für bte Heimreise ?u benützen gedächten. Die Sie nun selbst! das Thema berühr len, scheint die Frage nach Ihren Zukunfts- Plänen nicht mehr verfrüht."

Auch Edith sah ihn mit gespannter Aufmerksamkeit an.

Der Hauptmann schob die Fingerspitzen gegeneinander und zuckte lässig die Achseln.

Meine Zukunftspläne hängen natürlich von meinem Empfang im Kriegsamt ab. Ich bin wohl für den Front­dienst nicht mehr verwendbar; aber ich denke, daß man im Generalstab die Erfahrungen eines ehemaligen Frontoffiziers brauchen kann."

Darum also diemise en scöne", die Sie als ganz zu­fällig erklären wollen?!" Lord Southriffe lachte.Aber, ich bitte, bitte," fuhr er noch immer lachend fort, als er die ab­wehreiche Geste des Offiziers bemerkte,Sie haben ja voll­kommen recht: Wer die Reklametrommel nicht rührt, der kommt nicht vorwärts int Leben. Es gibt kein Erlebnis, das einem nicht richtig nutzbar gemacht Vorteile brächte."

Ediths Augen hatten sich geweitet.

Es freut mich aufrichtig, daß Sie also für längere Zeit hier zu bleiben beabsichtigen. Wenn Sie aber von mir, einer in amtlichen Dingen und nun gar in militärischen Angelegen­heiten blutwenig erfahrenen Dame, einen Rat annehmen wol­len Longford verbeugte sich stumm, so möchte ich Ihnen empfehlen, im Kriegsamt nicht unnötigerweise Ihres Auf­enthalts in oiesem Hause Erwähnung zu tun."

Der Zeitungskönig warf seiner Tochter einen entschieden Mißbilligenden Blick zu. Longford entging dies nicht; trotz­dem fragte er:

Wie, Mylady, sollte es nicht gerade als Empfehlung dienen, daß sich dem Fremdling schon die gastlichen Pforten dieses vornehmen Hauses ausgetan?"

Edith lachte.Bitte, keine Schmeicheleien!"

Und der Lord tneirte bedächtig:Nun, die Herren von der Regierung sind tun ein bißchen gram. Haben Sie meine gestrige Rede im Oberläufe nicht gelesen?"

Longford blick! 2 d n alten Herrn fast schelmisch an:

,,Sie selbst, Mylord, sind nicht ganz unschuldig daran, daß ich mir das VergÜngen versagen mußte. Denn gerade, als ich mich in aller Ausführlichkeit der Zeitung widmen wollte, stürzte Mister Atterley ins Abteil und überbrachte mir Ihre liebensrm ringe Einladung."

,Also, um e kurz zu sagen, ich warf der Regierung den Fehdehandsch xh hin. Ich stellte einmal einige unan­genehme Tatsache-.^e st, vor allem, was die Mißwirtschaft im Heer betrifft. Die st ronwffiziere haben fünfzig Prozent Ver­luste und zweien h db Prozent Auszeichnungen treffen auf sie, während hin tr c der Front im Stab zweieinhalb vom Hundert Verlust? zu buchen sind und zur gerechten Beloh­nung fünfzig von» Hundert Auszeichnungen. Und solcher Gift­pillen habe ich tri hoch mögenden Herren eine ganze Anzahl Versetzt."

Der Offizi.: war über diese Eröffnung ehrlich erstaunt.

Ich bitte i: in Vergebung, Mylord, Sie lobten soeben dis Regierung, weil sie eine Schande der Nation nicht offen­bar werden lirst. Schädigen Sie aber nicht durch Ihre parlamentarische Tätigkeit die englische Sache weit mehr?"

, _Es ist kehre Schande für die Nation, wenn in ihrer Mitte Männer aufstehen, die eine verderbte Regierungs­politik bekämpfen. Im Gegenteil, das schafft uns Freunde tn der ganzen Welt!"

Ich verstcbe nichts von Politik. Aber. . . . Ihre Rede wird doch durch die Presse verbreitet. Ihre eigene Presse wird das ihr! ge tun. Man liest die Londoner Blätter ver­mutlich auch in Berlin und wird daraus vielleicht gewisse Schlüsse zieh»;t. . . meinen Sie nicht auch?"

Der Zettungskünig runzelte die Stirn.Welche Schlüsse wird man zihen?"

Nun, z machst den eben erwähnten: daß es hier auch Anders denke :d e gibt, Männer, die der Regierung feind­selig gesinnt find."

Und sie glauben wirklich, daß ich meinem Vaterlande wehr nütze, wenn ich schweige, als wenn ich pflichtgemäß Uebelstände mder gesetzgebenden Körperschaft brandmarke?"

Ja, li üen Sie denn Ihr Vaterland nicht?" entrann «s Longford unwillkürlich.

Ich gl:ube doch!" versetzte der alte Herr gelassen.

Ist e£ dann neugierig, zu fragen, welche Gründe Sie bewegen, n.nu Sie die Regierung b-Äämpfen?"

Die (runde, Herr Hauptmann, sind sehr einfach: Ich Hn überzogt, daß unsere Regierung ihre Unfähigkeit aufs i

schändlichste erwiesen hat. Wir brauchen eine Regierung, div unter ganz anderen Voraussetzungen, von einem gantz anderen Staatsgedanken getragen, an ihre Riesermufgab« herantritt."

Lord Southriffe war warm geworden. Man sah ihm an: jetzt sprach er über sein Lieblingsthema.Wir Engländer haben uns im Lause der Jahrhunoerte gewöhnt, im Staat nur den Vertragsschuldner zu sehen, sozusagen den Gewähr­leister des bestmöglichen Geschäfts für jeden einzelnen. Das soll der Staat auch sein; aber das darf er nicht ausschließlich ftin. Und da unsere Regierung von allen diesen Dingen keine blasse Ahnung hat, muß sie eben gehen, je früher, desho besser für uns alle."

Ja, Mylord, ist Ihnen nie der Gedanke gekommen^ daß Sie durch diesen Kampf im Innern vielleicht das Land in den Abgrund des Verderbens, ins Bodenlose stürzen - Daß Sie vielleicht die ganze, mühsam durch Jahrhunderte! ansgebaute britische WeltmachtstellUng . . .?"

'Nun, da überschätzen Sie meine Kraft Und unter­schätzen vor allem die britische Machtstellung. Zu vernichten rst die britische Vormachtstellung nicht, weder in diesem Kriege noch in einem andern. Dazu steht der Untergrund» denn doch auf zu festgefügten Quadern."

.Aber wie soll England denn den Krieg gewinnen, wenn rm Lande selbst die Gegnerschaft das Haupt erhebt?"

Der Lord lächelte wohlwollend über die aufgeregtes Gesten des jungen Offiziers.

Wo steht denn geschrieben, daß wir den Krieg gewin­nen sollen? Wir werden ihn nicht gewinnen!"

Der Hauptmann schnellte hoch.Und ich- versichere Ihnen, bei allem, was mir heilig ist: Wir werden den Krieg gewinnen!"

Es klang fast triumphierend, wie er das hinausschrie.

Ich ehre Ihren Optimismus, junger Freund, ver­sichere Ihnen aber meinerseits im Gegenteil, daß wir den Krieg schon deshalb nicht gewinnen werden, weil wir ihn längst verloren haben!"

Einen Augenblick herrschte Schweigen im Zimmer.

Dann fragte Longford zaghaft:Und warum schließen Sre, wenn Sie das schon wissen, nicht Frieden?"

''Ich Frieden schließen? Sie wenden sich an die falsch« Adresse, Kapt'n!"

Longford zog die Brauen zusammen.

Ich bitte um Vergebung: aus der Schilderung, die mir Herr Atterley heute morgen gab, mußte ich die Ueberzeugung gewinnen, daß Mylord wohl die Macht in Händen hätten.^

Lady Edith lachte, daß ihre Zähne blitzten.

Ach, Atterley! Lassen Sie sich von dem halbverrücktert Dichter keinen Bär aufbinden. Er übertreibt immer."

Der Zeitungskönig zog die Uhr und erhob sich.

Und wenn ich statt achtzehn Zeitungen deren hundert zu Gebote hätte, so wäre mein Einfluß nicht größer, Kapt'n, als heute. Auch mir ist die unmittelbare Einwirkung auf die Entschlüsse der Regierung versagt. »Zu meinem Leidwesen mutz rch aber jetzt das Gespräch abbrechen. Die Zeit ist schon etwas vorgeschritten und ich habe meinem Privatsekretär noch ein paar eilige Briefe zu diktieren. Ich sehe Sie dann also zum Diner und darf wohl danach aas das Vergnügen hoffen, Si« wrArmy an Navy" einznführen?"

Er reichte Longford die Rechte und mit dem ruhigsten Ton der Welt, als habe man nur vom Wetter und anderen gleichgültigen Dingen gesprochen, wünschte er:Gooü after- noon!".

(Fortsetzung folgt.)

ttätzchen.

Skizze von Georg Persich.

Aus einmal waren sie da ein wenig Sonnenschein hatte ge­nügt, sie hervorzuzaubern. Sie saßen an den kahlen Zweigen wtzt silbern schimmernde Perlen, und es waren doch nur Kätzchen.

Die Leute, die vorbeigingen, dachten bei ihrem Anblick an den ühling, der ja nun bald- kommen Mußte und von dem die milden »ge schon einen Vorgeschmack gegeben hatten. Und sie hatten gern ein paar der Kätzchen mit nach Hause genommen, aber es war streng verboten, in den öffentlichen Anlagen etwas anzurührews Der Mann, der abends ln der Dunkelheit kam und die blühenden Zweige mit scharfem Messer abschnitt, wußte das auch, kehrte sich jedoch nicht daran.

Und am nächsten Tage hielt er sie auf der Straße feil, dort- wo der Verkehr am lebhaftesten war. Me frischen Kätzchen lagert zusammen mit einigen künstlichen Mumm in einem K»rbe nnÄ