eins vorneyme Tochter hat, Wierde aus ißm auch ein vor- neunter Manu. Durchlaucht, es hat sich alles verkehrt Die Mühle steht noch und oas Wehr, an dem ich Sie einst- mals überraschte, als Sie die Füße in das Wasser baumeln ließen und sich mit der Grete Geschichten erzählten, die mir noch heute wie Märchen aus der Kinderzeit im Ohre klingen. Aber das alte Haus ist niedergerissen worden und man hat eine Art Schloß erbaut mit geschweiften Türen und wahnwitzigen Erkern und da, wo der Holzplatz lag, unten am See, ist ein Park angelegt worden, und in den Ställen stehen weiß Gott Reit- und Wagenpferde und Equi­pagen aller Art in der Remise. Liebe Durchlaucht, es ist wehmütig, aber wahr: man hat mir meine Heimat neu an- getuscht, man hat ihr ihren Zauber genommen..."

Manches von dem, was Otto erzählte, wußte Annemarie jbereits; die Balsour hatte es ihr berichtet, auch Grete selbst ich er dies und das geschrieben, zur Zeit, da der Briefwechsel zwischen der: Mädchen noch reger gewesen war. Aber daß im Gebiete der Burgmühle so tiefgreisende Veränderungen statt- geftmden hatten, war ihr dennoch neu, und sie begriff sehr wohl, daß dieser rasche Uebergang aus der von der Poesie der Erinnerung verklärten Behaglichkeit des Alten tu die neue Pracht die Stimmung Ottos beeinflussen konnte.

Ja, sie begriff das, obwohl sie wußte, daß Otto alles andere war als einStimmungsmensch" in landläufiger Bedeutung des Worts. Er war eher eine ziemlich reale Natur, der auch die Wallungen seines Gemüts zu tempe­rieren verstand und sich von kleinen Sentimentalitäten nicht so leicht fortreißen ließ. Aber >er hing an der Heimat Und besaß auch noch etwas von dem Bauernstolze, der in dem Ueberkommenen eine Art .Heiligtum sieht, er liebte die Heimat um so mehr, als sein Beruf ihn fern von ihr hielt Und zugleich ergrimmte ihn der Hochmutsdünkel Gretes, der kurzer Hand mit dem Vergangenen brach, um bequemer emporsteiaen zu können. Annemarie hatte Otto nie ganz aus den Augen verloren; sie sahen sich von Zeit zu Zeit, auch hatte sie einmal in irgend einem Blatte gelesen, daß er zweiter Assistent bei der neu begründeten hygienischen Versuchsstation geworden sei oder doch diese Stellung in

Aussicht habe. "Aber' seine' Msstchchcht^^eressterte' sie seine Persönlichkeit. Er begann äußerlich seinem

Luiger alS

Vater ähnlich zu werden, war sehr groß lind auch breit­schultrig geworden und ging twe der Burgnckller stets glatt rasiert. Wer das Derbe in den Zügen des Uten war h,er vergeistigt und gab dem Gesicht dm Eindruck charakter­voller Energie. Otto war kein Jüngling mehr, er erschien schon ganz als Mann, und ein stattlicher Mann war er dm der englische Radelanzug gilt kleidete.Besser als der Frack/' sagte sich Annemarie,es ist merkwürdig, wie famos ae- w°ch°n der Otto ist Wüßte man nicht, wer er ist, man könnte glauben, er Ware em Graf und Legationssekretär bei irgend einer Botschaft oder vielleicht ein aristokratischer e ), n Globetrotter von ältestem Adel. Er wächst

sagte sich Otto, da er Annemaries blauen neben sich wehen sah und vor sich den dunkelgrünen der Gräfin Berkühn:Die Welt demokratischer, alle Feudalität geht zum Teufel ^n^das wahrhaftig zwei Hoffräulein, die dq mit uns durch den Chausseestaub der Alltäglichkeit radeln? Ist das ein

und der mit dem Professoren^ tochterchen lacht und schäkert, als sei sie seinesgleichen? Und

glücklicher Zufall hier nicht in die Ketten und

Elagen^hat?""-und der Zeremoniensäuglingstheorie Er grübelte nicht weiter, er fragte nickt mebr-

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Berkuhn entwickelte einen gesegneten Appetit; ihre weißerl Zähne bissen wacker in die Brötchen hinein, ihre Augeü! lachten, ihr ganzes Gesicht lachte.O Annemie!" rief sie,eH ist wie rn der Schulzeit! Als hätten wir Ferien oder machten eine heimliche Dummheit! Es ist herrlich! . . ."

Wundervoll," antwortete Annemarie strahlend und stibitzte Jost eine Schinkenscheibe, steckte sie in den Mund und sprach kauend weiter:Ich frage mich, wozu leben wir eigentlich? was sind wir, du, Hede, und ich? und was blüht uns in künftigen Zeiten? Wir haben eine Herrin, die reizend ist, und eine Oberhofmeisterin, die nicht mit Unrecht der Drachen heißt, und zwischen beiden steht der Tagesdienst. Gefällt dir derDienst"?"

Nein," erwiderte die Komteß, die sehr mutig geworden war rm Glück des freien Tages,es ist eine greuliche Schin­derei. Immer auf dem qui vive, immer auf der Lauer, hier?- hm und dorthin befohlen zu werden, immer lächeln müssen^ immer höherer Domestik. Zum Auswachsen ist es!"

Nicht so despektierlich, Komteß!" rief Jost lachend, und' das Prmzeßchen fügte hinzu:Ach, Hede, du du klage ^ U9e wird es dauern und du heiratest und ziehst dich auf deine Güter zurück oder führst an der Seite! demes Herrn Gemahls ein rauschendes'Gesellschaftsleben. Aber ich armer Käber werde Zeitlebens in der Schlinge dev Abhängigkeit zappeln wie der Krammetsvogel im Dohnen?» stieg auch wenn ich avanciere und Oberhofmeisterin ge- bin und derDrache" der jüngereii Hofdamen, eiy Schicksal, vor dem mich schon heute so graust, daß ich gerne einen kleinen Schluck Kognak trinken möchte. . . ."

,Verzeihung," saate Velten, und wenn ich Sie auch m Ihren heiligsten Gefühlen verletze, Prinzeß aber dev Kognak ist nur für die Herren, während für die Damen iil memer fliegenden Restauration Milchkaffee bestimmt ist...

(Sr hatte als Reisemarschall für alles gesorgt und präsentierte Aiinemarre das Getränk.

Doch diese dankte.Das hätte ich nicht von Ihnen er? ^?rtet Herr von Velten," erwiderte sie, nein, geben Sw ,sich keme Mühe, mich durch ein freundliches Gesicht zu gewinnen, ^hre Milchkaffeeosserte hat mich auf das Bitterste empört. Ich war Ihnen immer eine brave Schülerin, ich war em fleißiges und folgsames Kind, ich habedes Sängers Fluch von rückwärts gelernt und damit eine erstaunliche x^rgie gezeigt und nun versagen Sie mir die erbetene Labsgl und reichen'mir statt eines Feuertrunks eine Mischung für Temperenzler! ..."

Sie wußte ihre Drolligkeiten so niedlich zu sagen, dag auch der ernste Velten lachen mußte. Er hatte sich der er­wachsenen innae.n Dame gegenüber nicht sogleich in das alte unbefangene Freundschaftsverhältnis zurückfinden können, aber Annemarie hatte seine Förmlichkeit verlacht und ihm

i!-ca 2 ?/ 1111 ® xe nIg Beschützer meiner Jugend und veH erd,gier Restaurator unserer Fürstenkrone in Demut vor M ersterben und mich nicht anders anreden wollen wie eins Parkcttherllge' dann schwöre ich Ihnen zu, daß auch Sie füi- nnch künftighin nicht mehr der alte liebe Fritz Velten sind, son- E der Freiherr von Velten, den ich Herr Baron tituliere 82 , c em tc fy ^ mc ^ e ' wenn ich ihn schon von weitem sehe. ^,?ird dann em angenebmer Verkehrston zwischen uns o% ^ und voller Schliff des Ausdrucks, ein Ton

b l * Äffo l $ tn .^ppen und aalglatter Höflichkeit--

aber schön ist anders! ..."

bUeb es also äußerlich bei der alten Vertraulichkeit zwischen Lehrer und Schülerin. Und doch war es Velten, M Esse er sich zuweilen Zwang anserlegen, den rechten Toit L Sre war nicht u,ehr das Kind, auch innerlich nicht-

es war nicht mehr der gueüfrische Frohsinn von einst aus ihr sprach, der harmlose Uebermnt: es mischte sich in ihren .Humor etwas von leiser, zweifelnder Skepsis und von überlegener Ironie. Vielleicht sag das an dem'Widerstrelk fhfp? Anschauung mit dem höfischen Komödie^

vielleicht an der bitteren Erkenntnis des tragikom8

Mschm ihrem großen Namen nn^ ihrep Armut: jedenfalls empfand Velten, daß " ' ' ' ;

. Ausdruck voller Kindlichkeit bewnhrt hatten

( Fyrts etzung folgy