Um eine Speckseite.
Wr-e lange ist es l)er, ba% durch die Zeitjungen der Ruf an die Dausfrauen erging: Füllt eure Speicher mit Rauchfleisch mrd
Dauerwurst! Damals wurden in den Dörfern die Schweine in Massen gemordet. Damals, in jener sagenhaft fernen ZÄt, kostete das Pfund Schinken 1.50 Mark und der Speck 1.00 Mark.
Auch wir hatten .Uns gut versehen. JU unserm Straßburger! Spercher, gerade dem himmelan streben den Münster gegenüber, baumelten an langen Nägeln die schönsten Thüringer Salami. Von der ^.i^ke hingen an dicken Schnüren zwei westfälische Schinken — Prachtkerle, die noch den ganzer: herben Duft des Wacholders' und der blühenden Heide auszuatmen schienen. Neben ihnen triefte der v:el gepriesene pechschwarz geräucherte Schwakzwälder Speck, der uns, so .oft wir ihn sähe::, an Höhenwanderungen, Hütten-, ahmde, harte Betten und Kirschwasser erinnerte.
All diese Herrlichkeiten ginge::, die eine nach der andern, den Weg alles Irdischen. Jetzt ist der Speicher leer, der Nachwuchs fehlt. Den sreben fetten Jahre:: sind die sieben mageren gefolgt. Keine fröhlich schaukelnden Würste, keine festen Sckünken und schwitzenden Speckseiten versperren mehr den Blick auf das Münster Fre: und Ungehindert schweift das Auge durch! die leere Fensterhöhle. Nur e:n feiner, unfaßbarer Tust nach Rauch und Fett ist zurück- gebl:eben: aber auch de:: saugt jetzt die Frühlingssonne begierig! j* u i- >v:e sorgsam gesammelten Zeitungsausschnitte über zweckmäßige Aufbewahrung von Rauchwaren sind in die Papiersammelstelle gewandert, und die Rezepte über Verwertung der Küchenabfälle schlummern in :rgend einem vergessenen Kochbuch. Tie ganze Stadt haben w:r nach Speck abgesucht, kein Metzgergeschäft, kein Teli- rateßladen wurde vergessen — das Fräulein im Kontor hatte immer dasselbe Achselzucken: „Speck, meine Dame, gibt es nicht mehr!"
Wir, hatten schon verzichtet. Ta hörten wir durch einen Freund, da» es m dem gesegneten Baden Noch bei alten Schwarzwälder Bauern Speck geben sollte. Und er nannte uns ein solches Bauern- tzaus. Ganz hoch oben lag es über blühenden Tälern, im dichten Tannenwald, zwei Stunden von einem bekannten Gasthaus. Natürlich —- man müsse es sich etwas koste:: lassen — der Aufenthalt tm ' — der Bauer sei nicht gerade zugänglich, aber der Weg zu fernem Herzen und seinen Speckseiten führe durch Zigarre kisten.und Tabakqualm. „Sie verstehen —" der Freund nickte ge- hermUrSvoll.
Ob wir verstanden! Am andern Morgen hatten wir Dtrast- mrrg verlassen Und uns für vier Tage im Gasthaus auf einer Ichwarzwaldhohe für 7 Märk den Tag eingemietet. Der erste Gang galt dem Bauernhaus. Groß und tvuchtig stand der Tännel Bauer vor, ferner Tür — gewissiennraßen als Wächter seiner Mutter-, E:er- und Schwerneschätze. Blondköpfe spielten um! ihn Wrr befteundeten uns rasch mit den Kindern, Sckwkolade und Biskuits Laten das Ihre, dem Bauer wurde eine Zigarre am geboten, und dann hreß er uns in der Stube sitzen. Wir sagten mchts vom Speck Bewahre! Slber wir sahen, wir rochen, wir fühlte:: :hn. Im Ranchfang über dem Herd hing er an schwerer —fetter, harter, duftender Schwarzwalder Speck, wie wir &iE ÜW ! 2*? ur ri n unseren Träurnen geschaut hatten. Im Ge:st sahen Ww :hn schon :n Strahburg in unsere:::' Speicher • • Erst am vrerten Tag, als der Tännel Bauer genug Tabak verqualmt Hatte, rückten w:r mit Mseren: Wunsch heraus Der Bauer Mächte allerhand Emwände; aber schließlich gab er nach und schurtt uns von der größten Speckseite 10 Pfund herunter S Schatz! Er wurde sorgsam in den Rucksack verpackt
rm Gasthaus noch zu, und dann ging es jfÖ ^n Berg hmunter. Unterwegs rechneten wir ans, daß die ?^cknns 130 Mark gewstet hatten — 25 Mark der Mark Unkosten. Immerhin ein ansehnlicher Preis' aber schlteßluh, tnirfte man :m Krieg nicht wie in: Friede:: rechnen
RE-ck ’ uac baäX ba& bet Speck im grünen!
günstiger Mendzug, den viele Touristen benutzen führt badischen Landes. Bon dort pflegte^ %n®l eFtnfd * e ^nehmen, die uns nacki! Straßburg bis vor ^sbv? Wohnung brachte. Früher fuhren mit dieser Bahn die vielen Iw!:r Jü> 1 r ? 6lT ?'. bte auf der Suche nach Eiern und Butter ins
trennte eine unerbittliche Grenz- sperre das Badische vonf Elsaßer Land, und diese Sverre soll:? si,-b glerch an der nächsten Haltestelle fühlbar Machen ^ ™
^ b^senr Angelpunkt zwischen dem rot-sveißei: u:w dem gelb!-
strenaT Beamter. In Grün gekleidet -
.77 ""lsch — unbarmberzrg. „Milch! — Butter?" Die St im nur so Mes schiittelte den Kopf. „Eier?" dasselbe! ?u^W Vernnnende Kopfschütteln. Wie waren wir gut daran
fette L ün7Ln> mtn ' Unbmi dM 3m Armlose Speck'
Jetzt kamen wir an die Reihe. Mer !vir hatten ia nichts ru
grünen Sperrbeamten die des Rucksacks durchwühlen. Nun hatte er das lange Paket ^ lwöffnet. Triumphierend hielt er es in die Höhe i Wir schickten Uns an. ihn wieder
Nähmen? Der Beamte aber zog eine Zeitung äus der Tasche —> L>r drer Tagen, während wir auf Unserer Schwarzwäldhöhe um! d:e Gunst des Tarnet Bauern warben, war ein Fleischausfuhrver- b0t .Sf IS. .erschrenen. Zerschmettert sanken wir in unsere Bänke zurück. W:e ein .Hohn erschien uns der Trost des Sperrbeamten, vatz der Speck uns vergütet werden würde. Tie Elektrische klingelte;
Führer drehte die Kurbel, und schnarrend verließ die Bahn da-
Bad:sche Land und fuhr in das Elsaß hinein — --
_ K, Schede^
Vermischtes.
* Die Lebensmittelpreise in Rußland einst uuo letzt. .Brrschewija Wjedomosti« vom 6/21. April 1916 schobt: Am Vorabend der Osterseiertage sind die Lebensmittel- preise auf unentbehrliche und gangbare Artikel bedeutend in die Hohe gegangen. Die Bevölkerung stöhnt unter der drückenden Neuerung. Die Händler, befragt, wie hoch die Ware abqeschätzt worden ist, antworten nicht selten: es gibt keine festen Preise, alles Zufall überlassen. Und in der Tat, dank dieser Theorie, oes Zufalls, :st es zu erklären, daß ein und dasselbe Produkt ein und derselben Güte in einen: Geschält zwei- bis dreimal billiger ist als :m andern. Es herrscht ein vollständiges Bachanal der Preise. Tie Produkte mit taxierten, festgelegten Preisen verschwinden un- merkttch vom Markt, statt ihrer finden sich Surrogate ein, billige und nunderwertige Ware, welche man für die Höchstpreise verkauft, d:e für bessere und wertvollere Ware festgelegt waren. Folgende Tabelle enthält die Zusanunenstellung und Gegenüberstellung der festgelegten Höchstpreise von Lebensinitteln in diesem und vorigem Jahr, — drückt aber ebenso wenig die tatsächliche Lage des Levensmittelmarktes aus, wie auch der Verkaufspreis selten nnt dem Höchstpreis übereinstimmt. Jedenfalls ist aber diese Zusammenstellung der Preise charakteristisch genug.
Benennung 1915 191 g
... bev Ware vor Ostern vor Ostern
tor pro Pfund . von 75-150 Kop. 4 Rbl.
Gedörrter Weiß-
lachs Psd. 75—120 , von 2 Rbl. bis 350 Kop.
Kaviar pro Pfund 35-90 „ 110-150
K:llos in Büchsen. 25—55 „ 90-120 '
Butter pro Pfund. 65 „ von 120 Kov an
Russischer Käse Pfd. 40-45 , 80-100
Ei-r zwet Glück . 40-45 . von 60 Kop. an
Ga»,- dar Stuck . 350-450 . von 5-8 Rbl.
Truthühner
das Paar. . . 5-6 Rbl. 9-12 Rbl.
Huhn°r .... 180-200 Kop. 350 - 550 Kop.
Rebhühner . . . SO-130 „ 180-300 .
Auerhahne jung« . 200—350 „ 4.7 Rhx/
4-6 g_ 7
150—200"Kop. 180 Kop.
40 .
45 .
30 ..
'u Ackm -°ber ein
Impften, wehrte:: uns. Es
Sp-ck gchütt Ms. I wiff Ä wIl”
. nichts. „Tier \c ihn beschlag-
Enten . 3-4 Rbl.'
Geschlachtete
Fasanen . . . 1 — 3 „
Fr. Bohnen Pfd. . 100—125 Kop.
Kartoffeln p. Maß 70 Kop.
Süßes Wurzelwerk pro Pfund 10 ,
Salzgurken
zu 10 Stück . . 15
Hammelfleisch Psd. 18 #
Geräucherter
Schinken ... 45 , «0
S^meinefleild) . . von 20-25 Kop. 35-45 Kov.
Kalbfleisch. . . . 38—45 , 80-90
Der Ostertisch erfordert noch in recht bedeutenden Mengen: Mandeln, Rvsinen, Vainlle. Snccade und Gewürze. Die Preise dieser Produkte sind nicht festgelegt und wurden gerade im letzten Monat um fünf-bis sechsmal erhöht. Sehr teuer sind auch die Eierfarben geworden redoch ist, da sehr wenig Farbstoffe vorhanden smd, ihre Qualität sehr minderwertig. Vielfach wird beklagt, daß die miter Höchstpreisen stehenden Waren vom Markt verschwinden, „^lißtoie Slovo" vom 7. April 1916 meldet: Das ÜO l l Moskau hat von dein Landwirtschaftsmiiiister die Mitteilung erhalten, daß seiner Ansichr nach die Bevölkerung Moskaus m kurzer Zeit in ihrem Fleischbedarf sichergestellt sein wird, weil erstens sehr bald im ganzen Reich miteinander ab- gestnnnite Höchstpreise für Fleisch eingeführt werden, itnb zweitens .cnigehien ©eb:cten bestehenden Ailsfllhrverbote für Vieh und Fleisch alifgehoben worden sind und dem Ankailf von Vieh in diesen Gebieten demnach kerne Hindernisse mehr im Wege stehen. . . . f u [ de«: Moskauer Viehmarkt fehlte gestern jeglicher Austrieb, und in den Laden ist kein Fleisch vorhanden.
* Die Pavlova als Filmschauspiel erin. Wie schon vor ennger Zeit aus englischen Theaterkreisen berichtet wilrde, hat sich mm auch die bekannte Tänzeliii itnb Prinra- ballerma des Kaiserlich nlssischen Balletts, Anna Pavlova, den ^bAockiNigen des alles erobernden Filnis iinterworfeii. Die Uraufführung des ersten Pavlova-Filins fand in der Londoner Phil- harniome Hall statt und erzielte nach der „SimeS - ivahre BeiMlls- ß lU i. me c» ^Lckmstoff hatte man die Handlung der bekannten Auberschen Oper .Die Stinnnie von Portiei- überno:nmen. Das Drama zeigt die Pavlova als das stunune Mädchen Fcnella aus


