Ausgabe 
14.7.1917
 
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. Die blonde Drossel.

Roman von E Fahrow.

(Fortsetzung.)

,Mlso," begann er leise,also, ich möchte nicht lange Redensarten machen."

ov ft ei! * m ic&. Womit kann ich Ihnen dienen, Herr

Aizeseldwebel?"

- , lächelte beglückt. Daß sie seinen militärischen Rang sogleich erkannte, inachte ihm Vergnügen. Und es ergab eine veffere Anknüpfung.

,^zn der Tat," sagte er mit einer kleinen, anerkennen­den Verbeugung,ich bin Vizefeldwebel. Bei den Elisa- vethern. Ich hoffe demnächst Leutnant zu werden."

Das ist ja schön. Also womit kann ich . .

Fräulein Berber, Sie sind eine Frau, Sie müssen es la schon wissen, daß ich mein Herz an Sie verloren habe."

Therese bekam einen sichtlichen Schreck.

Nein," rief sie gesckiwind,das hatte ich nicht bemerkt. Aber es mtercfftert mich auch nicht, Herr Kirchler. Wirk-- sich Nicht."

Doch!" versetzte er.Das muß Sie interessieren, denn enr Mannerherz ist kein Gegenstand, den man wegwerfend behandelt. Bitte, antworten Sie mir noch nicht, ich will Sie lange anfhalten. Mein Herz gehört Ihnen ja doch, vb oxt es nun aufnehmen wollen oder nicht. Aber die Sacke hat auch eine praktische Seite."

Ach!"

Jawohl. Hören Sie iinr zu. Sehen Sie, ich kam da­mals das erstemal zu Ihnen als entrüsteter Kollege. Ich hvtte Ihnen unreck)t getan Sie waren ja gar nicht der unlautere Konkurrent, den ich in Jhiren vermutet hatte. Da- «egen waren Sw ein reizendes, ein ganz reizendes Mädchen. xo.Ute! Nur noch einen Augenblick! Sie wissen nicht, was Llebe ans den ersten Blick bedeutet, nicht wahr?"

Nein, das weiß ich nicht."

."d^utt, das macht nichts. Ich liebte Sie ans den ersten Buck. Und ich habe Sie mehrmals seitdem wiedergesehen aticot nur damals im Grnnewald. Ich hätte sicher nicht ge-

m? 1 * J? 1 * liefen Erklärungen zu überraschen, wenn nicht diese Mobilmachung alles über den.Haufen geworfen hätte was ich plante und wünschte. Das heißt, nein was ich plante und wünschte, wurde nicht über^en Haufen geworfen, sondern nur beschleunigt. Ich habe keine Zeit mehr zu ver- Ueren -- tlbermorgen soll ich mich bei meinem Ersakbatail- lon emsiuden.Bis dahin habe ich noch Urlaub."

Er hatte so überstürzt gesprochen, daß Therese kein Wort dazwichemverfen konnte. Jetzt trieb sie atemlos einen Keil !m feine Rede:

llub was hat das altes mit mir zu tun?"

* r ^ie Hauptperson dabei. Fräulein Berber, ich

liebe oie!"

Das haben Sie bereits erwähnt. Aber dafür kann Ich doch nichts."

Nein, Sie können nichts dafür ich meine, es »Ntf scher nicht Ihre Absicht, daß es so kommen sollte. Aber etz tft nun einmal so. Und nun denke ich, da wir beide Künstler sind . .

Oh, bitte, bittet' wehrte Therese bescheiden ab.

So trmre es doch das einfachste, wenn wir nns zusam- mentäten und gemeinsam ein Atelier für Tierausnahmen g-ründeten."

Ich sagte Jhrren ja schon, ich brauche gar kein Atelier."

Das werden Sie schon noch brauchen, schon alleine wegen der Schoßhunde Kum Beispiel. Aber das ist auch ganz uabensächlich Die 5>auptsache ist, daß wir zusammen sicher­lich sehr gute Geschäfte machen würden. Um unsere Eristeuz brauchte uns gar nicht bange zu fein. Und da ich Sie außerdem liebe, so wäre es gewiß das beste, wir zögern

gar nicht erst --ich bitte Sie um Ihre Hand und bin

bereit, mich morgen mit Ihnen kriegstrauen zu lassen."

Therese war mit aller Macht bemüht, den unfehlbar und unwiderstehlich sich nahenden Lachreiz noch zu unter­drücken. Llber ihre Stimme zitterte schon gefährlich als sie fragte:

Haben Sie sich überlegt, was Sie mir zmnuten? Ich soll einen ivrldfremden Marin morgen heiraten. Einen Mann, von dem ich nichts, aber auch absolut gar nichts rveiß, als daß er Vizefeldwebel ist?"'

Herr Amadeus Kirchler ivarf sich in die Brust.

,/Da.ß ich des Königs Rock trage, bürgt Ihnen dafür, daß Sre es mit einem Ehrenmann zu tun haben!"

Ehrenmann und Ehemamr ist zweierlei Doch genug nun, Herr Kirchler.'. Ich glaube, Sie sind wirklich nicht ganz gescheit, sonst wüßte ich wirklich keine Entfchulbi- guug für Ihr Benehmen."

Er wurde kirschrot und gleich darauf kreideweiß.

. .Wie?" schrie er. ,^Jst das Ihre Antwort? Weiter haben Sie mir nichts zu sagen?"

Ist es noch nicht genug? Ich dächte, es könnte Ihnen genügen. Aber wenn Sie darauf bestehen, kann ich Ihnen mit einer guten Berliner Redewendung dienen."

Sie öffnete weit ihre Stubentür, richtete sich zu ihrer Volten, stattlichen Höhe auf und rief mit Stentorstimme:

Nu aber rrraus!"

Mein Fräulein! Fräulein Berber! Das ist eine un­erhörte Beleidigung! Sie werden das bereuen!"

Sie antwortete gar nichts mehr, wies aber mit einer so energischen Handbewegung nach dem Korridor hin, daß der feldgraue Freiersmann nicht anders konnte, als sich obne weiteren Aufenthalt rückwärts zu bewegen.

Gleich darauf siel die Flurtür hinter ihm ins Eckstoß, und Therese dichte hörbar den Schlüssel um. .Hierauf kehrte ie zurück in ihr Zimmer und sank auf das Sofa. Sie fühlte ich ganz benommen und wußte nicht, ob sie lachen oder ivei- nen sollte.