Zur Organisation der Zahngesundheitspflege besonders in den Schulen des «reifes Gietzen.
T\ ; Gießen, den 9. Mai 1916.
Tie Veröffentlichung des Herrn Gey. Medizinalrats Professor
f r. Sommer unter obiger Ueberschrist irr Nr. 85 der „Gießener amilienblätter" ist insofern als sehr erfreulich zu begrüßen, als dariir die Allgemeinheit auf die außerordentliche Wichtigkeit einer rationellen Zahnpflege im allgemeinen und insbesondere in den Schulen ans sozial-hygienischen Gründen von ärztlicher Seite aufmerksam gemacht wird. Ter Unterzeichnete Verein der Zahnärzte in Gießen kann aber die Ansicht des Herrn Geheimrat Sommer, daß das erstrebte Ziel auf dem von ihm in Aussicht genommenen Weg erreicht werden könne, nicht teilen, »vie auch mit der-, schieden«: Ausführungen in obigem Aufsatz nicht übereinstimmen kann. Es sei uns deshalb verstattet, in Nachstehendem aus die Bedenken, welche dem von Herrn Geheimrat Son:M«er vovge- schlagenen Projekte u. E. entgegenstehen, hinzntoeisen.
1. Es ist an sich recht dankenswert, daß Herr Geheimrat Sommer in Gemeinschaft mit den: Schularzt des leises Gießen die Begutachtung über die Art und Werfo der Regelung der Zahnpflege für die Schulkinder übernommen hat. Es wäre aber doch wohl angebracht, oder richtiger gesagt, notwendig gewesen, zu dieser Begutachtung auch einen für die hier in Betracht kommenden Fragen in erster Linie sachverständigen Zahnarzt zuzuziehen.
2. Herr Geheimrat Sommer führt in seinem Gutachten mit Recht aus, daß die 'Zähne nicht nur als Kauwerkzeuge in Betracht kommen, sondern daß sie auch für andere Funktionen, besonders! die Sprache, von Bedeutung find. Es muß hier beigefügt werden, daß die Zähne vor allem für den anatomischen Bau des Schädels und seines normalen Wachstums von weittragendster Bedeutung sind. Der Zustand der Zähne ist Nicht nur für die ganze Be-' schaffenhei tder Mundhöhle, sondern auch speziell für die Beschaffen-- heit der oberen Luftwege von großer Wichtigkeit, — ein Moment, der früher vielfach übersehen wurde (vergl. Danziger, Mißbildungen des Gaumens und ihr Zusammenhang mit Nase, Auge unS Ohr). Ein schlechter Zustand der Zähne gibt eine gute Brutstätte für spezifische Krankheitserreger ab, die von hier aus die Luftwege und! damit den G«esamtorganismus befallen können, während! andererseits durch pulpitische (nervkranke) Zähne Me direkte Infektion fcer Blut- und Lymphbähn en statt finden kann.
3. Herr Geheimrat Sommer sagt in seinem Artikel mit Recht, daß frühzeitiger Zahnverlnst eine indirekte, sagen wir sogar richtiger. auch eine direkte Störung der Verdauung (Mundverdauung) zur Folge hat. Nicht richttg ist dagegen, daß der Ersaß ans zahn- technischem Wege nur für einen beschränkten Teil der betroffenen Bevölkerung zugänglich sei. Sfrt der heiligen Zeit in der fast alle minder Bemittelte»: für sich und ihre Angehörigen Mitglieder von Kassen sind, kann vrelmehr auch diesen mit ganz geringen Kosten fraglicher Ersaß geschaffen werden, während Person«:, die der Kasse Nicht angehöre::, die Mittel besitzen, daß sie jederzeit auf ihre Kosten zahnärztliche Hilfe in Anspruch nehmen können.
4. Eine systematische Behandlung der Schulkinder, wie sie Herr Geheimrat Sommjer erstrebt, ist gewiß notwendig, sie kann aber ans dem von ihm in Aussicht genommene!: Weg nicht erreicht werden, da Herr Verfasser nur etue Schillzahnklinik in Verbindung mit einen: Universitätsinstitut in sehr beschränktem Maße schaffe!: will. Turch ein solches Institut kani: aber eine systematische zahnärztliche Behandlung nach den Grundsätzen der modernen Zahnheilkunde uniuöglich bei der außerordentlich! großen Zahl der in Betracht kommenden Kinder erreicht »verde»:.
5. Ganz recht hat der Verfasser, wem: er ans eine frühzeitige Behandlung der Schulkinder drängt. Eine solche kam: aber für Las spätere Alter nur dann von segensreichen: Einfluß sein, wenn die Kinderbehandlnng von der praktisch geschulten Hand eines er- sahrenen älteren Zahnarztes und nicht von «Studenten und jungen Assistenten ansgeübt wird. Nun ist aber der Dozent für Zahnheil- knnde an der Universität, der täglich feine Vorlesungen zu halten, der täglich einige Stunden poliklinische und daneben demonstrative und operative Tätigkeit auszuüben hat, unmöglich in der Lage, selbst auch die regelmäßige Untersuchung einiger tausend Schulkinder, verbunden mit den außerden: voi: dem Verfasser vorgesehenen Reisen, selbst vorzunehm«:. Tie Kirrder würden also von jungen Assistenten oder gar Studierenden behandelt werden, während es doch wohl nicht angäi:gig ist, die Schulkücher als Matc- r:al für die Ausbildung von noch nicht geschulten Studenten zü verwende!:.
6. Das von dem Verfasser erstrebte Ziel könnte also nur dann frrercht werden, wenn ein großes zahnärztliches Institut mit einem Direktor und einem oder mehreren Ltbteilungsvorständen errichtet würde, wie solches iit der neuen Universität Frankfurt eingerichtet Ut und wie ein solches mit Rücksicht aus die für oas zahnärztliche Studrmn bestehende Prüfungsordimna (Dreiteilung des Nnterricklls) auch »mbedmgt crrichitet werden Müßte. Ei»: solches Institut tvill ^er der Verfasser .Nach seinen Ausführungen offenbar nicht. Die vm: :HM vorgesehener: Mittel würde»: dazu auch nicht entfernt ausreichen.
Wenn der Verfasser des Artikels glaubt, daß durch die Schaffung eines zahnärztlichen Insttttrts des von ihm geplanten Umfangs der Landesumversität eine größere Anzahl vo»: Stil
benten z'ugeführt werben könnten, so dürften diese Vorstellungen ebenso illusorisch sein, :vie es ein Irrtum des Herrn Verfassers! ist, wenn er angibt, daß infolge der neuen zahnärztlichen Prüfungsordnung wegen Mangels eines Instituts an: hiesig«: Platze eine irgend nennensrverte Anzahl von Studenten weggefallen sei. Es sei hierbei darauf hingewiesen, daß auf der hiesigen Universität niemals mehr »vie zehn Studierende der Zaynyeilkunde gleichzeitig imwatrikuliert waren. , .
Daß durch die Schaffung eines zahnärztlichen Instituts :N deM geplanten Umfang und nur mit einem« Dozenten wohl kaum! irgend welche Studierende veranlaßt würden, dahier ih>re Studien zil absolvieren, mag daraus hervorgehen, daß in Würzbnrg, Freibürg, Heidelberg und Marburg, wo größere mit sehr erheblich«: Kostei: errichtete Institute mit mehreren Dozenten und reiche Lehr-- Mittel Vorhände:: sind, von München, Frankfurt a. M. (W.-S. 1915/16 13 männliche 5 weibliche Studierende der Zahn heil künde, von Rothschild'sche Sttftung Carolinum«), Berlin, Breslau, Leipzig, Kiel, München mit ihren großen Speüalktiniken ganz abgesehen- sich nur eine verhältnismäßig geringe Zahl von Studierenden der Zahnheilknnde befinden.
8. Tie von Herrn Geheimrat SomMer geplante sehr «mfachei Beschaffenheit des zahnärztlichen Instituts würde trotz, vorzüglichen Ausbans der benachbarten medizinischen Schwester gebiete den Anforderungen einer Moderne:: zahnärztliche!: Ausbildung der Studierenden absolut nicht genügen; dem: der Schwerpunkt der Ausbildung liegt nach wie vor auf spezialisttsch'-zalMärztlichem Gebiete.
Nach alledem kann das von Herrn Geheimrat Sommer erstrebte Ziel, die unbedingt notwendige gründliche Zahnpflege für alle Schulkinder herbeizuführen, durch eine Verbindung der zahnärztliche»: Untersuchung, Behandlung der Kinder mit der einfachen ©r« rtchtung eines Lehrstuhls an der Landes Universität nicht erreicht werden, indem hierzu eilt Institut von solcher Msdehunng erforderlich wäre, für welches die Mittel ii: absehbarer Zeit oder! gar jetzt während des Kriegs sicherlich nicht beschafft werden können. Notwendig wäre vielmehr die Schaffung der Stelle eures Kreis^ schulzahnarztes. in: Hauptamt ohne Privatpraxis, wre solche in! Preußen in einer Reihe von Kreisen bereits besteht.
Der Verein Gießer:er Zahnärzte E. Y.
Vermischtes.
^EineSchatzgräberexpedition. — Bon allerlei seltsamen Expeditionen im 20. Jahrhundert, u. a. einer Sckmtzgrüber- expeditton erzählt «Friedrich Otto im neuesten Band der Biblco- thekderUnterhaltungunddesiMissensl (Union, Deutsche Berlagsgesellschaft, Stuttgart): „Abertteuerreiche Expeditionen wurde:: auch in unserem Jahrhundert, deM Zeitalter der ^echmk und Aufklärung, »roch rmternomimen. So fand vor kurzer:: erst eine Sckatzgräberexpedition ihren Abschluß, die nach« einer Irrsel an der brasilianischen Miste führte. Ueber dieses Unternehmen veröffentlichte eine brasilianische Zeittlng folgende Einzelheiten: Angeblich ruhen auf der einsamen Felseninsel Trrnidade, von Seeräubern stammend, nnerMcUiche Schätze, die schon mehrfach das Ziel merkwürdiger Expedittonen waren, so 1885, 1911 und jeht wieder. Di« letzte Reise' stützte sich ans eilt in London erschienenes Buch, daS dt« Reichtümer beschrieb und auch ein altes Schriftstück enthielt, das fein Geringerer als der Piratenanführer Zulmiro selbst verfaßt haben sollte. Selbst der Merkst«::, der Angelpunkt der Erfolge, den die frülffren Schatzgräber vergeblich gefircht hatten, war i:: dem Werk abgebildet. Um Geld für das Unternehmen zu beschaffen, wurden Aktien im Betrage vo»: hundert Näark al^gegeben und dem Inhaber be: Hebung des Schatzes 150 000 Mark für den Llnt«l-i schein in Aussicht gestellt. Auf diese Weise kam das nötige Geld rasch zusammen, mtb der Dampfer , Caroline" konnte bald die Anker lickten. Ueber den Schatz selbst schreibt Hauptmann Zulmiro: „Der Schatz ist aus einer Insel namens Trinidade, 648 M«eile:r von der brasilianischen Küste entfernt, an zwei verschiedenen Stelle»: verborgen. An der ersten liegen Goldstaub, Münzen verschiedener Länder und kostbare'Steine von hohen: Werte. Diese Niederlage ist fünf Millionen »oert. Das andere Versteck ist größer, aber nicht so reich; es enthält Knnstarbeiten i»: Gold N:id Silberbarren und ist das Ergebnis jahrelanger Seeräuberei." Noch ausführlicher wird dann das reichere Versteck geschildert, allerdings schon in einem Stile, der Finem phantastische»: Märchenerzähler ans TaUseM und eine Nacht Ehre gemacht hätte. Die Schatzgräber fa:ll>en jedoch nichts als Fische, Schildkröten, Krebse, eine nuangeuehme, scharfe Brandung Und cinei: Berg bei der Insel, der angeblich wieder im Meer versank. Da die Expedition rnno 300 000 Mark kostete, so haben die Unternehmer u>enigst«:s einige Schätze aus den Taschen jener gesammelt, die nicht alle werden."
Nene Nebelsignale für die Schiffahrt. So vortrefflich die modernen Signalnuttel bei ruhigem Wetter arbeiteten, so unzureichend erwiesen sie sich, sobald ungünstige Wittcruuä etntntt mrd dichter Nebel die Sichtweite der Leucht türme herab- nttudertt Die Wissenschast hat sich denn auch zur Ausarbeittmg neuer Sigrmlvvrrichttulgen entschlösse»: und dabei vor allem die Entfache in Rechnung gezogen, daß steil in die Höhe gehende Lichtstrahlen 'unter Ulnftänden besonders gute Sichttoeite in: Nebel bellen, zumal, da dieser meist in so geringer Höhe über den: Wasser


