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{uüffen Sie auch die notnxnchige:: Fvageir boanüvvrten, diamit ich Lie^bald nach Unten schicken ton. Je ausführlicher imb ehr- ftcher Bit antlporten, destp besser wird n«m Die behandeln!" Daen'bruH schwieg Md blinzelte seinen Mitgefangenen an.
..Was für eine Type war Kbrigens ^JHr Flugzeug'?' begann der Adjutant wieder. „Ein Mbatros-Toppeldecker." „Warum haben Eie ihn angezündet?" „Uns war kalt!" „Zu welcher Division gehört Ihre Abteilmrg?" „Ich weiß nicht." „I!ch weiß, daß Die nur nicht reden wollen. .Aber ich erinahne Sie ptit letzten Male cn Ihrem Interesse — geben Die richtige Antworten!"
„Wieviele Reserven liegen in Ihrem Gefechts abschnftt?" Daenbruch stand auf und reckte sich behaglich: „Lassen Die die Fragen, Herr Kapitän, von uns kriegen Die dach keine'Autlvort, weder wach nach im Schlaf!"
„T^as werden wir ja sehen," bemerkte Deborne höhnisch, da drängte sich der Militärarzt Wieder vor und faßte den Adjutanten am Aermel: „Deborne, Deborne, — einen Moment .— höchst wichtige Idee 6oinm' mal her!" Er zerrte ihn in eine entfernte Eae und flüsterte aufgeregt auf ihn ein. Die beiden Deutschen deobaclxteter, die Szene mit vollem Gleichmut.
Der Adjritartt kam wieder aus die beiden zu: „Man wixd Due zum Sprechen bringe;:, meine Herren — Im Gefaiigenenl rg-er hat man Mittelchen, glaube:: Die mir. Es wird Ihnen noch leid tünch lachte er, „nur haben Mittelchen — .oh lala!"
„UntevoffiZier!" rief er dann. Ter Unteroffizier erschien. ^Vorwärts, die Deutschen hier abführen mrd im leeren Vöunitwns- rann, nebenan ^emsperren, aber girr bewachen, du haftest mir dafür! Lampe, Tisch mrd Säiemel in den Raum stellen!" „Jawohl, men: Kapitän!" antwortete der Soldat und winkte den beiden Fnegern.
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Im Gesechtsabschnitt des französische:: Chasseur-Regiments hatte der erste Tag der herrlicher: neuen Offensive leider nicht so geklappt, wie man es gwacht batte. Statt zitternd der: Angriff zu erwarten, hatten die Deutschen um Mitternacht ein derartiges Sperrfeuer hinter die z-veite feindliche Linie gelegt, daß das Re- mment von jeder Verbindung übgeschnitten war. Auch die Gefangenen, die inan noch nachts mit 'einigen abgefangenen Patrouillen zusammen nach hinten schicken wollte, konnten nicht ab- Aansportiert werden mrd saßen nach in ,den Unter stäirden der Reservestelllmg. Und als das erste Morgenlicht graute, schob sich die fenrrge Wand, der Regen aus Stahlsplittern und Schrapnell- Kugeln, den die Deutsche:: herüberriesell: ließen, einnrat hin und her, pras jette nun gerade in die feindlichen Grüben imd wunderte vor den arigreifeirden DerUschen mach rückwärts. Do stieße:: die deiitsamr Infanteristen bis in die französische Rsservestellung vor, in oer sie eiirlge hundert Chasseurs abfaßten und außerdem etwa »wa-uzig derrtsche Gefangene befreien..konnten. U:rd sckwn an demselben Abend saßen die beiden Leutnants von Daenbruch und Dchw- Ntz, von schrellen Alttos heimgeholt, im Kasino der Fliegerab-, teillmg, im Kreise ihrer Kmneraden.
. Minder," sagte Schrlrtz, ..laßt mich bloß 'nral verpusten und erneu schluck trirrken. ich erzähle gleich weiter!"
Tie lachenden Gesichter der Kameraden scchen ihn erwartungsvoll an. Endlich setzte er das Glas ab und fuhr fort: „Also vne der Franzose merkte, daß aus uns nichts herauszuholen war, wurde er eklig und ließ uns in einen ganz cnqtn Uitterstand sperren, aber auch Ltühle mrd eine Lampe 'reinsetzen. Ta hockten 'loir mm Mid warteten die zuküriftigen Tiilge ab. Endlich kam einer — aber mcht der Kachtän, der rms zuerst angeguatscht hatte, sonderir d<w andere, ern richtiger „schöner Mann" mit'Umhängebarl — immder-' bar gepflegt. Also der erscheint — Taeichruch sagt, es wäre ein Doktor getvesen — sprickst kein Wort, setzt sich auf einer: Scheine! Mw starrt Daenbruch an. Der steht an der Wand, Zigarette im Mund, macht sein frechstes Gesicht imb kiekt den Unchangebart an.
Mit einem Male fängt der Franzose an zu reden, ga::z langsam und feierlich: „Die — werde:: — sprechen — Äe — werde:: — autrvorten!" sagt der Umhängebart im Dchlangerr- beschwörertön. Dabei starrt er mientwegt Daenbruch an Ich kieke Tacribrlich vor: der Seite an. er verzieht kerne Miene. „Sie — werden — mir anUvorten — Die — müssen — reder:!" wiederholt der Franzose. Ich denke sä>on, der will mrs so 'ne kleine Privat- sdmde geben, soznsager: kleiner „Ploetz" im Unterstmrd, aber er wiederholt intnrerfort nur den einen Satz."
Schul itz rnarkierte UM ’jbm Händen einen Vollbart mns! Kiinr, verdrehte die Airgen ::nd sagte: „Die — werden — ant-^ Worten!" Ringsum dröhnte das Gelächter der Runde - das WM r«bn Minuten lang." Scknilitz fort.
tä'~’ MN Einschlafen. Daenbruch stM noch immer an der
Wanb nird Hort sich dos Theater an. Plötzlich sagt der Vvllbart feier- M: soeben-«reden-linken - Urin!" Ilich Toenbnrch - hebt langsam den lmkm Arm - steif wie Hak». Ich denke, er ist verrückt, da blinzelt er mrr zn, nich mr Augenblick w-ird mir die amize Mrnnk Nar: Ter ftanzösrschc Kerl «ll ims hypnotisieren — wrd batm ausfragcn! Habt Ihr Töne? chen königlich pr-enstischen Flieger hypnotisieren'
Und nrein Daenbruch, steif ltrie ent Popifax, der künstliche Mann im Panoptrknni, Soldaten.und Kinder haben Entrse, macht einen Schritt!
^ , „^öoch^ _ einen —/Schritt!" Daenbruch macht noch einen
schritt. Ich krieche in meiner dunklen Ecke förmlich zusammen vor Neugierde, !lvas nun werden loird. Ter Franzose holt nun eine Kiarte crus der Tasche — soviel ich sehen konnte, Maßstab eirrs zu achtzigtausend, also Gerieralstabskarte — und halt sie auSgebreitel Daenbruch entgegen. „Kommen — Sie — Uerher!" Dambruch seht ganz dicht vor ihn hin. ^Zeigen S-ie — wo — Ihre — Ab», tttlmig — liegt!" jagt unser Lchlangenbeschwörer und stiert Taew». bvuch an, daß ihm vor Aufregung der Unterkiefer mit dem .Haar- schmuck ivackelt.
Daenbruch hebt ganz langsain den Arm — diesnlal den rech- te:: — holt langsam arks — und haut den: Franzosen eine 'rnirter, daß der Kerl fast umfällt! Ich;beute, ich soll vor verhaltenem Lachen platzen. Ter Franzose fliegt zur Seite, hält sich die Be.che und faßt beiorgt an seinen Männerbart.
Dambruch stel)t noch iminer nnbeivegt da, den Mrn: erhoben, starr und steif. Mein Franzose lvirft rroch einen scheuen Blick auf chn und saust zur Tür 'raus. Kamn ist er »veg, reckt sich Taenbmch wro sagt ganz ruhig: „Do, Schulitz, nun gil, mir 'n Streickibol?.!"
Wieder brauste pibeUkdes Lachen und Zurilfen aus dem Kreise der tun gen Ofsrztere enrpor. „Großartig! Fanws!" ries es durch, nnander. „Aber, sag mal, Darichr:ccl>." lvandte sich einer der Karneraden a;: ihn, „wem: ihr mm nicht befreit worden wäret, dam: hattest du aber eVig 'reinfallerr können." Ter lanaL Fl:egeroff:zrer griff nach seinem Glas: „Keure Spur," sagte er phlegn'.atffcy, „hätte einfach erklärt, war total in Hypnose, toeiß von mschit! Ter Franzose hatte mir die Ohrfeige suggeriert!" — >—
Lebenslaufe.
Bon Alfred Fried mann.
(Nachdruck verboten.)
. Im Jahre 1811 wurde in zwei ganz verschiedenen Mainstädten kleinen Pvovinzlenten je ein Knäblein geboren. Zwillinge waren sie demnach nicht, sie erwiesen auch im Säuglings-, Jünglings« M airnesalter, )m in ihrer—natürlich spätere n—Greisen ha ftigkeit Mertmale ganz verscküvdener Gaben, Vorzüge und menschlicher schwächen aus. Sie erhielten, nachdein sie ein glückliches Kindcs- aller zwischen guteri Eltern, Geschwistern, den heimatsdörflicksen Gänsen, Ziegen und Ferteln verlebt und ein fast diesen ähnliches Dasein im F-rcren genoffen, enre äußerst mangelhafte Scknck- ^^IUg Mit 14 fl. süddeutscher Währung verließ der erne Knabe, Joses Wruter, so tote mit 14 Jahre::, seine liebe, schöne am Fluß gelegene Heünat und in ihr viel.wohlwollende Freunde Da war der Apotheker, der Rabbrner, der Pfarrer, der Lehrer die alle beit geweckten, anstelligen Joses gerne gehabt, mrd gar'von den trefsltchen Eltern schied er in Tranen. Aber er sollte als' genr-achter Mann rwch oft zum Besuch ins Elternhäusle kehren unter den: großen Himmelbett des dann für ihn von der uuüber- trefflichen M::tter hergerichteten Zimmerleins schlafe:: und den lieben Apvcheker, den guten Rabbi, den llugen Pfarrer und die schlitternden Gänse ans dein Gemeindematy. aus dem die (grünen Grä,erspitzeu auffchossen. Wiedersehen, die knarrenden Frösche, die Pveter: des Mains,'wieder hören. Sein Dorf blleb sein Eldorado, er tanckfte aus späteren Sorgen da loie in einem Stahlbad unter und weim seine einmal mit ihn: im Zilge vorüber-sausenden — Freunde es^absällig geringschätzig beurteilte::, so gab ihn: das wohl einen Stich ins Herz und lockte ihm zwei Zähren aus seinen Miigen. Aber er schwieg, verteidigte die hilflose Sckwne nicht Konnten denn die anderen mit semren Ktgel:: sehen, mict sernemt Herzen fühlen? Hatte:: sie etwa ihre süßeste Jugend in Obermain- stadt verlebt? Während Ioier Winter nun sen: Glück zuerst i:: dein ::ahen Bamberg, der Bischofstadt mit dein schönen Dom, versuche, wuchs der andere Knabe in Kesselstadt in noch scheid euerer Weise auf. Er war von Anfang an ein Humorist, ein Idealist ::nd ein Koster des Lebens. Es zog ih:: nicht in die Ferne :md n*em: er seine nach und nack den: Herkirles uack)eiferuden Gliedmaßen in dem gurgelnde:: Warnstwm babm xonnte, so ivar er bedürfnislos
So blleb er denn auch m seinem Kesselstadt, hatte einen Hang zum Zrgeunertnm und kam mit 14 Jahren, nachdem er notdürftig den Analphabeten abgestreift und sogar etwas bildnngs- fttchig geworden, zu einen: kleinen Goldschmied -in die Lchre Dieser hatte am nnem Regal sogar eine erste 'Ausgabe Wcftsgangrs sänitlichr Werke, und so las Ferdn:and linke sogar den Ben- venuto^ Celli in. Wenn er nicht mit Glaskirgel, Blasrohr. Feile mw -Lchnielzttegel, vorn dem Lebersack mid hinter sich der: Schmelz- cl^ IchlEwrcrcm Metall, den: danufts anftamt>enden teuere:: Pl-krkn, Mumnnum und Edelsteinen, die zi: fasse:: warm, hnn- tierte. L.o blleb er, fast all sein Lebm lang, ohne große Ambition ohne großen Verdienst und ohne Fo:chschritt.
Josef Winter hingegen war kraft seiner säst edel zu nenneiv- den Energie in rasllofem Aufstieg. <&: verließ Bainberg und wanderte ,:n dre Welt. Er sah Köln imd stieß bis Paris vo:> .Hier blleb cr einige Seit, trat in ein großes ZrLnnnisswnechmö als Ein- lmd Verkäufer, de:::: Kenntnisse errang er sich sielend, im -Scknafk- durch seine Hände günpn: nid:,che Schrie, dre IM 000 J-ro. Wr-ueu' und ferne Bljvitterren. Er reiste fttr Haus. K stund gm


