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Samstag, den 20. Nai

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Die arme Prinzessin.

vornan vov Fedor von Zobeltitz.

.(Nachdruck verboten.^

^Fortsetzung.)

An einem fröhlichen Märztage erhielt Jost eine GcLurts- vnz-eige. Sein Bruder zeigte in Schwabacher Lettern an, daß die Fürstin Lilian von einem gesunden Mädelchen glücklich genesen sei. Jost gratulierte in einen: herzlichen Briefe, in dem er indessen kein Hehl aus seinem Erstaunen machte, nur mit einer gedruckten Anzeige bedacht worden zu sein, wo er als einziaer Bruder ein Telegramm hätte erwarten können. Umgehend erfolgte die Antwort Bolkos, und zwar überaus charakteristisch. Sie war auf drei köstlichen Briefbogen ge­schrieben, Quartformat mit dem Gott-erueggschen Wappen, und nahm doch nur ein paar Dutzend Zeilen ein: Bolko hatte sich eine riesenhafte Handschrift angewöhnt, steil, mit gigantischen Buchstabet:, ohne Jrtterpunktion, aber mit vielen «Gedankenstrichen. Er schrieb unter andern::Entschuldige, inrein Junge aber es geht jetzt alles Hals über Kopf. Erstens die Geburt von Dina übrigens ein dicker Kerl mit fürchterlicher Kommandostimme aber warum kein Junge? - Zweitens war Lilian nicht ganz ohne Lebensgefahr der Hausarzt ein Esel, der Chirurg ein Heupferd, die sage- femme ein Ka«elweibchen Lilian ist dieu merci aber jetzt wieder total wohlauf. Drittens dieser entsetzliche Merger beim Negi:nent! Kennst du meiner: Rittmeister? Es ist der dicke Baron Grellrng mit der ewig verstopften linken Nasenöffnung er malträtiert mich auf eine scheu- sälige Weise, so daß ich neulich einmal sacksiedegrob geworden bin. Darauf Anzeige dein: Kommandeur darauf ein hef­tiges Intermezzo daraus Audienz beim Kriegsminister mit der Bitte um Versetzung darauf kühlschuäuzige Ab­lehnung daraus schlankweg hiugesetzt und meinen Abschied eingereicht. Was sagst Du dazu? Ich habe ihn bekommen! Bewilligt" ohne Orden, ohne Beförderung, ohne alles! Ist mir schon recht wenn die Armee durchaus dezimiert werden soll ich kann's nicht hindern. Wir siedeln in: Sommer nach Gotterucgg über ich will die Verwaltung selber übernehmen. Ich freue mich ordentlich darauf da ist man doch mal sein freier Herr und braucht nicht ewig die Faust in der Tasche zu ballen. Apropos, frage dock u:al iDeinen langen Velten, ob er nicht zu uns konnnen will. Lilian Meint, als Bibliothekar oder Archivar oder so was. . . ."

. . Willst du anuehmeu?" fragte Jost den Freund. Ich sage nichts, aber ich bitte dich: überlege reiflich. Es gibt ein glücklicheres Lebensende, als im Archiv von Gottern- egg zu versauern."

Liebster," entgegnete Velten, ,,'aU das Ende denke ich vorläufig noch nicht, wohl aber an die nächste Zukunft. Und da ist es für mich ziemlich gleichgültig, ob ich zwischen den Bückern in Gotternegg oder in irgend einer staatlichen Biblio­

thek sitze. Ich muß sogar sagen, ich würde Gotternegg vov- ziehen... vorziehen ja, denn ich habe dann doch die .Hoffnung, dich m\b die Annemarie zuweilen wiederzu­sehen ..."

Er sagte dies letzte etwas zögernd und mit eine« Weichheit im Ton, die ihm sonst fremd war. Jost siel ihm stürmisch um den Hals.Das sieht dir ähnlich!" ries er.Du denkst nie an dich selbst"

O doch," warf Velten lächelnd ein,viel zu sehr!"

Nein immer nur au uns! Auch jetzt wieder. Ich bin ein riesig unpraktischer Mensch, aber so gescheit bin ich immerhin, zu wissen, daß du in der Staatskarriere huickert- mal rascher vorwärts kommen wurdest. Du hast un^ doch schon Jahre und Jahre geopfert... urein Gott, Fritz, toas hast du an uns?"

Die Jugend," antwortcle Velten.Ich selbst habe keine gehabt. Und noch mehr: die Familie. Ich habe immer allein gestarcken. Und was mir das meifte gilt: eine Fremckschaft, die dauern wird.... Jost, nrein Junge, laß uns nicht serUi- :ne,:tal werden. So ist es und nicht anders. Schreibe deinem fürstlichen Bruder meinen ehrerbietigsten Dank, und ich würde mir erlaubet:, aus seinen Vorschlag zurückzukonv- men, weru: unsere Studienzeit erst beendet ist. Bis dahin weiche ich nicht vor: deiner Seite und solltest du mich zur Vordertür hinausloerseu wollen, so kannst du sicher sein, daß ich zur Hintertür wieder Here itnnarschieren würde. Ich habe Aesprochen und nun mit Beschleunigung an die Büffelei, my old boy, dem: wir haben Zielet: zugesagt, uns wieder einmal auf der Kneipe zu zeigen, und in der: Geruch allzu hartnäckiger Streberei wollen 'wir nicht geraten!..."

Die Zeit ging weiter. Frack, schwarze Beinkleider und weiße Weste schlummerten saust ir: den Liefen des Kleider­schranks. Belten und Jost zogen sich gänzlich von der Ge­selligkeit zurück. Der Klatsch über die Intimität mit dev Studentin wollte nicht zur Ruhe kommet:; man tuschelte auf den: Tennisplatz und tuschelte in den Salotts. Das ärgerte den Prinzen, und Velten war es ganz recht, als jener eines Tages erklärte, Visitenpatrouilten und Jours aufgeben zu wollen. Auch Velten war anfänglich ein wenig in Sorge gewesen über den sich immer kameradschaftlicher gestalten­den Verkehr mit der niedlichen Eva. Er sagte nichts, aber er hatte seine Bedenken. Er begann die beiden nun schärfer zu beobachtet: und da wurde er allgemach ruhiger. Es tag hier in der Tat einmal der nicht häufige Fall einer aufrichtigen Freundschaft zwischen Jüngling und Mädchen vor. In ihren Augen war nichts von Begehren; ihre Wan­gen röteten sich nicht lebhafter, wem: sie einander sahen; es gab kein heimliches Sehnet: zwischen ihnen, das ihren Odem beschleunigt und ihr Herz hätte schneller klopfet: lassen. Mau war gut Freutld geworden ruck blieb es. Es war ein frohes und glückliches Mb enein ander lebe::, nick vielleicht war es gerade deshalb so haru:los, weil ihm jede Prüderie fehlte. Eva war Gast bei Jost und Belten, mrd da war ihr Schutz die natürliche Ritterlichkeit der beide«.