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Privatbibliothek enthielt, den näheren Kunden einen alten Druck des Volksbuchs von Faust, den ein Antiquar ihm zur Ansicht geschickt hatte und den er für unbekannt, in den Bibliogrjaphieen jedenfalls noch nicht beschrieben hielt. Artern und Grete hatten am Kamin des Vorderzimmers Platz genommen; der Graf präsentierte Grete eine Papy rus und steckte sich! dann selbst seine Zigarre an.

Ich frage nicht erst um Erlaubnis," sagte er,ich Weiß, daß die Ginäjdige in höchsteigener Person nach dem Diner oder Souper einem havannesischen Opferbrande nicht Abgeneigt sind. Darf ich mich zu Ihnen fetzen?" '

Wenn Sie artia sind, ja," erwiderte Grete;das sind Sie freilich feiten. Und wenn Sie wieder irgend etwas an fnu- auszusetzen haben sollten, so sagen Sie es gleich und in rnappster Fassung. Auf Längere Entgegnungen lasse ich Mich nicht ein."

Artern ließ sich dem jungen Mädchen gegenüber nieder Und schaute ihr lächelnd in das hübsche Gesicht.

** (Fortsetzung folgt.)

Die Tote.

Eine Komödiantennovelle von Paul Ernst.

(Nachdruck verboten.)

Wenn in Frankreich der König stirbt, so ruft der Herold vom Schlosse herunter:Der König! ist Lot, es lebe der König." Der Konrg ist unsterblich, mag der zufällige Träger der Krone auch, wie jeder Mensch, dein Irdischen seinen Zoll zahlen.

Zu. den vielen Aehulichkeiteu, die der Komödiant mit dem- n>.g hat, gehört auch die, daß er gleich ihn: unsterblich ist. Silvie, du reizende, kindliche, unschuldige Silvie ist gestern gestorben; heute steht sic schon wieder auf der Bühne, in all ihrem Reiz, ihrer Un- ZciMld und Kindlich.e.t. WenJümmert est wie sie früher I;üeßi, ehe sie &.unt Theater kam, wie die Silvie, die gestern gestorben ist, früher ihi- laus sie beide überhaupt je eine Zeit in ihrem Leben hatten, Mo u_c mcht beim Theater warm, wo sie nicht Silvie lsteßen. Ja, sind sie denn überhaupt zwei verschiedene Mädchen? Die Ludwige und Heinriche in Frankreich unterscheidet Niau durch Zahlen, die man hinter ihren Namen hängt; aber man spricht nie von einer Süvie der vierzehnten und fünfzehnten, man spricht immer nur von Silvien: die neunzig-jäl-rigen Greste und die Jünglüige und wenn die Jünglinge von heute neunzigjährige Greise sein werden, dann wird immer noch die sechzehnjährige Silvie das Häutchen auf das'Herz legen.

, Die Probe ist beendet, es ist niemand inehr auf der Bühne wie Süvie, der Rechter und der junge Offizier, der Silvien liebt.

Der Duhter ist nicht mehr ganz jmrg; schon sind einzelne graue Haare m lcutcui Bart imb Hausühaare zu sehen, zeigen sich an dm Augenwinkeln kleine, feine Runzeln. Mer sein Blick ist E) umg seine Bewegungen, sein Lachenund cuich sein Weinen, sein Glauben mrd Hoffen; das sagt er selber. Silvie, die sechzehn­jährige Süvie sagt von ihm:Das ist eben der Reiz bei ihm; so e ! u Manu ist er, der so viel weiß, mw dabei ist er wie

ein Kind.

Der Dichter sagte: Dort hängt ein altes rostiges Blech an

ernem Bindfaden; daneben liegt ein abgebrochener Spazierstock £T*jL. blc Donnermaschine. Für einen Soldo Cobophonium liefert Blitze für zehir Vorstellungen. Jener Stnrzbach, der wild von Felsen herabschaumt, ist aus zerknittertem Silberpapier ge­macht. lind was sind unsere Gefühle, die Gefühle der Komödianten? Wenn ein rostiges Blech und eine Prise Colophonium ein Ge- witter erzengh was ist dann die Leidenschaft eines Künstlers?"

.^vüblickt verlegen dm jungen Offizier an: sie hat noch nie über so etwas nachgedacht: aber sre laßt wenigstens ihre reizenden Fiißchen rn den ausgeschnittenen Lackschuhen auf seinen rind- ^.Stiefeln spielen. Der^Offizier bürstet sich mit seiner Tnschmbürste den Schnurrbart hoch und erwidert:Ich war 8ld- üutant bei dem großen Helden, der die Schlacht bei Nördlingen hat Ww ste begann, da stand er vom Tisch miß wischte sich dm Bart uiid sagte:Noch nicht einmal die Morgmsupipe lassen einen die Kerle in Riche fresse,,." Silvie lachte, vblvohl ihr Ä Znsa.nme, - Dang nzcht klar wurde.

Der Dichter fuhr fort: Ich bin älter, Kinder, wie ihr beide Msamwen. Wenn rch «rf mein Leben zmückblicke. bann kann ich schon «ne schone Strecke sehen. Was ist mir geblieben? Ich habe !!Ä gesessen, mit cher, die mir gestern gestorben

ist. Mir fefen mcht gesprochen: fie war ein gutes Mädchen. Wes­halb hrer saßen, tveiß ich nicht. Wer das habe ich

mm in der Ennnernna> als ob das das Wichtigste in meinem Lchen gewesen wäre. Morgen wird man sie mm begraben: ich 8t f : ° fer ift **' °ls ob sie niU

MW wischie sich die Augen wnd sagte: ..Sie hat mir all« L?Jlech-r v-kmq^ Z war ein ganzL Kvffer ^ll. mch se Sachen. Dieses Koshlin. das ich hatte trage, ist

Ter Dichter sah sie Prüfend an, dann sprach er:Ja, ich erkenne das Kleid. Dieses Band, das über dem Herzen zu einer Schleife geschlungen ist, habe ich ihr geschenkt. Sie hatte sich das Kleid selber genäht, dann sagte sie mir:9Iun ist Alles fertig, nur em rotes Bändchen fehlt noch, das kommt aeraSe über dem Herzen zu sitzen, das sollst du mir schenken." Ich hätte ihr ja gern em ganzes Kleid geschenkt, denn sie war ein gutes Mädchen, aber ich hatte doch kein Geld; das Bändchen konnte ich ihr kaufen, dv, nun trägst du das Kleid mit dem Bändchen!"

5 c. beim immer geschwiegen, wenn Ihr beisammm

'^dct? fragte Silvie.Wir andern haben oft über Euch gelacht."

Nein,^zuweilen erzählte sie auch und fragte," erwiderte der x/'^ ie m * rCaroline liebt dich", oder ancf>

*'s? * cmRV*** ^urwer nach dir umgeseheii". Sie Lachte imnrer, ledes Mädchen war m mich verliebt. Ich lachte dann und sprach: v^ch bln nicht zum Verlieben. Ich bin immer allein gewesen."

Silvie. blickte still in ihren Schoß.

Wahrhaftig," fuhr der Dichter zu ihr gewendet fort,ich glaube, wenn sich wirklich einmal eine in mich verliebte, ich merkte cs gar nicht!"

1 glaube auch," sagte ernsthast Silvie; der iunge Offizier

lachtesie warf ihm einen Blick zu, der ihn erstaunte.

. der Dichter,ist es denn so wichtig, ob wir nun

m der Wirklichkeit etwas erleben oder nicht? Was hat Dein Feld- herr erlebt, als er die Schlacht gewann, wäs erlebt der Sckxu^ pwlcr der Mellercht reden Monat eine neue Liebesgeschichte aus- Z^E^e Nichts erlebt. Aber nun erinnere ich mich, wie ich hier mit Silvrcn saß, die nun tot ist: alle Schauspieler waren fottgegangen wie letzt; wir waren ganz allein; ich saß aus diesem ^tnhl, ,ie ans dem Bänkchen mir zu Füßen; sie hatte den Arm aus Niem Knie gestutzt ,vielte mit dem roten Bändchen, das ich ihr geschenkt hatte. Silvie hatte so ein schönes Lachen, lvcnn wir zu- sainmcn saßen; sonst hatte sie es nicht; auf der Mihne wäre es reizend gewesen Einmal weiß ich, lachte sie so, daß sie sich zicketzt mit beiden Händen die Augen zuhielt; dann ließ sie einen kleinen ^palt zwpchen den, Fingern uiib sah mich so schelmisch an, daß ich bei Mir dachte, ich nwchte sie eigentlich küssen. Aber ich habe cs denii doai nicht, getan; ich hätte sie erschreckt; sie hatte ja keine Ahnung, daß ich ,olche Gedanken bei ihr hatte. Ja, das ist UuN alles gewesen und nun ist sie tot. Ilnd ist das nun nicht so, als ob ste mich geliebt hätte, nick) ich sie?"

Lilvie schwieg imb der Offizier war merkwürdig verlegen. Er wstchte an einem Flecken, den er ans seinem Aermel hatte.

,,^ch bin nun über fünfzig Jahre alt," strln der Dichter fort. v-.ch lehe, wie das Leben vorüberfließt. Du bist nun jung, Silvie; ach. lvie maiiches Madcheii habe ich gesehen, jmig lvie du ulid schön und anmutig wre du: dann war es mißniutig geworden oder gleich­gültig; und wieder lvar ein junges Mädchen an der alten Stelle Heuer zuirleden und anmutig. Auch Silvie ist ja nun tot; und iiun b-.,t du und,ivo vorgestern noch Silvie saß, da sitzest du, und du trägst dasstlbe Klerd, imb mein rotes Bändchen, das ich ihr ge,chenkt, l)ast du über dem Herzen. Die Menschen, welche innner zu lein an stch denken, sehen das ja nicht. Aber Silvie sab cs auch. L-ebr merkwürdig ist das alles."

Ter Dichter verabschiedete sich von den beiden und ging. Und wahrend er aus der Straße weitcrschritt, dachte er. in welchem Irrtum dochchie Menschen befangen sind, welche glauben zu leben, wenn sie blop erleben;, und er dachte bei sich:Wie reich ist doch mein Leben, denn ich sehe, doch alles, was rim mich vorgeht, und sehe es genau, weil ich nie beteiligt bin."

Ter junge Offizier sagte zu Silvien:Der Arme, das Leben wird immer an ihm wrbeigehen. Er sielst nichts. Er hat ja nicht gesehen, daß du tote Süvie ihn geliebt hat."

Solch ein Mensch ist er, daß Silvie ihn so geliebt hat, daß r ^^kte.'so ist Silvie durch ihn geworden," e-i'widcrte

nachdenklich das Mädchen.

Er schob scherzend seinen Arm um ihre Taille und sagte: waln?"° n ü)tl träumen lassen, wir leben, wir beide, nicht

Sie schüttelte sich leicht, nahm seine Hand und legte sie fort; dann sagte ste:Laß mich, auch ich liebe ihn."

vilder aus demLaouuois".

Wir haben einen Laufgraben, der zu unserer Stellring führt, dessen eigen nmlicher Nmne mich nach seinem Ursprung forschen ließ.Chemin res Lames".- Bor meinen Augen steht die Zeit Lurwigs des XV. ^und Ludwigs des XIV, die Glanzzeit des Hofes von Bersackles. Bove Ehäteau, von Ludwig dein XV. >uicbcr auf- gebmit, gehörte unter der Regierung Ludwigs des XVI.. der Gräfin und nachmaligen Herzogin von Narbonnc-Uara einer Hosdauie der Schivest-er des Königs, der Prinzessin Marie-Melaide von vrankreich. In schönen Somniertagen Herrschte hier reges Leben .Nrt großem Gefolge sind die alten Tanten des .Königs gekommen und die sonst stille Gegeich haUt wieder vyn dem Jubel der Besucher T^e Tage vei-briugt die Jugend auf der Jagd und die Wende stillen Tan- und -Konivdie aus Haben sie doch eine eigene Schauspiele geselstchast mltgebr-ackst. Oder aber ste lststirmndeln azst bm Chemw ^?ules, einem Mg, der emenS für sie angeleat ist und von dein L ange gardren über b*e Höheir nach Hurtebise und von bi cn#