Ausgabe 
9.8.1916
 
Einzelbild herunterladen

394

W

Seine Stimme betani den fc^narreuben Kasernenhofton den er so oft von den jüngsten, sonst väterlich belächelten Leutnants in der Heimatkaserne gehört hatte.

Mein Herr ich mache Sie darauf aufmerksam!, daß Sie sich hier im Bannkreise der deutschen Militärober­hoheit befinden." (

Den Doktor Darragon rührte das offenbar wenig. Jedenfalls nickte er ganz behaglich.

Diese Erkenntnis war mir schon gekommen, noch bevor ich daS Vergnügen Ihrer Bekanntschaft hatte."

Frechheit!" . . . dachte der. Oberstabsarzt; aber die Schlagfertigkeit des kleinen dicken Mannes imponierte ihm doch. Sowas konnte er leiden; sowas war nach seinem Ge­schmack.

Trotzdem keine Schwäche verraten!

So werden Sie sich auch darüber klar sein, daß ich unter Umständen die Machjt besitze, Sie anl Verlassen des Schlosses St. Chamant und an der Rückkehr nach Paris zu hindern?!"

Selbstverständlich haben Sie diese Macht. Und ich wäre Ihnen sogar verpflichtet, wenn Sie in meinem und Ihrem Interesse einen Vorwand fänden, der mir die Möglichkeit gibt, meinen Aufenthalt auf St. Chamant über die nächsten Wochen auszudehnen."

Das war schon wieder etwas, was der Deutsche nicht verstand. Er gab als gänzlich ungeeignet, den imili- tärischen Ton aus und bemerkte zweifelnd:

Aber Verehrtester dazu brauchen Sie mich doch Nicht? Wchm Sie gern ^ein paar Wochen hier, bleibe^ möchten, so bitten Sie doch einfach die Marquise um ihre- Zustimmung und Erlaubnis."

Die Marquise?"

Na versteht sich doch arn Rande. Sie hat doch! darüber zu entscheiden."

Aber ich kenne ja die Marquise von St. Chamant raum. Ich Hab in meinem Leben noch keine zwanzig Worte mit ihr gewechselt. Ich Hab sie doch erst heut früh' überhaupt keniien gelernt."

Der Oberstabsarzt riß die Augen auf. Das war ein ganz sonderbares Gewächs.

Entschuldigen Sie mal soweit ich nlich entsinnen tanu, haben Sie doch gestern an dem Begräbnis teil- genomnlcn."

Das habe ich auch."

und Daraufhin nahm ich natürlich an, daß Sie irgend­ein naher Verwandter des Hauses seien."

Ich bin von nichts weiter entfernt, als ein Naher Ver­wandter der Marquise zu sein, mein Herr."

Aber zum Donnerwetter entschuldigen Sie viel­mals . ich meine was suchen Sie denn da eigentlich hier auf dem schloß?"

Jetzt hätte ich einen sehr triftigen Grund seit dieser Szene an der Rasenbank. Vorher fehlte mir dieser Grund."

Sie Und demnach gewissermaßen um nichts und wie­der nichts hergekommen?"

Treffender Kirnte ich es selbst nicht charakterisieren, mcni Herr." '

bunun" Unilbe bcm * Än0en Oberstabsarzt die Sache zu

Er entschied kurzerhand:

Jetzt müssen Sie mitkommen."

Wohin denn?"

"4" dem maßgebenden Herrn hier auf St. Chamant." Wer tft denn das ?"

Eine deutsche Exzellenz, Verehrtester."

Und was soll ich bei dem Herrn?"

Ihm dieselben Geschichten wiederholen, mit denen Sn nur hier eben den Kopf ramdösig gemacht haben "

... Im ersten Augenblick schien es, als hätte der kleine dicke Doktor Darragon doch schwere Bedenken gegen diese neue drohend auftauchende Bekanntschaft. Dann aber fügte N s'ch. und begleitete den Oberstabsarzt willig. Vielleicht, daß ihni letzten Endes diese Wendung der Angelegenheit nicht einmal unangenehm war.

So kam es, daß der lange Oberstabsarzt fünf Minuter spater mit seinem ansgegriffenen Erbfeind das Ordonnanz. Vorzimmer des Kavalierhauses betrat.

Der Rittmeister Brünnow saß an seinem Schrmlckisck und war gerade damit beschäftigt.' die seit den letzten Smndln

eingelaufenen Rapporte der Ordonnanzoffiziere für seinen Chef zusamnienzustellen.

Einigermaßen verblüfft zog er die Brauen hoch, als die beiden der lange dünne Laban und der kurze dicke Pariser sein Zimmer betraten und als der Oberstabsarzt verlangte, bei Seiner Exzellenz dem kommandierenden Gene­ral von Lüssow 'sofort gemeldet zu werden.

Was haben Sie denn schon wieder auf der Pfanne, Sie Beinsäger?"

Eine fabelhaft wichtige Geschichte, Brünnow. Ich bin gerade dabei, eine hochpolitische Affäre zu entwirren."

Der Rittmeister lachte.

Und dazu müssen Sie ausgerechnet Exzellenz stören?" Ausgerechnet. Denn die Verantwortung ist zu schwer, als daß ich es wagte, sie allein auf meine jungfräulichen Schultern zu nehmen."

Dieser ernsthaften Begründung war der bayerische schwere Reiter nicht gewachsen. Seufzend erhob er sich aus seinem bequemen Armstuhl.

Na, dann man rein ins Vergnügen."

Er klopfte an die Tür des Nebenzimmers, verschwand und kam nach einer halben Minute wieder heraus, machte die Tür einladend weit auf:

Exzellenz läßt bitten."

Und dann stand der Oberstabsarzt Dr. Hartmann mit seinem rätselhaften Sorgenkind vor dem Oberbefehlshaber der XI. Armee.

a hohe Herr saß hinter einem durch seitwärts heran­gestellte wische riesenhaft vergrößerten Schreibtisch, dessen Platte mit einem Wust von Papieren bedeckt war. Bis an die Oyren stand das Tischtelephon in Akten und Meldezetteln und Reliefkarten vergrabeil.

Seine Exzellenz sah kurz und scharf auf, als der Ober­stabsarzt militärisch knapp die Hacken zusammenschlug und der Doktor Darragon sich leicht verneigte.

Daiin gab der Oberstabsarzt einen kurzen Bericht und es begann ein Frage- und Antwortspiel zwischen Seiner Exzellenz und dem Pariser, dem der Doktor Hart- mami stumm uird interessiert lutb sogqr ein wenig schaden­froh zuhorte. -

Denn der General von Lüssow brachte es ebensowenig fertig, dein Doktor Darragon die letzten Geheimnisse ab- zufrageii, wie das feinem Oberstabsarzt gelungen war.

Obwohl der Herr von Lüssow sicherlich iiicht wußte, was zueijt beginnen, obwohl die Ordonnanzen und Adjutanten andauernd neues Material brachten, das der sofortigen eili­gen Bearbeitung harrte ... so fand er doch Zeit und Muße, mit dein interessanten geheimnisvollen Pariser Herrn ein­gehend zu konferieren.

Aber auch ihm glückte es nicht, den Doktor Darraqon aus seiner Reserve herausznlocken.

Schließlich riß ihm die Geduld.

Aber mein Herr, machen Sie sich gefälligst klar gne verlangen von nur die Nennung eines Vormundes, der o^lauftges werteres Bleiben auf St. Chamant begrün­det und sichert. Selbst wenn ich diesen Borwand fände/selbst .in^^M^blegenheit hatteii, Ihren hiesigen Aufenthalt um Auszudehnen . . . vergessen Sie nicht, daß ^hee Bewegungsfreiheit dann nur eine sehr gehemnrie wäre " immerhin."

..Ich stelle ausdrücklich fest. Herr Doktor Darragon J ei 9 e I lcn Erklärungen nicht von der

Frau Märguife zum Besuch des Schlosses aufgefordert wordeiu Wir haben vorläufig auch kein Jüteresse daran, Sie äuru^ujalten. Sie haben in dieser Minute noch die Möglichkeit, St. Chamant frei und ungehindert zu verlassen und nach Pari» zuruckzukehren. Von dem Augenblick an, w» durch meine Vermittlung Ihr weiterer Aufenthalt auf St nt schert Ware, hatten Sie diese Möglichkeitich.

gütig?Zermittlu?.g/^E°^ Und bitte trotzdem um Ihre

Vorhabens^ Wt ^ 3 ^ ttg

Nicht endgültig, Exzellenz., sondern nur vorläufig." bcstimntte P^fon?"^ H'-rbleibens richtet sich gegen eine Ja; Exzellenz."

(Fortsetzung folgt.)