Samstag, den 27. ©Weber
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3n Sliirm und Ztills.
Roman von Max Treu.
(Schluß.)
Oben im Zimmer der Domina saß der Marschall, schlürfte ein Glas alten Bordeaux und erzählte, wie er mit seiner»- Truppen, ans dein Marsche z>'ur Arnree begriffen, mit dem Fräulein dorr Hassow zusammengetroffen und durch ihren Hilferrrf aufmerksam geworden war.
Gerade in diesem Augenblick trat Hans Joachim und Beate ein.
„Unsere Plauderstunde ist zu Ende, Herr Herzog," meldete Hans Joachim.
„Und hat hoffentlich das gewünschte Ergebnis gehabt," setzte der Herzog hinzu.
Auf einen Wink der Aebtissin nahmen Hans Joachim und Beate am Tische Platz, und bald funkelte auch vor ihnen der dunkle Wein im Glase.
„Und nun, Herr Herzog, bitte, erzählen Sie zu Ende," sagte die Domina, und führte eine Prise zur Nase.
„Es ist nicht mehr viel zu erzählen, gnädige Frau Aeb- tissin. Ich bat das Fräulein, in meinen Wagen zu steigen, und unterwegs klärte sie mich über alles auf. Ich, brauche Ihnen nicht zu sagen, wie sich mein Zorn über diesen» Bubenstreich regte. Wir haben in Paris — das darf ich hier vertraulich sagen, — schon manche Dummheit des Kasseler Hofes ausbaden müssen. — Das fehlte uns gerade noch, daß man nns von da durch solche Schurkereien den hellen Aufruhr über den Hals brächte! Und je weiter ich fuhr, um so besorgter wurde ich. Von allen Türmen klangen die Sturmglocken, und überall zogen wir an bewaffneten Bauernscharen vorbei, über deren Absichten man nicht im Zweifel sein konnte, wenn man die entschlossenen, finsteren Gesichter betrachtete. Ich fürchtete beständig einen blutigen Zusammenstoß, und je näher wir dem Stifte kanven, um so mehr wuchsen jene Scharen an, und um so drohender wurden ihre Mienen. Ich schickte nach allen Seiten hin meine Adjutanten, daß sie überall den strengen Befehl überbrächf- ten, keine Unklugheiten und Herausforderungen den Bauern gegenüber zu begehen, aber ich war doch froh, als mein Wagen endlich hier in den Hof des Stiftes einrollte. Und nun bin ich hier, gnädigste Frau Aebtissin, und bitte für zwei Tage um Ihre Gastfreuudschaft in dem Sinne, den der schöne Spruch über der Eingangspforte verkündet: „In Sturm und Stllle — meine Heimat!" Zwei Tage nur, dam: geht der Zug nach Rußllrnd rbeller — wer weiß, wohin noch?" setzte er voll tiefen Ernstes hinzu.
„Seien Sie von Herzen willkommen, Herr Herzog," sagte die Aebtissin. „Möchte Ihnen auch diesmal wie vor Jahren Stift Hohenbergen zu einer freundlichen Erinirernng Ihres bewegten Soldatenlebens werden!"
„Wie vor Jahren," sprach der Marschall sinnend, „ja, wie vor Jahren. — Uird als wir damals zusammensaßen im
großen Speisesaale, und ich Blicke in die Herzen der trefflichen Menschen hier getan hatte, da leerte ich mein GLaK auf das Wohl dieser kernigen, treuen Mansch«:. Und mü dem selber: alten Lan desspruche, mit dem ich danrals schloß," — hier erhob -sich der Marschall und nahm sein Glas zur Hand — „bringe ich heute in einen Gruß dieser alten Statte dar: „Hie gut Altmark alleweg!"
Uud die Gläser llangen aneinander, :md es gab einen feinen Klang.
Als der Marschall nach zwei Tagen weiterreiste, nahm er aufs neue die Sympathien aller derer mit sich, die mÜ ihm zusa mmengekommen waren. Sogar Riezler, oer nvehr> mals Pferde für ihn beschlagen hatte, sang sein Lob: -
„He is zwar auch een Düwüsfrarrzos, — awer he is een echter Keerlt"
Die Truvpendurchzüge dauerten noch wochenlang fort, und es kam da und dort zu scharfen AriseinandersetzuugaL zwischen den Soldaten uj® den Landeseiiüvohnern. Ern^ hafte Zusmnmeustöße aber wurden überall vermied«:, dar« der Ruhe Und Kaltblütigkeit der Bevölkerung einerseits uÄ den strengen Weisungen andererseits, die feitsns d« Kond- mandostellen an die Ttnrppei: erganaen loaoen. Sh war klar: man wollte sich nicht im Rücken der marschierenden und kälnpsenden Armee ein zweites Spanien schassen.
Als die Trrippeickmrchzüge endlich aufgehört hatten, trat eines Morgens Hmrs Joachiin reisefertig vor Dirnte urch Braut. Tiefer Ernst lag auf den kraftvollen, männlichen Zügen, als er sagte:
„Die Stunde des Abschieds ist da."
Beate hing sich an seinen Hals. Keine Dräne stmrd in ihrer: Augen, sre hielt sich tapfer, aber Hans Joachim nusrfte doch, rvie laut uud stürmisch ihr das Herz in der Brust schlug.
„Mein armer Liebling," sagte er und strich ihr liebkosend über das weiche Haar.
„Wie kann ich arm sein, Hans Joachims wo ich doch so stolz auf dich sein darf? Mer hörst du — kehre tvieder! Kehre wieder!"
' Er nickte zuversichtlich
„Ich komme zurück, Beate. Unser Glück bleibt uns ungestört und unzerbrochen."
Arm in Arm traten die beiden vor die Tante Aebtissin. Und ruhig und kühl, tvie immer, klang die llare Stimme der Domina:
„So zieh denn hin, Hans Joachim! Möchte, wenn du zurückkehrst, die Freiheit mit dir kommen, daß über diesem Dache wieder alte, lrebe Fahnen wehen dürfen. Tu deine Pflicht, mein Sohn, sei tapfer und treu in Not und Gefahr, mach deinem Altmärker Nmnen Ehre, — aber wirf dän Leben auch nicht tollkühn und unbedacht in die Schanze. Denn nicht dir allen: gehört es, — es gehört deinen: Vaterland und diesem Mädchen, das dich liebt. Und deren Ansprüche an dein Leben darfst du nicht freventlich verletzen Und bauty'benfe auch an deine alte Tante Domina, die dich


