415

gitterten und bebten unter dem KMse der niedergehenden Sonne. Tauben flogen von den Feldern heimwärts. Alls den Schornsteinen des Dorfes stieg langsam der Rauch in die klare Luft. Nirgends ein Läris» nirgends ein lautes Geräusch, tiefer Friede rings um.

Hans Joachim zieht sein Weid an sich, legt ihr Haupt ölt seine Brust, zeigt mit der Hand über das Land hin und sagte:

-Wie schön, wie still, Beate! Der Sturm ist vorüber, und nur noch das andere: In Stille meine Heintat!"

Sie sieht ihm lange in die Augen, und ihrer beider Herzen schlagen still und stark aneinander.-

Luthers Vi!d isn Lichte der deutschen vichtüng.

Bon Tr. Paul Landau.

Luther ist nach einem Wort Trcitschkes von seinem Volk n::t einer so stürmischen Freude begrüßt worden, wie sie der deutsche Bode:: erst in den Tagen der Einigung des Deutschen Reiches wieder erlebt hat. Dem Helden des Wormser Reichstages jubelte das Vollslied M:. Zn Worms er sich.erzeiget, er stand wohl auf dem Plan, seine Feind' hat er «geschnwigelL:,, Istin-er dürft' ihn wendeg an." Ein anderes Lied ans dem JaH?ce 1524 singt: Martinus ist cm kühner. Mann,

Ein groß' Spiel hat er gefangen an.

Er darf nicht Würfel noch Karten:

Tenn wer mit ihm Kubieren will,

Ter heilig Schrift tut er warten."

Im gleichen, hellen Freudenton klingt Hans Sachsens Gedicht von. derWitienbcrgischen Nachtigall", dieselbe leidenschaftliche Liebe für den deutschen Glaubenskämpfer, der gegen Mm auftrat, tönt uns ans zahllosen Briefen und Flugschriften entgegen. Frei-, licb antworteten die Gegner mit Vernnglimpfungen, imt> so klärt sich> eicht laugstn: ans dein uUruhig-wo-gende,: Nebel verschüdsn- artiger MetuunigM das BLiddes christlichen Ritters', als des Urbildes der Kraft und des GlanibenS, so lote es Dürer in seinen: Paul?n)- bilde als das Symbol der Lutherischen. Größe festgehalten hat.

Luthers Gestalt, mit der, wie es jüngst Harnack wieder betont hat, der Geist der Neuzeit in der Weltgeschichte ausgeht, ist in allem deutschen...Bildungsleben lebendig geblieben bis auf unseren Dag. Wo die deutsche Seele ihre Großtaten vollbracht hat, da ge­schah es mit Luthers Hilfe, so in der größten Geistestat unserer Philosophie, in der Kant dsn Willen des' Menschen in den Mittel- pnnlt der Weltanschauung stellte, so in unserer größten Dichtung, imFaust", dessen Vöonolvge von: .Wesen Luthers durchweht sind. Luther, der jedenfalls der erste moderne T>entsche ist, mag ihm auch den Ruhmestitel des ersten guodernen Vienscheu über­haupt Taute oder Petrarca streitig machen, hat allen nach ihm Komme irden die Zunge gelöst: wir alle sprechen noch heute Luthers Sprache, und unser größter Sprachmeister Goethe bewunderte de­mütig LuthersNie seist eistung": .Mir das Zarte getraue ich mich hin und wieder besser zu mache,:." So ist die gmrze deutsche Tichtung mittelbar eine Schöpfung des Reformators, und es könnte eine deutsche Literaturgeschichte unter dem Gesichtspunkt geschrieben werbeil, was unser Schrifttum ihnr verdankt: die 'Lyrik, indem er das Kirchenlied und den Ausdruck deS unmittelbaren Erlebnisses im Gedicht schllf, das Tranra, indenr er 'bie biblischen Stoffe zur Tarstellnng empfahl und die individuelle Charakterisiermug des Menschen durchsetzte; Epos und Ronran, ücdem er die Schönheit dar - deutschen Familie entdechte und durch seine Ehe: Vorbild gab, nicht nur für das evangelische Pfarrhaus, .sondern für das deutsche Heim überhaupt. Tie deutscl>e Dichtung hat -ihm diese Segnungen nicht vergelten könne,:. Zwar hat sie fich durch alle Zeiten redlich bemüht, - das Bild Luthers fsstzuhalten, aber es hat sich kein GenM' gefunden, der die wel^toe>vsgend>e Wucht dieser Persönlichkeit dichterisch hätte gestalten können. Nur eHrzelne Seiten dieses allumfassenden Wesens sind in den Tichitungen der verschiedenen Zeitalter geschildert worden.; sie alle schließe sich jedoch zu einen: .Bilde Lnstmmcu, das sich verlohnt, in diesen Tage,: der festlichen Erinnerung an den großen Viann in kurzen Strichen zu umreißen. Natürlich können nur die wichtigste:: Dichtung geu erwähnt werden; die ungeheure Menge der Festspiele, Gc- legenheitstwesien und unbedeutenden Reimereien bleibt unerwähnt. Eine hübsche Zusammenstellung der besten Gedichte und Aeuße- rungen hat Gustav Manz im Verlag des ,Evm:gel:scheu Bundes als Festgabe gebotei:.

Tie Tichtung feiicer Zeit shand Luther zu nahe, als daß sie chn objektiv betrachten und künstlerisch hätte gestalten können. Der erschütternde Eindruck seines Todes erst verlieh den: Bilde feste Züge, in den: er nun durch, daS folgende Jahrhundert, eure Zeit des Kampfes und blutigen Krieges, schritt. So läßt Ha,:s Sachs in fernerKlagred' ob der Leiche Tv'istor .Mllrtiiii .Lntheri" die Me Frau Theologin klage,:, daß der ,steure Held von Gottes Gnaden", derst ritterlich für mich gekämpft", nun dahin sei. Ter sw m me Meister sing er aber tröstet sie;

>,TarUn:b st laß dein. Tranren sein.

Daß Doctvr Martinus allein

Ms ein Ueberwinder und SiegM»?.

Ein rechter apostolisck>er Krieger,

Ter seinen Kampf hier hat vollbrachit

Und brachen deiner Feinde Macht."

Je mehr Luthers Merck durch Streitigkeiten aller Art bedroht wurde, desto sehnsüchtiger richteten sich die Augen auf den, der dieses. Wert geschaffen uud st kraftvoll verteidigt. In einer ganzen Reihe von Dramen wird Luther als derchristliche Ritter" ge­stiert, der die wahre Kirche als eine schse Burg gegen alles Teufels­werk geschützt. So schildert der tiefsinnige N i k o.d e m u s Frisch- l i n in seinen: lateinischen, aber bald ins' Deutsche übersetzten DramaPhasma" Lather als den Helden, der siegreich iibcr die religiösen Schwarmgeister seiner Zeit triumphiert; der Lausitzer Pastor Z a ch a r i a s R i v a n d e r ruft in seinem deutschen Drama Lutherns redivivus" de,: toten Neformalor vom Himmel heriuiter, daß ich wieder muß auferstehen, U,st> mich erklären ohne Scheu, Was meine Lehr' vom Abendnuchl sei." An der Wende des 16. Jahrhunderts hat dann Andreas Hartman,: zuerst den Plan gefaßt, Luthers Lebenslauf dramatisch darzustellen in seinem Curriculum Vitae Lutheri", in dem der Charakter des Nefor- Mators in kräftigen klare,: Zügen gezeichnet ist. Eine ganze Anzahl Luther-Dramen rief das erste Reformationsjubitäiun ins Leben, st dieDctzeloerania" des Stettiners Heinrich K ielmaun nrit ihren lebendigen, den Mlaßhandel schilderiidei: Volksszenen, den 'Luther" des Magisters Heinrich D i r tz w i g, "der alte be­deutungsvollen Personen jener Beit ans dem hröiestaintisch«, wie auZ'dem'katholischen Laaer nin den Reformator. gr:chpiert. Das weitaus bedeutendste dieser Restrmationsdramen ist der bereits 1613 gedichteteEißlebisch chrisllich Ritter" des Pastors Martin Rinckhart, der sogar 1990 .eine Erneuerungfür die Gegen­wart" von August Trümpelmann erlebte. Ter Ritter Martin, der hier als her gute Sohn Gottes vor seinen böse,: Kindern Pseudo- Petrus und Johannes, Papst und Calvin, sein Erbstatthalter auf Erden wird, ist die rechte Idealgestalt dieses kriegerischen Jahr­hunderts, ein reisigem Glaubens- .und Gottesstreiter, der mit der guten Wehr und Baffen seines Gebets Tod und Teufel in die Flucht schlägt. (Schluß folgt.)

Veekgnimg mii boelüe.

* Zu feinen: Todestage am 28. OAobcr.

Boi: FerdinarL Künzelmann.

^ Ein trüber Tag des Jahres 1916, ein Tag, der mit vielen Sorge,: angefüllt ivnr, hat mir tu seiner letzten Stunde eine grotze Freude und von vielen kriegerischem: Bsgeglmrngsn in dieser kriegeri­schen Zeit di? schiöi:ste und erfreulichste gebracht.

lind er ist heute zu einer wunomlichj-wehmütigen, ahnungs­vollen Erinnerung geworden.

Das war auf eurem Bahnhofs, irgerckwo mMen irn Deutschland.

Ich stieg mit einem Freunde, den ich gerade aus einem Laza- rettzuge abgeholt hatte, mit vielen Mvistchen eine große Treppe hinab. Langst,,: und mühseiligt, dem: der Freund war sehr krank.

Unten in: Gmrge stand, mrtbcn unter den hin- und herfinten- den Menscljen, ein Offizier im igranän Aijanjtckl. Der hob sich irgendwie von den aridere,: ab. Der ,var, ich weiß selbst Nüst wie imb warum, zwischen den arideren gans allein . . . Itnb als ich ihn mit eurem zweiten Blich ansth, kam es mir'so vor, üH hätte ich sein Gesicht schon eirunal gesehen.

Plötzlich gab sich mein Freund einen Ruck, und er machte siH schnell von meinem Arme los. Dann rief er:Das ist Boelcke!", und er lief ganz schnell die Treppe hinab. Eirr p:ar Augenblicke spater standen die beiden, die auf denrselbo,: Gymnasium die Schick« bank gedrückt hatte,:, Hand in Hand und lachten sich an.

Ein erschütterndes Bild, diese beide,: da Mammen zu sehen: den jungen _ Flieger, den kl'chnen, glstlzenden, berühmten Mann, dem der Krieg Ru hin und Ehre gebrackjit hatte, wrd den andern, seinen Kameradei: ans JUgendland, Soldat n:ck> krank, einer von den viele,:, die im Dtmkeln stehen, die still ihre Pflicht getan haben ....

Ter Kranke winkte und stellte mich vor. Zlvei klare, hell« A!,:gen richteten sich fest auf müh, sahen mich groß, beinahe ,vie prüfend an. Es Ware:: M:gen eines Adlarjägers, Angen wie Scheinwerfer.

Wir spräche,^ ein paar Worte, so, wie es nun einmal ist, wenn Uran plötzlich vor einen: Menstj-en steht, den: das Glück so hold gavesen ist, daß er sich reichen Lorbeer pflücke,: durste.

Ein paar Augenblicke hörte er nrich air. Tain: .wurde das führe urch stolze Gesicht des jungen Fliegers plötzlich ganz lacheich und fröhlich, und er schob Niit einer kleinen Bewegrmg des Kopses, mit einem leiebitei: Heben der Achsel, mit einer wmcherhübscheu gleitenden Handbelvegrrng alles' Lob, das man ihnr sagen mochch, alle Ehre,:, die man so gen: vor ihrst ansbreiten roollte, rvest von sich fort.

dlber da er nock, eine ganze "Stunde Zeit hatte, stich er sich gen: bereit, mit uns ein Glas Äl>ein zu trinke,:.

Ta saßen wir deim an eruen: wcißgcdeckteu Tische in einen: Hellen Zimmer, mtb Boelcke und fein Fren'rrd redSwm, und ich war stöblich daneber: :md hörte zu. Fröhlich und steudig über