Ausgabe 
24.10.1917
 
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?lla£>emie verdankte. Man interessierte sich in München sür den

kungen Aschaffelckurger Gelehrten, mil Aschaffenbrrrg ftrtfmictjcii bayerisch genwben uhu\ Als mm aber Bvpp, aui London heungc- kchrt, sich nach festec Stellung und Bersorgmrg umsah, da land er Wohl viel guten Willen und es gab lange Berl-andlnngen, aber dre Universität Würzburg, an der inan ihm eine Professur zugedächt hatte, erklärte das Sanskrit für einet: literarischen Luxus; em Ruderer Posten fand sich für Bopp zur Zeit nicht, und so nvufetc er imtxrrri I tcter Sadt: abreisen. Cr ging zuerst nach Göttmgen, wv ihm ehrenhalber die Toktvrwüröe übertragen wurde, dann nach Berlin und hier entschied sich sein Süstckfial. vier fand er feinem großen Freunde tmb Sichler W-ckhclm v. Humboldt, dens er in London keimen gelernt nnd in das Studium des Sanskrrt^ eingefschrt hatie. einen treuen Gönner: hier brachte mttn s6mönl Studien und Leismngeir warmen Anteil entgegen, und^bald iah er sich in eine Professur berufen, die schon nach wenigen Zähren Mnr Ordinariate erhoben inurde. In Berlin l>at dann Bo pp sem^ dauernde Wirkutmsstatw gesunder und sein Le-benslverk vollendet Im Mittelpunkte dieses Werves, neben zahlreichen einzelnes !Untersuckiu:gen und lleineren Sckn'iften, steht dre, berühmte ,üc:- tische Grammatik der Sanskrit-Sprache", deren eilte Auflage Bopp in denlZahren I8321842 vollendet T>at. Die Grüß,? dieses emzrgen Werkes bestand nicht nur irr dem großartigen Umfange des dar:n verarbeiteten Sprack.swMs, .der sich rrach ärnenr Abdrucke 3ldalbert Krrhns in den verschiedensten Gellatten von den dient des Ganges -und Indus duvä' den größten Teil des südwestlichen Aliens und fast ganz Europas bis zu den Eisbergen Islands ansdehnt, sondern, vor allem in dem bündig geführten Nachwvcle, dap alle diese Sprachen von eitvsr gemeinsamen, uns nicht niehr^ erhaltenen^ Muttersprache abstammen, deren Gebilde wir, obzwar ire uns ver­loren ist, größtenteils rnit voller Sicherheit wiederherltellen können. Auf diesenr sicheren Grunde führte Bopp das großartige Gebaitde der treuen, gesetzmäßigen Sprachvergleichung durch, durch die dre innerste Werkstatt des Werdens rmd Schaffens der Sprache ent­schleiert wurde. Nach allen Seiten 'hat Bopp bis zu lemem Lebens­ende diese seine große Schöpfung und Entdeckung ausgebaut; er bat noch die Genugtuung erlebt, daß die Philologen der strengen Observanz, die anfänglich von diesenSpielereiet:" nrchts wrsien, wollten, vor seiner Leistling kapitulierten rrnd sell'st die Beruck- ftchtigung ds'r Ergebnisse der vergleichend«: Sprachsorscunng rnr Unterrichte der alten Sprachen auf den Schulen beschlvsien.

vermischter.

* Ein englisches Theater schiff. Da die Mann­

schaften der britischen Flotte durch die .Dättgkett der deut,che>t U-Boote nichr oder weniger zu eineinWarten" gezwungen smdp das nachgerade ein tvenig heldenhafter Dauerzustand wurde, hat man aus der englischen Flotte alte möglichen Ernrrchtungen enA stehen lassen, um den syhatrotsen die Zeit zu verttnben. So, gibt es, nach einem Bercht der Daily Neivs, heute fast auf ledem größeren britischen .Kriegsicküfs ein imprvvsiintes Fumtheater- da° Neueste aber ist ein regelrechtes Thea der scknl s. älieses ^ochtti :st mit einer Kühtn, mit Kulissen, maschiinellen Ennchttingen Orchesterraum, ZuschMnerplätzen usw. versähen. Das TheatcrichM hat keinen bestimmten Standort, sondern besucht der Reche nach die einzelnen Kriegsschiffe, es wird an pfc Bords eite des Kreuzers, gesteuert, ein Laufbrett verbindet das Kriegsschiff mtt dem ichtzmn:- wenden Theater, und die Offiziere und Mannschjasten haben nur über dieses Brett zu schlreiteu, wenn die angekündrgte Borltellungl beginnet! soll. Mae das Blatt ivetter bemerkt, mli man Dheaterschisf jetzt auch) zur Aufpulverung der patrwtt'chen ^trm- lMmg benützen, indem nmn auf demselben AgitattonsvortragS äbhalten läK. , ^ ^ , .

* T ie Pariser Kaufleute und dre Natronalr- t ä 1 e n s r a g e. Die Pariser KMtflettte haben, rrach den: Figaro, der gegenwärtig so viel erörtertet: Natiotmlttätenftage gegenüber rhre Kauz beorderen Prinzipien.Werrtn ein Frairzose z B. eine Wachtel Briefpapier kaufet: tvill, verlangt der Verkäufer 3 Frs. Trückc nran hingegen seinen Wunsch in englischer Sprache aus, so beträgt der Preis 4 Frs. Wenn nran Russe ist, wird einern der Preis durch das Ausstrecken von drei Fingern angedeutet, aus einen 5-Frs.-Schein erhält man darrrr aber «zwei lxilbe Francsstücke »urück. Erschetttt marr endlich als Amerikaner und legt man euren S^Krs. Schein zum Wechselt: auf den Laderrtisch, so wird iiberhaupt Nichts herausgegeben. Dian sicht also, daß cB wenigstens m ge- fcriflen Fällen noch angenehnr ist, Franzose zu sein."

Vüchrrtlsch.

Urlaub von der Liebe, von Paul Schlesinger (Verlag v«r Ullstein & Co., Berlin). Ein Berliner Roman, den die nervös? Stimmung unserer Tage erfüllt, imd der doch, resigniert und klug, ganz eingestellt .ist auf das, was zwischen ein paar Menschen vorgeht. Zur Mai des Jahres 1915, beim Durchbruch in Galizien fallt der Kapellmeister Gunderniann, zuletzt am Kottbuser Stabil ip-oter Und rum erst hört die Familie von seiner Ehe, die er verschwi- gen hat, von feiner Witwe, einer kleinen Operettmsängerin

in irgendeinem .Kuwrt; u!nd' ihrer schmerzlichen Reite .siolMidtz

bekennen die Eltern sich zu der Hinterlasst.icn. Mer das Leben meldet sicls, das heischende Leben, das nickst still steht ru:d über alles Gefühl hiuwcgdrüngt. Ta ist eine junge Frau, ihr zarter Liebreiz, ihr schrvebender Gang, ihr lächelnder Mund, ihr erfahrener Blick; Und schon daß sie da ist, daß sie attnet, bringt Un.ru.he in ihre neue, in ihres tötet: Mannes bürgerliche Welt. Mtt eftchringlicher Wahr- luit gestaltet Schlesmger die Personen in: Hansa Gundermann, mtt sicheren: können *die Attnosphärc dieser herrschaftlichen Wohtmirg am Olivaer Platz, dieser Dottuturabende auf den: 'Balkon, aus be­leuchtetet: Straßen. Tatm verätidert sich die Szenerie, und ein kecker Sprung trägt hinüber zur Fttmivelt. In all ihrer absonder^ lichen Stofflichkeit, ihrer tnerklvürdigen Rontanttk dient sie dem Seelischen nur als Folie. Dem: auch sie loird >etttt>ezogen in das verwirreiche Spiel der Leidenschaften, das dein Miche den süßen, bat:gen Grnndton gibt, t:nd lms m einen: Garnisonstädtchet: des preußischen Ostens hart und schrill zu Ende komint.

Jakob Schaffner, Ter Dechant von Gottes­büren. Roman. (S. Fischer, Verlag, Berltt:.) Geh. 3,50 Mark, geb. 5 Mark. Man hat sckMN öfters von Jakob Schaffner als von eineni Dichter gesprochen:, in lvelck-em uns das Erbe Kellers neu erblühe. Sein jüngstes Buch muß dieses Urteil um so niel/r bestätigen, als es den Dichter zu seiner vollei: Persönlichkeit Und Originalität erstarkt zeigt. Wir seli«: das Schicksal lvertiger Men- sck-en in den Rahmen der gegenioärtigen Zeit so gestellt, daß lvir zugleich mit den Lebensanschammgen, um die es sick) hatchelt, ebm von dieser Zeit eine geistige AnsclMumg bedeittercher Art empsangm. Diese Menschen :md ihr vielverzn>eigtes Schicksal stehen im weisen Blick des Dechgnten, wohl der tieffiei: Gestalt, dre Schaffner geformt hat. Er ist ein Vtvnn. der zwischen den Wahrheitsftaget: imd d<m künsllerisck>en Reizen seiner,d er katholischen, Religion seine Mensch­lichrett sucht und an der Tragödie der drei erfahret muß, daß das letzte Wort nicht irgmdwelcher selbstsüchtigen Kultivierir-m noch so künstlerischer Jtiteresscm auf Kosten der Nächsten gebührt, smidern demtttsvoll dienender Güte. Durch ihn bäkon:mt die Erzählung ihren breiten, starken Fluß. Sie spanttt sich von Abet:teitern der Kampf­begeisterung zu Abenteuer nlv es Herzens, von den Gedatcken der . Streiter zu denen der Zurückgäblieb-euei:, vom Kriegerische!: zum Seelisck)en, von den relichösesten zu den weltlichsten Dingen; sie wird zu eit:em Querschintt durch die gesamte Schichttmg unseres Lebens, lieber einer sinnlich startet: At:schaum:g strahlt das Licht der Weisheit atis, und das ist das Kellerische an diesem vollen und tiefen Buch.

Das literarische Echo, halbnwncttssckrist ftir Lite- raturfreuudc. lBcgrüirdet von Tr. Joses Ettlinger. Herausgegeben von Tr. Ernst Heilborn.) Verlag: Egon Fleische! & Co., Ber­lin W9. Tas 2. Oktoberhest ist soeben erschrmen und enthält unter anderem: Julius Rodenbera: Aus Tagebüchern V; Julius Bab: Gustav Meyrink; Arthttr Eloesser: C. F. Meyers literarische Beisetzung; E. Zeisel: Jules Romaftrs und Henri Bergson; Hans Friedeberger: Mt-Berlin.

Wetterbuch für bi c Reise und Daheim, vm: Josef Krause. Mit .7 Wetterkarten, 19 MbbAmnson im Text sowie 16 Wollentafeln von R. Zimmermarm. (Richters Reisen führer-Verlag, Berlin.) Tas Wetterbuch bietet außer einer vor­trefflichen Einftlhrimg in ^e wissenschaftliche Wettervorhersage über 100 präkttsch erprobte und wissenschaftlicher Begründung zti- gängliche Wetterregeln.

Ter Kunstfreund. Zeitschrift der Vereinigung der Kunslisreunde, Heft 1, .5. Jährgang. Inhalt: Luther imd das deutsche Licb, Ein deutscher Heldenharn in der türkischen Haupt­stadt. Im Lande der Bachtiaretr.

Die Weltliteratur, Heft 41, enthält: C. M. Wiie- land:Tie Entzauberung" undDaphnidiivist'.

vttderrälsel.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Ntimmeri Gesang, Stunde, Schein, Tisch, Treue. Leiche, Sinmpf. Gesundheit ist Reichtum.

S.chrilUei.'una: W. Meyer. Zivillmg-runddruck der Brüh l'lchen Univ.-Buch- und Steindruck-"'. :)l. 2 n » n e, Gießen.