Ausgabe 
24.11.1917
 
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Zufrieden, nach alt Ihren Verlusten ^ antloorckete GrttzeiL.

Er blieb stehen, nahm den Hut vorn Kopf und strich sich mit den kurzen, fetten. Fingern durch! die dünnen Haare. Seine Augen hingen an irgendeinem Unbestimmten in den Wolken.Es gibt eine Gerechtigkeit, Herr Reisner," sagte er.Es ging mir gut, solange ich zu der Frau und zu den Kiridern hielt, die mir der Herrgott geschenkt hatte. Seit dem Tage, da ich diese verlassen habe, um einer... andern nachzulaufen, seit diesem Tage geht es mir schlecht. Und seit diesein Tage war ich auch nie mehr glücklich und zufrieden. Aber heute bin ich es. Denn ich, sehe, daß öS eine Gerech­tigkeit gibt."

Damit drehte er sich um und ging, ohiw M grüßen, davon.

Reisner tvar erst betroffen, lachte dann aber und dachte: Ein. Schwacher, der unter die Räder gekommen ist!

Er ging, um allein zu speisen, denn nach dem' großen Erfolg des heutigen Tages hatte, er einen rechtschaffenen Hunger.

8. Kapitel.

In der Ueberjiedlung aus einer Sechszinmrerwvhnuug nn ersten Stock in eine Dreizimmerwohnung im' dritten Stock drückte sich äußerlich die Veränderung aus, die sich in bett Verhältnissen des Ehepaares Gutzeit vollzogen hatte.

Diese neue Wohnung hatte aber noch eine kleine^am- luer, wie sie von Dienstmädchen meist als Schlafstätte be­nützt wird. In diese Kammer ließ sich Gutzeit ein Bett, ernen Tisch, einen Schrank, eine Waschgelegenyeit und einen Stuhl stellen: sie wurde fortan seine Wohnstätte, wäh­lend Hilde, seiner Frau und den zwei kleinen Mndern, etnenr dreijährigen Mädchen uitö einem einjährigen Knaben, dre übrigen Zimmer zur Verfügung standen.

Das Dienstmädchen wurde'entlassen. Nur snr die gröb­ster, Arbeiter, wurde stundenweise eine Frau gernietet.

In seiner Kamrner lebte Gutzeit fortan wie in einem Versteck, in welches er sich als ein verwnrrdetes Tier zurück zog, das den Wunsch- hat, zu sterben.

Er hatte es bald heraus, das; derfachliche" Leiter nur em T,tel war, und daß er das Gnadenbrot an dem Tgch eures Adescheu, der es ihm entziehen würde, sobald« sich der müßige Esser eines Tages rricht mehr gefügig zeigte. Und er jertrug seine Schande wie eine gereihte Strafe, die er frtr ern Unrecht abbüßle, das er einem anderen Menschen zugefügt hatte.

Je fermer er innerlich, und äußerlich seiner ziveiten Frau ruckte, um so näher kam er in seinen, Herzen von Tag zu Tag ferner ersten ^rau. Oft dachte er daran, ihr zu schrei-- den, sre um Verzeihung M bitten, ihr seine Rot und seine Reue zu beichten ließ dann aber davon ab, weil er es für ern Urwecht hielt, sich, aus diese Weise seine verdiente Strafe zu erlerchtern. Sein Lerd war jetzt seine Freude, die blnzitze, dre er hatte. Und oft dachche er an seinen Tod als an dre endgultrge Sühne.

, tt a e, L c P etv . imponierte ihm zwar nick)t, aber er be­obachtete es doch mit einer gewissen Bewunderung, wie der

Gebrauch, zu machen. Die \ iefec ilch allenthalben Raum schaffte,

war tnt Grunde nur forcierte Rücksichtslosigkeit und ein Gewissen. Gewiß, er würde hoch kommen, das Iah man ichon letzt, er wurde sem Vermögen verdoppeln, verdrclsachen, allein er würde auf dein Wege, den er ging die lassen, die durch ihn gefallen waren. Und

JOtenfdf) e n wiirden ihm einmal den Schlaf Gutzeit kannte das und empfand ein Befriedigung. Er wußte, daß es eine Gerechtig-

Aeußerlich scheinbar blind und taub, beobachtete er ;m geheimen doch seine Frau. Es entging ihm nicht daß sch

»üstrÄte^daü sie in ihr war, dem neuen Herrn

s L r «[«"-wo immer es sich nur machte, zu vec- stehen gab, daß sie dre Serne wäre, sofern er es nur wollte

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x . lichnie hatte genug tun können in Ansprüchen

d^-um nch schmücken und pflegen, um das Wohl eben ei r reichen Frau führen zu können, ohne Bedenken das Lebte ^ra-sgeprebt l^tte, - sie klaatc jetzt mit keinem War über die Demütigungen, die sie hinnehmen, über die

Eiitbchrungen, die sic sich auferlegci, mutzte, nur weil eS ein Brutaler und Starker war, der sch ihr zufüqte. Sie hascht« nach einem Lächeln von den Lippen dieses Tyrannei ch

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Doch Reisner schien all das nicht zu bemerken. Oder doch: er bemerkte es wohl, aber er beachtete es nicht. Zw- wcrlen war, er Gutzeit sogar Bemerkungen hin, aus denen diesem klar werden sollte, wie es um seine Frau stand. In Men Augenblicken haßte Gutzeit Reisner tödlich und hatte ihn erschlagen können, denn dieses verächtliche Zurück- ^elsen einer Frau war um vieles schmachvoller, als es der zynischste Ehebruch hätte sein können. Reisner spielte mit !5 m , wle er mit der Frau spielte. Ihrer beider Angst war ihm eme Lust. Es war, als kühle er an ihnen eine Rache, die an einem anderen zu nehmen ihm versagt geblieben war.

* (Fortsetzung folgt.) v

worin besteht ba§ Glück?

Eine Darlegung von Leo Tolstoi.

Deutsch von Maria Bessamertny.

jvv-llb-n erfahren, worin das Glück besteht?" begann ernst lächelnd eine Unterhaltung mit einem, ausländischen M die mannigfaltigen Deutungen vom unentbehrliü'eir Gluck für jeden einzelnen .grihtfceu sich lediglich auf Lehre und Kennt",s der Welt. SttJe verlassen dieserhalb Haus. .Hof, Vater-, Bruder, Weib und Kmd; sie wendeten sich, von der Wahrheit weg ww gingen m die Städte, in deni Glauben, daß dort das Glück sei. Mk)sen sie das Leben in der Stadt nach dem Maße des als Gluck betrachteten Begriffes, und sic werden sehen, daß dieses Leben vom Glück weit entfernt ist.

Wenn Sie meine Meinung durchaus hören wollen, welche Be- biuguitgcu zum Erdenglück erforderlich, sind, so sage ick) Ihnen, oaß Sonnenlicht ohne ein Band des Menschen mit der Natur das Glück nicht denfbar ist. Das Leben außerhalb der Stadt, unter stelein Hluunel, in frischer Luft, auf dem Lande dos ist die erste Bedrngnng zum Erdenglück

. Sehen Sie, selbst die Poesie vermag das Glück nicht anders als ,n emem^rdyllrschen Arkadiem im Schoße der Natur und fern von den Städten zu >na len.! Sehen Sie nur, tvozn die Aiensihen m der Stadt verurteilt sind! Sie schauen nur Trnge^ welche von Menschenhänden gefertigt wiiv üt. ein künUerisches Licht gestellt werden, sre hören dre Lallte der Maschinen und das Rollen der Equipagen, sre atmen Spiritusgeruch und Tabaksrauch, sie essen - Ks urcht ftr,ch sondern übeilriechend ist. Nichts gewährt ihncrr eme! Verbindung mit der Grde, nrit den Pflarrzen rrnd Tieren Das ist twch geradezu ern Leben von Gefangenen!

Die Stadt ist nicht, loie mau arminmtt, die Folge der Ent- wrcklmrg von F^riirckre mtb Genreürde, sondern vielmehr von den Zielen, der Eroberung. Man sagt, die Zivilisation entfaltet sich, Maschinen werden m Bewegung gesetzt mrd alle Iverden glücklich ftm .Sowohl imserc <cks die frühere Zivilisation ;mrd ihr urH. untergehen weil sie nichts anderes ist, als der Menschhell. War die ägyp, ^bp^lche, assyrische, hebrärsche, grüechische und römische Zwrlisatk>ii ferne solche? Alle gingen sie unter, rmd den Weg führe/Änn^ ^ 3nu(ifntt ; ort gehen, iveil sie nicht zum GlüM

<. M.die Stadt alleür ist das Hiirdernis dafür, sondern auch ? bet Arbeit Arbeit ist zum Glücke irotwerrdtg, aber die

me, verständige, geliebte, physische Arbeit, mrd nicht Ke das Ge.

c^^brZend^ Nach dem Larcf und der Lehre der Well werden dre Leute Beamte, Men in den Kanzleien, erhalten Geld lleben ,re aber ihre Arbeft> befriedigt sie sie? N^in! Die W' o f r? e ll ^ rtüni i t ! t r UW ^- Arbeit wird ihnen unertr^lM sriedeüOjst ^ 1uettm , ba ^ dickst ein einziger mit seiner Arbeit zu-

..., GH uun fragen Sie den pslügÄiden Bauer, ob er zufrieden r ' vne zufci^>en und mit foelch liebevol/em Blick er aut seine schlvarzen Erdschollen blickt! 0UT

.. ^ lpne Bedingung zum Glück ist die Familie! Diese

bfT Trsolz als falsch«

Ä,^/ b ^se Ääuntt, diese Frauen Nne Familie? Sind sie siiax nicht oft zur Last, und Kmder warten auf den Dod der Eltern um sie beerben zu können! , ^

.. . Ächi sage rrüht daß der Mensch.den die Pflicht an die Stadt bwdet, alles anfaeben soll. Er mag seine Pflichi sich zum Bewußt­sein bringen, und aus dem Beirußtscür der Pflicht erfüll irng nürd vielleicht cm wenig Glück erwachsen. Unter den olnvaltenden Umständen des städtischen Leberis benrühcn hie Menschen sich vor Km, das zu errerchen, was sie fälschlich als eine *2

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Achten Glück durchaus nicht notwendig ist. Hat er eins erlanat kn schock E chm wenig, mrd er guält ft Ä ^ Ü lla^ 5 ^^^neii. Atan braucht svets niehr und mehr, ui^

da,, bedrückt die arme serle derart, daß ihr schon keine Zeft