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angelegt, nt denen ich, ans persönlicher Liebhaberei uni) um «u meinen Gefangenen in ein intimeres Verhältnis zu kommen, das es mir ermöglichen soll, sie menschlich zu ver­stehen, kurz und zusamm eich äugend alles verzeichnet, was mir für dieses Berstäudms von Wert und es mir zn er­leichtern scheint...-ren Sie, was ich> über die Fülle Reisner und Behrens niedergeschrieben habe."

. 2. Kapitel.

Hermann Reisner war der Sohn reicher Eltern, sein Vater betrieb ein großes Exportgeschäft in Hamburg, fyvc* mann Reisner war schon seit Jahren die Prokura erteilt worden. Er galt als geschäftlich rührig, weit über das Durchschnittsmaß intelligent, schien ein scharfer nrrd nüch­terner Denker und erwies sich in den meisten seiner Ent­schlüsse selbständig mrd rasch. So war die Führung des Ge­schäftes nach uub nach oanz in seine .Hände geglitten, wäh­rend sich der Vater, bei Dem sich mit zunehmendem Alter ein vorhandenes Herzleiden stark verschlimmert hatte, mehr und mehr in das ruhige und beschauliche Leben eines Zusehers und leisen Beraters zurückzog.

, Hermann Reisner verriet in nichts, daß Leidenschaften in ihm schlummerten. Er ging den geraden und zäheil Weg der Leute seines Standes, war nüchtern, spielte nicht, zeigte mäßige Neigung für Musik, eine etwas heftigere für den Rudersport mtb war im übrigen nahe daran, sich mit einem jungen Mädchen, der Tochter eines reichen Ham­burger Kaufmanns, zu verloben.

Liebe sprach bei otefex geplanten Verbindung nicht mit. nur eine ruhige Sympathie, in die sich bei Hermann Reis­ner noch etwas wie Neugier mischte, eine Neugier, die von einem geheimen Mißtrauen nicht ganz frei war. Was'er

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Mädchen war von ihm weder heftig begehrt iwch gegen Widerstände erobert ivorden, es war ihin gleichsam von selbst zugefallen, er pflückte eS auf dein nüchternen Weg, den er ging, wie eine hübsche Blume, die man ohne tiefere Wunsche abrelßt, um sie daheim inline Vase zu stecken.

Ohne sich sonderlich zu beeilen,' im Grunde sogar von erner diruklen Unruhe, die ihm zuweilen im Blute pochte, gelingstigt und gehemmt, strebte er dem Ziel zu, das ihm vonr Schicksal vorgezeichnet schien: einem Lebe,:, dessen Stun und Zweck der Erwerb und die Farnilie waren.

In dem Leben dieses Menschen vollzog sich nun jäh und von niemandem, am wenigsten von ihm selbst, erwartet, eine Wandlung. Aeußerlich veranlaßt ivurde sie durch den rasch nacheinander erfolgten Tod feiltet* Mutter und seines Va­ters, durch den er nicht nur in den unbeschränkten Besch eines erheblichen Vermögens kam, sondern der ihn auch von einer Kontrolle befreite, die, ohne je scharf oder streng zu werden, doch immer dagewesen war. Er erwies sich' als jener Menschen, die für fid). allein nichts sind, die nur gedeihlich wirketi können, wenn eine andere Hand sie führt und die ratlos werden und schließlich in die Brüche gehen,' weiui jener fremde Einflnß erlischt.

Hermann Reisner besaß mit einem Male viele Freunde Er, der bisher nie ein Bedürfnis nach Bekanntschaften emp- ftiiiden hatte, suchte jetzt welche, weil er den Einfluß brauchte der von ihnen ausging. Allen Einflüssen dieser Art, die beständig wechselten, gab er sich hin, betete wahb- 1?t an ' bex ^ Mführte, und war immer bereit.

M verhöhnen, was er am Tgg zuvor noch gepriesen hatte. Er wurde ein haltloser Mensch.

^dessw nicht nur äußere Umstände waren, die M wandelten, daß vielmehr schon immer Neigungen znm Ne'rrnchm geschlummert hatten, die ein Zufall geweckt hatte wachsen lassen, das bewies die Tatsache, daß Herniairn Reisner mit einer sonderbaren Schien gerade lenen Einfluß floh, der ihm vielleicht neuer- ding^ einen sesteii.Halt hätte geben können.

Seit dem Dode seines Vaters nämlich zog er sich! mebr Md mehr von der zurtick, die seine Braut hatte meÄr !"llen, ans so unverstälckilich schroffe Art, daß dieses Äer- haltui-, das rmmerhin aus gicke Freundschaft acarüudet gewesen war, nunmehr in Feindschaft ansurtete. ^ 9

er in dem Mädchen die verflossene Zeit, die Zeit des Zwanges zum Guten und zmn Geradeir. von der er sich innerlich von Tag zu Tag lveller entf^

Kein Maisch haßt ja den Zwang, den Antrieb glühender als der, der feiner nicht entraten kann.

Hermann Reisner hatte jetzt täglich neue Herren und Berater. Bon allen verlangte er unbewußt, daß sie ihm für etwas der Antrieb seien. Sie waren es ihm auch, und Her- rnanii Reisner fügte sich ihnen. Nichts in der Welt findet leichter Willige niid Sklaven als das Böse.

Um diese Reit in achte Hermann Reisner durch seine neiien Frelmde die Bekanntschaft eines Weibes, von dem für foITte beben die etrtjcheidende Wendung ausgeh^r

Er war ztveimiddreißig Jahre all, als er zNm ersten Male rntt Lena Körting zusammentraf, einer Frau, deren Alter nicht leicht zii besttmmen war, die manche für noch reicht dreißigjährig, andere schon für vierzigjährig hielten, von der aber, was alle bestätigten, die sie kannten, die sonderbare Macht ausging, Männer unter einem anzu­ziehen und abzustoßen und sie in- jedem Fall unglücklich zu machen.

Mau hätte Lena Körting nur mangelhaft charakterisiert, wenn man gesagt hätte, daß sie schön sei, was sie im Grunde auch gar nicht war, Und da das, was sie den Männern so gesahrlich machte, mehr eine Eigenschaft ihrer Seele als ihres Körpers war.

Ich ZlcmbG daß es Ihnen Freude machen könnte, wenn erner, der Sie liebt, um Ihretwillen zmn Schurken würde. - w, daß das gerade allein Ihr Glück ansmachen könnte," sagte einmal Hermann Reisner zu ihr. o..,^wiß " antwortete sie darauf mit einem dunklen Lächeln, und ihre Angen, die versonnen dem Anblick eines Grausamen hingegeben schienen, bestätigten mit ihrem satten Ewnz, daß sie die volle Wahrheit sprach.

Es gingen viele Gerüchte um sie. Man wollte wissen, Danrn sei, man dichtete ihr eine aristokratische Abkunft an Und behauptete andererseits wieder, daß sie ans der Hefe des Volkes flamme und auf abMteUerliche Weise hochgekommen sei. '

w** Es sich in Wirklichkeit verhielt, wußte niemand. Sicher war nur, daiß sie in der Lage ivar, airf großem Fuß zu leben, frei und nt recht abenteuerlichen Formen, und daß H l blu Schwarm von Verehrern anhing, von denen sie keiner liebte, dafür aber alle begehrten.

Sie war ein Irrlicht. .

(Fortsetzung folgt.)

^luherr Bild im Lichte dcr deutschen Dichtung.

(Schluß.)

o A ..Me anders erscheint der Luther, den uns nach den Stürmen des 30mhngen Kriegs die Dichter eures friedcwünschenden Deutschlands viorjtellen. Nun wird betontseine getroslige Geduld, die alle Furcht und jLraurigiett von ihm abhielt niid nichts anderes als eine Wir- h^ligen Gegtes aus dem Glauben geweseil sein kann " Mrt diesen Warten gibt Sperrer in seinen:Lnt Perus redivivl^ die Donatt für die Auffas,nng des Pietismus au, und der Reformator ist nun Nicht mehr der große Tatenmensch, sondern der dulden da Beter,ern stattliches Werkzeug und eine teure Werkstatt des heiligen Geistes." Zugleich preist die Aufttäruug den mmvmto

fCin »^ormatwnA.

Aus dir, gepriesenes Sachsenland Entspringt das Licht der reinen Lehre.

Tn hast öaS Docht des Glaubens angebrannt,

,^as son,t fast gar erloschen wäre Aus deinen Mauern, Wittenberg,

Entsteht das unerhörte Werk!"

Diesen frommen Gottesmamr, der die Lehre der Vernunft in Lullchland heimisch machte, hat ein Anhänger mrd Jünger Lt/! scheds, Christian Fr. v on.D e r s cha ii, dessen Verse aber ai,w Kwpptlocrscheii Einfluß verraten, in einem umfangreichen Heldengedicht besungen, der Ln'theriade", die freilich ebenfowA wie ius andere von Gottsched angeregte Gegenstück zurMessiade"^ derHermann" Schönaichs, mit Klopslocks Dichtung wetteifern holperige!: Alexandrinern erhalten wir eine Ge- l^^'te des Re so rmatMNs ze: ta l t ers, ii: der Luther als der Befreier der Volker vom ^zoche Roms gepriesÄr wird. Erst die Männer der folgeiiden Generation baben vollbracht, was der Gottsckied-Schicks nur ahnte, ,re haben Luther als den Lichtbringer und den Apostel entdeckt. Hamann schöpfte wieder aus dem unge­trübten Urgirell der Lutherischen Sprache. Möser verteidigte den §.^orma1or^ m e:ne,n französischen, dann überseptei: und viefver- ^chrerben g^en^ die Mißverständnisse Voltaires, i:nd Herder, der demPrediger in \b Lehrer der deutschen Nation" ein eigenes uenkinal setzen wollte nno dann wenigstens in den

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