlen Händen. Bor ein paar Tagen war ihr Mann ge-, fallen, im Westen drüben, und gestern war ihr einziges Kind Mt einer tückische!: Krankheit jäh! gestorben. Und jetzt stand sie wieder hier an der surrenden Bank Md drehte Granaten! Währltch, das sind die Helden der Heimat!
9doch zweimal habe ich die gesehen, die Helden der Heünat.
Das eine.Mal war es in einer große!: dentsche»r Festung. In den Arttllerielverkstätten urch Munitimisdepots. Elin seltsames Bild habe ich da gesehen — wie etwas nnsagbrr Großes, HMges, hat es sich, mir für ewig eingeprägt: an beschädigten Feldgeschützen, die wie ihre Bedienungen draußen in wilden Schlachten schwere Wunden erhalten hatten, arbeiteten Fromm in ihrer: blauen Leinenkitteln» mit Hammer und Eisen — kämpfte!! mit uns, siegten für.uns. . . An unzähligen kleinen Waagen sah! ich junge Mädchen in weißen Mänteln todbringendes Dynamit abwiegen für die Granaten, die andere, hunderttausend andere geschaffen. Und wieder andere Wen schweißtriefend und keuchend kleine Karren mit ganzen Kisten voller Munition von den Depots in die EisenbahuLMgen oder schleppten sie aus Traglasten von Magazin zu Magazin.
'Das andere Mal war es in eilier unserer Hansestädte. Ta jap ich tausende und abertausende deutsche Frauen in harter Arbeit aus den Wersten. Sah sie schleppen und fahren,, hämmern und zimmern, sah sie als Kutscher, W'agenlenkerümen nnd Krankend sichrer — überall, an jedem Poster: in eiserner Kraft und steg-- haster Ausdauer. Ueberall sah ich sie Waffer: |'d}mieiben jeder Art, von Kohle Md Stahl bis zum todbringenden Geschoß und den kostbaren Teilen geheimnisvoller U-Boote, überall Hand in Hand mit den Brüdern und Söhnen Deutschlands draußen in: Feld und auf dem Meer — die Helden der Heimat!
Und was ttlst Du? Hast Tu einmal schon darüber nachgedacht, hast Du einmal schon einpfündei: wie lvenig Tn — wie viel, >v>ie Msagbar viel sie tun? Jetzt kaimst Du Teilte Schuld wett machen, kannst ihnen vergelte!:, was sie getan — für Dich: die Helden der Heimat mit denen da draußen im' Bunde. Was sie in mondelanger, harter, lichtarmer Arbeit getan für Dich, für alle, für Sieg und Frieden — das kaMst auch Du jetzt tun! Tu brauchst nicht zurück- zustehen, brauchst nicht abseits zu stehen: wer Kriegsanleihe zeichnch, kämpft mit. wer mätkämpst, Mt siegen. Und der eiserne, starke Sieg bringt den Frieden. »
, , - Du Deine P flicht ! >


