das Schloß zu führt, und ich Verstehe, ba& sie iit Entzücken geraten über den Ausblick -ans die liebtick>en Täler weit nach dein Süden zu und nordwärts, mo ihr Blick das hochgelegene Laon auf seinem Kalfsteinfelsen trifft, dessen Kathedrale ihre Türme in den rosigen ?lbendhinlmel schickt. Und ich höre die Stimme zierlicher Rokoko- dämchen von Liebesabenteuern flüstern und ihr süßes Lacken durch den Albend girren.

Einschlagende Granaten rufen mich in die Gegenwart zurück und der alte Chenlin des Danres muß es sich gefallen lassen, datz der Eiscnhaget de.^ Nachkommen jener lnstigen^Gesellschaft tag­täglich seinen Boden mehr aufreißt. Das Schloß n-ar schon früher der Revolution zum Opfer gefallen.

C'est la gilerre. Das ist -die Entschuldigung der schüver heim- gesuchten Bevölkerung für alles Unglück des Krieges und sie lvartet ergeben auf den Tag, der ihnen den heißersehirten Frieden bringen soll. _ Hugo Lotz.

Vermischtes.

* K i t ch e n e r s P a r l a in e n t 3 a n g st. In den seitenlangen Erinnerungen an Kitchener, die seit Tagen die englischen Blätter füllen, findet sich eine scharf gesehene und bezeichnende Schilderung von der Feder eines Mitarbeiters desDaily Ehronicle", in der ausgeführt wird, ivie Kitchener bis in die allerletzte Zeit eine starke Scheil vor dem Verkehr mit Diplomaten an den Tag legte. Der Mann, der feit'bet frühesten Jugend als Soldat ans verschiedenen Erdteilen wirkte, fühlte sich iu der großstädtischen Enge von London und unter denr Druck der steiseu diplomatischen Gesellschaft ule- in als wohl, weswegen er in der englischen Hauptstadt trotz aller Verehrung stets als eine Artwilder Mann" betrachtet wurde. Kitchener wurde' höchst selten im Parlament gesehen. So viel man sich erinnert, erschien er überhaupt niemals im Unterhaus und im Oberhaus ließ er sich nur blicken, wenn sein Erscheinen unumgänglich notwendig war, z. B. wenn er über den Krieg oder sonst eine militärische Angelegenheit zu sprechen hatte. Seine Reden zeichneten sich durch Kürze aus uud konnten keine rhetorische Kunstfertigkeit aufiveisen. Oeffeutlich zu svrechen war für ihn stets eine drückend empfundene Qual, und er bereitete sich in solchen Fällen stets so vor, daß ein sorgsam schriftlich ausgeführtes Manuskript ihm zur Hand war, um ihn vor Entgleisungen oder Stockungen zu bewahren. Einer der ältesten englischen Parla­mentsbräuche läßt das Ablesen von Redeu als verabschemmgs- würdig erscheinen, aber Kitchener hielt sich nicht an dieses Her­kommen, sondern las alle seine Bemerkungen von dem mitgebrachten Manuskript ab. Wenn er vor dem Rednerpult erschien, setzte er zuerst sorgsam eine Brille aus, dann entfaltete er ohne Rücksicht auf die parlamentarische Sitte das großmächtige Munuskript und la? es so schnell herunter, daß die Lords, die an ein weniger eiliges Tempo gewöhnt lind, ihm nur schwer folgen konnten und nicht ge­rade sehr erbaut waren. Sowie Kitchener seine Aufgabe im Par­lament erledigt hatte, machte er ein befreites und glückliches Ge­sicht, und er eilte so schnell wie nur irgend möglich aus dem Hause, iu dessen Luft er niemals völlig unbefangen und frei zu atmen vermochte."

'Die Mär von General To w n sch e n ds Helden­töchtern Durch die französischen Zeitungen ging bei dem Fall von Kut-el-Amara die rührende Geschichte von den beiden Töchtern des Generals Townshend. Rot und Entbehrung hatten die beiden jungen Mädchen in der eingeschlossenen Festung mitertragen, und als es zur Uebergabe von Kut-el-Amara kam und die türkischen Sieger den Generalstöchtern freies Geleit in die Heimat anboten, da wiesen diese die Ritterlichkeit deS Feindes zurück und erbaten und erhielten die Erlaubnis, ihrem Vater nach Konstantinopsl zu folgen und ihm in der Gefangenschaft Trost und Stütze zu sein. Diese herrliche Geschichte gab besonders demTemps" Gelegenheit zu einem Loblied der heldenhaften englischen Frau im besonderen und im allgemeinen. Nun aber sieht sich derTemps* durch eine ziemlich grobe Berichtigung aus dem Leserkreise gezwungen, zu­zugeben, daß diese Geschichte ebenso schön wie falsch war. Aie phantastische Romantik, die die Gestalt der beiden Töchter des Generals umkleidete, wird durch die nüchterne Tatsache erheblich abgeschwächt, daß General Townshend überhaupt nur eine Tochter bat und daß diese eine Tochter weder in Kut-el-Amara noch in Konstantinopel gewesen ist, sondern sich in Paris aufhält.

* F i s ch n e st e r a n s d e m F e st l a n d e. Es gibt nicht nur Fische, die auf verhältnismäßig großen Strecken über Land zu wandern vermögen, wie cs z. B. im Frühjahr die Aale tun, um die nächste Wasserscheide zu erreichen, sondern man sagt auch den Meeresbewohnern nach, daß es unter ihnen besondere Arten gibt, die an der Küste selbst Nester verfertigen. Solche Fischnester auf dem Lande beobachtete, wie dieUmschau" erwähnt, der englische Forscher F. I. Jackson in Südafrika. Es handelt sich um den so­genannten afrikanischen Lungenfisch (?rotopterv3 ethiopicus), dessen Nester von dem Forscher in einem mit Gras bewachsenen Fleck gefunden wurdeik. Diese 50 Ztm. tiefen Nester hatten eine runde Form und euren Durchmesser von 1 Meter. Ringsum waren sie von einem kleinen Wall von Schlamm umgeben, der mehr als 10 Ztm. breit war und ungefähr 2K Ztm. über das Wasserniveau emporragle. Die Oberfläche dieses Schlammringes war mit großer

Sorgfalt geglättet, und man nimmt an, daß die Lungensische den Schlamm im Maul zu den Nestern befördern und ihn mit ihrem aalähnlichen Schwanzende glatt streichen.

vüchertlsch.

Türkische Frauen. Ihr Leben im Harem und im Spiegel türkischer Erzählungen. Unter diesem Titel veröffentlicht B ey O g hlu im Delphin-Verlag, München ein-interessantes Buch über Leben und Lebensumstände der türkischen Frau, über Dinge also, über die man bei uns noch vollkonnnen im Unklaren ist (Preis geh. Mk. 1.80, geb. Mk. 2.80). Der Verfasser ist ein be­kannter Orientkenner, der nicht nur die Führerinnen der türkischen Frauenbeivegung, sondern auch die türkische Gesellschaft durchaus kennt. _ Den Schluß des Bandes bilden einige Erzählungen der be­kanntesten türkischen Dichter der Gegenwart, der Hussein Dschahid, Haltd Sia, Mehmed Reust u. a., die alle sich mit der Psychologie der türkischen Frauen beschäftigen.

- Nargileh. Türkische Skizzen und Novellen. Unter diesem Titel erschien eben im Delphin-Verlag, München, ein schmucker, kleiner Band (kart. Mk. 1.40, geb. 2.30) von Major Franz Karl Endres, der bekanntlich drei Jahre lang in verantwortlichsten Generalstabsstellen in der Türkei Dienste leistete. Was der Ver­fasser bartn in seiner herzerquickenden und temperamentoollen Art erzählt, das vermittelt dem Leser allgemach ein sehr lebendiges, eindringliches und mit tausend Farben und Begebenheiten erfülltes Bild von Land und Leuteii im türkischen Orient.

- Ein Bilderbuch über die Türkei mit 215 aus­

erlesenen, wahrhaft mustergültigen photographischen Abbildungen von Land und Leuten ist eben im Delphin-Verlag München zu dem billigen Preise von 2 Mark erschienen. Das Buch, dessen Widmung Kronprinz Rupprecht von Bayern angenommen hat, ist herausgegeben von Franz C. Endres, Kaiserl. ottomanischec Major. Es will in erster Linie durch die Fülle seiner Bilder eine lebendige Anschauung von dem Lande vermitteln, mit dem sich da? allgemeine deutsche Interesse jetzt so eingehend beschäftigt, von dem Lande, das ganz naturgemäß uns noch fremd ist und doch nicht fremd bleiben soll. In prächtiger abwechslungsreicher Bilderfolge ziehen da an uns vorüber: Städle und Straßenbilder von Kon« stcmtinopel, Jerusalem, Damaskus, 'Aleppo, Bagdad und anderen großen Städten und Ortschaften.- wundervolle Landschailsbilder aus der Umgebung Konstantinopels, vom Bosporus, den Meeres­küsten, dem Taurus, aus Armenien, Kurdistan und dem heiligen Lande, vom Suezkanal, Südarabien, Mesopotamien bis zu den Gebieten des Schatt°el-Arab mit seiner schon völlig tropischen Flora und den märchenhaft schönen Palmcnhamev Dann Bilder aus dem Volksleben, den Arbeits- und Vergnügungsstätten, Typen der verschiedenen Völkerschaften, Darstellungen aus der Tier- und Pflanzenwelt. Der sachkundige einleitende Text, welcher den großen Stoff fesselnd und übersichtlich behandelt, fuhrt in das Ver­ständnis des türkischen Orients ein. Wir erfahren alles Wesent- liche über die geographische Einteilung des Landes, über die politi­schen und völkischen Verhältnisse, über Jilstiziveseii, Schiiliveseii, Sprache, Religion und Sitte, über Literatiir und Kunst, dann über das Wirtschaftsleben, die Bodenschätze des Landes, über Industrie und Handel. _

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Kreis

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer. Nadel, Nagel, Angel, Algen.

Schriftleituna: Aug. Goek. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei. R. Lange, Gieken.