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Vorfruhlrng mit seinen seinen, ahnungsvollen Reizen sind wir dtestnal ganz mtd gar gehttnnlieu. Dafür werden wir nun voraus- frchtlrch einen umso reichereil Frühlingsflor nachträglich haben. Alles wird auf eilimal fonttnfett, baut die Natur wird sich beeilen. Versäumtes tmchzuholen; auch ihr sind oestimntte Ziele gesetzt. Um sie zu erweichen, mutz sie sich nun doppelt sputen. Auch imr PRkwschen sind diesen Naturgesetzen uilterioorfen, und nras die Gartenwirtschaft anbettifft, sogar in dem Maße, daß wir, wenn dte Natur uns nicht vorarbeitet, überhaupt nichts an sangen können. Das hat sie nun diesmal versäumt. Und meint sie jetzt etwa mit Strirmschritten vorwärts eilt, werden lvir Müslie haben, überall nachzukonmren. Wozu man sich sonst 6 Wochen Zeit lassen konnte, das möchte-jetzt in 6 Tagen geschafft sein. Bei den heutigen, ohne- dus umständlichen Verhältnissen ist das tvahrhaftig keine Kleinigkeit. Es gewährt gerade jetzt einen besonderen Reiz, sich zu vergegenwärtigen, wie der Gärtner und der Bauer die Gartenwirt- scl)ast in der Regel sich tzBstkt und wie sich das in ihren altüber- lomnteiien, alterprobten „Bauernregellt" mtsspricht. Wir werden daran ermessen können, was wir bis jetzt l>ersäumt haben und wo wtr am ehesten eingreisen müssen, umt diese Einbuße wieder wett zu ntachen.
Schon sehr zeitig sangen die Landbervvhner an, sich Gedanken Über die kommende Ernte und was .bamfct znsanrmenhängt zu wachen. Schon vom 21./22. Januar sagen sie: „Fabian und Se- b^stünt — lassen den Saft in die. Bäume gal-it." Daß das nicht bloß müßiges Gerede ist, daß cs ihnen vielmehr damit durchaus ist, b^veist die von altersher hohe Bederünng des Tages Maria Lichtmeß. Bon diesem Tage, der nur reichlich eitle Woche später fällt <2. Februar), heißt es: „Mariä Lichtmeß —* mt Kunkel und/ Spindel vergeß." Das bedeutet aus mittelalterlicher Anschauung veoaus nichts miders als: nun hat es mit der Wintevarbeit am häuslichen Herd ein Ende; nim werden die dazu benötigten Gerätschaften in die Ecke gestellt, da jetzt im Freien viel geschasst lverden muß. Dafür ist auch gleichzeitig ein letzter äußerster Termin gesetzt. Das ist der 25. Mai, Sankt Urban. Von diesem Tage ^ißt ks: „An <oankt Urban ist der Baum- und Weingarten „verdienvl Das ivill besagen: bis dahin nuiß alles draußen fertig sein; dann können Menschenhände ttichts mehr tun, nun hmtgt alles nur noch vom schönen Wetter ab. Das wäre also in 2 Wochen!
Sfr dieser Zwffckwnzeit, zwischen dem 2. Februar und dem 25. Mai, ist nun aber den: Gärtner seine Arbeit fast von Woche zu Woche, ja von Tag zu Tag aas das Genaueste zugeteilt, rurdi da diesmal der Frühling und mit ihm die Gartenarbeit erst mit Anfang des „Wonnemonds" begonnen hat, läßt sich ermessen, wie sehr die Arbeit sich häust. Je zeitiger die Schlehe blüht, sagen die Schnitter, umso zeittger beginnt der Grasschnitt. Wenn die. Fast- tvacht gut Wetter hat, werden die Erbsen geraten. Wenn die Bohnen übermäßig wachsen, gibt es wenig Getreide. Von alledem hat man bis fetzt überhaupt noch nichts zu sehen bekommen. Begiimt der Holunder schon zu sprießett, ehe noch der Weinstock treibt, läßt'sl Mp gutes Erntewetter schließen sagt eine andere Bauernregel, gn dieser Hinsicht stehen diesmal, wie es scheint, die Zeichen gün-- Mg. Ein Haupttag für dm Gemüsegarten ist Sankt Benedikt, der 21 . März: „An Sankt Benedikt gesäet — Erbs und Zwiebel gut
E üt": daran rvar steilich diesnial nicht zu denken! Noch 4 Tage her: „An Gertrud sät man Kresse und Salat — und hat dann ton früh und spat". Andere Bauernorakel lauten: Erdbeeren fcu Pfingsten ^eben Lünvartschast auf guten Wein. Wie das Wetter U in der Kittchenblüt. so ist es auch, wenn der Roggen blüht. Die Baumblütezett rechnet man in der Regel auf den 23. April' „Auf Sankt Georgs Güte — stehen alle Bäume in Blüte": sogar schon d« zuletzt blühenden Apfelbäume, wie ein anderes Berschen an- bettlet: „Wenn am Georgstage die Sonne scheint, werden viele Aepiel". Wie sich aus alledem ergibt, haben wir diesmal ein mrßergeioöhnlich spätes Jahr. 9lber es braucht darum kein schlechtes Jahr zu weiden: gewffse Anzeichen lassen vielmehr erhoffen, daß es em gutes werdeti wird. Nur nu'ffsen wir uns kräftig rühren!
vermischtes.
* Ein Rekord der Anpassung im Insekten leben Belamitstch ist verschiedenen Jnsektenacben von Natur aus die Fähigkeit verliehen, sich kampflos und ohne äußere Hilfsmittel gegen die Verfolgung durch ihre Feinde zu schützen. Dies wird erricht durch das sogenannte Mmrikry, d. h. die Fähigkeit, sich fot Form und Farbe der Umgebung so anzupassen, das Jiffekt von seinen Gestern nicht eturnnt roerden kann. Die Schutz- Wirkung wird noch erhöht duuch das Vermögen, eine kataleptische Starre anzimehrnen. Die bisher höchste Vollendimg einer derartigen kombinierten Anpassungsfähigkeit beobachtete der Jenaer Zoologe L. Plate auf aper Forsckmngsrenc durch Ceylon, über die m den Ratuttmstenschasttn außerordentlich interessante Mitteilungen ge- macht tverden^ Beobachtet tourden zwei Arten von Gradflüglern, nanilup die Ltabschrecken utrd ein auf Ceylon häufiges Insekt geimunt das tvandelnde Blatt. Schon frühere Forscher koimtei! Jefi Helfen, ban Insekten von katalcptrscher Starre befallen jverden, die weügehend genug ist, um sie während der Dauer des merk- Würdigen ^irsdandes auch die schmerzlichsten Eingriffe iucht
ernpfv仫! zu lassen. Man konnbe s« ümhrend her Starre auf den Kopf stellen, ihnen Ft'kler, Vorderbeit re und selbst den Hinterleib abschneiden, tchire daß " ~
von Plate ist d«je 9 aus Ceylon zu höchst
: ,tch wieder regten. Nach den Beobtzchtnngen kett bei den eingangs genantrtcn Insekten oMommenheit gedichen und hat offenbar
den ^Zweck, das Mimikry zu ergänzen- d. h. dar Körper durch dte Scharre seiner Unterlage — dem Ziyeig-e der Pflanze, worauf das Tier lebt — völlig ähnlich zu machen. In den katalepttschen Zustand wurden die Stabschrecken mit Leichttgkeit gebracht, wenn man \u auf beit Rücken legte und einen sanften Druck auf die den Bauchnervenstvang bedeckende H<ott auSübte. Bei dem „wandelnden Mattt' konnte das Experintent sogar an eben erst dem N entschlüpften klebten Larven erfolgreich vorgenvmmen werden. Ties« Insekten sind auf Ceylon diüch die geschilderten Mittel, zu denert ^rvch Form und Farbe sich gesellen, don Laub der von ibncn bewohnten Kakaobäume so außerordentlich ähnlich gemacht, vaß man sie oft nur unter den größten Scl-wieria^ittn aufzufvchen permag. Ta dte alten Tiere urerst grün sind, die zarten Larven hingegen braunrot, bevorzugen die Letzteren, die Jungen, braunrot gesärbte Blätter auf den Ztoeigspitzen, während die Wen weiter unten sich in den grünen Mättern auchalten. Auf Ceylvn wird sogar behauptet, die Aehnlichikett sei so vollkotmnen, daß hir Tiere sich gegenseitig selbst für Blätter halten und benagen. Die Eidochi-en. die den Insekten besonders eifrig nachsbellen, vermögen aber die Täuschung hmsichtlich Form und Farbe doch aus nächster Nähe Kt erkennen, werm die Beute auch nur die kleinste Beiveguug macht. Darum scheint in diesem Fall von vollendeter Anpassungsfähigkeit die Katalepsie die Hauptrolle zu spielen.
* Joffre als Küßonkel. Wenn mau einer ans Amerika slatnmenden Mitteilung des „Figaro" Glauben schenkett Ivill, erfreut sich der gegenwärtig in Washington tveilende Joffre nicht Zevade ungestörter Ruhe. Bei dem Festessen, das der amerikanische Staatssekretär zu Ehren der französischen Mission gab, bat eine cmweünde Dame den Marschall, er möge doch ihr« beiden Töchter im Aller von 15 und 16 Jahren küffetr, da ihnen dies ssrne glorreiche Erirmerrmg fürs ganze Leben sein würde. Jofsre war im ersten Augenblick etwas erstaunt, hierauf tat er, was inan von öym wünschte. Zu fernem Unglück war jedoch der kleine Zwischenfall der übrigen, dem Festessen beiwohnenden Damenwelt tricht entgangen. Innerhalb einer Minute rückte ein bedrohlicl-er Zug von Frauen jeden Allers gegen Joffre vor, mit d«m^ Wunsch, ebenfalls einen solchen lnstorischen Kuß zu erlangen. Schließlich tvußte der in die Enge getriebene MarschaU sich nur so zu helfett, daß er für die Kandidatiuiren eine bestimmte Altersgrenze sestsetzte. lieber die etwa hieraus sich ergebenden L>tteitigkeiten oder gar diplomatischen Verwicklungen weiß der „Figaw" leider nichts Genaueres mitzitteilen.
vüchertisch.
— Die neueste Nummer der seit IV» Jahretr erscheinenden Wochenschrift „Die Welt-Literatur" bringt zwei reizende dLovellen Arthur Schnitzlers: Der blinde Geronimo Irnd sein Bruder und Ter Ehrentag. Wir haben an dieser Stelle schon wiederholt aus diese volksttunliche, billige, bildende und unter- haltende Wochenschritt aufnierksam gemacht, jo daß sich eigentlich jede weitere Empfehlung erübrigt Den besten Beweis für die kulturellen Bestrebungen dieses Verlages (dessen Inhaber ein Sohn des Begründers der Münchner „Jugend" ist) bringt jede einzelne Nummer selbst. Die Vielseitigkeit der Berösfetttlichuitgen ermöglicht es uns nur kurz aus dert Jnhall der letzten Nrrmnter hinzuweisen. Bon den in diesem Jahre erschienenen J.8 Nummern nennen wir trur di« Björnson — Knut Hamsun — Selitra Lager lös — Ludwig Thoma — I. I. David — Heinrich Mann — August Strindberg — und die eingangs erwähnte Schnitzlev-Nummer. Schon diese Nometi allein bedenken ein Progranvn, sind aber doch mtr ein kleiner Bruc^eil des Gebotenen. Freunde guter Literatur sollten tricht versäumen, sich ncll dieser vorzüglichen Wochenschrift bekannt zu machen und sie in ihrem Kreis zu empfehlen. Der junge rührige Verlag will au-cb in Zukunft nur stets die besten Romane und Novellen des Schrifttums aller Zeiten und Völker veröffentlichen. Wöchentlich ein Hoff für 10 Psg. Interessenten erhalten kostenlos eine Pwbenummer vom Verlag: „Tü Welt-Literatur", Wallher C. F. Hirth, München 2.
Sahlenrätsel.
1 2 2 1 3 2 4 4 2 modernes KriegSinittel.
(12 2 geographische Bezeichnung; 1 3 2 2 4 Waffe; 3 2 41 2 4 Volk in Asten; 2132 Baum; 13 422 Fluß, an dem eine Weltstadt liegt; 2 112 Teil der Feuerungsanlagell
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Kriegsrätsels in voriger Nummer. Regiment (Treu. Agio. Amen, Ente).
Schrijll-ttung: Fr. R. Z^ij. - ZwiNingsrunddruck und Berlaz der Brühl'schen Univ-rsttäts-Buch. und Stetttdruckerei. R. Singe.


