Bogenlampen hängen bleich und ziukend unter den schwarzen Eistnbogen. Langgezogene Dampffetzen verbüll-en sie oft, auch Werder: sie machtlos gegen den Morgen, der blendend me Ausgänge fu füllen beginnt mrd in weiten Massen andrängt. Führ«: doch Me Schienen, die selber voll Licht sind, ins Licht hinaus . . .

Die Maschine rückt an, die Räder kreischen, in der kürzen Kurve und kommen langsam, wie verschlafen, in stoßendes Rollen. Die Bogen der Elbbrücken scholligen sich an den Wagenfenstern vorbei. Ter Zug klirrt und rasselt ungestüm darüber und gerät erst am anderen Ufer wieder in den ge,ool>nt«: Stoßtakt.

Mietskasernen kommen, endlose Reihen, schvarz, tot, starrend. Hie und da noch ein Fenster trüben Lichts. Sie haben, etwas Greises, Hinschleppendes. Bunte, riesige Rektainefläch«: wirken da gerade- Kn wie Erlösung.

Brachland, nur hie und da verfallene oder verwahrloste Lauben­kolonien, Kartoffelgärt-clx^n, Kohlstrünke. Verrostete Blochermer, un­ten am Bahndarnn: hingestratt Und der Gedanke: ein solcher Gürtel Mn die Wohnungen von Millionen, die Me liefen, las en, arbeiten, notleiden. Und dann «der Lichtblick: du fährst aus all der Tröste losigkeit hin in die heilige Ruhe der Heide.

Der Bahndamm, die Schienenschwell«: glitzern vom Tau. Nebelschvaden, die von abgegrasten Wesen über den Damm schwim­men, weichen schoir von weitem vor der Maschine auseinander.

Tort die orsteir Fleckchen Heidekraut, dazwischen langgestreckte umgepflügte Aecker, deren.Furchen am Horizont in einen: Prmkt KusammenAifließen scheinen. Zwei, drei strohgedeckte Katen, ein Gasthos. Wie, der Zug halt cuif offener Strecke? Rein, doch Nicht, das ist ja mein Ziel, mein Heidedorf?

Tie Maschine ruckt schon wieder an, da spring ich noch schnell vom Trittbrett. Ter Stationsvorsteher kommt auf mich zu, spricht Worte wieVerkehrsgefährdung" staatlich"unverant­wortlich"Leichtsinn" . . . Ich kann ihm seine Wichtigkeit nicht übelnehmen und fühle mich vor Reue ruck) Demut ganz plattge­brückt, was chm orderttlich mohlzrctun scheirtt. Er will es' ,,noch einmal hingest: lassen" ....

Fahr wohl, Krckttrr, hier ist deine Feindin Einsamkeit!

Ich tvcmdre die Tocfsttaße hinauf in starkem Morgenwind, der mir als steter elastischer Druck im Gesicht liegt. Hinter dem letzten Haus beginnt die endlose Heidelaitd schuft. Drei Birken stehen um en&t brachen Heidetnmpel, baffen tiefliegendes Wasser, vom Winde unbewegt und Wolken wie Birken spiegelt.

Sie sind wie Überschanke Mädchen, verwunsck-ei, l-ier angewurzelt mrd^nackt, mtt zerzaustenr.Haar friereird zu stehen und sich ewig in: Spiegel zu ihren Füßen zu betransten.

Aber dies alles, die Birken, die ausgefahrerven Wagerrgeleise vor mir das isst die Heide nicht. Sie ist nicht iljokett, alles. Liebliche, Niedlickie ist ihr fremd. Ich weiß einen gewaltiger: Tal­kessel, darin nichts ist als Heidekraut und Wacholder. Es ist. eine ungeheuere Schale, wie eine hohle Hand dem Himmel hinge hatten. Niemals vernimmt man dort einen anderen Laut als der: knarre::-, bei:, todruferchen Säurei der Krähen mch ein eigentümlich leeres Brausen, das in Stöhnen und Gurgeln, in Orgeln und Donnern Übergeht, weim Sturm die Hohen über pfeift und die Luft aus der hohlen Fläche saugt. Es ist der Dotengrmck, und jedem, der ihn zum erstenmal erblickt, erstirbtLachen im Gesicht.

So ist die Heide! Sie ist per lieißuugs voll und nu^richn:feind­lich, erschittterud, tveirn sie sich den wilden Kräften der Natur hin- gibt. Sie macht tieftraurig, und doch glaubt man nie mehr loeinen «i könn«:, wenn man sie so sah. Tie Unerbittlichkeit des Nibe­lungenliedes, die GranfamAtt vieler nordische: Äkärck>ei: ttagen ihres Wesens Klech.

Ich bir: ans eine Anhöhe gelangt mch blicke in die braune Land­est himmter, die dmkvsl unter einem silbrig blinkenden, der Heide typischen Horizorttlicht sich breitet. Sie hat hier viel Aehn- lichkeit mit einem Schollw'scheu Bilde» in ihrer klar«: Abge- ziikelthat und dem feinen glasblanen Dmrst, der die Berge näher gerückt und daitlicher erscheine:: läßt. Eine .Herde Scl>ast, dicht aneinandergedrängb, in ihrer Gesamtheit enren: Haufen gelblich­weißer SomnmrwiMhen gleichnd, ko-mmt mi bei: Fuß des Hügels; bic Gestalt des Schäfers, dem ein sckfwarzer Mantel :m: die Beine flattert, ragt priesterhaft voran. Zloei kläffende Hunde umkreise:: unablässig die versckMhterten Tiere, rennen zu dem alte:: Mann, wedeln, winseln, er tüttchelt sie, dmu: springen sie wieder bellend davon. Ich sehe dem Spiel eine Wickle zu, während ich imnrerzü den tosenden Wnch un Gesicht habe, der die nahen Birken der weißen Herdeivege dort uitten faucheich in die Gräben hinunter-, me.gt Ihre zartästigen Kronen sind von dem ewige:: Westtoind alle schief nach Osten geivachsen ....

Ter Schäfer mit seiner Herde zieht um dm Hügel herum, das edxmcn der .Tiere mch HmchogcNäfs verhallt hinter mir. Dort lllrks dreht ente WnchmüUe melancholisch ihre sckiwvrz«: Fliigel, rchts ist der brarrne Boden b:s <rn den Horizont mit dunkelgrünen Flecken, beiat von oft groteske:: Form«:: Mu-lwldahüsck-e, die >vie ein zer- streittes, unhamllches Heer von Zwergerr und Krüppeln stehen Geradeaus am Bll^M'eg ein Bieuenftaiid, daneben ein verlasst. Sk , ^rt toieder ein blürkender gwßer

£ *w?«SSr Brmm: an Moortümpel. Und von alledem ein

dre kühle brameiche Luft um Stirn und Wangen. ^

Ich nvuß vor Abend noch die Station erreichen mch breche auf. So ßchon mch fest und dre bester: Parkwege nicht als mein weißer Heide-

^iqh. vLchon begrünt die Landschaft zu dunkel::, die Birken erscher- raen stPer dagegen Mich erschreckt eine kleine Wachochergestatt. tay aus denl Boden aufgelaucht, mit flehenden Maulwurfs Händen aus der sckMarzen Körpermasse. Tie Gestalten mehren sich, Nebel mn * ,^ ejl dlrck zu füllen, er belagert mich um mch um, als gebe es hier kernen Ausrveg mehr: das Grause:: der Heide beginnt Bor mir geht es klapp klapp, klapp klapp. Wie ich näher flwnme |ntb es zwei Bauersfrauen, in Ho-lzschuhen. Ich stle sie nn und frage nach dem nächsten Torfe.Toar, öwern Barg"' tst dre karge Antwort. Ich gehe nun langsam vor ihnen her, um Aw^s von ihrer Rede zu erlauschen; body dies Bauerngesckstecht ist wortkarg, und alles was es uns zu sagen hat, ist oft nur an Mund, zerarbeitete Hände und ein von Wind und Wetter zer,chl:,fenes Gesicht.

toü ? n bietet sich ein grausiges Bild:

Edgans, blutigen Halses, hängt, mit dem Schnabel an eineü AOannennit gefunden, tot am Wege. Irgendein Bube mag's getan sL^V 1 ^ 11 . Fümmert das hier? Niemand bindet sie ab, die wundervollen, lamtgrauen Flügel verwesten. Tie Weiber gehen

%**. - Haw " BnfIiJlgt ^ T-reser letzte ©trafen Wald wirll hier wie erstorben Die lvard wohl zu dicht geietzt, denn ihr Aeste 6vnnen blättrigen Flechte überzog«:, Üe einen

muff:gen, modrigen Geruch ausstromt. Alle Aeste sind inein- dst /ein^Lüf^M ^^uriges Heer von Wanzengerippen, durch

ßWnp'n'f SÜf doch, ein .Licht in diesem toten

Grauen! Ter Boden unta m:r schvan'kt und schwabbt. gurgelnde ^^tvatzeiche Laitte begleiten mich reäfts und links, Ge- rrela^groß und schwarz ai:s der Erde, sett ich d«: Da ich nur den Weg vor mir sel?e, die e H TCm weißlich-feuckcha: Bvodem jedoch Sil' Ma&t, ist es, als gtrtten die Wächolderbüsche in der Luft getzernrursvollpn m:r vorbei. Dort stehen einige in einer Gruppe zw- PS J I beschlreßen wohl etwas über ba: einsamen Wanderer JUHrrrnb es hier unten im Tale mrheimlich windsttll bleibt, heult der Sturm m:s unftäitbaren Höhen. ' ^

es tönt wie Angst. Ich friere und eile quer- Zubroten, vrereckbgen Lichte zu, das auf dem Nebel zu lMwnnma: schnitt.

Ein r>u.nd schlaf an. eine Kette rasselt in sein Gebelfer V 01 * Ee Banerwmrtschast. Ter Wirt, ein alter, Iseiß- tiefgerrsssnen Jalten nric vertrockneter Torf, ^ Ml trcoen dem neiuja: Kachelofen, bringt mir einen Grog und ttaal knapp mich dem Woher, Wohin. Die Katze sckwurrt im

weiß nicht, wo sie sitzt Der Bauer schärttpas Feuer

mck ^ nil ' bem Dstn gegenüber, flaMnt golden

1 SlSI ffidfag Er urgroßväterliä-en Truhe blitzen..

Gr Upricht vom Wrnter, vom Kriege. Sein Söhn sei auch draußen

der alde Mruer zur offenen Ofentür bückt, lodern sein & aav L.^ eckigen, ausg»:rl>eideren Hände mtt dem volzsckVtt dann m: Wrderfck-ern rot aus, die Stirnaber:: treten cMdeu hervor.

Bon dem übriga: Körper sieht man nichts . . . 5

Lin U-Voot im Garten.

Skizze von Th. A W. S ch r ö d e r (Elberfeld).

Ich war bei memat Wildölumen, einem Gefüge von Beeten' die drcht gedrängt Luprna:, roten Lein, schöne blaue Pbrzeli«: und vul Lommerblunien, ein kleines Ären von Sommablumen haberge:: Ta smd Nella:, SckwngchickZt. KorEumen, Gvdetien und Mohn. ^raun:l)afr v:el Mohn. Ich iveiß, diese Gartaucko O eme meiner Knegsiünden. Es könnten ja vernünsttaenoeist ^>^uelu und, derglachm Nu-tzpflanzen lster stxhen, obgleick) der Gemüsegarten ,en:e SckKckdrgkeit rut. ')kber diese Wildblumen sind meme lieben Pfleglinge. Ich hfib es .nicht übers Herz bringen können, arch fte auszurotten, nachdem ich denTuftgarten" wo Thymian, Lavachel, Minzen, Basilikum und TuSevosor ihren Parft:mer:elada: ausgesckFagen harten, in ein Rübenf-eld verwan­delt hatte.

.. Wie ich uim so stand, den springenden Regenbogen zu schaute, me m: Genessl des votttereuden Wasserspeichers aufblitzren und zerftoben, und gerade an toenig mit mir haderte, daß ich nicht am L,cl-re:b::,ch saß und das deoheich angavachsene Arbeitsmaterial zu vermmdern trachtete, Härte ich plötzlich lautes Hunarufen-

Berwundett lvtuchbe ick^ mich dem Rufen zu, das jäh und machtvoll den Frieden des Abends zerriß. Ich Som:te nicht lange im Zroerfel stm. Tie LärmnmckZer dort tvara: meine eigen«: Jun­gen, unterstützt von einigen Schulkainerad«:, dst für d«: Scnurtag za: u::s geladen nmren.

Was nuxcht«: die Kettle Vorhaben, nachden: sie sich ftombeit* uuig so niäuschonsnll verhalten l-atten? Tie Neugierde tricks mich naher. Eu: rvenig besorgt war ich auch dem: oft ging es bei den Vergnügungen dieser Herrschet ei: nicht ohne einigen '&d*ibai tür in ul) ab. Natürlich i«llte ich sie nich stör«:, wenir cs sich un: eine ihrer netten Harmlosigkeiten lxrnde'lte. Zie sii:d elloäj empfindlich in svlck)en Tir:gen, ttveil fte nicht recht wiss«:. ob