Die arme Prinzessin.

Ötomau von Fedor von Zobeltitz.

(Nachdnlck verboten.'»

(Fortsetzung.)

Ob-eik fragte Jost »rach der Schwester.Da-? Getollter zieht weiter, -es ist keine Gefahr mehr," sagte er.Den wundervollen St. Julien schenken wir dem Jägerwirt, und sonst bleibt ruis nichts mehr guut Geniesten übrig. Also radeli? wir wieder fröhlich von dan.ll.en. Wo ist Anuemie?"

Sie trat soeben ein, blaß mtb ein wenig verstört.5)ede, ich habe es mit der Sorge bekommen," begann sie.Ich ängstige lnich doch. Wenn die Knigge den Streich erfährt! Darm lveiß es. auch die Prinzessin, und sicher, sie schreibt's deinen Eltern nach Darmstadt."

Ach All-nacht," stöhnte die Komteß verängstigt.

Mir ist so bange," fuhr Annemarie fort.Ich möchre, ich wünschte, ich will... Weißt du, wgs wir inaaT>en? Wir fahren nach Berlin zurück und nehmen den Nachtzug nach Gotternegg. Daun haben wir die Wahrheit '.nieder ans den Damln gebracht."

Ach ja," sagte die Komteß.

Jost, räsonnierte. Er sprach von Angsthasen, von eitler schmählich unterbrocheneil Partie, von schnödem Imstich­lassen: aber Velten lvar anderer Meinung.Wir milffeu den Wunsch Annemaries respektieren," sagte er,ich war sowieso »licht ' recht für die verschleierte Wahrheit. Die Damen fcab nach Gotternegg beurlaubt; ich schlage vor, wir begleiten sie itub legen die letzte Strecke ans dem Rade zurück."

Aber unsere Koffer'" klagte die Komteß.

Und meine Eltern!" ries Eva

Es gibt Telegraphen und Postbeamte, meine Damen. Vorläufig lassen Sie »lns die Wiederkehr der Sonne be nützen llnd nach der nächsteil Station radeln. Weitere Gut- schlösse planen wir nliterwegs_"

Die Räder lvnrden vor die Tür geführt, der Wirt staild mißmutig daneben: die eine Flasche St. Julielch für sechs Gäste imponierte ihm nicht. Annemarie zögerte einen Mo­ment, als sie an der Gaststube vorüberschritt. Drinnen stöhnte wieder das Orchestrion, Helles Gelächter erscholl, ein paar Stinlmell riefen Bravo: dann klang das Klirren eines zerbrechenden Glases. Ein flackerndes Not lief über die Mangel! Annemaries. Sie trat ins Freie.

Warum hast bu es nur so ans einmal mit der Angst be­kommen?" fragte sie Hede Berkuhu leise.

Die Prinzeß zuckte init den Schultern.Ich lveiß nicht," antwortete sie, mir ist so bange..."

11. Kapitel.

Die Fortsetzung dessen: lvas ein Kuß vermag.

Der Herzog hatte seinen eigenen Wagen nach Gottern- eoa geschickt, um Velten holen *n lassen. Es lvar noch immer

dieDigestions-Karrete" mit der tedergepolsterteik, in. Gur- tell hältgen.den Sitzbank, und Bozenhardt, der Vokabel- klltscher, fuhr. Er war schweigsamer geworden, der Alte, lind sah grimmiger aus denn je, nlld es dauerte lange, ehe er unterwegs aufzutauen begaim uird die Fragen Veltens eingehender beantlvortete. Er lvar nicht rrrehr zufrieden rnit seinem Herrn. Früher lvar er nicht nur der herzogliche Leibkutscher gewes. sondern auch, der einzige Diener tut Schlosse zu Dombacv. Mer seit der Herzog zu kränkeln begonnen hatte, lvar ihm allf Wunsch des Erbprinzen ein Kam inerd jener zur Seite gegeben lvorden, der zugleich ge­prüfter Krankenwärter war. Das machte Bozeichardt wütend.Herr Velten," sagte er,dieser Mann ist ein V6uwn8 piger. Er scharwenzelt um Seine Dlkrchlaucht herum, aber er tut. nichts tun. Er sagt, er massiere den tz>errn, reibe ihn ab, gebe ihm: Knieduschen und betreibe schwed- ländisch? Heilgrimnastik mit ihm. Das ist allens Munkpitz. Er ist eilt asmus, er ist ein schlechter Kerl. Früher wenn Durchlaucht mal ihren Anfall hatten, ging ich zur alten Böttschcrn, die kochte ihm ihren Kräutertee, und das Hali immer. Und wenn der Herr sein Reißen hatte, kam ich mit Arnika und Opodeldok und habe ihn tüchtig ein gerieben Und das Katzenfell bremf gelegt, und dann dauerte es noch 'n paar Tage, und dann war's weg. Maunigmal auch nicht, aber meistelks. Jetzt hat der fremde Mensch alle möglicheil lleuen Manieren ein geführt uub wiegt ihn täglich und Paßt cruf, was er ißt, und' lvas er alles nachsieht, es ist nicht zu sagen uub dabei wird unser Herr alle Tage kläglicher, und ich kann mich nicht nral getrauen, mit ihm zu sprechen. Neulicb habe ich mir nur mal ertaubt, ihm zu sagen: Durchlaucht sehen so grün ans" da hat er mich ' a\\U geschnauzt und geschrien:We,ln du so viel Eisen fressen mußt wie ich, läilfst du auch grün an!" Rw sag' ich gar nichts mehrst ich seh' ihn ja a»lch kaum nach: ex 68t..."

Und dann hieb Bozenhardt lvütend ans seine Pferde ein, nlld Belten spürte all dem fröhlichen Rütteln, das; er aus der Digestions-Karrete saß, die jede Unebenheit des Weges uub jede Wurzel, die über die Landstraße kroch, dem Insassen des Wagens auf gesunde Weise fühlbar machte.

Der alte Herzog erwartete Belten bereits unter der Veranda des Schlosses. Er saß da in einem Lehnstuhl, in seiner urewigen Lodenjoppe, aber die Beine mit Decken um wickelt, den Rübezahlbart noch länger berabivallend als früher und das schwarze Schnnrrbärtchen aus der Oberlippe wie sollst gefärbt und anfgespitzt: doch das Gesicht grau um­schattet und elend, und auch wirklich etwas lvie einen grün lichen Bronzeton du den schweren Tränensäcken unter den Augen.

,,'n Tag, Herr von Velten," ries er bem rasch die Verandatreppe Hinaufspringenden entgegen,entschuldigen Sie, daß ich Ihnen nicht entgegenkomme, aber ich hab's in den Pfoten Neuralgie sagt mein Kammersritze, der alle Weisheit Salomonis geschluckt hat es wird indes lvohl eine aesunde Wassersucht sein... 'n Tag. lieber Belten ich freu'