mich von Herzen, daß ich Sie mal wieder sehe, ich .freu' mich aufrichtig . . er wandte sich zu denl hinter ihm stehenden, immer höchst besorgt ausschauenden Diener Sie können verduften ich habe mit dein Herrn allein zu verhandeln halt nein die Mamsell soll für Früh­stück sorgeu und von der Zeltinger Auslese . .

Durchlaucht, Vergebung," sagte der Kammerdiener ein­sallend,darf ich Durchlaucht gleich einen Teller Viranim bereiten lassen?"

,,Schicken Sie mir 'rauf, was Sie wollen, Mann Gottes ich gehe unter Ihrer Pflege ja doch bald vor die Hunde. . . nee, sein Sie wieder gut, Sie sind ein Pracht­mensch und eine brave Seele aber ge'hn Sie mir bloß aus den Augen, ich kann Ihr erbarmungswürdiges Gesichte nicht mehr sehen! . . . Vellen, nehmen Sie mir mal die Decken von den Beinen; ich möchte die linke Schere gern ein bißchen ausstrecken, und der Mensch hat mich eingewickelt, daß ich wie eine Granate in einer Panzerplatte stecke. So ich danke . . . und nun setzen Sie sich mir gegenüber, lieber Freund, und wenn der Wein konrmt, trinken Sie feste ich für meine Person darf höchstens noch an den: Proppen riechen . .

Vellen sagte ein freundliches Wort von der Hoffnung ans Besserung, aber Herrfurth wehrte energisch ab.Gibt's nicht mehr, Velten das Oes geht zu Ende die Maschine wird langsam stillesteh'n! Ich Hab' ja auch lange genug gelebt. Ich habe mit dem lieben Gott meinen Frieden- ge­macht und auch mit den Menschen. Bloß dem Bozenhardt, dein hätt' ich noch gern einmal eins über den Buckel gezogen und ihn ein paar Seiten aus dein Terricinium lernen lassen, der Kerl sauft wieder, seit ich nicht mehr mit dem Knüppel hinter ihm stehe! . . . Velten, ich habe ganz zufällig gehört, daß ihr allsamt in Gotternegg seid"

Wollten uns auch dieser Tage erlauben, bei Euer Durchlaucht vorznsprechen"

Schon gut das könnt ihr immer noch... nun hat mich gestern aber auch ein andrer Besuch heimgesucht, ein weniger erfreulicher, ist gottlob gleich wieder abgerntscht, aber... Kennen Sie den jungen Fürsten Bura-eddin?"

Velten dachte zunächst an ^ denKaukasier", wie der Herzog seinen Schwiegersohn scherzend zu nennen pflegte, entsaun sich aber, daß er auch dessen jüngeren Bruder gelegentlich der Hochzeit des Fürsten Bolko flüchtig kennen gelernt hatte.

Der Alte nickte.Nun also," sagte er,der war hier­zwischen zwei Schnellzügen. Und was wusste er? Um die Hand der Prinzessin Annemarie anhalten!..."

Velten fuhr vor Staunen fast von seinem Platze empor. Er fühlte auch, wie alles Blut plötzlich aus seinen Wangen wich. Er fühlte einen krampfartigen Druck in seinem Innern, als presse eine Eisenfaust sein Herz zusammen.

Fürst Bura-eddin?" stammelte er tonlos.

Ja!" schrie der Herzog lebhaft,jawohl Fii.rst Nikolaus Gawrilowitsch Fürst Kola! Sagt, er habe die Annemarie hie und dort in Berlin geseh'n habe sich toahnsinnig in sie verliebt und hoffe zum Donnerwetter aus Gegenliebe!"

Auf Gegenliebe," erwiderte Velten mechanisch. Jetzt formte sich in seinein Gedächtnis die Erinnerung an den - bildschönen kaukasischen Fürsten, der mit feinen 'samtenen Augen die Frauen so frech zu mustern wußte; er sah ihn deutlich vor sich - wie er bei der Trauung Bolkos in der Schloßkapelle stand und sein Blick die Gestalt Lilians gleich, smn ui heißer Kosung umfaßte.... Und er hoffte auf Gegenliebe bei Annemarie, so hatte er dein Herzog ge­sagt. Also mußte sich schon etwas wie eine Einigung zwi­schen den beiden vorbereiten.... Velten begriff das nicht- Nichts nichts im Wesen Annemaries schien ihm darauf hin zuweisen.

Der Diener brachte das Frühstück. Herrfurth ließ sich die Flasche geben und musterte das Etikett.

.>zst recht," knurrte er. Dann schickte er den Diener wieder von der Veranda und wandte sich an Velten zurück. Na also, Velten was sagen Sie dazu?"

Der Angeredete zuckte mit den Schultern; er schwieg.

, e ü l 5 ^lUttwrt ist auch eine Antwort," sagte Herr- filrth.>;ch verstehe dies Achselzucken. Sie meinen, Anne­marie sei noch zu jung. Gewiß. Aber schließlich - das ist j r öie Hauptsache. Die Hauptsache ist, daß der Kola eüiverdammtiaer Lump ist, dein ich das Mädel nicht <rw vertrauen möchte!" 7

Wieder schaute Velten betroffen auf. Mo auch das noch!

Der Herzog schleuderte die letzte Decke von seinen Füßen iind reckte die Arme.Belten unter uns. Ms sich vor einer Reihe von Jahren meine Tochter in Karlsbad in beit Fürsten Jazik verliebte, war ich anfangs auch gegen diese Ehe. Es wimmelt in Rußland von Fürsten aller Art, die nicht int Gothaer stehen; man weiß nie so recht, was sie eigentlich sirch, n*o sie Herkommen und ob ihr Fürstentum nicht im Monde liegt. Mit den Bura-eddins verhielt es sich freilich anders; ich habe natürlich meine Erkiurdigungen eingezogen. Das ist kaukasischer Uradel ein bißchen wild und ein bißchen dunkel aber es hat doch alles seine Richtigkeit. Jazik stand damals bei den Gardekosaken iind nahm beit Abschied, um seine Güter zu bewirtschasten. Es ist ein Prachtkerl dagegen ist gar nichts zu sagen und meine Tochter kann glücklich fein, daß sie ihn gekriegt hat. Aber dieser Kola! Ich weiß Bescheid Jazik selbst hat mir über ihn reinen Wein eingeschenkt. Ein Wüstling, ein Verschwender, ein Lüderjähn! Schon zweimal stand er auf der Kippe, schlankweg aus dem Dienst gefenstert zu werden; nur sein guter Name hat ihn immer noch gerettet. Und dem soll ich mein Mündel geben? Halten Sie es denn für mög­lich, Velten, daß Annemarie den Menschen wirklich liebt?"

Velten atmete schwer ans. Abermals wußte er keine andere Antwort als ein stummes Achselzucken.

Ich habe Kola vorläufig auf Wartezeit gestellt," fuhr der Herzog fort,habe ihm gesagt, ich müsse erst die Prinzeß sondieren. Aber ich kann es nicht; ich bin ein alter Bär, ich gehe zu täppisch vor ich könnte dem Mädel grob konnnen ich verstehe mich nicht aus solche Missionen. Hub da Hab' ich denn an Sie gedacht."

Belten erschrak.Verzeihung, Durchlaucht," jagte er, ich, will nicht widersprechen aber würde. Prinz Jost nicht ein besserer Unterhändler sein?..."

Nein. Jost ist zu weich. Wenn Anuemie ein paar Tranchen vergießt, wird er mitheulen. Nein, Belten, Sie rnüssen das Kind vornehmen! Sagen Sie ihr, wie ich denke sagen Sie ihr, daß der Kola ein infamer Strick! ist, daß sie mordsunglücklich mit dem Menscheu werden würde, daß sie sich die dumme Geschichte aus dem Kopf schlagen soll."

Und, Durchlaucht wenn sie wider Erwarten er­klären sollte, daß sie nicht von ihm lassen will?"

Dann... lieber Velten, ich bin nur der Vormund. Gewiß, auch als solcher könnte ich einfach nein sagen; das juridische Recht ich dazu, aber auch das moralische? Kanu sich nicht alles anders gestalten? Kann sich der Kola nicht bessern? Kann die Ehe schließlich nicht ebenso glücklich werden wie die Jaziks? Es ist schon so mancher leichtsinnige Hund ein recht solider Ehekrüppel geworden... möglich ist alles. Aber vorläufig glaube ich nicht an eine so tolle Ver­liebtheit Aniiemaries ich glaube vielmehr, sie wird ans ein ruhiges und verständiges Wort Horen um so mehr, als ich sie ua also als ich sie durchaus nicht gerade! für sehr temperamentvoll halte. Aber barin irrt mau leicht. Jedenfalls, lieber Velten nicht währ, Sie erweisen mir die Liebe und sprechen mit ihr?"

Velten verbeugte sich zusagend. Der Herzog nickte zu­frieden; es war ihm sichtlich angenehm, daß er sich nicht selber mit dieser heiklen Angelegenheit zu befassen brauchte. Sein leidender Zustand hatte ihn verdrießlich gemacht; auch seine geistige Elastizität war nicht mehr die frühere: es war ein langsamer Krüsteverfall, der bei dem hohen Alter des Herzogs sicher nicht inehr zu heben war.

Obwohl Veltens Gedanken sich ausschließlich mit seinem Austrage'beschäftigten, versuchte er doch, um den alten Herrn zu zerstreuen, dem Gespräche eine andere Wendung: zu geben und fragte nach den, Befinden des Grafen Harro Herrfurth.

(Fortsetzung folgt.)

Sur Verwertung der Obsternte.

Eine Aufgabe für b i c Gemeinden.

oen Tageszeitungen wurde Mitte Mai die erfreuliche Nach- M verbreitet, daß auf Veranlassung des preußischen Landwirtz- schaftsimnisterrums eine eigene Zentralstelle für Ge m ü s e » ,B«lm crnchtet wqrdcn solle, die für eine ans-

gleichende BerteLmg der Gemüse- und Obstvorräte der eüizelimr Gegenden tnt Deutschen Reich, für BcrarbÄtimg von Gcniüse zu