ältere imb letzte Bilder, bie er geschaffen, und plauderte \vt Tone warmer Bogeistcrmiq von Künstlersreuden und -leiben. ^
Au ben Besuch inr Atelier schlossen sre crnen klcrnen spaz^r- qairg durchs Feld, und hier in der freien Gotteswelt wiA der Maler aus bas Gehei,nniövolle, Wunderbare, dre imn-rg fernen und großen Schönheiten der Natur, zeigte, wie man sie ernennen nnd in sie dringen müsse. Ta sprach das Mädchen: „Dre Kunst ist gewiß groß und schön, aber die Natur ist doch noch reicher, jetzt erkenne ich's!" ^ v ,
Da schm cg der Maler mit einenr Male still, und er geleitete das Mädchen bedrückt und schweigsam nach Hause.
Nachdem der Ingenieur erfahren, wie das Zusanrinensrm des Mädchens und seines Freundes abgelaufen war, lud nunmehr auch er gelegentlich die Freundin zur Besichtigung der Maschine^ werke ein, denen er Vorstand. Sie sagte mit Freuden Zu, hielt auch ihr Versprechen und suchte den Ingenieur in seinem Wirkungskreise aus. Gelassen führte er sie durch die gelvaltige Maschrnenhallc, Ln der riesige Dynanros aufgestellt waren, herkulische Dampf-' turbineu arbeiteten, ungeheure Pumpt oerke unerhörte Kraftleistungen vollbrachen. Dies alles zeigte und erklärte er dem Mädchen, erläuterte, wie märchcnliafte Kräfte durch eenen kleinen Handgriff auf einer Schalttafel bewegt oder angehalten wurden, nannte Zahlen nrid Werte, Dimensionen und Möglichkeiten Er sprach ernst, rulstg, sachlich mrd klar. Obwohl ein heimlicher stolz auf seinem Gesicht geschrieben stand, klang es fast nüchtern und bescheiden, wie er seine Erklärungen hervyrbrachte. Das Mädchen lausche andächtig, stand plötzlich still nnd sagte: „Wie groß und mächtig ist die Natur nnd doch hat der Mensch Gewalt über ste!
Als der Ingenieur dem Maler von diesen Worten berichtete, sagte der Maler: „Ist es nich seltsam, Freund, daß sie deinen! Beruf dem meinen, glänzenderen, ruhmvolleren vorzog?"
„Nein!" sagte der andere, „Ihr Künstler betet die Natur an, wir machn sie ult« untertan. Das Mädchen aber fühlte in dir den Priester, in mir den Eroberer der Natur, und sie gab dem Stärkeren dm Vorzug."
„Wie kurzsichtig", tadelte der Maler, „hier von Wrrcster und Eroberer zu reden, sind wir doch beide Sammler nnd.Per- mittler von lebendigen Noturkräften."
„Tu hattest mit dieser Kurzsichtigkeit rechnen und statt der Größe der Natur die Stäicke des Menschen beweisen müssen, wie ich es tat," lächelte der Ingenieur.
„Und wieso gab sie dem Stärkeren den Vorzug?" fragte der Maler.
„Ich nahm sie beim Kops und küßte sie einfach, und sie ließ es geschehen, wie die — Natur."
„Also doch Priester imb Eroberer," sagte nachdenklich der Maler.
vermischter.
* V o >n Grobschwindler zu in Natioilalhelden. Die dieser Tage gemeldete erneute Verhaftung des famosen Henri Raoul Rochette bedeutet eine neue, überraschende Wendung in dem abenteuerlichen Lebensromane dieser sehr modernen Persönlichkeit. Vielleicht ist kein Mann im gegenwärtigen Frankreich Gegenstand eines so leidenschaftlichen Hasses gewesen, wie dieser Großschwindler. Rochette hat als Piccolo in einem Eisen- bahnwiitshaus zu Paris begonnen unb hatte es im Jahre 1908, erst 33 Jahre alt, bereits zu einer Vordergrundsgestalt in der französischen Fiuanzwelt gebracht. Er war ein angesehener Bankier, der seinen rabenschwarzen Henri IV.-Bart mit großer Würde zu tragen verstand und Schlösser in der Normandie und Südfrankreich besaß. Seine »Spezialität" war die Gründung von Aktiengesellschaften in spanischem Silber, russischein Petroleum nnd englischen Glühlampen, nnd er verstand als gelehriger Schüler Aktienzeichner heranzuziehen. In dem genannten Jahre 1908 kam der Krach nnd es zeigte sich, daß der ehrenwerte Rochette weder Silber in Spanien noch Petroleum im Kaukasus noch überhaupt irgend etivas besaß; dieser tüchtige Piccolo kostet den französischen Sparern 200 Millionen Franken und Rochette erhielt den Ehrennamen des »ersten Grobschwindlers der Welt.* Damals verschwand er spurlos nach Mexiko und wurde nie verurteilt. Jetzt erscheint der tüchtige Mann aber wieder an der Oberfläche. Wie es heißt, ist er während des Krieges heimlich nach Frankreich zurückgekehrt, hat sich als Soldat anmustern lassen und ist zur Front gegangen. Bei einem kurzen Nrlaubsbesuche bei seinen Kindern soll er festgenommen worden sein. Werden die Franzosen solch uneigennütziger Vaterlandsliebe widerstehen können? Kaum; der Großschwindler scheint den richtigen Weg beschritten zu haben, um Vergebung zu erlangen, und keil. Geringerer als Maitre La- bori, der berühmte Verteidiger von Dreyfus und Frau Eaillaux, hat sich bereits erboten, Rochettes Verteidigung zu übernehmen, womit seine Freisprechung schon halb nnd halb gesichert erscheint. Den kleinen Sparern, den Rochette 200 Milliönchen kostet, wird wohl nichts übrig bleiben, als Tränen der Rührung über diesen zurückgekehrten verlorenen Sohn Frankreichs zu weinen, und Rochette hat bewiesen, daß er — seine Landsleute aus dem Grunde kennt.
* Der allmächtige Kriegswucher in Frankreich. In keinem der kriegführenden Länder scheint der KriegSwucher auf die verschiedensten Zweige des öffentlichen Lebens eine so empfindliche Wirkung auszuüben, wie in Frankreich. Dies ist die Meinung, zu der Gustav Tsry nach einem Besuch des Hafens von Rouen kommt. Wie Törn in »L'Oenvre* ausführt, sind fast alle Schwierigkeiten in Frankreich, von denen der Papiermangel, das Ver- chwinden einzelner Lebensmtttelarten und die Transportkrise im Schiffs- und Bahnoerkehr am häufigsten genannt werden, alle aus ein und denselben Grund zurückzuführen, nämlich auf die verbrecherische Kriegsspeknlation der Industriellen, die Unmengen von Waren und Rohmaterial monatelang liegen lassen, um so künstlich die Preise hochznschrauben. „Ich habe das alte Eoloffeum in Rom gesehen," ruft T6ry ans, „ich habe die Pyramiden von Aegypten gesehen, aber nichts machte mir einen so unermeßlichen Eindruck der gewaltigsten, unübersehbarsten Massenanhänfungen, wie die Fracht, die aus den Kais des Hafens von Rouen monatelang liegt, während wir im Lande selbst schon mit einem Bruchteil dieser Waren zufrieden wären, der sofort ein Sinken der schwindelhast hohen Preise zur Folge haben müßte. Bisher wurde immer behauptet, daß die Fehler im Transportwesen an allen Unzulänglichkeiten der französischen Kriegswirtschaft schuld seien. Aber die Transportkrise ist keineswegs als eine Ursache, sondern nur als eine Wirkung zu betrachtein Nämlich als eine der vielen Wirkungen der verbrecherischen Tcnernngspolitik unserer Kriegswucherer, gegen die unsere Regierung nnbegreiflicherweise bisher noch immer nichts' auszurichten vermochte. Die Waren bleiben nicht liegen, weil man keine Transportmittel hat, sondern weil die Fabrikantel, die Rohmaterialien noch nicht annehinen «vollen, da sie mit ihrer Verarbeitung warten, bis dem bedrängten Publikum noch höhere Preise aufgezwiliigen werden können. Dariltn ftapeln sich die Materialien in den Fabrikhöfen, darum stapeln sich die Frachtladiingeii ans den Güterbahnhöfen und in den Häfen, so daß die neuankommenden Züge und die nenankommenden Schiffe aus Platzmangel icicht auS- geladen werden können. Darum sind die ägyptischen Pyramiden ein Kinderspiel gegen den Anblick, den den Frachthafen voii Rollen heute bietet, darum haben wir für die Kriögsiührung ilicht genllg Eisenbahnwaggons, darum haben wir fortwährend Mangel an Papier, und darum müssen wir alles dreifach llnd vierfach bezahlen. Der Kriegswucher ist das Grundübel im heutigen Frankreichl*
- Der geschäftskundige T o t e il e r w e ck e r. Bei Gelegenheit der vielerl Betrügereien und Schwindel, die die KricgS- zeit bei den Alliierten mit sich bringt, wird in der „Minerva* folgende nette Geschichte aus früherer Zeit erzählt: Im Jahre 1726 tauchte in eine,n fleinen flandrischen Städtchen ein Mann auf, der vorgab, dllrch Gottes Gnade in der Lage zu fein, daS Leben der Menschen zu verlängern und Verstorbene wieder zu erwecken. Die Bewohner drohten ihm, dem König feinen Betrug anzuzeigen. Aber er war von diesen Drohuilgen nicht im geringsten berührt, sondern versprach dem Volk, in 11 Tagen alü dem Kirchhof zu erscheinen und dort in Gegen,vart aller die Toten aus Den Gräbern wieder lebendig zu machen. »Ihr könnt Wachen rttnd um mich allfstellen, bis ich mein Versprechen erfüllt haben werde. Und gelingt eS mir nicht, so sollt Ihr mich strafen." Der majestäti- sche Ausdruck und die Sicherheit, mit der er es sprach, ließ in den Seelen der Zuhörer nun doch Zweifel entstehen, ob er nicht doch die Wahrheit rede. Einige Tage vor dem angesetzten Ternlin erhielt der Wundertäter folgenben Brief eines Stadtrats: »Erlauchter Doktor! Die Ecwartilng des Wlliiders. das in unserer Stadt sich vollziehen soll, läßt" mir keine Ruhe. Ich hatte eine alte häßliche Frau, die kürzlich begraben wllrde. Jil Gottes Namen, laßt sie in der andere,: Welt: ich lege 100 Mark bei, damit Ihr das Gehetmiüs behütet.* In den folgenben Tagen erhielt er viele Briefe ähnlichen Inhalts, nl,d unzählige Personen erschienen bei ihm, für die die Erivecknng ihrer Toten einen Erbschaftsverlust, die Begleichung von Schulden usw. bedeutet hätte. Sie alle ließen es an Bitten nicht fehlei,, ihre Anverwandten doch ruhen zu laffen. So kam eS denn, daß an dem für das Wunder festgesetzten Tag der Betrüger mit gilt gefülltem Beutel die Stadt verließ; er brauchte nicht eiiunal zu fliehen, denn niemand versuchte ihn zu halten.
* Hagebutten und Vogelkirschen(Eberefchen- beeren) für Marmeladezwecke. Sowohl Hagebutten als auch Dogelkirfchen (Ebereschenbeeren) finden seitens der Marmeladefabriken Verwendung. Angebote an die Fabriken vermittelt die Kriegsgesellschaft für Obstkonserven und Marn,eladen, Berlin, Koch- straße 6 / 7 , auch wenn es sich um kleinere Mengen handelt.
Charade.
Nimm ein Gewichtlein — 'S ist veraltet schon — Und füge dazu noch ein Flächemnaß.
So hieß ein Kaiser, der eilist auf dem Thron Des römischen Reich« vor Jahrhunderten faß. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer Toledo, Torpedo.
Schrütleituna: Fr. R. Zenz. — Zwillinasrnnddrnck und Verlas der Brnbl'fchen Universitäts-Buck-- nnd Steindruckerei. R. Lanae. Gießen.


