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Meise begonnene Bekanntschaft mit dem heutigen Tag nicht ihren Abschluß fände."

In Atterley stieg eine Welle der Freude hoch. Da war endlich jemand, oem er Zuneigung eingeslößt zu haben, her seiire fernere Bekanntschaft M begehren schien. Er richtete seine im Hause Sünthrifse allzeit etwas gebückte, Last unterwürfig niedergedrückte Gestalt höher und versetzte:

Auch ich würde es nur Mr Ehre anrechnen, weiterhin Khrer Gesellschaft gewürdigt zu werden. Sie treffen mich KM besten im Literatur-Klub. Ich hin heute nach dem Diner Kegen neun Uhr dort. Ich würde Sie gerne hier abholenj wrd dort einführen . . . das heißt, wenn Lady Edith Sie freigibt."

Edith Zog die Stirn kraus. Es lag etwas in Atterleys Worten, was sie verletzte. Wer sie wird der Antwort überhoben.

Mit jener ruhigen Ueberlegenheit des Mters, die keinen Widerspruch aufionunen läßt, warf Lord Southriffe ein:

Kapt'n Longford wird vermutlich kein allzu heftiges Verlangen danach verspüren, in Ihren Literaturkreisen auf­zutreten. Wenn Kapt'n Longford einen Londoner Klub be­suchen will, so eignet sich seinem Rang und feiner Stellung am ehesten derArmy and Navy Club" dafür; es wird mir ein Vergnügen und eine Ehre sein, Kapt'n, Sie noch heut« dort einzusühren."

Der freudige Glanz in Atterleys Augen war erloschen. Er senkte das Haupt und schien mit einem Male viel kleiner «ls vorher. Stumm, die Brust von Gram und Groll zer­nagt. verbeugte er sich und verließ langsamen Schrittes das Gemach.

tFortsetzung folgt.)

Die Speisekarte.

Bon Alfred Bratt.

Er fühlte einen heftigen Dieb eigentlich war es Nur em Stoß, eine Erschütterung, keinSchmerz" im üblichen Sinne er hörte, wie es mit einemmale rings uur ihn sauste, ats fei die Luft, die dünne, graue, von fahlen Pulverschwaden durchzogene Lust plötzlich durch eine Miaute rasend flatternder, unsichtbarer Fledermäuse be­völkert er dachte mit fast fanatischer Schärfe an irgendein nebensächliches, jahrealtes Erlebnis und wunderte sich darüber er sah, rme in Blitzlichtbestrahlung die schattenhaft konturierten Umrisse von ein, tzwei, drei, vier befreundeter Gesichtern> er dachte instinktiv:So also rft es, wenn... merkwürdig primitw und un- fercrlich..." etc hob die.Arme, ließ sich willig aus dem Gleichge- wicht gleiten und stürzte vornüber.

Da lag der Kadett aus dem nassein, vom langen Regen mo­rastigen, lehmigen Boden; er lag auf dem Bauch, die Gliedmaßen kraft- und willenlos von sich gestreckt, sein graugrüner Unisormrock war auf dem Rücken bepudert von schwärzlichem Explosionsstaub bekleidet mit LehmsMcken, die aus der Erdsvntäne herübergespritzt waren aus dem Trichter, den einige Mfeter weiter eitle berstende Granate in das Feld gefetzt hatte.

Der Kadett lag 10 Minuten, 20 Minuten, eine halbe Stunde phne Besinnung. Zwischen den grotesk verzerrten Körpern Gefal­lener, die rechts rmd links von ihnt, vor und hinter ihm das Terrain wie schlafende Vagabunden bedeckten, sah er selbst wie eine Leiche aus.

Der Boden zitterte vom Rasseln der Räder der Geschützlaf­etten, von Pferdegetrappel und Jnfantristenslampfen in der Ferne. Ab und zu ächzte ein verirrter Schuß herüber, dann wurde es all­mählich ganz still. Der Abend beschattetem sanft tiefer steigenden Dämmerungsakkorden die heroisch-trostlose. Landschaft.

Das kleine Gefecht hatte sich weiter nordwärts verzogen, in der Richtung zur braun gewellten russischen Schützenlinie. Dem oerirrten Granattreffer folgte kein zweiter Schuß.

Der Kadett erwachte, als zwei Sanitäter ihn auf eine Bahre legten. Er fühlte sich vollkomnchn geMnch, die Zunge klebte ihm schwer am Gemmen, im übrigen aber hatte er keine Beschwerden» Er besann sich dumpf, während die Tragbahre im Taktschritt der stummen Männer und in irrlichterndem Laternenschein zwischen gespenstisch kahlen Bäumen vorwärts schwankte. Der Kadett hätte gern gestagt, wo er verwundet sei, ob er operiert würde, ob Hoff­nung vorlianden sei, oder ob... Wer er schivseg. Gr Sonnte nicht! sprechen. Msttt, hilflos und mit 'gottergebener Müdigkeit blickte er «um Himmel empor, während seine Lippen vergeblich Wlortd formten. Nein... es ging nicht. Wahrhaftig er war stumm ge­worden.

Fünf Tage später wurde der Kadett aus dem Bahnhvfsschuppen, der sich Lazarett nannte, entlassen. <Gr hatte das SckKmMstie des Nervenchoks überwunden, er hatte die Sprache wieder. Nun sollts er mit dem nächsten Zug nach der Heimat, um sich gänzlich zu er­holen. Denn er mußte noch häufig zittern, und er fühlte sich seltsam« Unsicher, ja verlegeni en, der Kadett ans Wien,das vornehme Kadettl", wie man ihn zu Hanse nannte.

Er telegraphierte an seine Msttter,. .Er lvar noch sehr jung, her}

Kadett. Dann wartete er auf beim Bahnhof, in halb zerfetzter Uni­form, ohne Monokel, ohne Handschuhe er, der in Men im elterlichen Pracks anto spazieren fuhr und jeden Morgen auf seinem! «Vollblüter durch den Prater ritt. Armselig und bescheiden wartet« er. Und er hatte Glück. Ein LazarettMg kam, mit dem Endzrel' Wien. Es war nicht einmal ein gewöhnlicher LazarettMg, sondern; ein ganzfeiner", von- einer adligen Kriegswohlsahttsunterneh- mung gestiftet. Mit erster und zweiter Masse und Speisewagen. Das letztere erschien dem Kadetten besonders bedeutsam und sym­pathisch, denn, er hatte seit seiner Entlassung nichts mehr geger'seni So stieg denn der Kadett Egon von Felsenberg mit der Geste des verwöhnten Weltmannes, aber allerdings auf noch ziemlich unsicheren Beinen, in den LazavettMg, und gleich- darauf fuhr man! ab. Er wurde dem Arzt vorgestellt, und dieser sagte:O, Herr von Felsenberg! Sehr erfreut! Kenne den Herrn Papa aus Wien, allerdings nur dem Namjest nach. Mer wer kennt nicht das Palais» in der .Herrengasse!"... ' ,

In einem Abi eil. 1. Klasse wurde der Kadett auch mit oerst Ajnssichtsosfizier bekannt gemacht. Und siehe da es war des Stepanek, «der bankerotte, nicht gerade allervornehmste Franz Sie-! panek, dem der jiunge Herr .von Feksenberg so manchen 50-Kvonerv' Schein geborgt hatte, der noch immer nickst zurückgezahlt war»

Sie sprachen über dies und das. Der Kadett wurde immev unruhiger. Er war nämlich hungrig, zum Donnerwetter. Endlich meinte der Stepanek:Gehen wir in den Speisewagen rüber!' Kadett atmete auf und wurde geradezu beweglich.

Im Speisewagen, der im übrigen m dieser Stunde leer 'war, nähmen sie an einem Tischchen Mr Uoeil Platz. Der Wägen erinnerte an glückliche,internationale" Friedenszeiten. Ast den Wanden hingen noch immer die Ankündigungen ftanzösilcher und tta ko­nischer Hotels, Bilder von der Riviera usw.

Vielleicht etwas M speisen gefällig?" «fragte der Stepanek mft ausgesuchter Höftichkeit.

Ach ja!" erwiederte der Kadett erfrrg.

Vielleicht ein Schnitzel,.. oder einen Fisch mit Gemüse.. - leichte Krankenkost, wie?" .

Der Kadett nickte »mr. Ist fernem ganzen 22;ahrrg«n, ver­wöhnten Leben war ihm »roch nie so zum Mwußtserrr gekommen^ daß das Essen ein feierlicher, gewissermaßen dramatischer Akt sei» Ordonnanz!" rief der Stepanek nachlässig.

Die Kellner-Ordonnanz erschien. Vlljrijr _

Bringen Sie..." Der Stepanek unterbrach sich plötzlich und blickte den Kadetten erstaunt an. Der junge Herr von Felsenberg starrte bleich, entgeistert auf die obere Leiste des Türrahnrens und winkte krampfhaft mit der linken Hand. . r , ^

Nein," sagte der Kadett.Danke! Aber mir ist mcht ganz Wohl. Ich werde doch liebernichts essen!" ,.

Gar nichts?"

Gar nichts!" Der Kadett seufzte ttef. Offenbar hatte er Schmerzen. Ja, so ein Nervenchok hat seine Launen.

Na," meinte der Stepanek zur Ordonnanz, ,mir können Sie auf jeden Fall eine Omelette bringen. -Aper ordentlich gefüllt!"

Er wandte sich hastig um. Der Kadett hatte einen abgrundtiefen Seufzer ausgestoßen.

Sie unterhielten sich. Sprachen von Wien und dnrchlmmMelterr Nächten. Die Omelett« kam. Ter Kadett wurde noch um einige Grade bleicher. .

Eine Stunde verging. Zwei Stunden. Drei Stunden. Ter Kadett starrte von Zeit zu Zeit auf die obere Leiste des Türrahmens. Und er war noch bleicher geworden. , i

Mittags der Stepanek 3 Gänge. Dann spielten jre Tonnno. Dann genoß der Stepanek Kaffee und Zwieback, während der Kadett sich wandte, als hätte er Krämpfe. . ^ .

Abends, 2 Stnnden vor Wien, verzehrte der Stepanek erneu Rinderbraten Der Kadett stöhnte rmd starrte auf die Tür.Eigentlich könnte ich es ihm ruhig sagen," .dachte er.Im Kriege und unter! den besonderen Umständen... Wer nein es geht nrcht, da er nrrr Geld schuldet. Es sähe tvie «ine Mahnung aus. Und überhaupt ein Wiener Felsenberg kann nicht pumpen».^ Zehn Minuten vor Wien schüttelten sie sich, den Abschied ein­leitend, die Hände. Der Kadett war ganz grün im Gesicht.

Sie erhoben sich, um sich fertig zu machen. Ast der Tür blieb der Stepanek stehen.Quatsch," sagte er und er riß etwas herunter, das an die obere Leiste des Türrahmens angenagelt war.

Dieses Etwas aber war eine Speisekarte mit dem riesengroßen! Aufdruck:Es wird gebeten, die Speisen gegen schriftliche Rechnung W bezahlen!" . 1

Quatsch!" sagte der Stepanek.Hängt noch immer hier, dwse Karte vom Juli 1914! Wird noch jemand denkender muß das Esten bezahlen, ioo doch in unserem Zug alles umsonst ist!"...

Der Kadett wurde plötzlich bluttot. Aber da der Zug ichon über die Donaubrücke raste, schwieg eir. Er verschwieg, daß er beim Ern­steigen seine Geldtasche verloren hatte und daß er halb verhungert war und als der berühmte, vornehme Kadett von Felsenberg es' tt.cht über sich gebracht hatte,, ck.vas zu pumpm, noch dazu von seinem Schuldner Stepanek!

War' ich mit dem Rücken zur Tüte und zu der verdammtest Karte gesessen," dachte er,so hätte .ich jetzt was Besseres als Feuer: im Magen!", ,.