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im Geiste begleiten wird, und die dich mit ihren innigsten Segenswünschen entläßt. Zieh hin, mein Sohn, und Gott sei mit dir!"

Hans Joachim war vor der starkherzigen Frau auf die Knie gesunken, und sie legte segnend die hagere Hand auf sein Haupt.

Dann erhob er sich schnell und fest. Noch eine lange Umarmung für Beate, ein Händedruck für die Tante dann war er hinaus.

Vom Hofe her schallte der Hufschlag seines Braunen. Am Tore sah er noch einmal zurück, eine Kußhand flog zu Beate hinauf.-

Mit vorgebeugtem Haupte lauschte sie jetzt, bis der Huf­schlag in der Ferne verklang. Dann aber sank sie, schwer atmend, und die leise bebende Hand auf das Htlrz pressend, in einen Stuhl. Lange, lauge saß sie da, lange, schweigsam und regungslos, bis endlich die Domina liebevoll den Arnl um sie legte.

iMein armes Kind, dein Herz zuckt mrd blutet. dich, crk solcher Abschied tut ja weh, sehr weh -- ich weiß es selbst. Aber sei ruhig; er kehrt wieder er kehrt zu dir, in deine Arme zurück."

Ach Taute, und warum alle diese Schnrerzen warum, warum?" (.

Die Antwort auf die vielenWarunt" der Menschen­kinder hat sich ein Höherer Vorbehalten denn 'ich. Ich kann sie dir nicht geben, zu den Ratschlüssen des Herrn in: Him­mel ist die Aebtissin von Stift Hohenbergen noch nie besohlen worden. Und nun nimm ein Buch, Kind, und lies mir etwas vor."

Aufs Geratewohl schlug Beate ein auf dem Tische liegen­des Büchlein auf und las mit bebender Stimme:

Der bu von dem Himmel bist,

Alles Leid und Schnrerzen stillest,

Den, der doppelt elend ist,

Doppelt mit Eren'ckckung füllest

Ach, ich bin des Treibens müde!

Was soll all der Schmerz und Lust?

Süßer Friede,

* ^ Komm, ach komm in meine Brust!"

, In ihre brechende Stimme hinein klang froh und ver­heißungsvoll das Geläut derStiftsglocke, die den Mittag ein­läut eie.

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Hans Joachim von Sormitz kam unversehrt aus dem russischeu Kriege. Weder die Mordschlacht vou Borodiuo, wo seine Truppe zu den Verteidigern der berühmten Rajewski- Schanzen gehörte, noch der grausige Winter konnten ihm ettuas anhaben. Mit eigenen Augen sah er das furchtbare Gottesgericht, das sich über den unersättlichen Eroberer voll­zog, sah den Untergang seines Heeres, des stolzesten, das die Weltgeschichte' jemals gesehen hatte. Und zn den russischen Offizieren, die am schicksalsschweren Morgen des 30. Dezem­bers 1812 in der Poscheruner Mühle um den preußischen General Yorck, bcu Führer des preußischen Hilfskorps in der französischen Armee, zur entscheidenden Beratung und Be­sprechung versammelt waren, gehörte auch Hans Joack)im. Es war eine seltsame Fügung eiiies höheren Geschickes, daß bei dieser Konvention, die die Geschicke Preußens entschied, kein einziger Russe zugegen war: sämtliche anwesenden russischen Offiziere waren geborene Preußen. Die Sprack)e der Welt- gesUnchte ist doch von erschütternder Klarheit mrd Durch- stch^tert.

Als Preußen im Frühjahr 1813 die Waffen erhob, lit es den altmärkischen Edelmann nicht inehr im russischen Heer die preußische Armee über, uitb da wurde er den

Zorsichen Korps zugeteilt. Der alte Jsegrimm hieß der tungen Offizier, dessen er sich aus jener entscheidender Skuude gut erinnerte, freundliche willkommen, und inttei seiner straften und tüchtigen Führung machte Hans Joachin den glaiizerrdeu SiegeSzug von der Katzbach bis zur Seim mit. Bei Möckern verdiente er fick) das Eiserne Kreuz. Uut dann ging es miid; Frankreich hinein. Am Unglückstage vor Moulmrrail wurde er schwer verwundet und hatte es nur bei au,opfernden Treue seiner Leute, die aufrichtig au ihn hnigen, zu danken, daß er nicht in feindliche Gefangenschaf' geriet Brs zum Friedensschlüsse lag er krank in Frankreich Doch hatte er gute Pflege gefunden, und alsheimwärts 'chlug der sanfte Frredensmarsch", da konnte er sich den zw ^llckrehreiiden Truppen anschließen uird mit ihireii in Reil und Glied bte Grenzen der Heiniat überschreiten

Mit Jubel nahm ihn die alte Heimat auf. Die Glocken läuteten im ganzen Laude, und auf allen Wegen und auf allen Stegen kamen den Rückkehreuden Mänrrer, Frauen und Kinder entgegen, um sie in der Heimat willkommen zu l-eißen und mit Eichenkränzen zu schnlückeii. In jeueii denkwürdigen Tagen habeii die Eichen der Altmark fast ihr ganzes Laub hergeben niüssen.

Keine aber unter allen Glockeii klang Harrs Joachisiu von Sormitz so lieb und so verheißungsvoll in die Ohren, als wie die Glocken von Linau und von dem Stift Hoheiibergeu. Denn sie waren es ja, die ihm auch bald zur Hochzeit läuten sollten.

Als der Roggen vou den Feldern ein gebracht .war, da traten Hans Joachim von Sormitz und Beate von Hassow vor den Altar der kleinen Dorftckrche in Linau. Das ganze Dorf, die ganze Umgebung nahinen an der Feier teil, und als das letzte Amen verklungen war und die Neuvermähl­ten in ihr Heini fuhren, da legte Haus Joachim seinen Arm um seine Frau Und flüsterte ihr ins Ohr:

Mein Weib und mein Glück!"

lind sie sah glückselig zu ihm auf, und in ihren Augen lag ein stilles Leuchten.---

Noch einmal mußte Hans Joachim den Säbel von der Wand nehmen, als inr Frühjahr des nächsten Jahres aufs neue der Krivgsruf gegen den fremden Eroberer durch die Laude scholl, lind dieser Llbschicd war fast noch schmerzlicher als der erste. Es bedurfte der ganzen Seelenstarre der Do­mina, um Beate vor einem Zusammenbruch zm bewahren. Täglich war die Aebtissin vom Morgen bis zum Abend um sie, und unter der Zusprache und dem Tröste der heldischen Frau fand dann Beate die Ruhe wieder, deren sie so sehr bedurfte.

An demselben 18. Juni, an dein Hans Joachim auf dein erstürmten Kirchhof von Planchenoit neben seincur tapferen Kommandeur Hilter von Gärtringen in das bou'teritjc Vik­toria eiiifliutmte, das den Sieg von Belle-Al trau ce ver­kündete, da schenkte ihm F-rau Beate einen Sohn.

Und als er diese Mitteilung vor Paris erhielt, da rief auch er noch einmal: \

Viktoria I"

Und Viktor wurde der Junge getauft, als Hans Joachim heimgekehrt war. Das Knäbleru weinte nicht während der Taufe, sondern es lächelte ganz still vor sich hin. Hub der stolze Later meinte, das sei ein gar sieg es gewisses Lächeln gewesen, der Junge werde sich vom Lede^r iricht unter­kriegen lassen.i ^

Am Abend des Tauftages machten Haus Joachim und Beate einen Spaziergang.

Vor der Schmiede schwang Riezler den Hammer, daß die Funken stoben.

Na, Riezler, alles gut zuwege?"

Dat soll woll sin, Jungherr. Dank der Nachfrage."

Was machen die Lütten? Schreien sie noch?"

Nee, Juuaherr, dat sollen se wohl bteelveir laten. Nu is Frieden im Land, uu de Franzos is rut, do werten de Lütten niir nrehr to segnen uu sin stille."

Da kam auch schon Frau Riezler mit den beiden Zwil­lingen herbei.

Das sind ja Prachtkerle geworden!" sagte Haus Joachim, und er und seine Frau gaben dssn schmuck uui> gesund aus sehenden Jun gen die Hand.

Der Schmied schmunzelte und strich sich den Bart.

Jo, jo, Jungherr, dat stimmt. Umsonst hew- ick ok nich so 'ne Staatsfru. De lann noch vill mehr, als Jmrgeiis np füttern."

Frau 'Mezler hielt ihrem iMamre den, Mund> zu.

Llber du bist doch man eenen richtigeir ollen Esel!" sagte sie.

Und alle lachten herzhaft.

Dann wollten Hans Joachim und Beate weitergehen mrd reichten den anderen die Hand. So standen sie denn zusaimnen, und ihre Hände ruhten fest nnb sicher zusammen. Söhne und Töchter ernes Landes, der Bauer und der Edel­mann, rrndihr Herz schlug denselben Schlag, und in ihnen lebte dasselbe erne, dasselbe große und mächtige Gefühl: Treue und Vaterland!-

Langsam gingen Hans Joachim mrd Beate weiter. Zmn Elbderche hruauf führte er seine Frau. Im Westen ging die Sonne scheiden. In Wirtes Rot getaucht, glühte das Land. Die Fenster des Stiftes drüben blitzten im Abendstrahle. Lerse rauschte der Stronr zu ihrerr Füßen. Senre Wellerr