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Tisch schlug, Me man in der Kennersprachegezeichnet" nennt. Der Wirt war rot und vierschrötig, er f)iiT> Baker und machte in or-- deutlichen Zeiten sein nettes Geschäft. Jetzt im Kriege aber sah Baker mißvergnügt in eine leere Kasse. Das Geschäft zog nicht mehr, und man hatte da allerhand Sorgen, na ja....

Dieser Baker also verließ an dem Tage, an dem unsere höchst wahrheitsgetreue Geschichte beginnt, in Straßenanzug und runden: Hut sein Lokal, um einen Autobus zu besteigen. Der Bus stampfte schwerfällig und betriebsam ostwärts, lavierte ein Stück Weges durch die wenig eleganten Gefilde der Commercial Road und ver schnaufte einen Augenblick vor Scotland Dard, dem berühmten Sitz der Londoner Geheimpolizei. Baker sprang ab und kreuzte gleich darauf durch die Gänge des Scotland Bardgebändes, die ihm wohlbekannt zu sein schienen. Die Art von Wirten, zu der Baker gehörte, weiß mit der Polizei Bescheid und steht in gewisser frei- nmurevischer Beziehung zu den Detektivs, die in Lokalen wie dem Golden Star" schon manches gesuchte Wild aufspürten. Darum hatte auch für Baker der komplizierte Apparat von Scotland Bard durchaus kein Geheimnis, und er steuerte direkt auf eine Tür los hinter der wie er wußte einNeuer", das heißt, eil: erst jüngst in den Dienst getretener Geheimpolizist, sein Amtsquartier hatte. Baker klopfte, trat ein und stand gleich darauf demNeuen" gegenüber. Es war ein noch junger Mann, klein und von rund­licher Wohlgenährtheit, mit rosigen Backen, die von gesundem Gemüt und jenem Diensteifer glühten, den man als Neuling im Amt entfaltet. Nach kurzer, von beiden Seiten mit Verständnis-' vollem Lächeli: begleiteter Vorstellung riickte Baker mit seiner Ge­schichte heraus. Also: er kam, nm die Polizei auf eine Fährte zu bringen ... es war ja nicht das erstemal, nicht wahr? ... o, er hatte schon mehreren Detektivs zu einem guten Griff verholfen. Und oiesmal handelte es sich um eine besoiürere Sache, um eine Kriegs­angelegenheit sozusagen, nämlich um einen Spion.

Bei diesem Worte richtete sich Herr Gibbs so hieß der junge Geheimpolizist stramm auf, und seine Mausaugen funkelten vor Betätigungsdrang.

Ja," fuhr Baker fort,der Mann, um den es sich handelt, scheint mir im höchsten Grade verdächttg zu sein. Er verkehrt bei mir seit einigen Tagen, jeden Abend nm neune ist er zur Stelle und trinkt ein Glas nach dem andern. Spricht mit niemand, hält sich abseits, auffallend ausländischer Typus ein mehr als verdäch­tiger Kerl, sage ich Ihnen!"

Ja, aber", fuhr Gibbs eifrig dazwischen,haben Sie etwas Bestimmtes bemerkt, einen Anhalt?" ....

Anhalt .... Anhalt . . . ." rief Baker aus.Natürlich kann man ihn nicht so einfach stracks festnehmen. Dabei würde Man sich ja um rede Möglichkeit bringen, hinter seine Schliche zu kommen! . . . Llber ich habe ein Auge für so ivas, ein Auge, sage ich Ihnen. ... er muß ein Spion sein! Und darum sollen Sie ihn ausforschen, Mr. Gibbs. Ich komme zu Ihnen, weil Sie neu sind im Fach, rmd darum denke ich, wird es Ihnen doppelt gelegen sein. . . ."

Selbstverständlich", versicherte Gibbs eifrig,selbstverständlich. Mso sie halten Ihren sonderbaren Stammgast für einen Spion?"

Dafür halte ich ihn, bei Gott!" erwiderte! Baker.Und ich will besoffen sein, wenn ich mich irre! Komme:: Sie zu mir, mein Herr, so ganz unauffällig, und suchen Sie den Kerl näher kenne:: zu lernen. UebAgens, es wird^ nicht allzuschwer halten; er hat nämlich eine Schwäche, die Sie schnell zun: Ziel führen muß."

Und die wäre?" fragte Gibbs.Er trinkt" erwiderte Baker. -Er trinkt Champagner, geradezu leidenschaftlich, sage ich Ihne::. Laden Sie ihn dazu ein, das, wird ihm die Zunge lösen: und vielleicht haben Sie dann ein' Glanzstück gemacht, um das Ihre Kollegen Sie beneiden werden."Ha ha", grunzte Gibbs. -Das .Signalement", fuhr Baker fort:ein langer, hagerer Bursche, Hakennase, braunes Haar, sitzt allein, meist in einer Ecke am Fenster. Mso wenn es Ihnen recht ist, um neune Mends, r-,Golden Star" in der Green Road."

Um nenn Uhr, jawohl", erwiderte Gibbs, :mb er rieb sich befriedigt die Hände.

Es war eine Mumie vor neun, als Detektiv Gibbs denGolden Star" betrat. Er halle eine nette Summe aus der Spesenkasse von Scotland Yard in der Tasche, und er schwitzte vor Unter­nehmungslust. Nun hatte er ja Wohl seinen so sehnlichst gewünschten >,Fall!" Nnmmai: würde ja sehen.

Er begrüßte den Wirt mit einem stuMmen Nicken, und während er Mantel u:U> Hut an die Wand hing, ließ er einen aalglatten Blick durch den Raum gleiten, wobei er feststellen konnte, daß das Opfer am Platz :var. Da saß der Kerl in der Ecke am Fenster; lang und hager, eine Hakennase, braunes Haar, altes stimmte. Im übriger: war das Lokal leer. Gibbs setzte sich an einer: Tisch in der Nähe des Fremden und bestellte er hatte seinen Plan ganz genau entworfen mit lauter Stimme eine Flasche fran­zösischen Champagner. .Wahrhaftig, das wirkte: der Fremde sah am :md blinzelte ihn aufmerksam an. Baker eilte mit der Flasche herbei und stellte lächelnd zwei Gläser daneben.

Mcrn Herr," rief Gibbs zu dem Fremden hinüber-," ver­zechen Sre: aber dürfte ich mir vielleicht erlauben. Sie zu einem

emrulaben? Man fttzt hier sv einsam. ..Sehr freund- Uch, erunderte der Hakennäftge und stand unverzüglich ans. ,.?lber " Platz »chmcnd,Sie »lilssri, gestattm.

Aber ich bitte Sie," wehrte Gibbs ab.Nein, nein," ent- gcgnete der Fremde,das geht doch wirllich nicht. . . ."

,Meine Herren," mischte sich liier Baker in den Höflichkeitsaus- t-ausch,Sie können ja nachher eine zweite Flasche nehmen, die der andere Herr" er wies auf den Hakennäftge::spendiert".

JLtt Borichlag wurde angenommen. Gibbs und der Fremde begannen eine Unterlialtung über den Krieg und die schlimmen Zeiten, über die Unsicherheit im Lande, die Durch tri eben heit des böien Feindes usw. Bei der zweiten Flasche waren sie schon völlig im Fahrwasser. Und bei der dritten denn Gibbs bestellte natürlich eine dritte unterhielten sie sich bereits wie alte Be­kannte. Nach der sechsten Flasche bezahlten sie die Rechnung.

Für heute ist es genug, dachte Gibbs, man darf nicht gleich mit der Türe ins Haus fallen. Morgen werde ich schon mehr ans dem Burschen herausbekommen! Und nach einer Verabredung für den folgenden Abend, die der Fremde bereitwillig annahm, g:ng Gibbs schwmllend seines Weges.-

Am nächsten Abend traf Gibbs den Fremden a:r seinem alte:: Platz. L-ie begrüßte:: sich freundschaftlich, und bald waren sie eifrig dabei, einer Champagnerflasche nach der anderen den Hals zu brechen. Das Gespräch drehte sich wieder um den Krieg, aber etwas Bestimmtes konnte Gibbs noch nicht heransbekommen.

Am folgenden Llbcnd floß der Champagner wieder in Strömen. Das einemal lud Gibbs ein, das andere Mal der Fremde. Uitd Gibbs fand den Mut, das Gespräch schlankwegs auf das Thema der Spionage zu lenken, woraus der Hakennäftge mit viel Interesse einging. Als Gibbs lorckelnd das Lokal verließ, dachte er bei sich, daß er nunmehr schon dem Ziel ein gutes Stück näher gekommen wäre. Jedenfalls war auch er bereits felsenfest davon überzeugt, daß es sich hier um ein Spion handelte. Allerdings um einen höchst hinterlistigen, aber man würde ihm die Würmer schon aus der Nase ziehen.

Tie folgenden Llbende wiederholte sich das gleiche Spiel. Man stieß an, lehrte die Champagnergläser, füllte sie von neuem und zahlte brüderlich imponierende Rechnungen. Aber leider, leider. dabei blieb es. Ter Fremde war wie eine Spinx, die ftch nicht so leicht ihre Rätsel entlocken läßt.

Am zehnten 2lbend begann Gibbs ungeduldig zu werden. Sie sp^^chen nur noch vou den wildesten Spionagegeschichten, er- zahlenten einander die haarsträubendsten Menteuer, aber, so mllan Gibbs es auch anstellen mochte, er war der geheimen Tättgkeit des Fremden noch immer nicht auf die Spur gekommen.

Am neunzehnten 2lbend war Gibbs wütend. Das war iveiß Gott ein verflucht schwieriger Fall!

Eines Mends aber kam es schließlich zur Katastrophe.

G:bbs und der Fremde leerten gerade eine Flasche, die nicht mehr d:e erste war. Baker, der an dem Bartisch lehnte, hals ab und zu durch einen kräftigen Zug mit. Das Gespräch zwischen den berden Männern ging vorsichtig hin und her. Und immer imeber drehte es sich wie ein Kreisel um dasselbe Thema, un- abläsftg und ergebnislos.

^iöbs er hatte seine Zigaretteittasche vom T:sch gestreift, rmd dabei fiel ein kleines Messingschild mit blankem Klirren aus den Estrich. Er wollte es schnell aufheben, aber der Fremde hatte schon die Hand darauf gelegt und hielt es verblüfft in die Höhe.

Es war das G-eheimschild, das Gibbs wie jeder Detektiv in der Westentasche zu tragen pflegte.

,Wa .... was soll das? .. stotterte der Fremde und ließ das schlld aus die Tischplatte'Mrrei:.Sie. . . Sie sind Detek­tiv? - - -Allerdings!" büähte Gibbs ftch auf.Ha, das stört Sie wohl, mein Lieber?^Stören . . . nein, aber . "

'Hn, er erblaßt!" jubelte Gibbs,habe ich Sie endliche Sie'ge­stehen also, daß."Daß -- was?" knirrstbie der Haken­

näftge, indem er sich erhob.Gestehen Sie lieber!" . . .Ich?"

Gihbs.Ha, ha, ha, das ist ein Witz. Sie erkennen ja selbst d:e Marke!"

Ter Fremde prüfte noch eimnal Gibbs Detektivabzeichen, dann zog er mit einen: griminigen Seufzer ein girnz ebensolches Tetektiv- ch:ld aus der Tasche und sagte:Hier, mein Herr, wir sind Kollegen!"

_ Gibbs besah di? Märke, dann fuhr er einen Schritt Zurück. Emen Augenblick herrschte atemloses Schweigen. Tann aber wand­ten beide sich wie auf K'vm'mando Banker Zu, der sich mit hoch-' rotem -Kopf hinter den Bartisch zurückzog. Uird dann dämmerte ihnen der ganze schändliche Zusammenhang. Mit einem grimmi­gen Durcheinander von Schirnpflrwrten, Fragen rmd Flüchen woll­ten sie aus Bcll'er eindrmgen. als dieser wieder hinter dem Bartisch anstauchie. eine neue, frischgekühlte Chamrw.gnerflasche in der Rechten. Elasttsch und lächelnd trat er auf seine einzigen Gäste zu, stellte die Flasche aus den Tisch und sagte mit einem breiten Grmsen: .,Tm, meine Herren, nun muß ich wohl meine List gestehen. Mr. G:bbs hier ist wircklich Detektiv, und Mr. Black" er wies auf den Hakennäsigendesgleichen".Nun ja. ick M*

Sv , ©Utoite hmgesteltt. denn, sehen Sie, die Zeiten smd schlecht, und ich lmtte im Keller zweihundert Flaschen Cham­pagner, die ich absolut nicht loswerden konnte."TaS hier" er wies auf den Tischist die letzte. ..."

Eine Sekunde lang schnappten Gibbs und Blastk krampfhaft nach Lust. Tauu aber verfielen sie in Raserei,ich verbaste Sie! ' rrefen fte aus einem Munde.