118
Drittens: iveil dann deine Kiriber, wenn die Jahre VvrüLergehen, am ^erdfeuer Geschichtsbücher lesend, stolz sein werden, aus dem Munde des Vaters zu hören, daß auch er ein Soldat war und die Mutter und das Heim deWkt hat.
Mertens: tveil des Königs Khaki eine Uniform ist, die jeden: Manne paßt, die aus ihm einen hübschen Kerl Macht und überhaupt das einzige Gewarrd ist, in dem ein netter Bursch sich gern zeigt.
Eso heran mit dir, inein Lohn, komm und laß dich jetzt sofort anwerben."
. . . Jawohl, mit diesen kindischtörichten Redensarten
S tg man sie, die Eitlen, die Urteilslosen und die vom den Zermürbten, die Zertretenen, Zerschmetterten, . . . Verzweifelten. — Ob man ihn auch für einen Verzweifelten Aolt, weil man ihm den Mich ins Haus zu schicken wagte? Die senden daö Dringende" Schreiben aber wohl an alle waffenfähiger Männer. /
Und mit einem Male stieg ein Gedanke in ihm auf, urtzroß wie eine überirdische Erleuchtung. Seine Augen Werteterr sich, die Augäpfel drohten aus ihren Höhlungen Ku brechen . . . Ja und tausendmal ja, er war ein vom Leben Zermürbter, ein Zertretener, Zerschmetterter, Verzweifelter! Und dieses Schreiben wies den rechten Weg!
Er hatte einmal Hand an sich legen wollen, damals, aV auch noch Lady Edith ihm die Enttäuschung bereitet, h- er war zu feig dazu gewesen. Vielleicht hatte er auch an Weib und Kind gedacht
Mer so... so war es ja zehntausendmal besser. So besorgte das imenb eine barmherzige Kugel, ab geschossen von einem Unbekannten, der ihn vielleicht gar nicht treffen wollte.
Für sein Weib und den kleinen Tommy war gesorgt. Und er hatte seinen Frieden in alle Ewigkeit. In alle Ewigkeit...
War ja niemand aus der Welt, der nach ihm verlangte. Mechanisch griff er wieder zur Feder und schrieb mit seinen großen steifen Buchstaben unter den Werbeaufruf Lord Derbys:
„Liebe Alexandra!" Er wunderte sich fast gar nicht darüber, daß er seine Frau nicht mehr mit ihrem Kosenamen Lexy anredete. „Ich gehe aus Eurem Leben fort. Dies Blatt weist ben Weg, wohin Leute meines Schlages zU geherr haben. Es soll eine Fügung des Himmels sein und ich will den Himmel weiter entscheiden lassen. Fälle ich, so habe ich alle meine Schuld gesühnt. Kehre ich heil zurück, dann habe W all Meine Schande mit Blut abgewaschen, und wir wollen dann selbdritt versuchen, ein neues Leben zu beginnen. Und wenn Himmel und Erde einstürzen sollten, — ich habe Euch doch geliebt. James."
Dann steckte er den Brief an Lord Southriffe zu sich. Kr würde ihn also doch abschicken können.
Und leise, wie ein Dieb in der Nacht, stahl er sich aus seiner Wohnung fort. Nur den Literatur-Club wollte er noch einmal auffuchen.
Den Mantelkragen hatte er hochgeschlagen. So warrderte er zu Fuß durch die wenig erleuchteten Streßen der inneren Stadt.
Ihm war seltsam feierlich zu Mute.
9. Kapitel.
l Literatur-Club.
Ämgford war geistesabwesend in wilder Flucht aus dem Hause Lord SoUthriffes geeilt. Er rannte, als verfolge ihn eine Meute von tausend Häschern, bis ihn sein linkes Bein dermaßen schmerzte, daß er einhalten mußte.
Was nun. . .?
Er fühlte sich am Rande seiner körperlichen und geistigen Kräfte. Sein erregtes Blut hämmerte gegen die Schläfen. Dumpf ahnte er, daß jetzt etwas geschehen, daß er einen Entschluß fassen müsse. Aber welchen . . .??
Das grelle Plakat eines Lichtspieltheaters gellte seinen Sinnen entgegen.
Ein guter Gedanke! Er löste einen Schein und ließ sich in dem halbdunklen Raum auf einen Klappstnhk nieder. In diesem Halbdunkel konnte man wenigstens seine Gedanken ordnen.
v Er sah einen Augenblick auf die Leinwand. Es war die übliche sentimentale Geschichte von dem Manne, der trinkt mrd die Familie ins Elend stürzt. „Kaviar fürs Volk", hatte
eirO Englands größter Dichter gesagt. Er schlo ßdie Augen. Unklar und verworren strömten hundert Gedanken auf ihn ein.
Er hatte verspielt. Unr eines Weibes willen war er der großen Aufgabe untreu geworden, zu der er sich gemeldet.
Ob er fliehen sollte? Nach Holland mit dem nächsten Postdampfer oder nach Frankreich, unr über die Schweiz zu entkommen. . . Mer er hatte kein Recht, zu fliehen, kein Recht, dies Leben zu retten, das er in frevelhaftem Leichtsinn verwirkt . . .
Ob Lady Edith plaudern würde? Und wenn? Ob sie Glauben fände, wenn er leugnete? Oder sollte er gar nicht leugnen? Er war auf diesen Platz gestellt, hatte sich selber freiwillig für diesen gefährlichen Posten gemeldet . . . Kam es da auf eine Lüge mehr oder Weniger nicht an? Er be- log und betrog hier alle. Sie alle hielten ihn hier für den heldenhaften britischen Offizier, der aus dem deutschen Feldlazarett entflohen. Gewiß, es war ihm anfangs hart angekommen, dies stete Verleugnen des deutschen Gedankens. Er hatte die Zähne zusammengebissen und manche Redensart über der Gerechtigkeit der britischen Sache wacker mrtgedroschen. Aber was half das? Er mußte sich's doch erngestehen: er hatte sich das alles leichter, viel leichter vorgestellt. Es mochte ein Vergnügen sein, den feindlichen Mrmster zu überlisten Und sich in feilt Vertrauen einzuschleichen, mochte ein Vergnügen sein, den Igel im Dachsbau zu spielen. Lord Southriffe und Lady Edith waren ihm gleichgültig, er haßte sie beinahe. . . Aber da waren doch Menschen, die er sich gerne zu Freunden gewonnen hätte, wie Viscount Brauch und Marianne von Roggenhusen, und die er auch belügen mußte wie die andern.
Besonders Mariannes wegen war ihm die Maske leid. Wenn er mit ihr allein und sie in ihrer sanften Weise über ihr Wahlvaterland Deutschland voller Begeisterung sprach, hatte er sich oft Gewalt antun müssen, unr nicht vor sie hinzutreten Und sich die Larve vom Antlitz zu reißen Sehen Sie mich an, auch in meinen Adern rinnt deutsches Blutl Auch ich bin Deutscher, liebe mein Vaterland so glühend wie Sie. Um meines Vaterlandes willen habe ich mich in diesen Hexenkessel gewagt, um hier am Untergang des Feindes mitzuarbeiten." — Aber da, bei Marianne, hatte er sich fernes väterlichen Freundes, der alten Exzellenz von Grundherr erinnert:
„Bor allem einen guten Ratschlag, lieber Freund, auf Ihren dornenvollen Pfad! Hüten Sie sich vor den Weibern, sie mögen anssehen wie sie wollen, schwärz oder rothaarig, blond oder braun sein, ruhig oder lebhaft, — hüten S:e srch vor ihnen! Hüten Sie sich, falls sie Ihnen drüben begeauen sollten, vor unfern Landsleuten! Treten Sie nie kür sie ein!"
(Fortsetzung folgt.)
Der Engländer.
Bon Walter Heise.
Kein Ztveisel, Kapitän Petersen hatte sich nicht geirrt; bet ander« hatte wohl schnell zur «eite geblickt. Und doch hätte Petersen die Narbe auf der Backe wiedererkannt. Me kam det englische Nordsee lotse Jack Taylor.hierher in den kleinen Unterweserort? Sollte er sich hier so lange verborgen gehalten haben? Kaum möglich. Also mußte er kürzlich angelangt sein. Was wollte er? Petersen schlug sich vor die Stirn. „Ich hätte ihn stellen! sollen," sagte er zu sich selbst. Er ging die «traße wieder zurück, «ie.war leer.
Ein mutiger Mann tvar der Taylor. Das wußte uiemauÄ besser als Petersen. Alle Wetter, die Dezembernacht würde er feilt Lebtag nicht vergessen, wo der breitschultrige Engländer die Bremer Brigg „Sophie" so meisterhaft durch die Brandung geführt hatte! Das' ist einer, der es mit dem Teufel anfnimmt, hatte Petersen damals gedacht. Wie der Kerl das Ruder in seine« Gewalt gehabt hatte! Ein Matrose war über Bord gespült, und von der Verschanzung war ein Stück weggerissen worden, aber! sonst war der Kasten heil in den Hasen gekommen. Als Petersen' damals mit kräftigen: Händedruck für die Rettung seines Schiffes! bankte, da hatte jener mit dröhneiwem Gelächjter abgewehrt 3 „Hat nichts zu sagen, old boy. Meiner Mutter Sohn hat immer ein wenig Glück gehabt. Und dann, der alte Wässergott kann mir nichts anyaben. Ihr wißt doch: England herrscht him Und darauf hatte er sich fejne Shagpfeife Iran
Als sich Petersen jene Sturmnacht wieder Kurückries, da siel ihm! eßn, baß er stch Wer die Wvri
neuem ang Heckt.
ins Gedächtnis te des Engländer-


