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Sie fühlte das auch ohne weiteres. Es lag zudem in ihrem Wesen eine gewisse Sprödigkeit, die sie wie mit einem Unsichtbaren Panzer umgab; die sich nicht in zieriger Reserviertheit äußerte, sondern mehr in dem Srlbstoewußt- sein ihres bei aller Weiblichkeit des Empfindens doch ausgeprägt Persönlichen.
Die drei waren auch Studiengenossen, sie wären auch Arbeitsfreunde. Zwar schritt ein jeder auf seinem besonderen Wege dem Abschluß der Universitätszeit entgegen; während Velten sich als klassischer Philologe mit den Vorarbeiten einer Studie über die verlorenen Satyrdramen des Euripides beschäftigte, und Jost auf Grund eines neu entdeckten Memoirenwerks sich in die Straßburger Zeit Goethes versenkte, befaßte Eva sich angelegentlich mit Schillers Sturm- und Drangperiode und versuchte, in die Wirrnis der ersten „Räuber"-Drncke ntit ihren aus geschalteten und wieder ersetzten Bogen klärendes Lickt zu bringen. Gemeinsam aber fanden sie sich immer wieder auf dem Gebiete der historischen Bibliothekographie, diesem weiten Felde der Wissenschaft, das der unermüdliche Eifer und der Forschergeist des Professors Dziatzko gewisseren aßeil neu eröffnet hatte. Für Eva hatte der Bilderkreis der ersten deutschen Volksbücher, feine Abstammung und seine all- nüihliche Entwicklung ein besonderes Interesse, wie sich denn ihre Neigungell überhaupt mehr nach der ikonogra- phisckeu Seite hin ausdehnten. Jost dagegen führte seine Vorliebe tief in die Anfänge der Druckergeschichte hinein, und seill Grübeln galt jener geheimnisvollen Periode im Leben Gutenbergs, der Periode seines nicht nachweisbaren Aufenthalts, die den Ersinderansprüchen Hollands Gelegenheit ju allerhand phantastischen Hypothesen gab. —
Die Zeit ging weiter. Sie verging unter ernstem Tagewerk und frohen Erholungsstunderl, unter Stürmeil und Sonnenschein. Nach Gotternegg kam man nicht wieder. Aber Briefe trafen ein und meldeten dies und jenes, was das« Fceundespaar interessierte. Einmal schrieb Madame Bal- four: daheim entfalte sich ein großes Leben; stattlich halte man Hof im Schlosse und es sei ganz erstaunlich, wie die junge Fürstin zu repräsentieren und doch auch mit klarem verständigem Kopse zu schalten und walten wisse. Das „alte Haus" sei von Grmnd aus neu eingerichtet worden.: aber ev bleibe stir die Durchlauchtell Jost und Annemarie reservlert uild führe nunmehr den offiziellen Namen „Das Prlnzenhaus". So schrieb Madame Balfour. Auch sonst spurten die Frermde in Göttingen, daß über der Heimat wieder eme leitende Hand Wache hielt. Es trafen von Mt zu Zeit erfreuliche Sendungen aus Gotternegg ein: M e ? Würsten, gebratenem Geflügel und
allerlei weiterem Guten. Davei tag gewöhnlich ein Skriptum
Wv b w'Ä an r b r be§ a s }. ten kurz nur gefaßt und in
hS k ^ oxtc enthaltend: „Auf hohen Be-
hurchlauchtigsten Frau Fürstin in tiefster Unter- . Beyfuß, Fürstlich Gotterneggscher Schloßinten-
.)ant. Einmal hatte auch Graf Ariern ein paar Zeilen dar- * als und fröhlicher und weniger steif
wäldern^ank ÖU b * n Hnrzgeruch in den Tannen
wäldern auf den Höhen am Nutheufer.
den letzten Ferien dachte man an eineii aenlein- wittiätenÄ^ Rhein. Wer hie Eltern Evas bc-
% U natü"m- iÄ 3ro ? te ' nut Velten fand
Mfnr ff 3 vor, persönlich bei dem Bro-
Stnnn zu laufen Und dann statt der Rheinfahrt eine Radtm.r chuer durch das märkische Land zu unter ebmen Kr man denn nach Berlin. Am Bauhöfe e«va?tete ^ verständigte Annemarie das Trio c>ost
winkte ,h,r ans dem CoupSfenster eniaeooo- .S'
bie ^ nut r e Velten. In seinem ernsten Gesicht waren die Augen groß geworden und verwundert. War das denn e? ®nie 3ofe ftcmb hinter ihr; die Zofe war klein Weu die schlanke und elegante Gestalt der Prinzessin über es war doch Annemarie. Es war noch ibr Mmfv ^^brgesicht mit den lachenden Augen und dem
fnth 1Ö .8 l $ ntU ' 8d £ tUl ^i ’ l6er 6em zierlichen Oval der Ohren es war auch notf, ihre Helle, lustige SiinrmV, als sw
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«... I* gellte sich heraus, daß Belten sich getäuscht batte
sie nttT t0a i °'",Grafenkind, und da Belwn ^ MM Vor sichsah, erumerte er sich auch des hübscken
WnT^aL Berkuyn, die bei der f'L
tichen Ausnahme von ihm und Jost rn das weibliche Korps
Berlinia-Elisabethirla eine der Zeuginnen gewesen War* Aber die Pforten des Elisabethstifts hatten sich bereits hinter den jungen Damen geschlossen; sie waren beide zu! Hof- und Ehreudameu der Prinzessin Irene ernannt worden und wohnten in dereir Palais, einern kleineii Barockschlößchen bei Potsdain. Doch waren sie jetzt Herrinnen! ihrer Zeit, denn Prinzeß Irene weilte aus VerivandLeii-, besuch am Hofe des Zaren und hatte nur eine alte Dame d’honneur aus ihrem Gefolge mit nach St. Petersbiirg ge- nommen.
Es war ein fröhliches Wiedersehen; es iiiischte sich auch heimliche Neugier hinein. Jost hatte zuweilen von seiner Freundin Eva .geschrieben; das war Annemarie sehr komisch vorgekonimen. Jost hatte eine Freundiii: hinter dieser Tatsache schienen ihr allerhand Fragezeichen zu lauern. Sie wußte nicht recht, welcher Art; sie war größer geworden und weltklüger; sie fragte sich sogar einmal: o'alle ihr; Himmlischen, ist das etwa seine Geliebte? — Aber sie sagte sich auch, daß das unmöglich sei, denn Jost hatte inj seinen Briefen davon gesprochen, er freue sich, die Fremi- diu mit der Schwester bekannt zu machen. Nun war sie da, und Annemarie gab ihr die Hand. Annemarie verbarg ihre Neugier nicht. Sie schaute ihr forschend in die Augen, rasch nur, aber die Blicke verstanden sich. Das war keine Studentenliebste — und kräftiger drückte Annemarie die Hand der andern.
Im Wartezimmer wurde Beratung gehalten. Velten erklärte: man wolle beim Professor ©tonn Besuch machen und ihn: feine Eva zu einem Ausfluge abschmeichelu. Annemarie schüttelte den Kopf: es gäbe keinen Profe sor, der so etwas erlauben würde. Doch wußte sie Rat.
„Ich Hab's!" rief sie. „Ich gehe mit zu dem Professor, Ich fliege mit aus!"
Hierauf schlug sie mit der in weißem Glac6leder steckenden Hand auf die Tischplatte und fuhr jubelnd fort: „O Jost, o Velten, das werden ein paar himmlische Tage! Wo wollen wir hin? Es wird eine echte und rechte Studentenfahrt! ^ch lege mein Band um, das Baiid der Berlinia-Elisa- bethlna, Schwarz-Weiß finb die Farben; zwar ist die Verbindung aufgehobeii worden, aber es schadet nichts, die große Erinnerung wird wieder wach! Hede, und du---, du koinmst auch mit!..."
Sie wäre es gar zu gern, die hübsche Komteß mit dem Schelmengesicht und dem kleinen Leberfleckchen auf dein runden Kinn; aber sie fürchtete die Oberhosineisterin, der sie von ihren Eltern besonders anempfohlen worden war.
„Aiinemarie, ich möchte schon, aber ich kann nickt" antwortete sie und verzog betrübt den Muiid; „ach, ich mochte natürlich gar zu gern, urrd es ist auch wirklich nicht- dabei, zu Funfeii und unter dem Schutz der Herren — dock denke an unfern Oberdrachen, was soll ich dem saaen? Du hast es besser- du schickst einen Zettel zu ihr imd be- urlaubst dich auf drei Tage nach Gotternegg — aber ich, ach du lieber Gott, wenn die Gräfin Knigße erführe..."
hab's!" rief wiederum Prinzessüi Annemarie, und Jost fiel ein: „Annemarie, schrei niäyt so laut - es sind *2 ^eseni WarteziniNier, unb die bic $' £en - ~~ ^llner, bringen Sie so viel Sie wollen, und danii mnkreisen Sie Nicht fortwährend unfern Tisch."
wiederholte Annemarie leiser und beiiats E^A..Vo^,,Mmlich - Hede, wir schnurren beides ^k ? 0 "Uge ist keine Luge, und wernl sie doch eine ist — ich belaste damit mein Gewissen. Wir nehmen beide Nr- aub nach Gotternegg. Den kann uns die Änigge nicht vor-
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Storm schaute etiväs vPriMndert zu denr vrin«
^manoptan und allen sonstigen projektierteri
wissen; aber ich erkläre: wenn ihr Urlaub bekomm? sorge ich mit Belten dafltr. daß euch^ auf unsere Ton« niemaird etwas zuleide tut und daß ihr fteit unb «Ä ivteder in Potsdam abgeliefert w-erdü .
lFortsetzung folgt.)


