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„Was sagen Sie bloß bo^u?" Quietschte er. „Der Doktor stößt auf einen norwegischen BägcMrnden, der ihm etwas von einer vulkanischen Insel vorerzählt und deren ungefähre Lage beschreibt. Auf keiner Karte ist die Insel za finden, aber der Doktor glaubt an die Geschichte und läßt mich aufs Geratewohl Kurs dahin nehmen. Und wahrhaftig ! Da liegt das Ding! Der Strolch hat nicht gelogen! Jetzt bin ich bloß neugierig, was da noch 'rauskommt!"
„Geben wir vor Anker oder kreuzen wir?"
Kapitän Selover legte mir die Hand aus die Schulder.
„Darrow hat mich beauftragt, einen guten Ankerplatz ausfindig zu machen, an Land zu gehen, ein Lager aufzuschlagen und alles für einen mindestens einjährigen Aufenthalt einzurichten."
Fassungslos starrten wir einander an.
„Nette Aussicht!" stöhnte ich. „Hoffentlich läßt sich noch etwas dagegen tun."
Im zunehmenden Tageslicht näherten wir uns schnell der Insel, deren Ufer sich als äußerst schroff erwiesen. Die Hügel neigten sich sanft bis zu etwa hundert Fuß Höhe über dem Wasserspiegel, stürzten dann aber jäh ab. Wo sie endeten, zog sich um beit Küstenrand eine phantastisch ausgezackte Felskante, die an jene Papierborten erinnerte, mit denen unsere Mütter die Bretter in der Speisekammer zu verzieren pflegten. Hoch spritzte der weiße Gischt der Brandung an den Klippen empor, unzählige Scharen von Seevögeln schwirrten in der Luft, und auf den Abhängen hockten Tausende von Raben. Mit unfern Gläsern entdeckten wir außerhalb des Brandungsringes Köpfe von Seehunden, die nach Fischen tauchten, und einen Seegrasgürtel. Als wir bis auf ungefähr eine Meile an die Insel herangekommen waren, hielten wir auf die Westseite zu, um eine scharf heraus springen de Felsspitze zu vermeiden, und bekamen gleich darauf einen breiten Strand zu Gesicht.
Ich erhielt den Befehl, in einem Brandungsboot einen geeigneten Landungs- und Ankerplatz ausfindig zu machen. Die Dünung ging hoch. Doch trotzdem wir überall umherruderten, fanden wir anfangs keine Stelle, an der wir später die gesamten Efsekten des Doktors hätten landen können. Das Schiff zwar würde einen ganz guten Ankerplatz finden, denn die einzige nach der See zu offene Stelle der Insel wurde durch ein langes Riff geschützt. Die Brandung aber war überall sehr stark. Der Wind spritzte die Schaumflocken bis zu Uns zurück. Und das Donnern der Wogen war so laut, daß wir uns im Boote nur drurch Schreien verständlich machen konnten.
„Das Boot ging' wohl durch die Brandung zu bringen, aber keine Ladung," kreischte Thrackles.
Derselben Meinung war ich auch. Langsam ruderten wir außerhalb der Brecher parallel der Küste weiter, als wir urplötzlich «ine Bucht gewahrten. Noch eine Minute früher hatte sich meinen Blicken nur die steile, gleichmäßige Wand etner Klippe gezeigt, in der nächsten fiel mein Auge auf eine etwa fünfzig Faden tiefe und zehn Faden breite Bucht, an deren Ende sich ein sandiger Strand befand. Ich schrie vor Ueberraschung laut aus, und meine Leute waren ebenso erstaunt wie ich. Scharf aufpassend, machten wir ein paar Ruderschläge rückwärts: da plötzlich verschwand an einem bestimmten Punkte die Bucht und jede Spur ihrer Einfahrt' nur weil wir von ihrer Existenz wußten, konnten wir die Stelle erkennen, wo die Linie des Festlandes in die Umrisse der Klippen überging. Die Täuschung war vollkommen
ruderten in das stille Wasser, das nur lei! flüsternd an die Kiesel des schmalen Strandes schlug, vo dem ern gangbarer Weg auf die Spitze der Klippe und vo dort wieder auf den Sand hiimbführte. Lllles war geradez ideal. Das Wasser schimmerte in einem schönen, lichte Grim wre halbdurchsichtiges Glas. Aus der verschwommene Tiefe winkte und wallte es herauf mit unbeschreiblichc Anmut, lange, fedrige Meeresgewächse tauchten empor uv verschwanden wieder. Plötzlich wurde das Wasser flach No. em flüchtiger Blick auf emsig dahinschießende und blit schnell wendende Fiscbchen, auf gelben Sand und irgev etwas Farbenleuchtendes — dann kiiirschte der Kiel m seres Bootes auf dem Kies.
Eilig sprangen wir an den Strand. Ich ließ die Leut fthr gegen ihren Willen, zurück und stieg einen natürliche zu einer hohen Düne hinan, auf welcher das Blase des Passats deutlich m spüren war, und hinter der sich ei Niedriger Hügel erhob.
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Ich schritt bis an die Kante der Klippe, an deren Fuß die Wogen sich dvimernd brachen. Tiefe Spalten zogeir sich bis zunt Wasserspiegel hinab, und mit der Spitze in einer derselben vergraben lag ein anscheinend erst kürzlich gescheitertes Wrack, dessen Heck allerdings schon zertrünrmert war.
Den Namen „Goldenes Horn" koimte ich noch erkennen und war höchlichst erstaunt, es hier an dieser unbekannten -Insel vorzufinden. Bon meinem Standorte aus vernrochte ich die Küste mit den aufspritzenden, schäumendeil Wogen« den Klippen und dem Wall grüner, mit Gras und Kakteen bewachsener Hügel weit zu überblicken. Ein schroff emporragendes Vorgebirge sperrte die Aussicht nach Norden, seitwärts zeigte sich ein fruchtbarerer und bewaldeterer Landstrich. Den Himmel verhüllte ein vulkanischer Rauchschleier, den auch die rote Sonne nur dann zu durchdriugen vermochte, wenn ihn der Wind ab und zu ein wenig verjagte.
Da es hier nichts mehr zu sehen gab, kehrte ich um, ging am Fuß des Hügels entlang und zum Strande hinab.
Die zurücktretenden Hügel umschlossen hier einen weiten Halbkreis, dessen Fläche trocken und mit dichtem, hartem Grase bedeckt war. Aus einer Art Canon auf der Landseite floß ein Bach heraus, dessen mehr als lauwarmes Wasser stark nach Schwefel roch und schmeckte. Ein wenig näher an der Klippe sprang eine kalte, klare Quelle aus dem Felsen, die mir einen erfiischenden Trunk spendete. ?lls ich mich von den Knien erhob, bemerkte ich ein Tier, das vom Kamm des Hügels ailf mich herunteräugte, jedoch blitzschnell verschwand, ehe ich noch erkennen konnte, was es war.
Während ich am Strande entlang schritt, sah ich, daß die schäumenden Brecher blutrote Pflanzen mit sich führten und das Wasser stellenweise rubinfarben schimmerte. Zahllose Seehunde jenseits der Brandung beobachteten mich. In dem durchsichtigen Wogenschwall sah ich sie spielen, springen, sich auf die Höhe des Wellenberges emporschwingen, bis er zusammenbrach und sie unter sich begrub. Tief atmete ich den salzigen Duft des Seetangs cm: mir gefiel es hier sehr gut.
Bei unserer Rückkehr an Bord fanden wir Doktor Scher- merhorn und Darrow höck)st ungeduldig und bereit, an Land zu gehen. Nachdem ich Bericht erstattet hatte, filhren sie ab und nahmen reichlich Proviant mit, da sie erst wieder bei Anbruch der Nacht zurück sein wollten. Inzwischen sollten wir an einer geeigneten Stelle ein großes Zelt aufschlagen und die persönlichen sowie die wissenschaftlichen Effekten des Doktors hinüberschaffen. Wir waren damit gerade fertig geworden, da langten auch die beiden mit zerrissenen Kleidern und schmutzigen Stiefeln wieder an.
„Alles in Ordnung!" sagte Darrow zu Kapitän Selover. „Wir haben gefunden, was wir brauchen!"
Am nächsten Morgen erteilte mir der Kapitän folgenden Auftrag:
„Nehmen Sie zwei Leute und gehen Sie unter Darrows Führung an Land!"
Dieser ordnete an, daß jeder von uns'genug .Kleidungsstücke für eine Woche und eine Axt sowie einen Block*) und Flaschenzug mitnehmen sollten, worauf wir unser Bündel schnürten, ins Boot stiegen und an Land ruderten. Dort übernahnr Darrow die Führung.
Der Weg ging über die Grasfläche in die Mündung der engen Schlucht und längs des Schlvefelbach.es landeinwärts Das ganze Gelände war stark zerklüftet. Meistens marschierten wir zwischen senkrechten, ungefähr vierzig Fuß hohen Lehmwanden, die hier und dort von kleineren Nebenschluchten derselben Art unterbrochen wurden. Hier hätte niemand die steilen Wände bis zum Oberlande emporklettern können Der Boden des Hauptarroyo war flach und mit dichtem Gestrüpp und starken: Graswuchs bedeckt, die ihre anßer- ordeutliche Ueppigkeit wohl dem Schwefelgehalt des Bodens verdankten. Der Bach selbst, der, je lveiter wir vordrangen desto wärmer und dessen Schwefelgeruch immer aufdringlicher wurde, schlangelte sich gemächlich diirch das allmählich breiter werdende Bett, lieber uns sahen loir den Himmel und die scharfe Kante der Schlucht, und auf unserem Wege bemerkte ich auch Darrows und Doktor Schenirerhorns Fußspuren von: Tage vorher.
Nachdem wir etwa eine Meile der Weg nach und nach bis zum empor, und wir gelangten in ein gebenes Hochtal.
*) Ter Kloben eines Flaschen zügA
(Fortsetzung folgt.)
zurückgelegt batten, stieg Niveau der Seitenwändej kleines, von Hügeln um-


